Klimawandel

HIghtech Milchpumpen

Milch von glücklichen Kühen auf grünen Wiesen. © STS Schweizer Tierschutz under cc

Der Klimawandel ist ein seit Jahren ideologisch stark umkämpftes Thema. Weniger die Vernunft als die Gesinnung entscheidet darüber, wie man sich dem Thema nähert. Vom absoluten Alarmismus, bis zur rigiden Leugnung ist alles dabei, wie schlimm er werden wird, darüber erscheinen laufend neue Meinungen, neuerdings, passend zum Sommerwetter ist von einer neuen Heißzeit die Rede, die auch dann schon einsetzen soll, wenn die Klimaziele erreicht werden (eine Begrenzung der Klimaerwärmung auf 1,5 bis 2°), aber schon danach sieht es nicht aus. Durch eine Freisetzung von Methan, das derzeit in den Permafrostböden gebunden ist und noch stärkere Auswirkungen auf das Klima hat, als das Kohlendioxid könnte sich die Erwärmung dramatisch verselbstständigen und beschleunigen, mit Effekten, dass die Temperaturen sich von selbst drastischer erhöhen als gedacht, etwa um 4 – 6°C im statistischen Mittel, der Meeresspiegel würde etwa 60 Meter ansteigen.

Was dabei allerdings prekär ist, ist, dass die Botschaft eher den Skeptikern der Klimawandeltheorie in die Hände spielt, denn deren Argumente lauteten bislang, dass man nichts machen kann, das würde mit dem Heißzeit Ansatz bestätigt. Der Natur macht das alles nichts aus, ziemliche Probleme bekommen wir Menschen. Nicht nur, dass es heißer und nasser wird, der Lebensraum wird beschränkter, das Nahrungsangebot knapper, was ohnehin durch die Ausbeutung der Ressourcen passieren wird.

Doch relativ klar ist, dass die aktuelle Strategie riesiger Monokulturen problematisch ist, da sie die Böden auslaugt, die Artenvielfalt stark begrenzt, die Pflanzen anfälliger gegen Schädlinge, Krankeiten und Wetterphänomene macht. All die Tricksereien mit einer Kombination aus Gentechnik und Pestiziden macht unsere Umwelt nicht besser, Leidtragende sind am Ende des Tages wieder wird selbst und es wird als bekannt angesehen, dass die Strategie gescheitert ist. Für eine ökologischere Agrarwirtschaft fehlt aktuell das Bewusstsein, gerade auch bei denen, die dort arbeiten. Dass man mit einem gesunden Anbau und einer deutlichen Reduktion der insgesamt skandalösen Massentierhaltung die Menschen nicht ernähren könne, gilt nach Ansicht vieler nur, wenn man Fehler vier begeht und Entwicklungen von heute werden unsachgemäß in die Zukunft projiziert. Denn der meiste Anbau in Monokulturen wird zum Tierfutter und die Methangase der Tiere werden zu einem eigenen Klimaproblem, eine Zeitenwende, die wir voll erleben.

Fleisch essen, Fliegen und Kreuzfahrten sind recht brutale Antreiber des Klimawandels, jeder hat hier jedoch einen Zipfel in der Hand, weil er hier selbst entscheiden kann. Kinder zu kriegen ist noch schlimmer, aber an der Stelle wird die Diskussion absurd, denn für uns Menschen veranstalten wir den ganzen Zauber schließlich, die Natur selbst kommt mit allem klar. Wärme und Kohlendioxid sind optimale Bedingungen für Pflanzen, die wachsen dann besser und werden größer, aus 30 Meter hohen Farnen ist dereinst die Kohle entstanden, die wir heute ungebremst verfeuern.

Ein kluges Zusammenspiel von Natur und Technik finden wir in Anätzen der Bionik und auch ganze Einkaufszentren in der Gluthitze Afrikas kann man mit intelligenter Bauweise, die die Belüftungssysteme der Termiten kopiert, energieeffizient herunterkühlen.

