Psychische und psychosomatische Ursachen

Ein typischer Anblick der jüngeren Vergangenheit. Leergefegte Straßen, einsame Tische. © photoheuristic.info under cc

Covid-19 macht uns klar, dass wir bei aller Bedeutung weiterer Faktoren immer auch noch biologische Wesen sind. Allerdings gibt eine Vielzahl von psychosomatischen oder biopsychosozialen Zusammenhängen zwischen Körper und Psyche, so dass der Psyche eine ebenfalls entscheidende Bedeutung zukommt.

Körperlicher und psychischer Stress sind es, die dem Immunsystem zusetzen. Körperlicher Stress ist dabei nicht immer zu merken. Zu große Hitze oder Kälte bemerkt man, an Lärm hat man sich (zu oft) bereits gewöhnt, zu wenig und zu viel körperliche Anstrengung sind schlecht, was die im wahrsten Sinne gesunde Mitte ist, darüber entscheidet der persönliche Fitnesszustand. Neonlicht ist schlecht, Sonnenlicht, in nicht zu großer Dosierung bildet auf natürliche Weise Vitamin D, dessen Rolle für das Immunsystem offenbar ebenfalls sehr groß ist.

Beim psychischen Stress kann man es im Grunde kurz machen, weil er im höchsten Maße individuell ist: Stress ist das, was man als Stress empfinde, das heißt, Sie selbst wissen besser als jeder andere, was Ihnen gut tut und was nicht.

Als allgemeine Bemerkung gilt, dass nicht jeder Stress schlecht ist, es gibt auch eine positive Form der Anspannung und Erregung, denn auch Langeweile kann als intensiver Stress empfunden werden. Vor allem der chronische psychische Stress ist ein Killer des Immunsystems und wie gesagt, es ist unser engster Verbündeter nicht nur, aber auch gegen Covid-19. Chronischer Stress ist mit chronischen Schmerzen und Depressionen assoziiert und so wundert es nicht, dass das, was gegen das eine hilft, fast immer auch gegen das andere hilft.

Die Einbindung in natürliche Rhythmen, Bewegung, die Freude macht, am besten in frischer Luft, befriedigende und stabile Beziehungen, alle Arte der Entspannung, Sex (mit oder ohne Partner), Meditation, Schlaf, Lesen helfen Immunsystem. Die Bewegung gehört unbedingt dazu, “Durchblutung ist das A und O”, pflegte ein befreundeter Arzt zu sagen und nach der körperlichen Anspannung ergibt sich die Entspannung zumeist von selbst. So wie Schmerzen, Stress, Angst und Depressionen oft zusammen kommen und sich verstärken, so verschwinden sie auch oft gemeinsam. Tun Sie das was Sie tun, auch wenn es im ersten Moment vielleicht durch Angst oder Sorge motiviert ist, auf lange Sicht immer mehr mit der Ausrichtung auf Sinn und Freude. Was in Ihrem Leben sinnvoll ist und Ihnen Freude macht, können Sie am aller besten entscheiden, Formen der Kunst und des Erzählens sind wunderbar geeignet, um Ängste und Stress abzubauen.

All das was Ihnen Freude bringt und Sie mit Sinn versorgt, hilft fast direkt Ihrem Immunsystem, eine Sonderrolle stellen Süchte dar, sei es süchtiges Essverhalten, aber auch der Umgang mit Drogen, Alkohol und Zigaretten oder Suchtverhalten anderer Art. Zwar reduzieren Suchtmittel und Suchtverhalten kurzfristig den Stress, den ein Entzug auslöst, mittelfristig wird der Stress vergrößert, weil aus einem möglichen Weg des Spannungsabbaus, der einzig mögliche Weg des Spannungsabbaus wird. Alle anderen Möglichkeiten werden dann häufig nicht mehr genutzt, weil sich vieles nur noch um das Suchtmittel und seinen Konsum dreht. Die meisten Drogen reduzieren das Immunsystem, allerdings helfen viele aus großem Stress für eine Zeit auszubrechen. Rauchen schädigt Herz und Lunge, allerdings sind weniger Raucher bei den schweren Covid-19 Verläufen zu finden, als man denken sollte und dem Nikotin wird sogar eine gewisse schützende Wirkung nachgesagt, so dass die Schäden in dem Fall wieder aufgewogen werden könnten. Bei all dem sollte nicht vergessen werden, dass dabei 5 Zigaretten am Tag besser als 60 sind und die Flasche Bier oder Glas Wein besser eine halbe Flasche Schnaps.

