Unsere Kommunikation ist von Aggressionen durchsetzt

Der Modus der Gegenwart: Hektisch, genervt, überfordert. © State Farm under cc

Nicht nur die Grenzen des Wachstums scheinen auf einigen Gebieten, wie vor 50 Jahren prognostiziert, erreicht. Gleiches scheint für die Grenzen der Kommunikation zu gelten. Nicht nur im Internet kochen die Emotionen hoch und hat sich eine neue Spielart von Trollen eingenistet], die an Kommunikation als Austausch auf Augenhöhe überhaupt kein Interesse mehr haben, auch im nicht virtuellen Leben sind die Missverständnisse oftmals kein Zufall, sie werden geradezu gesucht, in einem Maße, das wir inzwischen selbst sehr problematisch finden.

Kein Ereignis größerer Bedeutung kann heute ohne ein halbes Dutzend diverser Verschwörungstheorien im Schlepptau auskommen, aber immerhin kann man das irgendwo verständliche Misstrauen gegenüber definitiven Deutungen ja auch nutzen um an etwas anzuknüpfen, was vor 40 Jahren Konjunktur hatte, doch dann leider entsetzlich verflachte. Es gibt verschiedene Arten der Kommunikation, am häufigsten ist die Sprache, die, wenn sie gesprochen wird, ein modulierter Ausatemstrom ist und zur Stimme wird. Wie alles, was den Menschen ausmacht, kann man auch die Stimme psychosomatisch betrachten und so erkennen wir an der Stimme des anderen häufig sofort seine Stimmung. Wie dünn, kraftvoll, zittrig, sanft oder übertrieben laut jemand spricht, sagt etwas aus. Über ihn und auch über sein Kommunikationsmuster. Nicht nur, aber auch die Stimme sagt etwas aus. Wie eng und weit wir uns machen, können wir hören. Thorwald Dethlefsen und Rüdiger Dahlke weiteten ihr psychosomatisches Krankheitsverständnis ins Esoterische aus und wir müssen mitbedenken, dass dies zu einer Zeit geschah, als der Begriff Esoterik weder diskreditiert war, noch sonst irgendwie gesellschaftlich besetzt, damals waren die Gedanken einfach neu. Versuchen wir also den Ausfürhungen weiter zu lauschen. Auch der nicht zur Sprache gewordene Atemstrom hat eine auf der ersten Blick nicht sichtbare kommunikative, nämlich verbindende Funktion. Die Haut ist die andere Kontaktfläche zwischen den Menschen und wir können uns bewusst entscheiden, ob wir den anderen berühren, auch ob wir mit ihm reden, als fleischliches Gegenüber oder in den Social Media, aber wir können nicht verhindern, dass der andere die gleiche Luft atmet, die auch wir atmen. Der Atem verbindet uns mit allen. Mit Freunden und mit Feinden, ebenso mit dem Tier und Pflanzenreich und ist grundsätzlich stark mit dem Leben und dem Menschsein assoziiert.

Philosophen definieren das Wesen des Menschen öfter mal, als das jener, die das Spiel des Gebens und Nehmens von Gründen spielen. Marx sieht es als Spiel des Gebens und Nehmens von Arbeit an, Psychologen betonen darüber hinaus das Spiel des Gebens und Nehmens von Emotionen. Das Spiel des Gebens und Nehmens markiert, auf welcher Ebene auch immer, einen Austauschprozess. Ein Austauschprozess, der immer eine offene oder symbolische Kommunikation markiert, ob dies Zeitungen, Ton- oder Bildmedien betrifft, Handel und den Austausch von Waren, Sprache, Verkehr, aber auch den Atem.

Kommunikation ist immer auch eine Form der Verbindung, der Überschreitung von Grenzen. Merkur wird als Prinzip, nicht als Planet, der Kommunikation zugerechnet, überschreitet als Götterbote Grenzen und trägt Nachrichten von der einen zur anderen Seite, ist damit auch für Nachrichten zuständig, ist selbst ein Gott der Händler und Diebe. Den Handel hatten wir schon als Form des Austauschs erkannt, Diebstahl ist es ebenfalls, nur eben auf der einen Seite etwas unfreiwilliger.

Merkur/Hermes ist ein luftiges, ungebundenes Prinzip steht für Freiheit. Die Luft ist überall, seine Geschwindigkeit wird durch die geflügelten Schuhe symbolisiert. Als Himmelskörper ist ihm daher der Planet Merkur zugeordnet, vermutlich wegen der Geschwindigkeit und der Nähe zum Zentralgestirn Sonne. Er ist ein ambivalenter Gott der Masken, des Betrugs, der Trickserei und steht daher auch für die Narrenfreiheit. Auf der Köperebene ist er der Lunge und den Kommunikationsorganen zugeordnet.

