Finger spreizen Rollo

Wer ist denn da schon wieder? © Benjamin Watson under cc

Die paranoide Gruppe gehört zur inneren, introvertierten Gruppe der Psychopathologien, in dem Sinne, dass hier erst einmal wenig agiert wird, sondern sich viel in der Phantasie abspielt. Im Gegensatz zu anderen Pathologien, die wesentlich impulsiver sind, wie manchmal die emotional instabile Persönlichkeit oder der Narzissmus, der eine sehr theatralische und exhibitionistische Seite haben kann.

Die schizoide Persönlichkeit

Der Übergang von schizoiden Symptomen zur Persönlichkeitsstörung ist fließend, diagnostisches Kriterium für das Vorliegen einer schweren Persönlichkeitsstörung ist die Identitätsdiffusion. Von der schizoiden Person heißt es, dass sie gerne allein sei, Gruppen und Kontakte nicht mag. Das trifft es nur halb, sie wollen schon, haben aber oft Schwierigkeiten ihre Emotionen, insbesondere Freude auszudrücken. Das lässt sie merkwürdig, starr und unterkühlt erscheinen, gleichzeitig wirken andere, die ihre Gefühle zeigen, natürlich ihrerseits komisch und anstrengend auf schizoide Menschen. Bei all den Problemen in komplexeren sozialen Situationen ist es ein ganz guter Kompromiss, wenn sie Dinge beruflich alleine machen, sie sind die klassischen Einzelgänger.

Dabei ist ihr Innenleben oft gedanklich reich, emotional zuweilen arm, mindestens aber gehemmt. Die Gedanken und Phantasien gehen ihre eigenen Wege, aufgrund des eher geringen Austauschs mit anderen in wenigen engen Beziehungen (wenn überhaupt), ist die Möglichkeit zur Kontrolle der Phantasien oft nicht gegeben, was deren Eigenleben eher vergrößert, man muss sich eben selbst einen Reim auf die Dinge machen. Das klappt durchaus auch, in einer eigenartigen Mischung. Die Psyche der schizoiden Menschen ist fragmentiert, das heißt, das Ganze gerät aus dem Blick. Was gesehen wird, sind Details, so dass das Innere von schizoiden Menschen manchmal wie ein Labyrinth ist, es geht immer irgendwie weiter, die Gedanken ziehen ihre eigene, manchmal assoziative Bahn, bei dem der eine dem nächsten das Stichwort gibt, doch wenig bis nichts davon ist äußerlich zu sehen. Es ist ein eher kleinteiliges Gewusel, bei dem man inneren Wegen folgt oder Sortierarbeiten nachgeht, die für Außenstehende keinen rechten Sinn zu machen scheinen.

Oft kommt es zu einer merkwürdigen aber typischen Mischung zwischen Hellsichtigkeit und Blindheit. Das Detail, die augenblickliche Gestimmtheit eines Anderen wird manchmal so präzise erkannt, dass man denkt, schizoide Menschen könnten hellsehen, sie bemerken die eigene Stimmung, noch bevor man es selbst merkt, im Kontrast dazu erfassen sie nicht das Ganze einer Situation, eines anderen Menschen oder von sich selbst. Wie zum Beispiel die gegenwärtige Stimmung mit der, der letzten Wochen oder Jahre im Zusammenhang steht. So springen sie von Scholle zu Scholle einer inneren fragmentierten Landschaft, die tatsächlich emotional etwas unterkühlt sein kann. Das heißt, die Emotionen schizoider Menschen sind wohl auch weniger ausgeprägt, was jedoch bisweilen bestritten wird, sicher ist, dass sie ihre Emotionen nicht problemlos ausdrücken können. Sie sind oft umständlich in ihrem Ausdruck, haben nicht viel Freude im Leben, manchmal reduzierte sexuelle Interessen und Lob und Kritik von anderen lässt sie eher gleichgültig. Viel von dem, was in ihrem Leben passiert, ist innerliches Geschehen.

