Mit Ihrem Covid-19 Risikoprofil wissen Sie mehr. © Kevin Gale under cc

Covid-19 hat in Rekordzeit unser aller Leben verändert und ist noch immer dabei. Das persönliche Covid-19 Risikoprofil und daraufhin abgestimmte Strategien können eine aktuell wichtige Hilfe sein. Etwa für die Urlaubszeit und den weiteren Umgang mit dem Virus im Alltag der nächsten Monate.

Covid-19 macht es uns nicht leicht, weil wir bei der Viruserkrankung noch immer am Anfang stehen. Wenn wir die Dunkelziffer der Infektionen 10 mal höher ansetzen als die tatsächlichen Zahlen, dann liegen die Infektionszahlen noch immer im unteren einstelligen Prozentbereich, sowohl weltweit, als auch bei uns. Wir lernen täglich dazu und können auf erste Ergebnisse zurück blicken, bei einigen Ausreißern und Unklarheiten, die sich nicht einordnen lassen.

Aus all dem lässt sich ein erstes Covid-19 Risikoprofil erstellen, was die biologische Situation, das gesellschaftlich und soziokulturelle Umfeld und die Arbeitsstelle betrachtet, die Wohnsituation und auch die psychische Disposition, die uns Gefahren wahrnehmen oder verdrängen lässt. Damit ist die Gesamtsituation sehr komplex, was aber auch mehr Möglichkeiten gibt, Einfluss zu nehmen.

Ich werde zwischen statistischen Häufungen oder Korrelationen, Ursachen und Unsicherheiten der oben aufgeführten Bereiche trennen. Wenn Sie diesen Artikel aufmerksam lesen, sollten Sie am Ende deutlich mehr über Ihr persönliches Covid-19 Risikoprofil wissen. Auch wenn eine gewisse Gewichtung nötig und sinnvoll ist, habe ich auf Punktezahlen, die man dann man Ende addiert verzichtet, weil diese eine Scheinobjektivität suggerieren, die oft gar nicht vorhanden ist und eher zu falscher Sicherheit oder Unsicherheit führt.

Mir geht es eher darum, dass Sie die Zusammenhänge verstehen, umso eigenverantwortlicher, aufgeklärter und selbstständiger können Sie agieren. Jeder kleine Aspekt, den Sie besser verstehen hilft dabei – Ihnen und uns allen. Der Beitrag ist sehr lang, aber Sie können ja die Bereiche auswählen, die Sie besonders interessieren oder betreffen. Ich wollte so ausführlich werden, weil Informationen und das passende Verhalten noch immer die größten Wirkungen erzielen.

Lesen Sie bitte zunächst den Disclaimer, Haftungshinweis & -ausschluss, im Impressum.

Statistische Häufungen oder Korrelationen

Statistisch lässt sich gut feststellen, welche Gruppe von Menschen besonders gefährdet ist, durch stärkere und schwächere Korrelationen. Doch die statistische Häufung erklärt noch nicht, warum eine bestimmte Gruppe gefährdeter ist, sie deutet nur darauf hin, dass sie es sein könnte. Woran das liegt muss dann noch gesondert untersucht werden, insofern sind starke Korrelationen ein Hinweis, dass hier eine (oder mehrere) gemeinsame Ursachen vorliegen könnten.

Ebenfalls interessant ist in dem Zusammenhang auch, wenn eine Gruppe aus irgendwelchen Gründen – anders als alle anderen – wenig oder gar nicht betroffen ist, auch hier kann man sich nach der oder den Ursachen auf die Suche machen und nach Gemeinsamkeiten dieser Gruppe suchen.

Ursachen

Die Ursachen zeigen dann den Wirkzusammenhang an, belegen also im besten Fall, was etwa bei einer Covid-19 Infektion geschieht und natürlich auch, was schützt.

Unsicherheiten und kontroverse Diskussionen

Es ist längst nicht alles klar, manche Daten sind widersprüchlich, anderes wurde durch eine unglückliche Kommunikation erschwert. Aber hier im Bereich der Unsicherheiten liegen manchmal hoffnungsvolle Ansätze und Strategien verborgen, man muss sie nur von gesichertem Wissen trennen.

