Die Objekte der Begierde. Atemschutzmasken. © photoheuristic.info under cc

Die Welt hustet und fürchtet sich. Ja, es geht um das Coronavirus (SARS-CoV-2) und nein, es geht nicht um Tipps und Tricks der Vorsorge.

Diese finden Sie auf der Website des Robert Koch Instituts, auch zur gegenwärtigen, dynamischen Entwicklung der Virusepidemie.

Wir wollen an dieser Stelle in einer Phase einer beginnenden Ausbreitung über die konkrete Situation hinaus schauen und aufzeigen, was sich jetzt bereits über die psychologische Ebene sagen lässt, die ja beides betrachtet, das Individuum und die Gesellschaft. Wenn Sie von dem Wissen dennoch im Bezug auf die gegenwärtige Situation profitieren, so soll uns das recht sein.

Für wen sollen wir eigentlich schreiben?

Man will keine Panik schüren, andererseits aber auch niemanden in falscher Sicherheit wiegen. Das gebietet schon die Rolle des öffentlichen Schreibers, der sich ein Stück weit Gedanken über die Wirkung von Worten macht. Aber das ist nur der eine Aspekt. Darüber hinaus fragt man sich, was die unbekannte Leser wohl weiß und wissen möchte. Man will und soll nicht langweilen, weil man weiß, dass das nicht goutiert wird. Leser sind manchmal ungeduldige Wesen, der erste Blick entscheidet und klick, ist man woanders. Oft scrollt man die Überschriften durch, vielleicht noch die Kurzeinführung, dann weiß man, was es zu wissen gibt, die zwölf nächsten Informationen warten schon darauf überflogen zu werden.

Richtet man sein Augenmerk auf die Quote, hängt man sich an das, was jeder schreibt. Da man ja auch gelesen werden will, muss man eben sehr schnell sein, oder sich unterscheiden. Also ein wenig greller, krasser oder pointierter ein ‘Marktsegment’ betrachtend. Das Marktsegment sind die dann Sie, liebe Leser, die Sie vermutlich viel öfter Leserinnen sind. Psycho und Gesundheit, das verfängt nicht bei Männern. Schon das Lesen selnst ist da ja mitunter schwierig, bei einigen, kann man ja mal sagen, wir sind ja hier unter uns.

Sie, die Sie uns gezielt lesen, sind obendrein im Schnitt intelligenter. Aber anbiedern ist nicht so meine Sache und wenn, dann nicht so plump, ich halte Sie ja wirklich für intelligent, Sie merken das. Mir geht es hier um den Kontrast. Da gibt es noch die anderen, diejenigen, die zufällig vorbeikommen, an einem bestimmten Thema hängen bleiben. Wenn es um Psychologie und Gesundheit geht, ist eigene Betroffenheit oft der Grund. Die vielleicht etwas Übererregten, die verunsichert sind und sich inmitten zu vieler Informationen hier und da ein wenig Klarheit erwarten. Weil der eine dies sagt, der andere das und was die verlässliche Quelle für den einen ist, das findet der andere lächerlich und 38 Meinungen später ist man irgendwie auch nicht schlauer. Wem soll man bloß vertrauen?

Da Sie intelligent sind, sind Sie bereits gut informiert, Wiederholungen langweilen nur. Bei den anderen geht es hingegen oft um die Basics, wenn man zu viel voraussetzt, verliert und überfordert man sie und wir wollen ja auch aufklären und erklären, weil das benötigt wird. Die Übergänge zwischen beiden Lagern sind fließend, die Segmente eigentlich noch viel breiter gestreut und waren wir nicht eigentlich sowie beim Coronavirus? Dabei haben wir das Thema nie verlassen, sondern eingeführt.

Die Grenzen der Kommunikation sind erreicht

Sie sind über eine wachsende Ausdifferenzierung in der Welt erreicht. Ausdifferenzierung bezogen auf die Kommunikation heißt, was immer man an Meinungen und Ansichten sucht, man wird es finden. Alles wird bedient. Jeder platte Mist, aber auch sehr differenzierte Gedanken, man weiß, was Quote bringt oder die Wahrscheinlichkeit erhöht, in Form von Klicks und Likes, Anhängern und Followern wahrgenommen zu werden, aber auch in Form von Kommentaren in Netzwerken, die man füttern und bedienen will.