Die Botschaft soll sein, dass es nicht um ein von A bis Z gesundes Leben gehen muss, dass schon mit Beerenmüsli, Yoga und Wassertreten am Morgen beginnt, bevor man in den Wald geht und Bäume umarmt, obwohl das alles toll ist, wenn es zum eigenen Leben passt.

Wie Sie Ihr Immunsystem auf psychischem Wege mit diversen Methoden unterstützen können, haben wir in: Infiziert? Was Sie für sich tun können dargestellt.

Die Ursache bei Arbeit und Freizeitverhalten

Wie oben ausgeführt, sind Arbeitsstellen und ein bestimmtes Freizeitverhalten eine große Gefahrenquelle für eine Infektion mit Coronaviren. Die statistischen Größen sind wichtig, weil eine größere Zahl von Menschen in einer bestimmten Umgebung die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass einer oder mehrere Menschen dabei sind, die mit Sars-CoV-2 infiziert sind. Man weiß, dass die Viren sich vor allem durch Superspreading-Ereignisse verbreiten, das heißt, einer infiziert unbemerkt viele oder sehr viele andere. Da die ersten Tage nach einer Infektion bei so gut wie allen ohne Symptome verlaufen, man in dem Moment aber selbst schon andere infizieren kann, ist die Übertragung zu Beginn der Pandemie so rasant gestiegen.

Ursächlich ist jedoch die Tröpfcheninfektion verantwortlich. Die Viren ‘überleben’ nur in einer Hülle auf Fett und Feuchtigkeit und bei ungeschützten Niesen können Tröpfchen mit Viren bis zu 10 Meter ausgestoßen werden, bei mehrfachem Husten drei Meter, weitere Risikofaktoren sind Singen, Lachen, (lautes) Sprechen. Je näher man sich dabei kommt, umso gefährlichen. Hier hilft ein Mundschutz, weil er den Ausstoß nach vorne reduziert. Klar ist, dass man umso gefährdeter ist, je enger man steht und im Gedränge kann man sich auch draußen anstecken, die Gefahr in Innenräumen ist jedoch ungleich größer (bis zu 19 mal), wichtigster Faktor in Innenräumen ist eine gute Belüftung mit frischer Luft.

Eine Klimaanlage die die Luft ansaugt und nur gleichmäßig verteilt ist keine Hilfe, sondern eine Gefahrenquellen. Die Tröpfchen in denen sich die Viren aufhalten, darf man sich nicht wie Regentropfen vorstellen, die schnell zu Boden fallen, sondern eher wie Nebel, der noch lange Zeit im Raum bleibt, auch dann, wenn ein infizierter Mensch eventuell schon seit Stunden nicht mehr im Raum ist. Darum ist hier die konstante Belüftung von zentraler Bedeutung und wo sie fehlt ist man in größerer Gefahr.

Der Unterschied zwischen Tröpfchen und Aerosolen ist fließend, als Faustregel kann man sagen, dass in Aerosolen die Flüssigkeit noch feiner vorliegt und noch langsamer oder überhaupt nicht zu Boden sinken, das ist der negative Effekt von Klimaanlagen ohne ausreichenden Virenschutz, durch spezielle Filter, UV-Licht oder andere geeignete Methoden.

Es bedarf einer gewissen Anzahl von Viren um sich tatsächlich zu infizieren. Wer durch einen Luftzug im Freien zufällig zwei Viren aufschnappt, wird sich nicht infizieren, selbst bei hoch ansteckenden Viren, braucht man doch einige hundert Viren: aber je mehr Menschen, je näher sie sich kommen, je enger der Raum, je schlechter belüftet, umso größer die Gefahr und eine sehr hohe Virenkonzentration kann dazu führen, dass es sogar bei gesunden und jungen Menschen zu einem schweren Verlauf kommt. Es ist nicht klar, warum das so ist, aber man sieht es etwa bei medizinischem Personal, das zwar mitunter stark im Stress ist, aber doch zeigen hier auch Menschen schwere Verläufe, bei denen das anders sein sollte.

