Selbstsicherheit im Gespräch beginnt im Grunde schon damit, aus welcher inneren Position heraus wir unserem Gegenüber begegnen. Gehen wir angespannt oder mit Selbstzweifeln in ein Gespräch, geraten wir schneller in die Defensive: Wir rechtfertigen uns, erklären zu viel, entschuldigen uns vorschnell oder versuchen, unser Gegenüber unbedingt von unserer Sichtweise zu überzeugen.

Um selbstsicher auftreten zu können, machen bereits kleine Veränderungen einen Unterschied. Die folgenden schnellen Tipps helfen dir, weniger defensiv zu reagieren und in Gesprächen stärker bei dir zu bleiben.

Selbstsicherheit im Gespräch: Raus aus der Defensive

Nachfolgend findest du einige Tipps aufgelistet, wie du in Gesprächen selbstsicherer auftreten kannst. Der zusätzliche Bonus: Mit jeder neuen Erfahrung erhält dein Gehirn die Rückmeldung, dass du schwierige Gesprächssituationen bewältigen kannst – und nach und nach fühlst du dich tatsächlich selbstsicherer.

Sätze, die dich selbstbewusster wirken lassen

Um in einem Gespräch selbstbewusst aufzutreten, helfen dir einfache, sachliche Sätze. Mit den folgenden Formulierungen kannst du deine Position ruhig vertreten und Grenzen setzen.

1. „Ich kann sagen, dass …“

Frauengesicht im Seitenprofil und Nahaufnahme

Selbstsicherheit in Gesprächen zeigt sich auch darin, nicht jede Kritik als Angriff zu verstehen und sich sofort verteidigen zu müssen. © Lua Pramos under cc

Verunsicherung verengt den wahrgenommenen Handlungsspielraum – „Ich kann sagen …“ öffnet ihn wieder.
Schaffe inneren Abstand, wenn du dich in einem Gespräch verunsichert oder unter Druck gesetzt fühlst. Geeignete Formulierungen wären beispielsweise:

  • „Ich kann sagen, dass ich noch nicht bereit für dieses Gespräch bin.“
  • „Ich kann sagen, dass ich darüber nachdenken möchte.“

So benennst du den aktuellen Status quo und gleichzeitig setzt du eine Grenze. Du machst deutlich, wo du gerade stehst bzw. was du bereits weißt und entschieden hast – und an welchem Punkt du noch Zeit brauchst.

2. Streiche unnötige Entschuldigungen


Vermeide ein reflexhaftes „Sorry, aber …“, wenn du nichts getan hast, wofür du dich entschuldigen müsstest. Eine Meinung oder Grenze braucht keine Entschuldigung. Wer sich bereits entschuldigt, bevor er seine Position überhaupt ausgesprochen hat, stellt sie sprachlich ein Stück weit selbst infrage. Aus Unsicherheit verwenden wir Entschuldigungen manchmal, um einen eventuellen Widerspruch oder die Enttäuschung des Gegenübers vorweg abzufedern.

Achte deshalb darauf, ob du dich tatsächlich entschuldigen möchtest oder ob du lediglich versuchst, deine Aussage für andere angenehmer zu machen, weil du dich generell oft schuldig fühlst. Natürlich spricht absolut nichts dagegen, eine Aussage für andere angenehmer zu gestalten. Im Gegenteil. Aber: Es gibt einen Unterschied zwischen einer freundlichen Kommunikation eines anderen Standpunktes versus einer Unterordnung, in der du dein Licht unter den Scheffel stellst. Anstatt von: „Tut mir leid, aber ich sehe das anders“, könntest du also eher sagen: „Ich sehe das anders.“ Merkst du, dass Variante 2 wesentlich kraftvoller und dennoch ruhig und freundlich klingt?