Die biologisch-statistischen Risikofaktoren

Alter

Es gibt eine klare Korrelation zwischen dem Lebensalter und der Covid-19 Sterblichkeit. Etwa 95% der Männer und 97,5% der Frauen die gestorben sind, sind 60 Jahre und älter, die Anfälligkeit steigt mit jedem Lebensjahrzehnt, der Gipfel der Verstorbenen liegt in der Gruppe zwischen dem 80 – 89 Lebensjahr und sinkt danach wieder, was aber höchstwahrscheinlich daran liegt, dass es einfach weniger Menschen gibt die 90 – 99 oder 100 Jahre und älter sind.[1]

Kurz: Statistisch sind ältere Menschen deutlich stärker gefährdet, besonders Menschen ab 80 Jahren.

Vorerkrankungen

Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes, Herzinsuffizienz, einer koronaren Herzkrankheit[2] und COPD, einer chronischen Lungenerkrankung, adipöse, also schwer übergewichtige Menschen sind besonders gefährdet, einen schweren Verlauf der Krankheit zu erleben. Der andere sehr wichtige Faktor ist ein schwaches Immunsystem, hier spielen insbesondere die Killer-T-Zellen und die T-Gedächtniszellen eine Rolle.[3][4]

Auch aus diesen statistischen Häufungen hat man inzwischen ein gutes Verständnis dafür ableiten können, was Covid-19 ist und wie es beeinflusst wird, mehr dazu bei den Ursachen.

Kurz: Vorerkrankungen von Herz und Lunge, Diabetes, großes Übergewicht und ein schwaches Immunsystems sind hohe Risikofaktoren.

Geschlecht

Es sind mehr Frauen als Männer infiziert, aber deutlich mehr Männer als Frauen sterben an (oder mit) Covid-19.[5]

Kurz: Männer sind gefährdeter als Frauen.

Blutgruppe

Menschen mit der Blutgruppe A haben ein 1,5 faches (oder 50% höheres) Risiko, eines schweren Covid-19 Verlauf, jene mit der Blutgruppe 0 dagegen ein um 0,5 faches (oder 50% geringeres) Risiko und Covid-19 zu erkranken.[6]

Die gesellschaftlich-sozialen und ökonomischen statistischen Risikofaktoren

ALG I und ALG II/Hartz IV

Der Einfluss sozialer Faktoren ist groß. Bezieher von ALG (Arbeitslosengeld) II haben ein um 84% höheres Risiko für einen schweren Verlauf, Bezieher von ALG I, ein 17,5% höheres Risiko. Besonders die ALG II Zahlen sind bemerkenswert und deckt sich mit Zahlen, die aus England vorliegen.[7] Das Gesamtpaket zerfällt in folgende statistisch bedeutsame Komponenten:

Bildung

Wir haben noch keine Impfung gegen Covid-19 und noch keine effiziente Therapie. Der größte Teil der Erfolge gegen Covid-19 ist auf den Schutz durch logistische Maßnahmen, wie Abstand, Mundschutz für alle und Händewaschen, sowie ein detailliertes Wissen darum, welche Situationen gefährlich sind zurück zu führen. Während manche Anweisungen sehr einfach zu verstehen und umzusetzen sind, muss man bei anderen die Zusammenhänge verstehen, etwa welche Menschen (un)gefährdet und Situationen besonders gefährlich sind. Medizinische Zusammenhänge, sowie die gesellschaftlich-sozialen und ökonomischen und psychologischen Aspekte und ihr Zusammenspiel muss man verstehen. Darum ist Bildung ein bedeutender Aspekt im Covid-19 Risikoprofil.

Einkommen

Das Einkommen korreliert statistisch mit der Bildung, wenn auch nicht so weitreichend und selbstverständlich wie man meint, da es prekäre Beschäftigungsverhältnisse sogar bei Akademikern gibt. Dazu kommt, dass arme Menschen oft schlechtere Wohnverhältnisse haben, sie wohnen mehr in Hochhäusern, haben weniger Quadratmeter pro Person zur Verfügung und eine schlechtere Infrastruktur, etwa für den Einkauf. Die Wohnungen sind oft schlechter eingerichtet, manchmal kalt und nass, mitunter mit Schimmelbefall. Man hat weniger Geld für eine gesunderhaltende Lebensweise zur Verfügung, was der Gesundheit insgesamt und damit dem Immunsystem, unserem wichtigen Verbündeten schadet.