Die paranoide Persönlichkeit

Die paranoide Persönlichkeit liefert uns den Namen für die paranoide Gruppe und wohnt quasi bei der schizoiden Persönlichkeit nebenan. Auch der Paranoiker macht die Dinge mit sich aus, auch in ihm geht die Phantasie spazieren. In ihm ist emotional jedoch mehr los, denn er ist chronisch misstrauisch, dies jedoch eher auf eine alles durchdenkende und bezweifelnde Art. Immerhin aber nicht unbeteiligt. Eigene und fremde Emotionen, die hinter dem manchmal betont nüchternen Auftritt liegen, sind ihnen selbst eher verborgen bis suspekt. Emotion ist Schwäche, macht angreifbar. Und weil Misstrauen und Argwohn tief in ihm sitzen, ist er vorsichtig. Bei milden Formen in durchaus begründeten Fällen, dort wo es in Richtung der paranoiden Persönlichkeitsstörung geht, ist das Misstrauen prinzipieller Natur.

Das führt dazu, dass es kaum normale Sätze und Begegnungen für den Paranoiker gibt. In seiner Welt hat alles noch eine zweite, versteckte Bedeutung, eine, von der er überzeugt ist, dass der andere, der Absender, sie genau so gemeint hat, auch dann, wenn der Wortlaut im Grunde das genaue Gegenteil aussagt. Deutungen, die etwas Gesagtes als das nehmen, was gesagt wurde, hält der Paranoiker bestenfalls für naiv, er weiß es besser.

Entsprechend hellhörig ist er natürlich tatsächlich für die feineren Zwischentöne, vor allem wenn eine Kritik in ihnen steckt, manchmal jedoch auch, wenn keine Kritik in ihnen steckt. Die Logik des Paranoikers ist selbsterhaltend und -verstärkend. Grundsätzlich ist erst mal jeder, bis zum Beweis des Gegenteils, verdächtig. Wer das Gegenteil aber beweisen will, ist erst recht verdächtig. Wieso sollte jemand Erklärungen abgehen, oder betont harmlos tun, wenn er nichts zu verbergen hat? In der Welt des Paranoikers ist das ein Argument. Entsprechend schwierig gestalten sich auch hier Beziehungen. Paranoiker sehnen sich vermutlich nach Menschen, denen sie wirklich vertrauen können, aber ihr Vertrauen wurde aus ihrer Sicht schon oft genug enttäuscht – wenn ein Partner nach jahrelangen Verdächtigungen die Nase voll hat, ist immerhin die Weltsicht des Paranoikers gerettet: Wusste er doch von vorn herein, dass das keinen Bestand hat. – Grund genug, noch ein wenig vorsichtiger zu sein. Der Traum von einer perfekten Beziehung ist einer, in der man keine Geheimnisse voreinander zu haben braucht und vor allem, auch keine hat, was besonders für den Partner des Paranoikers gelten sollte.

Kontrollen und verhörähnliche Fragen gehören hier zum Repertoire, wohl eigentlich in der Absicht zu retten, was gefährdet erscheint, die Beziehung. Dass ständig kontrollierende Fragen nervtötend sind, wird dem Paranoiker bewusst sein, nur gibt es halt immer Anlässe, die misstrauisch machen und Vertrauen ist gut, Kontrolle jedoch ungleich besser. Wenn schon das engste Umfeld mit Argwohn überzogen wird, haben Fremde in aller Regel erst gar keine Chance, außer vielleicht einigen idealisierten Kämpfern für Wahrheit, Gerechtigkeit und das Gute. Ansonsten ist irgendwie klar, dass die Sache einen Haken hat, er muss halt nur noch gefunden werden, doch der Paranoiker wird sicher zumindest etwas finden, was ihm dubios genug erscheint und sein Misstrauen rechtfertigt. Der Paranoiker hat einen langen Atem, um wenigstens sich zu beweisen, dass sein Misstrauen begründet ist, das Ergebnis steht fest, die Beweise werden noch gesucht. Und ebenso wie er lange sucht, ist er nach einer Kränkung oder einem Vertrauensbruch auch äußerst lange nachtragend.

Eine besondere Beziehung besteht auch oft zwischen Paranoikern und politischem Aktivismus bishin zum politischen paranoiden Wahn. Paranoiker sind meistens Überzeugungstäter, das passt gut zu einer anderen Facette ihrer Logik, sie denken pars pro toto. Jeder Vertreter einer Gruppe ist so wie alle anderen Mitglieder derselben, so etwas wie Individualität und vor allem individuelle Abweichungen gibt es für ihn nicht. Der Paranoiker weiß, wo der Feind sitzt, wer er ist und vor allem, was er vorhat.