Wirtschaft und Soziales

Die Rente ist sicher, wenn die Wirtschaft stabil wächst. Aber ob das der Fall ist, kann niemand sagen, ein lineares Wirtschaftswachstum ist eher fraglich, zu groß die Unwägbarkeiten durch politische Spannungen in der Welt, auch in Europa. Wie im verlinkten Artikel beschrieben, sind die Instrumentarien zur Gegensteuerung nahezu aufgebraucht. Das Geld ist noch als Auswirkung der letzten Krise so billig, dass man die Zinsen kaum weiter reduzieren kann, der letzte Ausweg wäre den Bürgern Geld zu schenken, was dann aber weniger Wert würde. Brummt die Wirtschaft aber nicht, leiden auch die Sozialsysteme und die Kluft zwischen Arm und Reich ist nicht nur weltweit, sondern auch bei uns so hoch, dass es zu Spannungen kommt. Diese haben sich vor allem am Flüchtlinsgsthema entladen, doch inzwischen wird die Stimmung zwar noch bewusst geschürt, ist jedoch in der Gesamtbevölkerung bereits abgekühlt, längst interessieren sich die meisten Menschen dafür, wie es mit ihnen um Alter weiter geht. Pflege, Rente und die Frage, wo das Geld denn nun gesichert herkommen soll, sind relevanter geworden, es scheint den nimmersatten Bürger zu geben, der nie zufrieden ist, aber andererseits ist das Volk der Souverän, mit ein paar Euro Wahlgeschenken alle vier Jahre lässt es sich aktuell nicht mehr abspeisen.

Das neoliberalbe Versprechen, dass die Sozialkassen schon automatisch als Kollateraleffekt gefüllt werden, wenn man der Wirtschaft nur frei Fahrt lässt, ist krachend vor die Wand gefahren, in Zeiten, in denen es der Wirtschaft gut ging und man alles investierte um Banken zu retten, profitierten die Sozialsysteme und die Bürger nicht davon. Die Lektion ist gelernt, die Verbitterung jedoch groß und ähnlich wie es beim Klimawandel einen Punkt gibt, an dem sich die Geschichte verselbstständigt, gibt es auch gesellschaftliche Entwicklungen, die sich selbst weiter verstärken. Regressionen fördern weitere Regressionen, Plattformen im Social Media geben Menschen die Möglichkeit ihre potenziell pathologischen Neigungen exhibitionistisch darzustellen und eine geistige Heimat gleichgesinnten zu finden, was eine Verstärkung ihrer pathologischen Merkmale bedeutet. So wachsen Narzissmus und Misstrauen an beiden Ende einer normalen Bevölkerung, die sich gar nicht so sehr irritieren lässt und sich derzeit vor allem wieder eine Versachlichung aufgeheizter Diskussionen wünschen.

Eurozentrismus oder das Ende der Geschichte

Die äußeren und inneren Bedingungen greifen stets ineinander. In Europa und der von Europa geprägten westlichen Wertegemeinschaft gab es einen unausgesprochenen Konsens, nämlich den, dass weite Teile der Welt zwar noch nicht so weit sind, wenn sie es dann aber dereinst schaffen nichts lieber tun würden, als auch so zu werden, wie wir schon sind, aus dem selbstsicheren Gefühl heraus, dass wir unterm Strich ganz einfach die Besten sind. Durchaus auch wohlmeinend verpackt, indem wir bereit sind, dem einen oder anderen zu helfen, so zu werden, wie wir.

In ähnlicher Weise hat der US-amerikanische Politikwissenschafter Francis Fukuyama in einer popularisierten Variante “Das Ende der Geschichte” darzustellen versucht, in der sich Demokratie und Marktwirtschaft als die weltweit überlegenen Bausteine herauskristallisieren werden. 25 Jahre später konstatiert Fukuyama, dass es kein Ende der Geschichte in dieser Version gibt oder sich dieses Ende zumindest vertagt habe. Demokratie könnte im schlimmsten Fall ein Auslaufmodell sein, viele Fehler sind selbst gemacht und viele junge Menschen in Deutschland und Europa interessieren sich nicht mehr sonderlich für die Demokratie und verbinden mit einem eventuellen Kollaps derselben keine größeren Ängste.

Nun ist die Situation aber so, dass der Westen an Einfluss verliert, Europa schrumpft und überaltert, überall, auch mitten in Europa kommen Autokraten an die Macht, der Segen der Marktwirtschaft wird kritisch gesehen, auch wenn Alternativmodelle nicht zur Disposition stehen. Die europäische Sicht auf die Welt ist nicht mehr der selbstverständliche Standard, den alle anderen dringend erreichen wollen, die wollen das zum Teil gar nicht.
Was die Demokratie so unsexy erscheinen lässt, hat Fukuyama klar auf den Punkt gebracht: Demokratie stiftet keine Identität. Die stille Selbstsicherheit als Mitglieder der westlichen Wertegemeinschaft zur Spitze zu gehören und als Deutsche zur Spitze der Spitze, erodiert und diesen Bedeutungsverlust haben wir uns noch immer nicht klar gemacht. Europas Sicht auf die Welt ist kein Selbstläufer mehr, dem sich alle anderen, wenn sie nur weit genug sind anpassen werden und anzupassen haben, nun muss man kämpfen für seine Überzeugungen und stellt auf einmal fest, dass man die sehr oft selbst vergessen hat.