Ausdifferenzierung ist eigentlich etwas Schönes, sie schafft neue Räume, aber auch neue Wechselwirkungen und Zerbrechlichkeiten. Wechselwirkungen mit anderen Systemen, die, je nach unterlegtem Modell interagieren oder sich wechselseitig irritieren. Was kompliziert klingt, bedeutet, derzeit live und in Farbe zu besichtigen, unter anderem das: Eine moderate Infektionserkrankung schafft binnen weniger Tagen das, was sämtliche pessimistische Prognosen über die Entwicklung der Weltwirtschaft nicht vermochten. Es gibt wirtschaftlich gesehen schon seit längerem keinen Grund mehr für Optimismus. Handelskriege, unsichere politische Lage auf der Welt, gespannte Stimmungen zwischen Arm und Reich, eine aggressive Politisierung, das alles konnten Dax, Dow Jones, Nikkei und die anderen, eng verflochtenen Indizes einer globalisierten Welt nicht groß jucken, aber wenn die Welt hustet, sind ins kurzer Zeit die Gewinne eines Jahres pulverisiert. Wie es weiter geht, ist derzeit noch nicht abzusehen, vielleicht erholen sich die Börsen schnell wieder, aber wir sehen ja noch weitere Phänomene.

Messen, Sportveranstaltungen und andere Großereignisse könnten abgesagt werden, das öffentliche Leben wird zurück gefahren. Auch das kann sich sehr schnell wieder erholen oder auch noch Wochen oder Monate andauern, was zeigt, dass unsere hypermobile Kommunikationsgesellschaft, die auf Handel, Reisen, Austausch und Effizienz beruht, empfindlich geworden ist. Das ist durchaus neu, denn bisher galt, dass kommen kann, was will, man schüttelt sich kurz und macht weiter. Hier nun sind wir auf etwas – medizinstatistisch denkbar harmloses – getroffen, was die Welt erschüttert.

Die eigentlich nicht unerwartete, dann aber doch plötzliche sichtbar gewordene Verletzlichkeit der hyperaktiven ‘just in time’ Gesellschaft ist die neue Qualität. Wir können uns das eigentlich nicht erklären, haben keine Narrative um dies einzufangen und aufzuarbeiten, außer der faden Geschichte, dass die Welt eben ganz schön kompliziert geworden ist. Man weiß auch nicht, was bei der nächste Epidemie anders und besser laufen könnte und hat obendrein den Eindruck, dass es nicht nur diese Stelle ist, an der unsere Systeme schwächeln und die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreicht haben könnten, auch auf anderen Gebieten läuft er derzeit alles andere als geschmiert.

Es ist nicht so, dass es keine Erklärungen gäbe, nicht so, dass da nicht genügend bereitstehen, um zu verkünden, dass sie das doch immer schon gesagt haben, mal mehr oder weniger rechthaberisch, hämisch oder apokalyptisch. Was uns im übertragenen Sinne den Atem stocken lässt, ist, dass es keine Erklärung gibt, die verbindend gilt. Es ist die übliche Mixtur aus Information, Halbwissen, Desinformation und den diversen Versuchen alles für seine Lesart auszuschlachten, nur erreicht man damit immer weniger Menschen, das heißt, jeder glaubt was anderes. Immer mehr Menschen sitzen in ihren immer kleineren Echokammern oder treiben auf ihren Kommunikationsschollen dahin und diese driften langsam aber sicher auseinander, man versteht die Sprache des anderen auch dann nicht mehr, wenn man seine Worte hört und begreift. Aber die ganze Erzählung des anderen macht oft keinen Sinn mehr, passt nicht zur favorisierten eigenen. Man kann nicht fassen, dass der andere die Welt wirklich so sieht und das nicht einfach ein übler Scherz vom ihm ist.
Die alles überragenden Erklärungen, denen man traut, die großen Stimmen, die man als Autoritäten akzeptiert hat, die Institutionen, die über jeden Zweifel erhaben sind, sie alle gibt es in der Form kaum noch.

