Geld: Fluch oder Segen?

Die Erde der Erde am Morgen. Immer wieder ein kleines Wunder. © Dr. Matthias Ripp under cc

Geld ist ein kurioses Thema. So gut wie alle streben danach, obwohl es kein Wert an sich ist, ist es doch irgendwie den Rang eines ultimativen Wertes gerutscht. „Da kann ich mir nichts für kaufen“, heißt es und wer Geld hat, der ist auch wer, sagt man.

Geld ist sozialpsychologisch ein Schmerzmittel, es dämpft den Schmerz der Ausgrenzung, wie in Es ist nicht so, wie du denkst ausgeführt. Geld macht sozial distanziert, nicht zwingend, aber oft. Geld ist auch ein Machtmittel, aber das Verhältnis der Geldmengen in gewaltigen Blasen der Finanzwirtschaft mit ihrem virtuellen und spekulativen Geld zur vom realen Gegenwerten gedeckten Geldmenge der Wirtschaft ist inzwischen so groß, dass man erwarten kann, dass die virtuellen Geldberge irreal werden und irgendwann einfach nicht mehr interessieren.

Es gibt einen anderen Weg um die Macht des Geldes zu beschneiden, indem man das, was normalerweise verkauft wird, im kleinen Bereich tauscht. Es führt, wie wir inzwischen in vielen Bereichen sehen, nicht unbedingt zu guten oder gar besseren Ergebnissen, wenn man alles mögliche der Privatwirtschaft in den Rachen schmeißt, aber genau das muss man ja auch nicht.

Wenn sich irgendwo Solidargemeinschaften zusammen finden, die sich von der Idee des Tauschs Wert gegen Wert abkoppeln, ist der Bann ebenfalls gebrochen. Erst mal nur dort und in Teilbereichen des Lebens, aber jeder kann ja frei entscheiden, wie und wo er wohnen möchte und in dem Maße, wie die Privatwirtschaft unverschämter wird und der Staat zuschaut oder seine schützende Hand darüber hält, werden Wohngemeinschaften, Kommunen, Dörfer, Stadtteile und Straßenzüge attraktiver, die anders leben wollen und es tun. Die Bereiche, in denen es besser läuft werden dann attraktiver für andere Regionen und wer eine solide Grundversorgung hin bekommt wird zum Modell für anderen Regionen. Die gute Nachricht ist, dass die Idee sich vom Tausch Wert gegen Wert abzukoppeln, zwar etwas ist, was wir uns aktuell nicht vorstellen können, weil wir denken, die Welt habe überall und immer schon so funktioniert, aber das ist vermutlich ein Trugschluss. Wie oben erwähnt, haben Entwicklungsstufen und Weltbilder zwei Seitren und die positive Seite bereits der archaischen Gesellschaft war ein grundlegendes Versorgungssystem für alle, in dem Geld eine vollkommen andere Funktion hatte, als heute.

Die neue Rolle, die Idee des Tauschs Wert gegen Wert trat womöglich erst im späten Mittelalter in Europa auf, hat seit dem aber unser Denken so radikal verändert, dass wir uns nicht mehr vorstellen können, dass menschliches Zusammenleben die längste Zeit vollkommen anders funktioniert hat, als wir heute glauben. Die Kluft zwischen arm und reich zu verringern, bleibt natürlich darüber hinaus eine weiteres Gebot, schon weil die regressiven Kräfte durch das Empfinden von Ungerechtigkeit verstärkt werden.

Irgendwie schwierig: Die Rolle des Einzelnen

Wie die äußere Welt ist auch die innere nicht homogen, sondern heterogen. Wir machen die Welt besser, wenn wir dem Rechnung tragen, statt es zu ignorieren. Aus einer unterschiedlichen Entwicklung resultieren in der Regel auch andere Bedürfnisse. Innen und Außen zu verbinden ist der eine Aspekt einer neuen Sichtweise, der andere ist, die Bedeutung des Einzelnen richtig einzuschätzen.