Der Abstand den wir halten sollen, ist fundamental wichtig und eine möglichst geringe Zeit, die man in geschlossenen Räumen verbringt. Denn der beste Schutz, noch vor einem guten Immunsystem, ist, sich gar nicht erst zu infizieren.

Die gesellschaftlich-sozialen und ökonomischen Ursachen

Wie wir sahen gibt es eine Häufung der schweren Verläufe einer Covid-19-Erkrankung, bei armen und sozial ausgegrenzten Menschen. Auf dieser Ebene der Einstellungen und Zuschreibungen greifen viele Faktoren in einander. Gerade bei sozialen Zuschreibungen gibt es viele sich selbst verstärkende Mechanismen, die eine ursächliche Wirkung haben, obwohl sie doch ‘nur’ Einstellungen betreffen.

Mitgliedern der Unterschicht wird gerne unterstellt, sie seien dumm, faul, ungebildet, würden sich schlecht ernähren, zu wenig bewegen, aber zu viel Alkohol trinken, kiffen und rauchen und seien an ihrem Schicksal letztlich selbst schuld. Auf der einen Seite gibt es sicher Menschen, auf die alle diese Punkte zutreffen und da man sich ein Klischee erhalten will, greift man häufig nur auf jene zurück, wenn man die eigenen Vorurteile bestätigt haben will, entsprechend gering in das Mitgefühl mit diesen Menschen. Besonders geeignet erscheinen oft Migranten.

Doch auf sehr viele Menschen der Unterschicht trifft das schon längst nicht mehr zu, viele geraten unverschuldet, ungefragt und chancenlos in prekäre Situationen, aus denen man ihnen oft nicht wieder heraus hilft. Manche können gegen die Ausgrenzung einen gewissen Reststolz etablieren, verachten manchmal ihrerseits die Gesellschaft, was nicht so gut ist, oder benutzen ihre Wut als Ansporn, was besser ist. Viele übernehmen das Bild, das die Gesellschaft von ihnen hat und fühlen sich minderwertig und irgendwann, dass die es nicht besser verdient haben, weil sie sich minderwertig fühlen. Ein Teufelskreis, der sich oft zu einem Bildungspessimismus und emein Gruppenverhalten ausweitet, das es einzelnen dann immer schwerer macht, auszubrechen.

In der Summe führt es dann oft zu schlechterer formaler Bildung, demzufolge zu geringerem Lohn oder Arbeitslosigkeit, was zu schlechteren Wohnverhältnissen führt, die Partner kommen häufig aus dem gleichen Milieu und so kommt eines zum anderen und am Ende erfüllen manche dieser Menschen das Klischee, was die Gesellschaft schon vorher von ihnen hatte.

Dazu kommt eine Überschneidung mit psychologischen und biologischen Faktoren, das man am Beispiel des Diabetes mellitus (der Zuckerkrankheit) findet, bei dem ein Mangel an Bildung dann irgendwann tatsächlich eine Krankheitsursache ist, weil man auch hier zu Zusammenhänge zwischen Ernährung, Verhalten, kurzfristigen und langfristigen Auswirkungen verstehen und sich danach richten muss. Ähnlich ist es bei Covid-19. Die soziale Ausgrenzung bedeutet Stress, nicht selten Depressionen, all das schwächt das Immunsystem und wenn man dann noch beengten Verhältnisse wohnt, eventuell in zu kalten und feuchten Wohnung, ohne Rückzugsmöglichkeit und Privatsphäre, hat dies immer größere negative Einflüsse auf die Psyche und damit auf das Immunsystem, den großen Gegenspieler der Viren. Die Statistiken zeigen eindrucksvoll, wie stark dieser Effekt ist und damit auch, die stark der Einfluss von Selbstachtung ist. Als Gesellschaft machten wir es unseren ärmeren Mitbürger leichter, wenn wir sie nicht ausgrenzen sondern mehr Mitgefühl zeigen. Das ist nicht immer leicht, da zum Selbstbild einiger gehört, auf jene hinabzublicken, die scheinbar noch weiter unter ihnen stehen. Aber auch ganz egozentrisch ist es eine riesige Gefahr, wenn ausgegrenzte Randgruppen sich schneller infizieren und dadurch größere Teile der Gesellschaft anstecken.