Unsere Kommunikation ist von Aggressionen durchsetzt

Der Modus der Gegenwart: Hektisch, genervt, überfordert. © State Farm under cc

Nicht nur die Grenzen des Wachstums scheinen auf einigen Gebieten, wie vor 50 Jahren prognostiziert, erreicht. Gleiches scheint für die Grenzen der Kommunikation zu gelten. Nicht nur im Internet kochen die Emotionen hoch und hat sich eine neue Spielart von Trollen eingenistet], die an Kommunikation als Austausch auf Augenhöhe überhaupt kein Interesse mehr haben, auch im nicht virtuellen Leben sind die Missverständnisse oftmals kein Zufall, sie werden geradezu gesucht, in einem Maße, das wir inzwischen selbst sehr problematisch finden.

Kein Ereignis größerer Bedeutung kann heute ohne ein halbes Dutzend diverser Verschwörungstheorien im Schlepptau auskommen, aber immerhin kann man das irgendwo verständliche Misstrauen gegenüber definitiven Deutungen ja auch nutzen um an etwas anzuknüpfen, was vor 40 Jahren Konjunktur hatte, doch dann leider entsetzlich verflachte. Es gibt verschiedene Arten der Kommunikation, am häufigsten ist die Sprache, die, wenn sie gesprochen wird, ein modulierter Ausatemstrom ist und zur Stimme wird. Wie alles, was den Menschen ausmacht, kann man auch die Stimme psychosomatisch betrachten und so erkennen wir an der Stimme des anderen häufig sofort seine Stimmung. Wie dünn, kraftvoll, zittrig, sanft oder übertrieben laut jemand spricht, sagt etwas aus. Über ihn und auch über sein Kommunikationsmuster. Nicht nur, aber auch die Stimme sagt etwas aus. Wie eng und weit wir uns machen, können wir hören. Thorwald Dethlefsen und Rüdiger Dahlke weiteten ihr psychosomatisches Krankheitsverständnis ins Esoterische aus und wir müssen mitbedenken, dass dies zu einer Zeit geschah, als der Begriff Esoterik weder diskreditiert war, noch sonst irgendwie gesellschaftlich besetzt, damals waren die Gedanken einfach neu. Versuchen wir also den Ausfürhungen weiter zu lauschen. Auch der nicht zur Sprache gewordene Atemstrom hat eine auf der ersten Blick nicht sichtbare kommunikative, nämlich verbindende Funktion. Die Haut ist die andere Kontaktfläche zwischen den Menschen und wir können uns bewusst entscheiden, ob wir den anderen berühren, auch ob wir mit ihm reden, als fleischliches Gegenüber oder in den Social Media, aber wir können nicht verhindern, dass der andere die gleiche Luft atmet, die auch wir atmen. Der Atem verbindet uns mit allen. Mit Freunden und mit Feinden, ebenso mit dem Tier und Pflanzenreich und ist grundsätzlich stark mit dem Leben und dem Menschsein assoziiert.

Philosophen definieren das Wesen des Menschen öfter mal, als das jener, die das Spiel des Gebens und Nehmens von Gründen spielen. Marx sieht es als Spiel des Gebens und Nehmens von Arbeit an, Psychologen betonen darüber hinaus das Spiel des Gebens und Nehmens von Emotionen. Das Spiel des Gebens und Nehmens markiert, auf welcher Ebene auch immer, einen Austauschprozess. Ein Austauschprozess, der immer eine offene oder symbolische Kommunikation markiert, ob dies Zeitungen, Ton- oder Bildmedien betrifft, Handel und den Austausch von Waren, Sprache, Verkehr, aber auch den Atem.

Kommunikation ist immer auch eine Form der Verbindung, der Überschreitung von Grenzen. Merkur wird als Prinzip, nicht als Planet, der Kommunikation zugerechnet, überschreitet als Götterbote Grenzen und trägt Nachrichten von der einen zur anderen Seite, ist damit auch für Nachrichten zuständig, ist selbst ein Gott der Händler und Diebe. Den Handel hatten wir schon als Form des Austauschs erkannt, Diebstahl ist es ebenfalls, nur eben auf der einen Seite etwas unfreiwilliger.