Vielen glauben, dass die Welt richtig gut werden würde, wenn alle das gleiche tun. Vielleicht kann man sich noch vorstellen, dass es für bestimmte Bereiche des Lebens ein Vorteil sein könnte, wenn man im Gleichschritt denkt, handelt oder fühlt. Aber da nicht alle Menschen gleich sind, wollen sie eben auch nicht alle nur funktionieren. Bevor man das jedoch von sich weist: Für die Mehrzahl der Menschen ist Anpassung durchaus der Weg zum Glück, da Unangepasstheit einfach Stress bedeutet. Da sich ‘Ich bin angepasst’ in unserer Zeit der Besonderheit nicht gut anhört, geht es überdies noch darum, dass man sich seine Vorurteile/Werte selbst aussuchen kann. Wenn man das überzeugend findet, was die meisten überzeugt, ist man freiwillig angepasst, andererseits kann man auch weiterhin behaupten frei zu sein, weil man denkt, man sei kritisch, skeptisch und dergleichen und dabei wiederholt man oft nur die Stereotype all jener, die denken, sie seien sehr frei und unabhängig. Doch auch vermeintlich kritisches Denken kann sehr konventionelle Züge annehmen, wie in Der Mainstream: Gehasst und gesucht dargestellt.

Doch hier soll es nicht um Freiheit gehen, sondern um ein besseres Leben und das kann nur heißen, dass es den Menschen gut gehen soll. Nicht jeder will sich um die Welt kümmern, allerdings macht ein nachhaltiges Leben tatsächlich glücklicher und sei es nur, weil es gerade angesagt ist und Anpassung eben doch ein gutes Gefühl ist. Das wäre ein Grund für Egoisten und mehr noch für Opportunisten, ein für alle hilfreiches Leben zu Doch angepasst will niemand sein, zumindest will kaum jemand so genannt oder skizziert werden. Die meisten Menschen sind allerdings auch bei uns so, man muss ihnen nur die Möglichkeit geben, zu denken, dass sie genau das selbst zu wollen, was alle anderen wollen. Anhand unterschiedlichster Modetrends und Statussymbole kann man sehen, dass das funktioniert und da sich Moden binnen kurzer Zeit sogar in ihr Gegenteil verkehren können, kann es auch kein Problem sein, die Zutaten und Verhaltensweise für ein nachhaltiges Leben in den Rang eines Statussymbols, gelungenen und erfolgreichen Lebens zu heben.

Wer anders als die Mehrhit ist, will und wird auch anders leben, muss dabei aber keineswegs auf Krawall gebürstet sein. Aus Prinzip gegen alles sind in der Regel eher unreife Charaktere, für die jede Art von Rücksicht auf andere eine persönliche Beleidigung ist. Aber es gibt reife, wenn auch durchaus skurrile Menschen, die einfach in ihrer Welt leben, ohne anderen zu behelligen. Häufig gibt es aber auch reife Charaktere, die das eigene Fortkommen und das der Gemeinschaft nicht als Gegensatz sehen sondern als gegenseitige Ergänzung. Aber das reicht nicht, wenn wir verstehen wollen, wie wir die Welt besser machen können.

Der echte Qualitätssprung, den wir heute brauchen, ist der Schritt aus der Gebrauchsanweisung. Vorschriften und Modetrends können hilfreich sein, aber man kann sie auch hinter sich lassen. Man braucht dazu nicht die große Geste, kein Getöse, braucht kein brüllender Revoluzzer zu sein, es reicht selber zu denken, seine Intuition zu stärken, daraus seine Schlüsse ziehen und Verantwortung für sie übernehmen. Das heißt sich selbst ernst zu nehmen und gut zu sich sein, ohne gleich in die vermeintliche Widerspruchsfalle zu tappen. Es gibt nicht den Zwang sich für die Gemeinschaft oder sich selbst zu entscheiden, für Umwelt oder Wohlstand. Es gibt keine Schwelle, die man unbegdingt überspringen muss, weil doch vorher alles was man verändert lächerlich wäre oder nichts bringt. Die einzige Schwelle ist die, die im eigenen Bewusstsein liegt und der große Sprung ist jener, der einen in die Lage versetzt, sich verstehend und flexibel auf die jeweilige Situation einzulassen. Der Sprung ins Integrale.