Die Corona-Fatigue oder -Müdigkeit

Die Corona-Fatigue kennen fast alle von uns. Eine gewissen Zeit lang, fällt es leicht sich an die Regeln und Bestimmungen zu halten, vor allem, wenn man Angst um die eigene Gesundheit oder die seiner Liebsten hat. Dann greift im besten Fall das Präventionsparadoxon. Sind die logistischen Maßnahmen gut, wird der Anstieg der Infektionswelle gebremst und die Kurve der Neuinfektionen abgeflacht und es kommt zu keiner nennenswerten Zahl von Erkrankungen, vor allem nicht zu schrecklichen Szenarien der Triage, dass man entscheiden muss, wer bei zu wenigen Kapazitäten der Intensivbetten versorgt werden kann und wer im Zweifel kaum versorgt sterben muss. Gut, dass wir diese traumatischen Ohmachtserfahrungen kaum machen mussten. Doch da uns die Bilder erspart blieben werden die Fragen lauter, ob das denn alles so richtig und nötig war, eine Frage mit vielen Konsequenzen, weil der Lockdown bei uns zwar nicht drakonisch war, aber doch vielen schlimm zusetzte und zu Unmut und vielfältigen Diskussion geführt hat.

Doch so oder so, sehr viele haben jetzt das Gefühl, dass das Thema im Grunde gegessen ist und haben eine große Sehnsucht danach, dass es wieder irgendwie normal zugeht, weil nahezu jeder Lebensbereich anders ist, als er vorher war, egal ob Arbeit oder Privatleben. Überdruss, Leichtsinn, ein Mangel an Motivation, eine abweichende Meinung und ein gewisses Gruppenverhalten führen dazu, dass die Vorsichtsmaßnahmen nun mehr und mehr vergessen werden, eine Situation, die nicht frei von Gefahren ist.

Unsicherheiten und kontroverse Diskussionen

Es gibt eine gewisse Diskrepanz zwischen der realen Arbeit der Wissenschaft und dem Bild, das man sich in der Öffentlichkeit in breiteren Teilen von ihr machte. Ein Thema im Thema, aber um es kurz abzuhandeln herrschte in der Öffentlichkeit noch bis vor kurzem der Eindruck vor, die Wissenschaft würde vor allem auf der Basis sicherer Erkenntnisse arbeiten. Doch vor allem über den viel gehörten und nun doppelt ausgezeichneten Corona Podcast mit Christian Drosten, dem Virologen, den inzwischen jeder in Deutschland kennt, konnte man einen schönen Einblick in die Arbeitsweise der Wissenschaft gewinnen. Ein buntes Gewirr aus sicheren, ziemlich sicheren, möglichen und eher vagen Vermutungen, mit denen man gut umgehen kann, wenn man sie gut zuordnen kann, weil man es gewohnt ist, dies zu tun, aber sie trafen auf eine Bevölkerung die in einigen Teilen die Orientierung verloren hat und seltsamsten Ideen folgt, nicht selten bis zur Verschwörungstheorien.

Keine optimale Mischung, doch einige haben inzwischen begriffen, dass eine sehr gute, große Studie, die in einem der angesehenen großen Wissenschaftsmagazine nach Peer Review (einer kritischer Sichtung durch Kollegen) veröffentlicht wurde, etwas anderes ist, als eine kleine Studie, von fragwürdiger Qualität die vorab, vor jeder kritischen Sichtung veröffentlicht wurde. Für manche Laien sind all diese Studien gleich gut, Wissenschaftler sind es gewohnt, sich zu kritisieren und die meisten Veröffentlichungen, die sich als Schrott erweisen auf der ersten Blick zu erkennen und schnell wieder zu vergessen. Es gehört zum Wesen der Wissenschaft selten mit einer Stimme zu sprechen und das ist kein Zeichen von Uneinigkeit, sondern der Weg, wie Wissenschaft funktioniert. Von vielen Menschen wird aber Einigkeit und größte Gewissheit verlangt, weil das ihre Unsicherheiten verringert.

