Tempel, Altar, Blumen, Licht durch Fenster

Eine der Werkstätten der Erleuchtung. © Wonderlane under cc

Die hellere Seite der Erleuchtung stellt den Ausgleich zur ersten Folge der Dissoziationen dar. Wie wir sehen werden ist das Thema nicht schwarz oder weiß, sondern wir befinden uns in einem Kontinuum, das die riesige Spanne des Menschseins zwischen Psychopathie, Psychose und Erleuchtung einerseits, wie auch zwischen Normalität hier und Exzentrik und Genie dort, betrachtet.

Außergewöhnliche Bewusstseinszustände als erste Begegnungen mit neuen Welten

Wir alle leben in bestimmten inneren Welten, auf einem spezifischen, oft gut beschreibbaren Organisationsniveau. Gut beschreibbar oft im unteren Bereich der eher niedrigen Organisationsgrade, saubere Kriterien für höhere Organisationsgrade sind immerhin dabei zu entstehen, das war jahrelang ein Defizit.[1]

Mit neuen Welten sind hier neue Organisationsebenen gemeint, die durchaus für das Umfeld nicht sensationell sein müssen, aber mitunter für den Erlebenden. Manchmal sind außergewöhnliche Bewusstseinszustände erste Ausflüge in diese neuen Welten, die oft banal klingen, es aber bei näherem Hinsehen nicht sind. Wie erwähnt, sind wir innere Wesen, die an der Außenwelt Anteil haben, aber sehr viel spielt sich in uns ab. Es ist für uns der Normalzustand während wir etwas tun, über eine Begegnung vom Abend davor nachzudenken, darüber zu phantasieren, wie das Vorstellungsgespräch laufen wird und kurz die Möglichkeiten durchzuspielen. Man kann nun nachts wachliegen, vor Sorge, Vorfreude oder indem man sich andere Wege ausmalt, die das eigene Leben auch nehmen könnte. Man kann kaum ermessen, was für eine gigantische Welt sich da auftut, wenn man diesen Raum der Konjunktive erstmalig betritt und aus einer Welt kommt, in der alles vorgeschrieben und festgelegt ist. Dann öffnet man die Tür und steht inmitten einer riesigen neuen Welt, mit all ihren Möglichkeiten, aber auch Verantwortungen, das ist geradezu überwältigend.

Viele von uns leben wie selbstverständlich in diesem Raum, aber sein erstmaliges Betreten beschreibt analog, jenes Vortasten in jene unbekannten Erlebensbereiche, um die es hier geht. Dieser Sprung in eine neue, möglicherweise viel komplexere Erlebenswelt und könnte ebenfalls ein Vorbote für Bereiche sein, die wir bald so selbstverständlich erleben, wie wir heute verschiedene Optionen durchgehen, im Hinblick darauf, wie sie zu unserem Leben passen, was noch vor wenigen Generationen auch bei uns nicht die Regel war, von anderen Regionen der Welt ganz zu schweigen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und berühren oft künstlerische, visionär-politische, wissenschaftliche oder spirituelle Bereiche.

Gesunde außergewöhnliche Bewusstseinszustände

Gesunde außergewöhnliche Bewusstseinszustände fallen oft zusammen mit Gipfelerfahrungen, der Erlebenswelt mancher Exzentriker, auch mit Intuitionen und Genieleistungen.

Spitzenleistungen in der Wissenschaft oder Kunst gehen oft mit dem erhebenden Gefühl einher, besondere Einblicke in die Werkstatt des Kosmos gewonnen zu haben. Ein elektrisierendes Gefühl, das einen sogar noch im Nachvollzug mitreißt, um wieviel mehr muss die erste Erkenntnis dieser Zusammenhänge befriedigen? Heute kann man kaum nachvollziehen, welche Opfer frühe Forscher auf sich nahmen, welche Gefahren und auch körperlicher Höchstleistungen sie bewältigen mussten. Doch der Forscherdrang treibt uns an, wie kaum eine andere Kraft. Der Lohn der Erkenntnis ist so groß, dass man Entbehrungen in anderen Bereichen oft auf sich nimmt. Auch wenn unsere technischen Möglichkeiten heute viele Gefahren minimieren, immer wieder wird beschrieben, wie Forscher alles um sich herum vergessen, weil sie sich ganz auf etwas anderes einlassen.

Manchmal ist das der Unterschied. Von Eberhard Trumler, dem großen Verhaltensforscher für Hunde wird berichtet, wie er Stunden vor einem Terrarium saß und nicht bemerkte (oder es war ihm nicht wichtig), wie zwischenzeitlich die Heizung im Raum ausfiel und der Raum bitter kalt wurde, so absorbiert war er von der Beobachtung. Er konnte sich einlassen und das eröffnete neue Welten. Auch hier sehen wir, wie eine Fokussierung oder Reduzierung neue Welten erschließt. Jeder kann das nachvollziehen, wenn man in einen Wald geht, sich irgendwo an den Waldesrand stellt und sich einen kleinen Bereich, vielleicht so groß wie ein DIN A 4 Blatt herausnimmt und diesen einfach betrachtet. Man sieht zunächst nichts Besonderes, eine paar Pflanzen, ein paar Blätter doch nach und nach kommen immer mehr Details zum Vorschein. Hier eine Moosart die anders aussieht, als die daneben, dort ein Käfer, eine kleine Spinne, ein Pilz, immer mehr Facetten treten hervor und schließlich wird aus dem Bereich, in dem eben noch so gut wie nichts war, ein kleiner eigener Kosmos, der unsere Aufmerksamkeit in den Bann ziehen kann.

Den eigenen Kosmos kann man aber genauso in einem Glas Wein finden, wenn man Musik hört oder philosophischen Gedankengängen folgt und der Begriff der theoretischen Architektur auch einmal eine Bedeutung erfährt, weil man sich inmitten eines dreidimensionalen Gitters befindet und doch ist diese Erfahrung ‘nur’ innerlich.