Bei Psychopathie in Beziehungen beziehungsweise einer Beziehung, die durch die psychopathischen Tendenzen eines der Beteiligten gezeichnet ist, zeigen Forschung und klinische Erfahrung ein recht konsistentes Muster. Wichtig ist: Nicht jede Person mit einzelnen psychopathischen Zügen erfüllt die Kriterien einer Psychopathie. Die meisten Studien untersuchen psychopathische Merkmale auf einem Kontinuum oder Menschen mit hohen Werten auf etablierten Psychopathie-Skalen.

Psychopathie in Beziehungen: Kühl und strategisch

Nach anfänglichem Charme und dem Aufbau einer scheinbar tiefen Verbundenheit treten psychopathische Persönlichkeitsmerkmale in der Beziehung zunehmend hervor. Während Menschen mit psychopathischen Zügen zu Beginn häufig durch Charisma, Selbstsicherheit sowie den Eindruck von Stärke und Unerschütterlichkeit faszinieren, zeigen sich im weiteren Verlauf immer häufiger Verhaltensweisen, die den Partner/die Partnerin verunsichern. Was zunächst wie eine außergewöhnlich intensive Liebesbeziehung wirkte, entwickelt sich für viele Betroffene schrittweise zu einer Dynamik, in der Macht und eigener Nutzen ihres Gegenübers immer mehr in den Vordergrund rücken.

Instrumentalisierung anderer Menschen

Vielleicht bist du in einer Beziehung mit einem Menschen, der dir schadet, und du fragst dich: „Bin ich mit einem Psychopathen/einer Psychopathin zusammen?“ Die nachfolgenden Punkte könnten dir bei der Antwort auf deine Frage behilflich sein. Die Verhaltensweisen eines psychopathisch charakterisierten Menschen in Beziehungen führen zu einer Funktionalisierung der anderen Person und sind durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

Manipulation & Kontrolle

Augen einer Frau mit dunklen Haaren

Psychopathie in Beziehungen ist für Partner*innen mit chronischem Stress und emotionaler Verunsicherung verbunden. © shiranai under cc

Mit Dauer der Beziehung werden manipulative Verhaltensweisen und ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle immer deutlicher. Gaslighting, Schuldumkehr sowie Projektionen dienen dazu, die eigene Verantwortung abzuwehren und den anderen Menschen an seiner Wahrnehmung zweifeln zu lassen. Bei Projektionen werden eigene unerwünschte Eigenschaften, Absichten oder Gefühle dem Gegenüber zugeschrieben. Das zeigt sich zum Beispiel, indem die andere Person der Lüge, Untreue oder Rücksichtslosigkeit beschuldigt wird, obwohl dieses Verhalten in Wirklichkeit von der beschuldigenden Person selbst ausgeht. Eifersucht entspringt bei Menschen mit Psychopathie im Charakter weniger aus der Angst, den anderen zu verlieren. Vielmehr dient sie dem Bedürfnis, Kontrolle und Besitzansprüche aufrechtzuerhalten.

Gleichzeitig wird die Beziehung nach eigenem Nutzen gestaltet. Manche Menschen mit psychopathischen Persönlichkeitsmerkmalen versuchen, Einfluss auf Zeit, soziale Kontakte oder finanzielle Entscheidungen ihres Partners/ihrer Partnerin zu nehmen. Sie beginnen, diesen Menschen schrittweise von seinem Umfeld zu isolieren. Dadurch wächst die emotionale und praktische Abhängigkeit, während Unterstützung von außen immer schwerer zugänglich wird.

Emotionale Kälte & Oberflächliche Emotionen

Menschen mit psychopathischen Persönlichkeitsmerkmalen verfügen häufig über eine gut entwickelte kognitive Empathie. Sie können die Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen erkennen und einschätzen. Jedoch empfinden sie aufgrund ihrer geringen affektiven Empathie oft nur wenig echtes Mitgefühl oder emotionale Anteilnahme. Dadurch fällt es ihnen leichter, das Wissen über die Gefühle anderer für eigene Zwecke zu nutzen, ohne sich von deren Leid oder Verletzlichkeit innerlich berühren zu lassen.

Hinzu kommt, dass Emotionen bei Menschen mit psychopathischen Persönlichkeiten eher oberflächlich erlebt werden. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sie im Durchschnitt weniger Angst empfinden und in belastenden Situationen eine geringere körperliche Stressreaktion zeigen als die Allgemeinbevölkerung. Im Beziehungsalltag kann sich dies in einer auffallenden Gelassenheit selbst während schwerer Konflikte äußern.