Hypochondrie

schwarze und weiße Spionpüppchen

Spionage, Geheimdienste, Intrigen und deren Kontrolle sind die Interessen des Paranoikers. © Paul von de Velde under cc

Über die Hypochondrie haben wir schon ausführlicher geschrieben, sie hat zwei Gesichter. Das eine kann etwas narzisstisch gefärbt sein, wenn Symptome sehr theatralisch präsentiert werden, was nicht heißt, dass dahinter kein echter Leidensdruck steht. Doch Narzissmus ist der Gegenpol zur Paranoia, ihm wollen wir uns hier nicht zuwenden. Die hypochondrische Persönlichkeitsstörung (die inzwischen gestrichen wurde) ist ernster, weil noch innerlicher. Sie wurde früher als Eskalationsform der paranoiden Persönlichkeitsstörung angesehen, denn bei der ist man wenigstens noch mit der Umwelt beschäftigt. Die ist einem zwar prinzipiell feindlich gesonnen, aber immerhin spielt sie eine aktive Rolle.

Bei ernsten Fällen der Hypochondrie wird dieses Band zur Außenwelt gekappt. Kommunikation findet nur noch über den eigenen Körper und seine Symptome statt. “Also meinem Kie geht es heute etwas besser, dafür ist der Magen wieder so gereizt.” Bei der quälenden Selbstbeobachtung sitzt der Feind innen, unter der eigenen Haut. Und wie der Paranoiker in einer Art innerer Warteschleife ist, bei der feststeht, dass der Feind da, aber vielleicht noch nicht enttarnt ist, so steht für den Hypochonder fest, dass er krank ist. Niemand wird ihm das Gegenteil einreden können, schließlich merkt er es und kennt seinen Körper und die möglichen Anzeichen schwerster Erkrankungen, die er pausenlos empfindet, sehr genau. Und selbst wenn man gesund ist, kann einem niemand garantieren, dass nicht genau in diesem Moment Zellen entarten, sich ein Thrombus bildet oder was es auch sei. Davor schützt dann auch die gründlichste Untersuchung nicht.

Da man am Ende tatsächlich stirbt und Altersschwäche bei uns als Todesursache nicht vorgesehen ist, hat der Hypochonder immer recht, er wusste es nur schon seit Jahrzehnten und die vermiesen ihm sein Leben. Sie betrachten die Geschichte des Lebens immer vom Ende her, insofern stimmt ihre Vermutung, der Tod lauert, aber dies zu wissen und damit umgehen zu können bedeutet nicht einfach nur Verdrängung, sondern auch jene Ich-Stärke, die Hypochondern oft fehlt. Die ein lebendiges und fröhliches “Dennoch” bis zur “gerade deshalb”-Einstellung ermöglicht.

Dabei lassen sie sich, in ihrer mitleiderregenden Ich-Schwäche oft nicht beruhigen oder trösten, weil sie glauben, dass die anderen sie nur in Ruhe wiegen wollen (Stress ist ja auch gefährlich, wer weiß, vielleicht steht es schon so schlimm um mich …), halten die anderen für oberflächlich, desinteressiert oder naiv und glauben, dass eine gründlichere Untersuchung nur deshalb nicht gemacht wurde, weil der Arzt keine Ahnung hat und es für sie ein Fiasko ist, dass es in dieser Welt keine 100%igen Gewissheiten gibt. Mehr Lebensversicherung gibt es für alle anderen aber auch nicht, außer der Feststellung, dass man jetzt gerade lebt.