Gelingt der Sprung, verbindet man automatisch auch das Innen und Außen und spürt oder sieht, wo ein Platz in der Gesellschaft oder Weltgemeinschaft ist, an dem man die Welt besser machen kann. Dass es einem dabei – äußerlich und innerlich – auch selbst besser gehen sollte, ist kein Widerspruch. Der direkteste Weg Leid zu verringern, ist, dort zu beginnen, wo man den besten Zugang hat, also bei sich selbst. Wer Durst hat, muss etwas trinken, bricht er zusammen, hilft das ja auch niemandem. Komm’, wir machen die Welt besser, ist kein Aufruf zur Selbstbestrafung, sondern es auch sich selbst besser gehen zu lassen.

Man ist kein Egoist, wenn es einem gut geht, während andere leiden, man ist ein Egoist, wenn einem das Leid der anderen vollkommen egal ist. Aber auch wenn man Egoist ist, kann man das ändern. Egoismus mag provozieren, aber letztlich ist auch er eine Position des Leides und das ist heute alles gut bekannt und sogar veränderbar. Allerdings können auch Egoisten mitunter gute Argumente haben und die intellektuelle Redlichkeit gebietet es, diese zu bergen und in eine Form zu übersetzen, die als echte Kritik in den Diskurs einfließen kann. Egoisten kann man die Hand reichen, wenn sie sie nicht annehmen wollen oder können, kann man sich die Mühe sparen und es zwei oder fünf Jahre später noch mal versuchen, aber auch wenn es dafür keine starren Regeln gibt, so kann man doch ein Gefühl dafür entwickeln, was ein geeigneter Zeitpunkt wäre und aus gemachten Erfahrungen lernen, wann und wo man etwas zum Besseren wenden kann und wo nicht.

Dezentral

Ein solcher Ansatz die Welt besser zu machen, ist am Ende dezentral und stärkt das Subjekt. Derzeit erleben wir Bewegungen die sich wieder nach Zentralismus, Kollektivismus, Verboten und einem starken Führer sehnen. Die Vielfalt der Welt ist verwirrend geworden, darum fokussiert man sich auf das eine große Thema, was man als besonders wichtig ansieht. Dass es viele wichtige Themen gibt, kann noch nicht von allen verarbeitet werden, aber dennoch ist auch die Fokussierung auf Teilbereiche gut und wichtig, da jedes Ganze aus Teilen besteht, die im Detail verbessert werden können.

Man kann nicht alles und jeden integrieren wollen, aber man braucht nicht vor jenen zurückschrecken, die lieber für sich oder im kleinen Kreis bleiben möchten. Die große Party ist eben nicht das, was allen gefällt. Man kann gerade im Umfeld einer vagen Idee locker verbunden bleiben. Komm’, wir machen die Welt besser, ist eine vage Idee, breit genug, um sie auf individuelle Art und Weise umsetzen, mit genau den Mitteln, die die größte Übereinstimmung mit den eigenen Fähigkeiten und Bedürfnissen hat. Dann macht es Spaß die Welt besser zu machen, weil man im Grunde nichts anderes tut, als seinem Hobby nachzugehen. Ist man hier angekommen, so ist das der Ort an dem und die Art in der man aktuell am besten mitmachen kann. Man kann es ganz für sich tun und gleichzeitig ein gutes Werk für alle bereiten.

Parallel zum Zentralismus gibt es aktuell auch immer mehr dezentrale Bewegungen und Vernetzungen einzelner Menschen, kleiner Gruppen und Bewegungen, die sich auf ihre Weise gleichzeitig um Bewahrung und Fortschritt kümmern, ebenfalls auf ihre Art, mit ihren spezifischen Schwerpunkten und dies auch in eine rituelle Form bringen, wie das Erdfest. Ich hatte die Gelegenheit am diesjährigen Erdfest teilzunehmen, das ganz auf unsere Situation zugeschnitten war. In diesem Bewusstsein kann es geschehen und weiter gehen. Auf individuelle Bedürfnisse oder kleine Gruppen zugeschnitten, im Bewusstsein jedoch mit anderen vereint, die ebenso individuell auf ihre Art das Erdfest feiern. Da Rituale und Narrative oder Mythen ohnehin prima sind, ist auch das ein Weg Menschen einzubinden, in dem Bewusstsein niemanden zurücklassen zu müssen. Irgendwann auf diesem Weg merkt man selbst, wo im Moment der beste eigene Platz ist. Je mehr das Schicksal mitspielt, um so sicherer kann man sein. Komm’, wir machen die Welt besser.