Soziale Ausgrenzung

Nicht zu vergessen ist die Stigmatisierung und Ausgrenzung, bis zur Demütigung von ALG II Beziehern, die einem rigorosen bürokratischen System unterworfen sind und oft als selbst schuld an ihrem Schicksal bezeichnet werden. Diese gesellschaftlichen Bilder werden oft von den Betroffenen selbst übernommen, die sich minderwertig fühlen (weil man ihnen das Gefühl gibt), die häufig depressiv oder in chronischem Stress leben, alles schlechte Faktoren für das Immunsystem und das Covid-19 Risikoprofil. Davon können ALG II Bezieher, aber auch Migranten in besonderem Maße betroffen sein, bei denen manchmal noch die Sprachbarriere (und gelegentlich Analphabetismus) dazu kommt, die Schwierigkeit aufgrund des Namens oder der Ausdrucksweise eine Wohnung oder Arbeitsstelle zu finden, sind bekannt.

Weitere Faktoren

Neben den äußeren Zuschreibungen kommen andere Interessen, Ziele und Lebensschwerpunkte hinzu, die teilweise kulturell mitgegeben und manchmal nur schwer durch das Individuum zu ändern sind. Diese können zu weiteren sozialen Ausgrenzungen führen, aber auch zum Finden einer Identität im eigenen Milieu oder der eigenen Communitiy. Für manche ist Ausgrenzung ein Ansporn besonders gut zu werden, allerdings ist unsere Gesellschaft nur in geringem Maße sozial durchlässig. Ein sozialer Aufstieg ist nur sehr selten möglich.

Lebensziele, sowie eine ungesunde Lebenswiese kann man verändern, das geht oft auf Kosten des Verlustes des Ansehens in der eigenen Community, auch das kann massiven Stress auslösen. Wichtig ist jedoch sich von Zeit zu Zeit klar zu machen, dass man die Wahl hat und nicht nur ein Opfer von äußeren Umständen ist.

Die statistischen Risikofaktoren in Arbeit und Freizeitverhalten

In einer japanischen Studie wurden statistisch besonders gefährliche Orte lokalisiert. Als herausragend für die Pandemie erwiesen sich Situationen in denen durch einzelner Superspreading Ereignisse, von wenigen oder nur einer Person viele andere Menschen infiziert wurden. 61 Orte in denen diese Superspreading Ereignisse besonders häufig waren, wurden in der Studie erfasst und gewichtet.

Am häufigsten traten demnach Superspreading Ereignisse in Kliniken und medizinischen Einrichtungen auf (30%), gefolgt von Pflegeeinrichtungen, Bars und Restaurants mit je 16%. 11% fielen auf Arbeitsplätze, ebenso viele auf Chorproben, Karaokepartys oder Live-Konzerte. Fitnessstudios waren zu 8% beteiligt.[8]

“Die Wissenschaftler schließen aus ihren Beobachtungen, dass viele Covid-19-Cluster an Orten stattfanden, wo tief atmende Menschen eng zusammen sind, beispielsweise in Karaoke-Bars, Fitnessstudios oder Clubs. Daher gelte es vor allem drei Situationen zu vermeiden: geschlossene Räume mit schlechter Belüftung, überfüllte Orte und enge Kontakt.”[9]

Aus Deutschland wissen wir, dass die Art des Arbeitsplatzes entscheidend sind, in der Fleischindustrie treffen wir auf verschiedene schlechte Kombinationen, in denen sozial unterprivilegierte Menschen, zu eng zusammen transportiert, essen und untergebracht werden, die Umluftanlage verteilt die Viren. Der Stress und das kalte Klima sind gut für die Coronaviren, aber schlecht für die dort arbeitenden Menschen.