Wenn Ihnen dieses Denken zu fremd vorkommt, lesen Sie: Analoges Denken.

Das Prinzip der Aggression ist Mars. Auch hier ist wieder das Urprinzip gemeint, der Planet wird ihm über seine rote Farbe zugeordnet, drückt dieses aus. Ansonsten ist Mars der Gott des Krieges, der Aggression, des Ungestümen, symbolisiert einen Ausbruch an plötzlicher Energie, das Prinzip des Anfangs, im oben verlinkten Artikel ist es noch einmal näher beschrieben. Auf der körperlichen Ebene ist es den Muskeln und dem arteriellen Blut zugeordnet, bei den Erkrankungen der plötzölichen Entzündungen und dem Fieber.

Treten diese Prinzipien konflikthaft gemischt auf können wir auf der Ebene der (sozialen) Medien Hassmails, Shitstorms und aggressive Fake News finden. Auf der Ebene der Kommunikations- und Versorgungsnetzte Cyberattacken und Handelskriege, Konflikte, die den Austausch betreffen. Auf der Ebene des Alltags Aggressionen in der Kommunikation, also etwa verbaler Streit, bis zum Geschrei, im Straßenverkehr aggressives Verhalten, Gehupe und dergleichen. Auf dem Weg des biologischen Austauschs durch das Atermgeschehen wären wir beim bronchialen Infekt mit Husten, oder in schweren Fällen dann bei der Lungenentzündung: Die Welt hustet und fürchtet sich.

Das kann doch wohl nichts ernst gemeint sein, oder?

Vielleicht kommt zum Husten aber noch ein Hüsteln, wenn man diese Zeilen liest und denkt, das könne doch jetzt nicht ernst gemeint sein. Esoterik ist heute Synonym für Unsinn aller Art, Astrologie ebenso. Andererseits ist die Basis, das analogen Denken, etwas, was wir keinesfalls nur aus diesen Bereichen kennen, sondern es durchzieht das Denken unseres Alltags, der Wissenschaft und zeichnet Genies aus. Ebenso Merkwürdigkeiten wie einen vermeintlichen oder tatsächlichen Umsatzeinbruch der Biermarke Corona, bis zu ernsthaften Zusammenhängen von Erkrankungen psychosomatischer Art, deren Existenz nicht zu leugnen ist, die aber noch immer denkbar schlecht in unsere gängigen Erklärungsmodelle passen.

Wir haben gesellschaftlich merkwürdige Art des Umgangs damit gefunden. Man sieht die Psychosomatik als etwas an, was zwar ernst zu nehmen ist, aber andererseits auch nicht zu ernst zu nehmen ist. Man geht davon aus, dass einige Krankheiten psychosomatischer Natur sind, aber andere ganz klar nicht. Aber, wer sagt uns eigentlich, wo die Grenzen verlaufen? Und vor allem: Welche Kriterien bestimmen diesen Grenzverlauf? Fragen, die man besser nicht stellt, weil es auf sie keine guten Antworten gibt, wir wissen es einfach nicht.

Psychosomatik meint letztlich, dass Symptome uns nicht zufällig treffen und nicht rein äußerlich verursacht sind, sondern dass es einerseits, eine Art innere, wenngleich unbewusste, Bereitschaft geben muss und andererseits, die Symptome etwas ausdrücken und einen Hinweis auf einen größeren Kontext geben. Die Psychosomatik, die aus der Psychoanalyse kommt, heißt in der oft an der Verhaltenstherapie orientierten Medizin biopsychosoziales Modell. Praktiker finden diese Zusammenhänge immer wieder in der Placeboforschung ebenso, wie in der Schmerzmedizin und weiteren Gebieten.

Bei anderen Begriffen ist es ähnlich. Der sekundäre Krankheitsgewinn hießt in der Verhaltenstherapie Zielkonflikt. Kurz gesagt: Wer krank ist, will einerseits wieder gesund werden, andererseits bekommt man vielleicht Geld für die Krankentage oder soviel Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme, wie sonst nie. Beide Größen (und noch viele andere, subtilere) können im Menschen ringen. Nichts anderes verfolgt der Ansatz von ‘Krankheit als Weg’ von Dethlefsen und Dahlke, die dem psychosomatischen Modell einen esoterisch-astrologischen Überbau verleihen, der bei vielen Menschen beliebt war, aber von der Wissenschaft und Medizin kritisch gesehen wurde und wird.