Merkur/Hermes ist ein luftiges, ungebundenes Prinzip steht für Freiheit. Die Luft ist überall, seine Geschwindigkeit wird durch die geflügelten Schuhe symbolisiert. Als Himmelskörper ist ihm daher der Planet Merkur zugeordnet, vermutlich wegen der Geschwindigkeit und der Nähe zum Zentralgestirn Sonne. Er ist ein ambivalenter Gott der Masken, des Betrugs, der Trickserei und steht daher auch für die Narrenfreiheit. Auf der Köperebene ist er der Lunge und den Kommunikationsorganen zugeordnet.

Wenn Ihnen dieses Denken zu fremd vorkommt, lesen Sie: Analoges Denken.

Das Prinzip der Aggression ist Mars. Auch hier ist wieder das Urprinzip gemeint, der Planet wird ihm über seine rote Farbe zugeordnet, drückt dieses aus. Ansonsten ist Mars der Gott des Krieges, der Aggression, des Ungestümen, symbolisiert einen Ausbruch an plötzlicher Energie, das Prinzip des Anfangs, im oben verlinkten Artikel ist es noch einmal näher beschrieben. Auf der körperlichen Ebene ist es den Muskeln und dem arteriellen Blut zugeordnet, bei den Erkrankungen der plötzölichen Entzündungen und dem Fieber.

Treten diese Prinzipien konflikthaft gemischt auf können wir auf der Ebene der (sozialen) Medien Hassmails, Shitstorms und aggressive Fake News finden. Auf der Ebene der Kommunikations- und Versorgungsnetzte Cyberattacken und Handelskriege, Konflikte, die den Austausch betreffen. Auf der Ebene des Alltags Aggressionen in der Kommunikation, also etwa verbaler Streit, bis zum Geschrei, im Straßenverkehr aggressives Verhalten, Gehupe und dergleichen. Auf dem Weg des biologischen Austauschs durch das Atermgeschehen wären wir beim bronchialen Infekt mit Husten, oder in schweren Fällen dann bei der Lungenentzündung: Die Welt hustet und fürchtet sich.

Das kann doch wohl nichts ernst gemeint sein, oder?

Vielleicht kommt zum Husten aber noch ein Hüsteln, wenn man diese Zeilen liest und denkt, das könne doch jetzt nicht ernst gemeint sein. Esoterik ist heute Synonym für Unsinn aller Art, Astrologie ebenso. Andererseits ist die Basis, das analogen Denken, etwas, was wir keinesfalls nur aus diesen Bereichen kennen, sondern es durchzieht das Denken unseres Alltags, der Wissenschaft und zeichnet Genies aus. Ebenso Merkwürdigkeiten wie einen vermeintlichen oder tatsächlichen Umsatzeinbruch der Biermarke Corona, bis zu ernsthaften Zusammenhängen von Erkrankungen psychosomatischer Art, deren Existenz nicht zu leugnen ist, die aber noch immer denkbar schlecht in unsere gängigen Erklärungsmodelle passen.

Wir haben gesellschaftlich merkwürdige Art des Umgangs damit gefunden. Man sieht die Psychosomatik als etwas an, was zwar ernst zu nehmen ist, aber andererseits auch nicht zu ernst zu nehmen ist. Man geht davon aus, dass einige Krankheiten psychosomatischer Natur sind, aber andere ganz klar nicht. Aber, wer sagt uns eigentlich, wo die Grenzen verlaufen? Und vor allem: Welche Kriterien bestimmen diesen Grenzverlauf? Fragen, die man besser nicht stellt, weil es auf sie keine guten Antworten gibt, wir wissen es einfach nicht.

Psychosomatik meint letztlich, dass Symptome uns nicht zufällig treffen und nicht rein äußerlich verursacht sind, sondern dass es einerseits, eine Art innere, wenngleich unbewusste, Bereitschaft geben muss und andererseits, die Symptome etwas ausdrücken und einen Hinweis auf einen größeren Kontext geben. Die Psychosomatik, die aus der Psychoanalyse kommt, heißt in der oft an der Verhaltenstherapie orientierten Medizin biopsychosoziales Modell. Praktiker finden diese Zusammenhänge immer wieder in der Placeboforschung ebenso, wie in der Schmerzmedizin und weiteren Gebieten.