Schizotypische Menschen

Die schizotypische Persönlichkeitsstörung stellt eine weitere Eskalation des Schweregrades und des Rückzugs in die innere eigene Welt dar. Ihr Verhalten erinnert mitunter schon stark an die Schizophrenie, aber die Realitätsprüfung wird bestanden. Die Denk- und Sprechmuster, die teilweise nach dem Klang assoziieren, oder völlig zerfahren und umständlich erscheinen können, sind ähnlich, wie bei schizophrenen Menschen. Das sogenannte “magische Denken” ist mitunter vorhanden, in dem ein Kühlschrank der Lebensmittel enthält und ein Bett, in das man geht, einen auch enthält – und jenes magische Denken, lässt es gerechfertigt erscheinen, dass man sagt, dass man gleich zum Schlafen in den Kühlschrank geht. Allgemein werden Beziehungen und Bedeutungen hergestellt, die immer eigenwilliger werden und sich immer mehr der Korrektur durch realistische Begegnungen entziehen. Einerseits durch das Misstrauen der schizotypischen Menschen, andererseits dadurch, dass man ihnen kaum mehr folgen kann und irgendwann auch nicht mehr will. Sie können bisweilen im Auftreten und Verhalten schrullig und exzentrisch wirken, ihre Reaktionen sind oft unpassend und gehen nicht auf den Anderen oder dessen Aussagen ein.

Dabei erscheint die schwierige Seite der Spaltung auch hier vor allem die emotionale Seite zu sein. Otto Kernberg berichtet von dem Fall einer schizotypischen Patientin, die klar, deutlich und orientiert auf die Fragen, was dann und dann passiert sei antworten konnte und deren Sprache sofort schwer entglitt, als sie gefragt wurde: “Und was fühlten Sie dabei?” Das war es, was sie nicht verarbeiten konnte.

Die paranoide Schizophrenie

In der Schizophrenie, über die wir ebenfalls schon näher berichteten, ist jeder Kontakt zur Außenwelt, im Sinne einer Kommunikation auf Augenhöhe verloren, der schizophrene Mensch nimmt äußere Ereignisse und Begegnungen nur noch für als Aufhänger und kurze Anknüpfungspunkte für Reisen in eigene Welten, denen man kaum mehr folgen und zu denen man nicht mehr durchdringen kann. Die Schiozophrenie ist, anders als die obigen Persönlichkeitsstörungen eine Psychose, hier ist die Realitätsprüfung verloren. Eine häufige Sonderform ist die paranoide Schizophrenie, bei der wahnhafte Überzeugungen, meistens eine Weltverschwörung gegen den Schizophrenen so täuschend echt dem Lehrbuch entsprechen, als hätte der Betreffende es auswendig gelernt und würde die Schizophrenie nun, bestens einstudiert, vorspielen. Die Welt hat sich scheinbar gegen den Schizophrenen verschworen, dabei machen gerne Großorganisationen wie diverse Geheimdienste, Politker oder Nachrichtensprecher mit, die ihm, dem Schizophrenen, geheime Zeichen geben, durch die Farbe der Krawatte oder ein Räuspern. Hier kann man erkennen, dass beim äußerlich diagnostizierbaren psychotischen Zusammenbruch und Verlust des Ich, in der Erlebenswelt denoch Ich übrig bleibt, ein Ich, das alles auf sich bezieht und sich in vielen Fällen von allen verfolgt fühlt.

Die paranoide Gruppe und ihre Stärken

Die paranoide Gruppe hat, wie die narzisstische Gruppe, die eine Art temperamentalen Gegenpol darstellt, ihre Stärken und Schwächen. Neben dem Offensichtlichen, dass man Mitglieder dieser Gruppe nicht so einfach (bis gar nicht) übers Ohr hauen kann, weil sie oft sehr gewissenhaft und gründlich sind, haben sie die Fähigkeit Muster und Zusammenhänge besser zu erkennen, als andere. Das mag auch an ihrer biochemischen Ausstattung liegen, wie in Gedanken zur Sucht kurz ausgeführt.

Die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit ist für die paranoide Gruppe oft ein starker innerer Antrieb und eine Art heiliger Pflicht. Das macht sie zu vehementen Streitern für die gerechte Sache, bei der es ihnen ums Prinzip geht. Mögen andere Menschen schnell korrumpierbar sein, der Paranoiker ist es nicht und da macht er auch bei sich und seiner Familie keine Ausnahme.