Außerdem: Entschuldige dich nicht für notwendige Gespräche

Bei schwierigen Gesprächen wirkt es selbstsicherer, wenn du nicht mit einem entschuldigenden „Sorry, aber ich muss mit dir darüber reden“ einsteigst. Kündige das schwierige Gespräch lieber direkt an. Du könntest beispielsweise sagen: „Das wird wahrscheinlich kein einfaches Gespräch, aber mir ist wichtig, dass wir darüber sprechen.“

Eine selbstsichere Person vermeidet schwierige Gesprächssituationen nicht, die notwendig sind.

Mit einer solchen Einleitung signalisierst du: Ich weiß, dass es unangenehm werden kann – und spreche es trotzdem an. Du gehst (selbst-)bewusst in die Auseinandersetzung, anstatt die Klärung weiter aufzuschieben und das Problem unterschwellig weiterwabern zu lassen.

3. Akzeptiere unterschiedliche Sichtweisen

Du wirkst nicht selbstbewusster, wenn du ein Gespräch „gewinnst“ oder „gewinnen möchtest“. Viel selbstsicherer ist es, dein Standing zu bewahren, aber unterschiedliche Sichtweisen akzeptieren zu können. Das inkludiert, gegebenenfalls seine Meinung zu relativieren, sobald man bemerkt, man liegt tatsächlich falsch. Grundsätzlich können zwei Menschen dieselbe Situation unterschiedlich bewerten. Ein Satz wie „Es ist okay, wenn du eine andere Sichtweise hast“ nimmt den Druck aus dem Gespräch, einen gemeinsamen Nenner erzwingen zu müssen.

Auch Formulierungen wie „Ich verstehe deine Perspektive. Nach meiner Ansicht …“ helfen dir, die Position deines Gegenübers anzuerkennen, ohne die eigene aufzugeben. Verständnis ist schließlich nicht dasselbe wie Zustimmung.

4. Entferne sprachliche Abschwächungen

„Vielleicht ist das jetzt unnötig, aber …“, „Eigentlich …“, „Ich wollte nur …“, „Ich weiß nicht, aber …“ oder „Kann sein, dass ich falsch liege, aber …“ – solche Vorbemerkungen und Füllwörter können deine Aussage abschwächen, bevor du sie überhaupt gemacht hast. Du stellst deine Position vorsorglich infrage und machst dein Anliegen kleiner, als es ist.

Achte besonders auf Wörter wie „nur“ und „eigentlich“. „Ich wollte nur fragen …“ lässt eine berechtigte Frage schnell wie eine kleine Störung erscheinen. Und „Eigentlich möchte ich nicht …“ klingt weniger entschieden als ein klares „Ich möchte nicht …“ Streiche solche Wörter probeweise aus deinen Sätzen und prüfe einmal, was das mit dir macht. Deine Aussage wird dadurch klarer und dein Auftreten selbstbewusster.

5. Stelle Fragen bei Kritik

Baum auf einer Wiese mit einem Berg im Hintergrund

Selbstsicheres Auftreten beginnt mit innerer Stabilität: Je weniger dein Selbstwert von der Reaktion anderer abhängt, desto weniger musst du dich verteidigen oder beweisen. © Mark Gunn under cc

Wenn du dich in einem Gespräch angegriffen fühlst, musst du nicht sofort mit einem Gegenargument reagieren. Fragen verschaffen dir Abstand von deiner Emotion und schenken dir eine ruhige Selbstsicherheit. Gleichzeitig ermöglichen sie dir, das ursprüngliche Anliegen deines Gegenübers zu verstehen und das Gespräch weg von gegenseitigen Unterstellungen zu lenken.