Bei anderen Begriffen ist es ähnlich. Der sekundäre Krankheitsgewinn hießt in der Verhaltenstherapie Zielkonflikt. Kurz gesagt: Wer krank ist, will einerseits wieder gesund werden, andererseits bekommt man vielleicht Geld für die Krankentage oder soviel Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme, wie sonst nie. Beide Größen (und noch viele andere, subtilere) können im Menschen ringen. Nichts anderes verfolgt der Ansatz von ‘Krankheit als Weg’ von Dethlefsen und Dahlke, die dem psychosomatischen Modell einen esoterisch-astrologischen Überbau verleihen, der bei vielen Menschen beliebt war, aber von der Wissenschaft und Medizin kritisch gesehen wurde und wird.

Was Astrologen besser wissen und können

Die auf rein biologische Ursache fixierte Medizin muss alles in eine Form von Körpergeschehen übersetzen und ist damit bislang gescheitert. Nicht nur, dass die Hirnforschung allenfalls in Teilbereichen die Erwartungen erfüllen konnte, auch bei anderen Vorzeigeprojekten gibt es eher neue Ungewissheiten. Die Kritik, dass die Psychosomatik einen Dualismus von Körper/Leib und Psyche/Seele voraussetzt, ist zwar richtig, aber ebenso richtig ist, dass ein einseitiger, auf die Biologie reduzierender Monismus Lichtjahre von einer Lösung entfernt ist. Dabei ist nicht einmal die Praxis gemeint, schon auf der Ebene der Erklärungen stagniert die Geschichte.

Astrologen, so seltsam das klingt, haben weitaus weniger Probleme damit zu erkennen, dass Denken, Fühlen, Wollen, sowie die Kategorien individuell und öffentlich, sowie bewusst und unbewusst zum Leben gehören, sie haben sogar eine eigene Sprache dafür, die der Urprinzipien, die dort eben Namen von Himmelsobjekten haben, aber die Prinzipien meinen.

Der Naturalismus hat die Grenzen des Erklärens erreicht. In der Form des Reduktionismus, etwa der, dass alles menschliche Geschehen irgendwie Körpergeschehen ist. Oder der des noch weiter gehende Reduktionismus, der uns sagen will, dass irgendwie alles Physik sei. Diese Ansätze erklären kaum noch etwas und schlimmer noch, heute wissen wir, dass sie uns auch in Zukunft weder das Menschsein noch das Weltgeschehen erklären können. Doch auch der andere Erklärungsansatz, der auf die Komplexität von Systemen setzt, ist in eine Krise geraten. So überzeugend diese Ansätze auch bestimmte Teilbereiche erläutern, so sehr versagen sie bei der Erklärung des großen Ganzen und genau die fehlt uns.

Selbst wenn wir der Ansicht sind, heute so viel wie nie zuvor zu wissen, es nützt nur nichts, das heißt, es folgt nichts draus. Wir können die Dinge nicht mehr richtig in Beziehung setzen. Wir können sagen, dass das alles sehr komplex und daher nicht so einfach zu verstehen sei, aber es woran man es nun auch immer festmachen will, wir verstehen die Welt nicht mehr. Statt dessen übernehmen Lethargie, Hysterie und Verschwörungstheorien das Regiment.

Wenn wir kollektiv kaum noch etwas sicher wissen, wenigstens nicht in einer für einen Großteil verbindlichen und geteilten Weise, dann folgt daraus auch keine gemeinschaftliche Praxis mehr. Einer müsste mal anfangen, hat man so das Gefühl oder jeder fängt bei dem an, was er gerade für richtig hält, nur dies dann eben oft völlig unverbunden und unkoordiniert.

Astrologen können einem wenigstens sagen, wann ein eher günstiger oder ungünstiger Zeitpunkt ist und damit immerhin Motivationen befördern, jetzt anzufangen (eben im günstigen Moment), während der neue Trend unserer Zeit zumeist das gepflegte einerseits/andererseits ist. Am Ende versteht man dann beides und tut nicht, weil man sich nicht entscheiden kann, da man ja irgendwie beide Positionen nachvollziehen kann.