Gleichzeitig werden nicht selten manipulative Beziehungsmuster eingesetzt. Dazu zählen etwa Triangulation – das bewusste Einbeziehen einer dritten Person, um Eifersucht, Konkurrenz oder Unsicherheit zu erzeugen – sowie ein wiederholter Wechsel zwischen Nähe und Distanz. Phasen intensiver Zuwendung können sich mit emotionalem Rückzug, Kritik oder Bestrafung abwechseln. Diese unvorhersehbare Dynamik verstärkt häufig die Angst vor dem Verlassen werden beim Gegenüber und erschwert es ihm, die Beziehung zu beenden.

Lügen & Fehlende Verantwortungsübernahme

Ein weiteres oft beschriebenes Merkmal ist die geringe Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen. Pathologisches Lügen gehört in dieses charakterliche Bild. Fehler werden heruntergespielt, mit Halbwahrheiten verschleiert oder durch Schuldumkehr dem Partner/der Partnerin zugeschrieben. Ehrlich empfundene Schuldgefühle oder aufrichtige Reue bleiben aus, sodass Entschuldigungen eher strategisch wirken, anstatt als Ausdruck authentischer Einsicht.

Zeitgleich nutzen manche Menschen mit psychopathischen Persönlichkeitszügen Informationen über andere gezielt zu ihrem eigenen Vorteil. In Studien wird zudem eine ausbeuterische und parasitäre Beziehungsgestaltung beschrieben: Eigene Verpflichtungen werden möglichst auf andere verlagert, während Zeit oder Ressourcen des Umfelds selbstverständlich in Anspruch genommen werden. Eigene Energie wird vor allem dann investiert, wenn Psychopath*innen daraus ein persönlicher Nutzen entsteht.

Moralvorstellungen von Psychopathen

Menschen mit psychopathischer Persönlichkeit orientieren sich stärker an ihrem eigenen Vorteil als an gemeinsamen moralischen Maßstäben. Regeln werden eher dann eingehalten, wenn sie ihnen selbst nützen oder Konsequenzen vermeiden helfen. Schädigendes Verhalten wird nicht selten rationalisiert oder gerechtfertigt. Wohingegen Verantwortung für die eigenen Handlungen auf andere oder auf die Umstände übertragen wird. Da Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen nur gering ausgeprägt sind, steht der persönliche Nutzen über Fairness oder den Bedürfnissen anderer Menschen. Kurzum: Regeln gelten für andere, nicht für sie selbst.
Diese Personen handeln meistens stark gegenwartsorientiert. Langfristige Ziele oder stabile Lebenspläne verlieren gegenüber unmittelbaren Bedürfnissen und kurzfristigen Vorteilen an Bedeutung. Insgesamt besteht eine geringe Bereitschaft, soziale Regeln oder gesellschaftliche Erwartungen einzuhalten, sofern diese den eigenen Interessen im Weg stehen. Entscheidungen orientieren sich daher weniger an moralischen Maßstäben als an der Frage, welchen persönlichen Nutzen sie bringen.

Frau sitzt auf Sofa, Hand vor Augen

Partner*innen von psychopathischen Menschen sind emotional erschöpft und ihr Vertrauen in die eigene Wahrnehmung untergraben. © Grigory Kravchenko under cc

Im Alltag zeigen Menschen mit Psychopathie-Zügen zumeist eine erhöhte Impulsivität und ein starkes Bedürfnis nach neuen Reizen („Sensation Seeking“). Routine und Langeweile werden nur schwer ertragen. Deshalb wird ständig nach Abwechslung, Spannung oder einem „Kick“ gesucht. Dies kann sich in riskanten Entscheidungen, Regelverstößen, unüberlegtem Verhalten oder auch in finanzieller Verantwortungslosigkeit äußern. Langfristige Konsequenzen treten dabei mitunter in den Hintergrund. Demgegenüber steht der unmittelbare persönliche Gewinn oder die kurzfristige Befriedigung stärker im Fokus.

Abwehr in Konflikten

In Konflikten wirken Menschen mit psychopathischen Persönlichkeitsmerkmalen häufig rhetorisch sehr überzeugend. Argumente werden jedoch nicht unbedingt genutzt, um eine gemeinsame Lösung zu finden, sondern um die eigene Position zu verteidigen oder ihr Gegenüber zu verunsichern. Widersprüchliche Informationen oder belastende Fakten werden ausgeblendet, umgedeutet oder abgestritten, sodass sachliche Diskussionen kaum möglich sind. Je nach Situation kann auch die Opferrolle eingenommen werden, um Mitgefühl zu erzeugen oder Verantwortung von sich zu weisen. Hinzu kommen nicht selten Versprechen, die kurzfristig Hoffnung wecken, deren Umsetzung jedoch ausbleibt oder nur so lange anhält, wie sie dem eigenen Vorteil dient.