Bevor du dich verteidigst, könntest du zum Beispiel fragen:

  • „Was genau meinst du damit?“
  • „Kannst du mir ein konkretes Beispiel nennen?“
  • „Was hat bei dir diesen Eindruck ausgelöst?“

Du musst dich nicht gegen etwas verteidigen, dessen Hintergründe du noch gar nicht kennst. Stattdessen kannst du der Sache zunächst auf den Grund gehen und prüfen, ob der Vorwurf bei näherem Nachfragen überhaupt an Substanz behält. Kommt es nämlich von einer Person wiederholt zu pauschalen Vorwürfen und Herabsetzungen, kann eine deutliche Grenzziehung notwendig werden: „Ich bin bereit, über konkrete Situationen zu sprechen, aber nicht über pauschale Vorwürfe.“ Ist eine Lösungsfindung nicht möglich und bleibt das Gespräch auf einer persönlichen Angriffsebene, lohnt es sich nicht, es weiterzuführen. Auch solltest du dir überlegen, wie viel Energie du zukünftig in diese destruktive Form von sozialen Kontakten steckst.

Fragen sind zudem ein wichtiges Hilfsmittel im Zuge einer konstruktiven Problemlösungsfindung. Hier kannst du lösungsorientierte Fragen stellen:

  • „Was sind deine nächsten Schritte?“
  • „Was hast du jetzt vor?“
  • „Was wäre für dich eine konkrete Lösung?“

Damit verlagerst du das Gespräch vom Problem hin zu konkreten Handlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig übernimmst du nicht automatisch die Verantwortung dafür, die Situation für dein Gegenüber lösen zu müssen.

6. Benenne, was du wahrnimmst

Für ein selbstbewusstes und weniger defensives Auftreten kannst du sachlich benennen, was du wahrnimmst. Durch diese Methode gewinnst du etwas emotionale Distanz (beispielsweise bei einem emotional aufwühlenden Gespräch), du nimmst das Tempo aus dem Gespräch, signalisierst aber gleichzeitig, dass du zuhörst.

Zum Beispiel:

  • „Ich höre heraus, dass du damit unzufrieden bist.“
  • „Ich bemerke, dass dich das gerade sehr verärgert.“
  • „Ich spüre, dass dieses Thema für dich wichtig ist.“
  • „Ich bemerke, dass wir uns gerade vom eigentlichen Thema entfernen.“

Du beobachtest, ohne zu bewerten oder Verantwortung für die Reaktion deines Gegenübers zu übernehmen. Du musst weder die Unzufriedenheit beseitigen, noch den Ärger beschwichtigen. Zunächst stellst du lediglich fest, was gerade geschieht. Diese Form der Spiegelung hilft dir, bei dir zu bleiben und das Gespräch wieder auf eine sachlichere Ebene zu bringen.

7. Halte Stille aus

Stille auszuhalten ist schwerer, als man denkt. Doch je häufiger du es praktizierst, desto leichter wird es dir fallen. Zusätzlich wirst du feststellen können, wie sehr dir bewusste Gesprächspausen mehr Selbstsicherheit vermitteln können. Insbesondere in aufwühlenden Gesprächen unterstützen dich Momente der Stille, um dich neu zu sortieren.

Mann lächelt, im Hintergrund Wald

Ein freundliches, gelassenes Auftreten wirkt selbstbewusster als demonstrative Stärke. © Sebastian Mercuri under cc

Oft neigen wir dazu, möglichst schnell antworten zu wollen. Aber du musst nicht auf jede Frage unmittelbar eine Antwort wissen. Erlaube dir Bedenkzeit: „Ich denke darüber nach und komme darauf zurück.“ Dadurch zeigst du ein selbstsicheres Auftreten.

Ein weiterer Aspekt einer selbstbewussten Gesprächsführung besteht darin, deine Aussagen stehen zu lassen, ohne sie nachträglich abzuschwächen. Zum Beispiel: „Nein, das passt für mich nicht.“

Du musst keine Rechtfertigung oder ein versöhnliches Angebot hinterherschieben. Die entstehende Pause gibt deinem Gegenüber Raum, auf deine Aussage zu reagieren. Ihr habt Zeit, den nächsten Schritt bzw. einen Kompromiss zu finden.