Wie verstehen schon, dass eine größere Mobilität in Handel, Individualverkehr und Tourismus mehr Risiken schafft. Für das Klima, in vergleichsweise harmlosen Bereichen, wie beim Buchsbaumzünzler, der über Handelswege zu uns gekommen ist, wo er keine natürlichen Feinde hat. Im Verkehr, der in immer enger werdenden Städten und auf Autobahnen langsam zum Stillstand kommt. Oder eben nun beim Coronavirus, das zeigt, wie verletzlich wir durch unsere Lebensweise geworden sind und wie wenig Antworten wir auf ein so harmloses Geschehen haben. Wir wissen nicht, was wir anders machen sollen, weil wir im Grunde genau so weiter leben wollen und ein besseres Leben oft mit immer mehr vom Selben assoziiert ist. Wir wissen, dass das eng wird und mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar schief geht und wir gar nicht warten müssen, sondern mitten in dem Geschehen drin sind, das nach allem möglichen Analysen dann doch so gerne als alternativlos dargestellt wird.

Was schon damals nie begriffen wurde

Unvorstellbar große Mengen an Handelswaren zirkulieren täglich um den Erdball. © NOAA’s National Ocean Service
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Als ich vor längerer Zeit, durch einen Zufall – das Leben schreibt bekanntlich seltsame Geschichten – als naturwissenschaftlich geprägter Mensch mit der Idee von ‘Krankheit als Weg’ konfrontiert wurde, war ich wieder aus einer Reihe seltsamer Zufälle offen dafür. Ich war gerade am Beginn einer Ausbildung und musste mich entscheiden, ob ich fortan glauben würde, dass diese Interpreten alle kräftig einen an der Waffel haben oder an der Sache was dran ist. Ich wählte die zweite Option tauchte sehr intensiv in das Gebiet ein und war schon bald vor eine neue Wahl gestellt.

Nachdem ich mir nun einbildete, die Sache halbwegs verstanden zu haben, kam ich mit immer mehr Menschen in Kontakt, die die Idee prinzipiell gut fanden, auch den einen oder anderen Aspekt bei ihren Symptomen – und denen ihrer Verwandten und Bekannten – betrachteten, aber doch, wenn es eigentlich wirklich interessant geworden wäre, recht beliebig ausstiegen, in etwa so, wie oben schon beschrieben. Man war halbwegs überzeugt, dass an der Sache was dran ist, fand die Idee, dass der Schnupfen eben auch übertragen meint, dass man von etwas die Nase voll hat, ganz originell und interessant, aber die echten Leichen im Keller, da wo es richtig anstrengend würde, die hat man ausgelassen. So dürfe man das dann auch nicht sehen, vor allem nicht alles und in dem Fall, dem eigenen, sei doch klar, dass man die Dinge klassisch betrachten müsse. So wurde aus der Idee ein läppisches Spiel. Die einen glaubten von vorn herein wenig an diese ‘oben, unten’ und ‘innen, außen’ Zusammenhänge, andere etwas mehr, aber letztlich ist es egal, wo man aussteigt, es bleibt oft ein willkürlicher Schritt.

Wer tiefer gegraben hat wurde mitunter fündig und kam auf sein Thema: Macht, Aggression oder was auch immer es war. Wenn man vor anderen und vor allem auch vor sich selbst ein Thema jahrelang versteckt und ins Unbewusste schiebt, dann ist auch diese Verdrängung kein bewusster Akt. Man tut das nicht absichtlich, demzufolge ist es ein echter Schock, wenn man dann nach erheblichen Mühe erkennt, dass man ‘so’ ist (wie man nie sein wollte) und es ist verständlich, dass man diese Eigenschaft möglichst schnell wieder los werden will. Die Sache hat nur einen Haken: Genau darum geht es nicht. Es geht darum, diese Eigenschaft zu integrieren, ‘ja’ zu ihre zu sagen und sie zum bewussten Teil des eigenen Ichs zu machen, ein unbewusster Teil ist sie ja schon.