Auffällig ist außerdem, dass sich schädliche Verhaltensmuster trotz wiederholter Konflikte häufig kaum verändern. Selbst wenn Einsicht oder Besserung versprochen wird, wiederholen sich dieselben Grenzüberschreitungen, Lügen oder manipulativen Strategien. Worte und Versprechen stehen also im Widerspruch zum tatsächlichen Verhalten.

Grandioses Selbstbild

Ein charakteristisches Merkmal ist ein grandioses Selbstbild. Menschen mit stark psychopathischen Zügen neigen dazu, sich als anderen überlegen, besonders kompetent oder außergewöhnlich intelligent wahrzunehmen. Eigene Fehler werden heruntergespielt oder externalisiert, aber Erfolge werden den eigenen Fähigkeiten zugeschrieben. Kritik wird dagegen nur schwer akzeptiert. Sie kann mit Abwertung, Wut oder Gegenangriffen beantwortet werden.

In der Regel liegen auch höhere Narzissmus-Werte vor. Im Vergleich zu Narzissten/Narzisstinnen, die allgemein übermäßig auf Bewunderung und Anerkennung angewiesen sind, verfolgen psychopathische Menschen ihre Ziele zumeist deutlich nüchterner und instrumenteller. Für sie stehen persönlicher Vorteil, Kontrolle und Macht stärker im Vordergrund als die Bestätigung durch andere. Deshalb können sie auch dann manipulativ oder ausbeuterisch handeln, wenn ihnen daraus keine besondere Anerkennung entsteht.

Wut & Instrumentelle Aggression

Studien zeigen, dass psychopathische Persönlichkeitsmerkmale mit einem erhöhten Risiko für Aggression und Gewalt in Paarbeziehungen verbunden sind (Packer West et al., 2026; Universität Bamberg, 2025). Dabei betrifft dies sowohl psychische als auch körperliche und sexuelle Gewalt. Insbesondere psychische Aggression – etwa in Form von Einschüchterung, Demütigungen, Drohungen oder emotionaler Manipulation – wird häufig beschrieben.

Psychopathische Menschen weisen häufig eine geringe Frustrationstoleranz auf. Werden ihre Wünsche oder Erwartungen durchkreuzt, können sie schnell gereizt, impulsiv und aggressiv reagieren. Die Hemmschwelle für verbale oder körperliche Aggression kann dabei herabgesetzt sein. Das gilt vor allem, wenn sie ihre Kontrolle und ihren persönlichen Vorteil bedroht sehen. Ihre Aggression dient zudem nicht selten einem konkreten Zweck. In der Psychologie spricht man von instrumenteller Aggression. Gewalt oder Einschüchterung werden gezielt eingesetzt, um Kontrolle auszuüben und den eigenen Willen durchzusetzen. Menschen mit ausgeprägter Psychopathie zeigen in vielen Fällen das aggressive Verhalten kalkuliert und situationsabhängig. Das macht es für die Betroffenen noch schwerer, das Verhalten vorherzusehen und einzuordnen.

Einschüchterung bei Partnern

Die Folgen für die Partnerin oder den Partner können erheblich sein. Viele Betroffene berichten, dass sie mit der Zeit beginnen, Konflikte zu vermeiden. Zudem stellen sie zunehmend ihre eigenen Bedürfnisse zurück und passen ihr Verhalten an. Ihr Wunsch ist es, weitere Demütigungen oder Eskalationen zu verhindern. Dadurch entsteht ein Klima aus Anspannung und Angst.