Was Astrologen besser wissen und können

Die auf rein biologische Ursache fixierte Medizin muss alles in eine Form von Körpergeschehen übersetzen und ist damit bislang gescheitert. Nicht nur, dass die Hirnforschung allenfalls in Teilbereichen die Erwartungen erfüllen konnte, auch bei anderen Vorzeigeprojekten gibt es eher neue Ungewissheiten. Die Kritik, dass die Psychosomatik einen Dualismus von Körper/Leib und Psyche/Seele voraussetzt, ist zwar richtig, aber ebenso richtig ist, dass ein einseitiger, auf die Biologie reduzierender Monismus Lichtjahre von einer Lösung entfernt ist. Dabei ist nicht einmal die Praxis gemeint, schon auf der Ebene der Erklärungen stagniert die Geschichte.

Astrologen, so seltsam das klingt, haben weitaus weniger Probleme damit zu erkennen, dass Denken, Fühlen, Wollen, sowie die Kategorien individuell und öffentlich, sowie bewusst und unbewusst zum Leben gehören, sie haben sogar eine eigene Sprache dafür, die der Urprinzipien, die dort eben Namen von Himmelsobjekten haben, aber die Prinzipien meinen.

Der Naturalismus hat die Grenzen des Erklärens erreicht. In der Form des Reduktionismus, etwa der, dass alles menschliche Geschehen irgendwie Körpergeschehen ist. Oder der des noch weiter gehende Reduktionismus, der uns sagen will, dass irgendwie alles Physik sei. Diese Ansätze erklären kaum noch etwas und schlimmer noch, heute wissen wir, dass sie uns auch in Zukunft weder das Menschsein noch das Weltgeschehen erklären können. Doch auch der andere Erklärungsansatz, der auf die Komplexität von Systemen setzt, ist in eine Krise geraten. So überzeugend diese Ansätze auch bestimmte Teilbereiche erläutern, so sehr versagen sie bei der Erklärung des großen Ganzen und genau die fehlt uns.

Selbst wenn wir der Ansicht sind, heute so viel wie nie zuvor zu wissen, es nützt nur nichts, das heißt, es folgt nichts draus. Wir können die Dinge nicht mehr richtig in Beziehung setzen. Wir können sagen, dass das alles sehr komplex und daher nicht so einfach zu verstehen sei, aber es woran man es nun auch immer festmachen will, wir verstehen die Welt nicht mehr. Statt dessen übernehmen Lethargie, Hysterie und Verschwörungstheorien das Regiment.

Wenn wir kollektiv kaum noch etwas sicher wissen, wenigstens nicht in einer für einen Großteil verbindlichen und geteilten Weise, dann folgt daraus auch keine gemeinschaftliche Praxis mehr. Einer müsste mal anfangen, hat man so das Gefühl oder jeder fängt bei dem an, was er gerade für richtig hält, nur dies dann eben oft völlig unverbunden und unkoordiniert.

Astrologen können einem wenigstens sagen, wann ein eher günstiger oder ungünstiger Zeitpunkt ist und damit immerhin Motivationen befördern, jetzt anzufangen (eben im günstigen Moment), während der neue Trend unserer Zeit zumeist das gepflegte einerseits/andererseits ist. Am Ende versteht man dann beides und tut nicht, weil man sich nicht entscheiden kann, da man ja irgendwie beide Positionen nachvollziehen kann.

Wie verstehen schon, dass eine größere Mobilität in Handel, Individualverkehr und Tourismus mehr Risiken schafft. Für das Klima, in vergleichsweise harmlosen Bereichen, wie beim Buchsbaumzünzler, der über Handelswege zu uns gekommen ist, wo er keine natürlichen Feinde hat. Im Verkehr, der in immer enger werdenden Städten und auf Autobahnen langsam zum Stillstand kommt. Oder eben nun beim Coronavirus, das zeigt, wie verletzlich wir durch unsere Lebensweise geworden sind und wie wenig Antworten wir auf ein so harmloses Geschehen haben. Wir wissen nicht, was wir anders machen sollen, weil wir im Grunde genau so weiter leben wollen und ein besseres Leben oft mit immer mehr vom Selben assoziiert ist. Wir wissen, dass das eng wird und mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar schief geht und wir gar nicht warten müssen, sondern mitten in dem Geschehen drin sind, das nach allem möglichen Analysen dann doch so gerne als alternativlos dargestellt wird.