Wenn wir also auch allen möglichen Ebenen, bishin zur Ebene, dass die Welt hustet, Kommunikation und Aggression zusammen antreffen, geht es nicht darum schweigsamer oder friedlicher zu werden, sondern zu beidem ‘ja’ zu sagen uns es zu integrieren, auf eine erlöste und das heißt bewusste Art. Merkur und Mars, das kann heißen richtig zu streiten. Engagiert, kämpferisch und leidenschaftlich zu diskutieren oder vielleicht noch mehr: einen Durchbruch zu neuen Kommunikations- und Erklärungsmodi zu finden.

Wir dürfen die Fehler nicht wiederholen

Die Esoterikbewegung fing kraftvoll, neu und mit einigem Anspruch an … und ist dann immer mehr versande, platter geworden, mitunter verkommen zu grauenhaftem Quatsch und einem egozentrischen Projekt. Der heute so verbreitete, wie problematische oberflächliche Pluralismus, erlebte in der Esowelle einen frühen Testlauf und neben der Erscheinung, dass das empfindsame Selbst war vor allem sensibel war, wenn es um die eigenen Angelegenheiten ging und oft seltsam ungerührt, wenn es andere betraf, war der andere problematische Aspekt die Illusion, Pluralismus sei so eine Art Gemischtwarenladen, nur für mich.

Es war nie böse gemeint, aber wenn man sich nach eigenem Bedarf aus dem Ideengebäude der verschiedensten Religionen und Weisheitslehren bedient, tötet man die Heilkraft, die oft daraus resultiert, dass man etwas hat, was größer ist, als man selbst. Man sein Ich also in den Dienst einer größeren Sache stellt und nicht alle Weisheitslehren in den Dienst des Ich. Der Pluralismus, der sich immer die fröhlichste und einfachste Idee heraus greift ist in dieser naiven Form längst zum Problem geworden, weil er alle Schwierigkeiten negiert und weglächeln will. Doch wenigstens nach der hier vorgestellten Idee, führt der Weg ins Licht über den Schatten.

Wir dürfen die Fehler nicht wiederholen. Was den Naturalismus an seine Grenzen bringt, ist, dass er mit dem Innen nicht richtig umgehen kann. Man hat kein Modell dafür, dass Gründe, Einstellungen, Argumente und Überzeugungen wirken. Jeder weiß, dass sie es tun, an der empirischer Forscherfront stößt man immer wieder darauf, wie wichtig diese subjektiven und inneren Faktoren sind, aber sie passen nicht ins Bild eines Erklärungsmodells, das auch das Innen beharrlich als irgendwie statistisch objektivierbar und von etwas, was man messen und wiegen kann, ausgelöst erklären will.

Ein Weltbild oder Erklärungsmodell, was mit diesem Innen letztlich nichts anfangen kann, ist nicht mehr in der Lage uns die Welt zu erklären. Vieles erscheint uns heute entweder als Wiedervorlage oder als ein Kulminationspunkt von Problemen, die seit Jahrzehnten bekannt sind, wie die Grenzen des Wachstums, die demografische Situation, die wachsende Ungleichheit.

Unsere Lebensweise hat uns anfällig gemacht, wir verstehen die Welt nicht mehr, es gibt aktuell keine Großerzählungen mehr, man hat das Gefühl mit der Hydra zu kämpfen, schlägt man einen Kopf ab, wachsen ihr zwei neue. Die Welt hustet und ist im Krisenmodus und man weiß nicht, wie man dort wieder heraus finden soll. Eine Coronapandemie kann eine Weltwirtschaftskrise auslösen, verbessert aber gleichzeitig die Luftqualität, durch den eingeschränkten Handel und Verkehr und senkt durch sinkende Nachfrage den Ölpreis. Doch gleichzeitig nehmen die Krisen nicht ab. Europa ist durch Migration erpressbar, der nächste heiße Sommer kommt bestimmt und so geht es weiter.