Moral und Ernsthaftigkeit geben Mitgliedern der paranoiden Gruppe Rückgrat. Sie wissen wofür sie kämpfen und sie sind stets überzeugt davon, dass ihr Kampf einer größeren, dem persönlichen übergeordeneten guten Sache dient, womit sie ihre Handlungen vor sich rechtfertigen können und was sie zu Moralisten macht. Nicht zuletzt ist es auch eine gewisse Lust am Krimi und an der Gerechtigkeit, die sie antreibt. Hintergründe zu erahnen, zu sehen, wie sich die Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenfügen, investigativ tätig zu sein und auf der Lauer zu liegen, selbst Fährten zu legen und wie die Spinne im Netz abzuwarten, wer sich verfängt, das kann auch Spaß machen.

Insofern kann man paranoiden Neigungen in Geheimdiensten, bei Polizei und Zoll, als Anwalt, Kontrolleur für Fragen der Sicherheit jedweder Art oder investigativer Journalist, sowie als politischer Aktivist gut ausleben. Aber auch der Thrill spricht den paranoiden Anteil in uns an. Deutschland ist “Tatort”-Land, die Lust an Skandalen ist bei uns ebenfalls ungebrochen und gehören irgendwie auch zum Bestandteil der Unterhaltungsindustrie.

Die paranoide Gruppe und ihren Schwächen

Wie so oft sind die Stärken immer auch gleichzeitig die Schwächen. Prinzipienreiter im Leben sind oft anstrengend und Spaßbremsen. Wer nicht korrumpierbar ist und sich wie eine Bulldogge in seinem Teilbereich festbeißt, ohne jemals wieder loszulassen, der lässt manchmal auch die Fähigkeit vermissen das größere Ganze zu sehen. Es kann durchaus sein, dass der Bereich, den ein Kontrolleur der einen oder anderen Art unter sich hat wichtig ist, aber dennoch nur ein Teil eines größeren Systems, das insgesamt laufen muss und Mitglieder die paranoide Gruppe ist eher so gestrickt, dass sie einzelne Bäume, an ihnen noch jedes Blatt und die Rinde genau sieht, aber den Wald nicht erkennt.

Gründlichkeit ist zuweilen oft auch ein Mangel an Leichtigkeit, Ironiefähigkeit und Intuition und auf die Idee zu kommen, dass man auch mal Fünfe gerade sein lassen muss, kann in den Augen der Paranoiker und Gründlichen nur ein Bruder Leichtfuß, aber der, so die Überzeugung, wird schon noch sehen, was er davon hat. Dabei ist es in vielen Situation des Lebens wichtig, einen Schlussstrich zu ziehen, alles auf Anfang zu stellen und eine neue Ebene zu eröffnen. Bereuen und Verzeihen sind Fähigkeiten und Eigenschaften, zu denen man nicht gelangt, wenn man wieder und wieder darauf beharrt, dass der andere doch angefangen hat und ewig misstrauisch und nachtragend ist.

Früher gab es noch die querulatorische Persönlichkeitsstörung, die sich dadurch auszeichnete, dass sie in nahezu allen Lebensbereichen meckert, ihre Rechte einfordert und aus Prinzip protestiert, man darf vermuten, dass hier die Stelle war, in der narzisstische und paranoide Elemente zusammen zu wachsen beginnen. Man kann sich zudem vorstellen, dass ein Zusammensein mit solchen Menschen kein Vergnügen ist. Im Zuge von Eskalationen des Schweregrades paranoider Muster fusionieren Paranoia und Größenwahn dann komplett, wie wir es im Vollbild beim Syndrom des malignen Narzissmus sehen.

Am vielleicht augenfälligsten und auch tragischsten sind jene Bereich in denen Genie und Wahn zusammenfinden, weil hier jemand Muster, Zusammenhänge und Verknüpfungen sieht, die sonst niemand mehr oder nur noch sehr wenige andere erkennen. Muster und Zusammenhänge zu sehen, ist die große Stärke die die paranoiden Gruppe hat, wenn auch oft auf Details oder spezielle Gebiete begrenzt, diese nur noch und überall zu sehen und sich durch gegenteilige Interpretationen nicht mehr korrigieren zu lassen und sei es nur dadurch, dass man erkennt, dass man die Dinge auch anders sehen kann – sonst würde es ja niemand tun – ist ein Zeichen von Wahn, also einer psychotischen Episode.