Sexualität bei Psychopathen in Partnerschaften

Schatten eines Mannes vernebelt

Ein Wechselspiel aus Anziehung, Manipulation und emotionaler Distanz entsteht in einer Beziehung mit Psychopathen/Psychopathinnen. ©
di.fe88
under cc

Auch im Bereich der partnerschaftlichen Sexualität zeigen Studien charakteristische Zusammenhänge. Menschen mit Psychopathie berichten im Durchschnitt häufiger von unverbindlichen sexuellen Kontakten. Außerdem haben sie oft eine größere Anzahl wechselnder Sexualpartner*innen sowie eine höhere Bereitschaft zu Untreue. Sex dient dabei nicht unbedingt der emotionalen Nähe, sondern kann auch als Mittel eingesetzt werden, um Macht, Kontrolle oder Bestätigung zu gewinnen. Manche nutzen sexuelle Zuwendung gezielt als Belohnung oder entziehen sie als Form der Bestrafung, um Einfluss auf den anderen zu nehmen. Gleichzeitig fällt es vielen schwerer, beim Sex eine tiefe emotionale Verbundenheit zu erleben, sodass körperliche Nähe und emotionale Intimität häufiger voneinander getrennt sind.

Darüber hinaus zeigt die Forschung einen Zusammenhang zwischen Psychopathie und einem erhöhten Risiko für sexuelle Aggression. Besonders Merkmale wie emotionale Gefühlskälte, Impulsivität beziehungsweise Enthemmung stehen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für sexuell grenzverletzendes Verhalten in Verbindung. Wichtig ist jedoch, diese Ergebnisse richtig einzuordnen: Sie beschreiben statistische Zusammenhänge innerhalb von Gruppen und erlauben keine Aussage darüber, wie sich eine einzelne Person verhalten wird. Nicht jeder Mensch mit psychopathischen Charakterzügen wird sexuell übergriffig oder gewalttätig.

Geringes Commitment & Kränkung

Auch die Bindung an Partner*innen unterscheidet sich im Allgemeinen von der in gesunden Beziehungen. Menschen mit psychopathischen Charakterzügen zeigen ein geringes Commitment (also weniger Verbindlichkeit) und investieren vor allem dann in eine Beziehung, wenn sie ihnen einen persönlichen Nutzen bringt. Lässt dieser nach oder erscheint eine andere Person attraktiver, kann die emotionale Bindung schnell abnehmen. Trennungen erfolgen mitunter überraschend kühl und ohne erkennbare Trauer, während neue Beziehungen häufig schon kurz darauf eingegangen werden. Für zurückbleibende Partner*innen wirkt dieser schnelle Wechsel oft schwer nachvollziehbar und verstärkt das Gefühl, austauschbar gewesen zu sein.

Werden Psychopathen/Psychopathinnen hingegen verlassen oder in ihrem Selbstbild gekränkt, reagieren einige mit ausgeprägter Wut, Racheverhalten und dem Versuch, den ehemaligen Beziehungsmenschen abzuwerten und bloßzustellen. Dazu können Rufschädigung, Lügen, Drohungen oder Manipulation und Gewalt gehören. Analog dazu beginnen manche schon kurz nach dem Beziehungsende eine neue Partnerschaft und suchen gezielt nach einer neuen Quelle von Bestätigung und Aufmerksamkeit.

Mitunter versuchen sie, ehemalige Beziehungsmenschen durch rechtliche Schritte, finanzielle Auseinandersetzungen oder gezielte Manipulationen unter Druck zu setzen, um Kontrolle auszuüben und einen persönlichen Vorteil zu erlangen. Auch „Hoovering“ (Rückkehrversuche bei Nutzen) sind häufig der Fall. Wer einem Psychopathen/einer Psychopathin hinterhertrauert, sollte sich bewusst machen, dass deren Kontaktaufnahme vorrangig aus Eigeninteresse geschieht.

Beziehungen mit Psychopathen: zu Lasten der anderen

Für die Partnerin oder den Partner können solche Beziehungsdynamiken erhebliche psychische Folgen haben. Studien zeigen, dass Psychopathie in Beziehungen beim Gegenüber häufiger mit chronischem Stress, Angst, Selbstzweifeln, emotionaler Erschöpfung und einem verminderten Selbstwertgefühl einhergehen. Durch den ständigen Wechsel zwischen Nähe und Distanz, Hoffnung und Enttäuschung entwickeln Betroffene eine angstbasierte, aber dennoch starke emotionale Bindung an psychopathische Partner*innen, obwohl sie gleichzeitig unter der Beziehung leiden. In der Psychologie wird dieses Phänomen als „traumatische Bindung (Trauma Bonding)“ bezeichnet. Parallel dazu berichten Betroffene im Durchschnitt über eine geringere Beziehungs- und sexuelle Zufriedenheit. Viele beginnen im Laufe der Zeit, ihrer eigenen Wahrnehmung immer weniger zu vertrauen, hinterfragen ihre Erinnerungen und passen ihr Verhalten zunehmend an, um erneute Grenzüberschreitungen zu vermeiden.

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