Großartige Zusammenschau von innen und außen

Die Welt im dauerhaften Krisenmodus ist bereits ein anderes Leben, als das, was wir gewohnt sind und führen wollen. Anders gesagt, das ist bereits eine ‘Krankheit als Weg’. Die Lösung lautet, das Prinzip zu erkennen und zu leben, das Unbewusste, auch das kollektiv Unbewusste zu erkennen und bewusst zu leben. Die Welt hustet und fürchtet sich, das heißt, dies ist nur ein weiterer Ausdruck davon, dass wir nicht mehr die Wahl haben, ob wir uns ändern wollen, die Veränderungen werden uns längst aufgedrückt, durch jede neue Krise, sie sind teil der Gegenwart.

Wir haben großartige Zusammenschauen gehabt und so unterschiedlich sie sind, sie alle haben die Gemeinsamkeit, dass unser Innen mitberücksichtigen, statt es zu vernachlässigen. Gemeint ist ein kollektives und individuelles Unbewusstes. Wenn wir Argumente nicht ernst nehmen und denken, letztlich ginge es nur um Macht[link], spielen wir in letzter Konsequenz das Spiel des Faschismus. Wir müssen Argumente nicht in die Sprache des Austauschs der Neurotransmitter übersetzen, weil uns das einfach nicht weiter hilft. Argumente sagen ja bereits, was sie wollen, das ist ihr Wesen. Zudem gibt es unbewusste Sprachen, wenn wir erröten, die Stimme zittert, übertrieben laut ist oder wir krank sind und durch Rückenschmerzen signalisieren, wie unflexibel wir geworden sind. Auch in unserer Lebensweise.

Der Naturalismus hat uns als Großerzählung abgetrennt von der Welt. Die Welt des Innen ist das irgendwie Belanglose, Suspekte, das, dem man misstraut, weil man als Naturalist, die wir letztlich alle sind, gelernt hat dem Innen zu misstrauen. Spielerisch ernst nehmen, okay, aber doch bitte nicht wirklich. Es gibt schon irgendwie dieses Innen, aber es hat bestenfalls – so glauben wir – für den Einzelnen eine Bedeutung und hört dann an der Schädeldecke auf wichtig zu sein. All diese guten Erklärungen sind durch die Jahrzehnte zwar immer dünner und schlechter geworden, wir können uns dennoch nicht ernsthaft vorstellen, dass die Welt uns etwas zu sagen hat.

Dass das alles an sich bedeutungslos ist, es aber systemische Zwänge und Alternativlosigkeiten gibt, die dann eben so gekommen sind und die man jetzt nicht mehr ändern kann und es eben weiter gehen muss, ist unsere Lesart. Damit lassen wir uns abspeisen, glauben zwar immer weniger daran – die großen Erklärungen sind vorbei – haben aber keine bessere Erzählung. Die Welt hustet und fürchtet sich, der Husten ist ein unbewusster Ausdruck von Aggressionen. Wir müssen diesen faden Erklärungsmustern etwas husten und um neue Modelle, Bilder und Erklärungen aggressiv ringen, die ernst nehmen, dass wir viel mehr in Prozessen des Austauschs stehen, von innen und außen, von Kultur und Natur stehen, als wir das sehen wollten und konnten.

Dafür brauchen wir nicht den Glauben an eine intelligente Welt. Es würde die Erkenntnis reichen, dass all unsere Modelle von Welt, all unsere Weltbilder lediglich Erklärungsmodelle für das sind, was die intelligenten Wesen, die einander Gründe geben, vorzufinden glauben. Wir bewegen uns in kommunikativen Kontexten, wir geben und verlangen Gründe für unsere Motive, sogar von uns selbst. Wir begründen nicht alles, müssen aber das Gefühl haben, es jederzeit zu können. Ein rationales Spiel, Freud zeigte, dass es durch unbewusste Motive immer wieder sabotiert wird und lehrte uns diese besser zu verstehen. Die Psychosomatik betrachtet die Botschaften hinter dem Ausdruck eines Krankheitsgeschehens. Auch kollektiv kennen wir einige Muster dahinter, wir müssen den unsäglichen Unsinn von den besseren Ideen trennen. Die Welt hustet gegenwärtig. Mutig zu streiten wäre eine der Alternativen.