Insgesamt musst du nicht auf alles antworten. Vor allem Vorwürfe und Provokationen verlangen nicht nach einer Reaktion – zumindest nicht im Sinne einer Rechtfertigung oder Verteidigung. Wirkungsvoller wäre es zum Beispiel, eine Bemerkung unkommentiert stehen zu lassen. Im Zuge dessen kannst du natürlich auch ein Gespräch beenden oder mehr Distanz herstellen. Warum solltest du Kämpfe führen, die gar nicht deine sind? Personen, die wiederholt mit Provokationen reagieren, tragen einen Teil ihres inneren Konfliktes in das Gespräch hinein. Es sind ihre inneren Anspannungen, die sie so reagieren lassen. Du musst sie nicht zu deinen machen.

8. Bleibe sachlich und ruhig

Dieser Punkt umfasst gleich mehrere Handlungsempfehlungen, die dich bei deinem selbstsicheren Auftreten in einem Gespräch unterstützen:

  • Formuliere kurz und eindeutig: Je mehr du relativierst und Nebeninformationen hinzufügst, desto mehr Raum entsteht für Missverständnisse und Angriffspunkte.
  • Bleibe möglichst sachlich: Emotionen sind nicht falsch und müssen auch nicht verborgen werden. Wenn ein Konflikt jedoch eskaliert, kann die Art, wie etwas gesagt wird, den Inhalt überlagern. Ruhe hilft dir dabei, dein Anliegen im Mittelpunkt zu halten und dich nicht von der Dynamik des Gesprächs mitreißen zu lassen.
  • Reagiere nicht auf Schreien mit Schreien: Statt die Lautstärke deines Gegenübers zu übernehmen, setze eine Grenze: „Ich spreche darüber, aber nicht auf diesem Lautstärkelevel.“ Oder: „Darauf antworte ich nicht, solange du mich anschreist.“ Damit verweigerst du nicht das Gespräch an sich, jedoch die Art und Weise, wie es geführt wird.

Wenn beide Seiten immer lauter und unsachlicher werden, bleibt am Ende die Eskalation stärker in Erinnerung als das ursprüngliche Anliegen. Deine Ruhe und Sachlichkeit sind Teil deiner Aussage. Du bist an einer konkreten Lösungsfindung interessiert, die einen zufriedenstellenden Kompromiss für beide Seiten beinhaltet.

Weniger defensiv im Auftreten: Schneller Tipp

Einen kleinen Selbstbewusstseins-Boost kannst du dir durch einen psychologischen Kniff verschaffen: Gehe gedanklich in die Perspektive einer stärkeren, zukünftigen Version deiner selbst. In der Psychologie spricht man in diesem Zusammenhang unter anderem vom Future Self oder von positiver Zukunftsvisualisierung.

Stell dir die Version von dir vor, die es bereits geschafft hat. Damit veränderst du deinen inneren Bezugspunkt: Anstatt ausschließlich auf die Angst und mögliche Barrieren zu schauen, richtest du deinen Blick darauf, wo du hinmöchtest und wer du sein könntest. Visualisiere beispielsweise, wie du deinen Abschluss in der Tasche hast und selbstbewusst deine neue Stelle antrittst. Oder wie du nach einer Trennung deine eigene Wohnung beziehst, deinen Alltag neu organisierst und feststellst, dass du dein Kind auch selbstständig versorgen kannst. Versuche nicht nur zu sehen, was du dann hast, sondern auch zu spüren, wie du als diese zukünftige Version deiner selbst auftrittst.

Stelle dir im Gegenzug auch einmal vor, wie dein Leben aussehen könnte, wenn du den notwendigen Schritt nicht gehst. Auch dieser Kontrast kann Motivation freisetzen und dir den entscheidenden Schubs geben.

Selbstredend kann die Angst trotzdem noch da sein. Aber sie ist nicht mehr deine einzige Perspektive. Du wechselst von einem passiven Gefühl der Ohnmacht in eine aktive, auf Möglichkeiten ausgerichtete Haltung. Aus der Angst, die dich festhält („Was, wenn ich es nicht schaffe?“) wird eine positive Kontrollüberzeugung („Was, wenn ich es schaffe?“), die dich Glück und Selbstsicherheit spüren lässt.

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