Arten des Umgangs mit inneren Bildern

luzides Meereswesen vor dunklem HIntergrund

Science Fiction, Kunst? Meereswesen und Phantasiewesen unterscheiden sich nicht immer. © NOAA Photo Library under cc

Bilder und Phantasien nicht einfach immer dasselbe, nämlich irgendwie nichts, “nur Bilder” oder “reine Phantasie”, sondern man kennt zig verschiedene Weg des Umgang mit ihnen. Einige stelle wir kurz vor:

Freie Assoziationen

Freuds Technik der freien Assoziation lässt Bildern und Phantasien einfach freien lauf, in der Gewissheit, dass der Analysant selbst zu den Bereichen gelangt, die brisant und emotional geladen sind. Nicht nur Probleme, auch deren Lösungen sind so zu finden und die bekannte Technik des Brainstorming, alles unsortiert rauszuhauen, was einem zu einem Thema einfällt, ist bis heute eine probate Methode.

Geführte Meditationen

Geführte Meditationen nehmen den Meditierenden mit auf eine Reise nach Innen, die in gewisser Weise vorstrukturiert ist, aber immer auch Raum für eigene Erfahrungen lässt und Menschen dazu bringen kann, bestimmte Bereiche, je nach Inhalt der geführten Meditation, anzuschauen und sich mit ihnen auseinander zu setzen.

Leere oder absichtslose Meditation

Die Königsdisziplin der Spiritualität. Man setzt oder legt sich locker und bequem hin und wartet einfach ab, was passiert, nimmt das was geschieht zur Kenntnis, registriert es als Zeuge im Idealfall ohne sich dagegen zu wehren oder darin zu verlieren. Man atmet, wird still, tut überhaupt nichts und wartet ab. Eindrücke die kommen, lässt man aufsteigen und wieder vergehen. Immer und immer wieder, der Sinn ist, dass man nicht eingreift.

Reinkarnationstherapie

Die Reinkarnationstherapie, ist eine imaginative Therapie, bei der der Klient im Dialog mit dem Therapeuten seine Innenwelten bereist. Die Aufgabe des Therapeuten ist es, den Klienten zu begleiten und die Themen, die er mitbringt auf einer Bilderebene, mit emotionaler Verwicklung, zu bearbeiten. Das geschieht dadurch, dass man die Bilder laufen lässt, dann und wann aber bittet, genauer hinzuschauen oder, wenn sich jemand in Details verwickelt weiter zu gehen.

EMDR

Wie bei einem Scheibenwischer wischt man beim EMDR, durch Augenbwegeungen, die Eindrücke belastender und traumatisierender Bilder weg. Eine Adaptation der REM Phase des Schlafs, die bei Traumapatienten wirksam sein soll.

Hypnose

Bei der Hypnose werden Bilder gesetzt, denen der Klient folgen kann, später auch eigene entwickelt. Wenn sich ein Mensch darauf einlassen kann, ist die Hypnose eine Möglichkeit mit inneren Bildern Heilungsprozesse anzustoßen, neuere Verfahren der Hypnose, wie die Individuations-Therapie benutzen bewusste und unbewusste Elemente, verordnete und selbstgeschaffene Bilder zusammen.

Schützende Orte

Man kann sich durch Übung an schützende, heilende oder Wohlfühl-Orte versetzen, die ganz dem individuellen Traumbild entsprechen. Eine Insel, eine Wiese, eine Burg was immer es ist, man kann sich den Ort so gestalten wie man möchte und durch Übung immer schneller dorthin zurück kehren und den Orten immer plastischer und detaillierten werden lassen.

Hilfsmittel und Krafttiere

Auf der Ebene der inneren Bilder ist allerlei zu finden, auch innere Hilfsmittel und Wegbegleiter. Das kann tatsächlich helfen und – Realität und Phantasie – auch von realen Menschen haben wir innere Bilder, innere Repräsentationen. Und je zahlreicher unsere inneren Freunde sind, umso besser.

Der innere Arzt

Auch den inneren Arzt, die seine Stimme der Intuition kennen zu lernen kann sehr hilfreich sein. Es gibt Fälle in denen ist der innere Arzt buchstäblich lebensrettend und auch den Kontakt zu ihm oder ihr kann man trainieren, immer wieder herstellen, ihn oder sie immer plastischer werden lassen.

Perspektivwechsel

Immer wieder spannend und eine therapeutische Technik ist es auch, sich ein Gegenüber vorzustellen, einen anderen Menschen, ein Phantasiewesen, ein Gegenstand, dessen Perspektive man dann einnimmt und aus dessen Augen man dann sich selbst beschreibt.

All das sind nur Ausschnitte aus dem Reich der Möglichkeiten, die mit Bildern und Phantasien einher gehen.

Die Meister der inneren Bilder

Wie in jeder Disziplin gibt es gute Amateure, Profis und immer auch Spitzenleistungen.

Luzide Träume

Gar nicht so wenige Menschen haben luzide Träume, in denen sie wissen, dass sie träumen und auch noch zum Regisseur ihrer Träume werden. Das kann außerordentlich spannend sein, wie immer ist die Gefahr, dass je potenter eine Technik ist, auch die Missbrauchsanfälligkeit und die Gefahren größer werden. Das liegt in der Natur der Dinge. Mit einer Kettensäge kann man mehr Schaden anrichten, als mit einem Küchenmesser.

Mandalabauherren

In dem Buch Dialog mit dem Dalai Lama von Daniel Goleman wird ein besonders begabter Lama beschrieben, mit dessen Hilfe es gelang, einiges über die neurologischen Parallelen zu spirituellen Techniken herauszufinden. Der Lama konnte zwischen verschiedenen inneren Zuständen hin und her springen und präzise angeben, in welchem er sich gerade befand. Parallel scannte man im fMRT sein Gehirn. Interessant wwar allerdings die Randbemekung des Lama, er sei im Grunde nur ein kleine Licht, die wirklichen Meister wären mit der jahrelangen Konstruktion detaillierter innerer Mandalas beschäftigt.

Der Illusionscharakter der Welt

Es ist eine ebenso anspruchsvolle wie gefährliche Aussage von der Welt als Maya, Täuschung oder Illusion zu reden. Denn man muss den Kontext mitbetrachten, in dem so eine Aussage relevant ist. Es wäre ein krasser Irrtum und bringt weder spirituell noch therapeutisch irgend etwas, wenn man die Welt einfach als irgendwie nicht vorhanden oder nicht echt deklarieren würde. Im Zahnarztstuhl oder bei der Scheidung ist siedann auf einmal wieder sehr real. Und doch ist die übereinstimmende Meinung vieler spiritueller Meister, dass die Anhaftungen an die Welt in letzter Konsequenz, in der es um Erlösung oder Erleuchtung geht, ein illusionärer Akt ist. Konditionierte Spiele, die wir alle spielen, aber die unter gewissen Gesichtspunkten eine Illusion darstellen. Realität und Phantasie fließen hier völlig ungewohnt zusammen, wechseln fast die Rollen. Auf einmal ist das Illusion und Phantasie, was ansonsten als Realität gilt. Das kommt uns spanisch vor, wir pflegen diese Sichtweise gegenwärtig in keiner Weise, aber allmählich kommen wir der Macht des Innern, des Subjekts, seiner Vorstellungen, Einstellungen, Bilder auf einer therapeutischen Ebene näher. Wohin die Reise führt wissen nur die Erleuchteten, diese Vorstellung sollte nur ein Ausblick sein, dass es noch mal ganz andere Möglichkeiten gibt.