Fluch und Segen der Statistik

Statistiker wissen, dass ihr Fachgebiet oft übervereinfacht und mit Zahlen versucht wird Gewissheiten zu erzeugen, die es kaum gibt. Noch einmal: Korrelationen, also ein Auftreten von Effekten, in zeitlicher oder räumlicher Nähe, verweisen auf die Möglichkeit von Kausalitäten, aber diese müssen sich dann erst erweisen, Korrelationen sind keine Ursachen.

Ein größeres Randthema bei der Covid-19 Pandemie, bei dem es neben unglücklichen Darstellungen auch um die Frage ging, ob die Datenbasis des Robert Koch Instituts (RKI) überhaupt geeignete Zahlen für seine Ratschläge zur Verfügung hatte. Kein leichter Vorwurf, denn der Lockdown führte nicht nur, aber auch in Deutschland zu gravierenden Einschränkungen und wirtschaftlichen Einbußen.

Das Land spaltete sich grob gesagt in zwei Lager, bei denen das eine eher utilitaristisch argumentiert und sagt, die Menschen, die an Covid-19 gestorben sind (manche bezweifeln auch das und sagen, man würde mit Covid-19 sterben, nicht daran) ohnehin bald gestorben wären und das der Lockdown der Wirtschaft langfristig viel schädlicher ist, auch im Bezug auf die Todeszahlen.

Der Kernvorwurf einiger Statistiker ist jedoch, dass die Datenbasis überhaupt nicht klar gewesen sei, da man zu keiner Zeit nachvollziehen konnte, wie viele Menschen denn nun tatsächlich mit Covid-19 infiziert waren und wie viele nicht. Zu Beginn hatte man nicht genug Tests und alles wies auf einen exponentiellen Verlauf der Fallzahlen in der Pandemie hin. Als Ziel galt so schnell es geht, den Anstieg der Kurve abzuflachen, als Ziel galt die Verdoppelung der Fallzahlen abzubremsen, bis zum Wert einer Verdoppelung alle 10 bis 12 Tage.

Nach dem das erreicht war, wurden, ohne das groß zu begründen, die Maßnahmen des Lockdown beibehalten und in Teilen der Bevölkerung wuchs der Unmut. Eltern mussten weiter im Home Office arbeiten und sich um ihre Kinder kümmern, viele genossen die Zeit der erzwungene Ruhe, der klaren Luft, dem geringen Stress und Verkehr, für manche war es ein Alptraum, sie fühlten sich zusammen oder alleine eingesperrt und von allem abgeschnitten oder sahen ihre aufgebaute wirtschaftliche Existenz wie Sand zwischen den Fingern zerrinnen. Natürlich führt auch das zu Stress, Frust und Aggressionen.

Ich konnte zumindest diese Strategie des RKI und der Regierung gut nachvollziehen, da das Argument die Tage bis zur Verdoppelung der Fallzahlen so weit zu strecken, bis man wieder in die Lage versetzt ist, Einzelereignisse nachzuverfolgen und bestimmten Regionen herunterzufahren, statt eines ganzen Landes, ein plausibles ist. Ob die gewählten Zahlen das nun hergeben, darüber streiten sich viele Leute, auch solche, die von der Statistik etwas verstehen, haben zuweilen ihre begründeten Zweifel.

Dass die Zahlen rein gar nichts hergäben, kann ich so nicht nachvollziehen, dass man bevorzugt Risikogruppen und Kontaktpersonen getestet hat, erzeugte eine verzerrte Datenbasis, aber bei nicht ausreichender Testkapazität ist das in meinen Augen ein rationales Vorgehen gewesen, dass trotz allem eine Dunkelziffer der Infizierten besteht, liegt auf der Hand und bestreitet keiner. Diese kann, gerade wenn man bevorzugt Verdachtsfälle testet, nicht überhoch sein. 10 oder vielleicht noch 20 mal mehr als getestet, das erscheint mit realistisch, aber der Blick über die Sterberate der diversen Ländern mit unterschiedlichen Strategien und Zeitpunkten des Infektionseintritts und dem Gesundheitssystem gibt manche Möglichkeiten des Vergleichs.

Manche Kritiker sagen, es sei schlicht egal, ob man irgend etwas macht, oder nicht macht, Infektionswellen würden immer erst exponentiell ansteigen, ihren Höhepunkt erreichen und dann wieder abflachen, was sicher stimmt, aber bei den verschiedenen Strategien scheint es doch erkennbare Unterschiede zu geben.