Die psychologischen statistischen Risikofaktoren

Das Thema der letzten Zeit. Es wird in keinem Jahresrückblick fehlen. © sergio santos under cc

Einer der entscheidenden Punkte überhaupt ist das eigene Verhalten und die Einschätzung der Lage für das persönliche Covid-19 Risikoprofil. Je mehr man über sich weiß, umso besser. Der erste Punkt ist, ob ich in der Lage bin, die Informationen zu verstehen.

  • Bin ich in der Lage zu verstehen?

Man muss mit den Erklärungen nicht einverstanden sein, aber man kann schauen, ob man sie versteht. Das erkennt man am besten daran, wenn man sie anderen erklären kann. Dazu muss man die gängigen Versionen kennen und darstellen können und wenn man erklären kann, warum man diese eventuell ablehnt oder ihnen zustimmt, so ist das sehr gut, bezogen auf das Wissen. Wenn man versteht, wie die Idee ist, kann man sie bewerten, aber eben erst dann.

Einige Aspekte der Covid-19 Erkrankung sowie der Umgangs mit ihr sind wirklich schwer zu verstehen, anderes lässt sich verhältnismäßig leicht aufklären, wir gehen besonders auf die Aspekte ein, die für das persönliche Covid-19 Risikoprofil wichtig sind.

  • Bin ich in der Lage, mich an Anweisungen und Verstandenes zu halten?

Es gibt zwei oder drei Arten und Weisen sich nicht an Vorgaben zu halten, die einem auch dann in die Quere kommen können, wenn man intellektuell verstanden hat, worum es geht:

  • Regeln, nein danke

Es gibt Menschen, die jede Regel und Grenze als persönliche Beleidigung und Affront empfinden. Diese wird man oft nicht überzeugen können, weil sie gar nicht überzeugt werden wollen. Häufig gründet diese Einstellung in einer Unfähigkeit ein Wertesystem zu verinnerlichen, oder nur ein sadistisch-aggressives oder grandioses. Manchmal wird diese Einstellung noch ideologisch unterfüttert. Da wir hier nur das eigene Risikoprofil betrachten wollen, ist dies eine gefährliche Einstellung, für den Einzelnen und die Gesellschaft.

  • Trifft zu, aber nicht auf mich

Man ist durchaus gewillt sich an Anweisungen zu halten, denkt aber, die träfen nicht auf einen selbst zu, auch dann nicht, wenn sie es tun. Oft geschieht das bei Projektionen, wenn man denkt, die anderen machten zu viele Ausnahmen oder passten nicht gut genug auf, man selbst wollte ahingegen nur mal eben dies oder das tun und das könne ja nicht so schlimm sein.

  • Das weiß ich besser

Man kann Regeln ablehnen, weil man meint, sie seien falsch. Das könnte durchaus sein und wenn man für sich einen noch besseren Weg gefunden hat, kann man diesen gehen. Man muss nur aufpassen, dass man nicht in eine ideologisch motivierte Besserwisserei und andere gefährliche Bewältigunsgsstrategien gegen die Angst rutscht.

  • Wie resistent bin ich gegen Gruppendruck?

Auch das sollte man beachten. Wenn ich in einem Umfeld lebe, in dem es alle für vernünftig und gut ansehen, sich an die Anweisungen zu halten, ist es gut, wenn ich mich gut anpassen kann und dies gewöhnlich auch tue. Problematisch wird das in den Moment, wo mein Umfeld es chic oder revolutionär findet, alle Regeln über Bord zu werfen. Wenn ich mich in diesem Umfeld anpasse, bin ich gefährdeter mich anzustecken. Wie der Verlauf wird, steht auf einem anderen Blatt.

Sagen Sie offen, wenn Sie anderer Meinung sind? Oder denken Sie eher, dass der Aufruhr es nicht wert ist? Im letzteren Fall sind Sie dem Gruppendruck und der Erwartungen anderer eher erlegen.

  • Risikoaffinität

In eine ähnliche Richtung, nur von der anderen Seite. Sind Sie ein Zocker mit einer ‘no risk, no fun’ Einstellung? Das ist auf der einen Seite vielleicht nicht schlecht, weil es Ihre Angst eher dämpfen wird. Es kann Sie allerdings zu Unvorsichtigkeiten verleiten, wie in anderen Lebenssituationen auch und je nach der Phase, in der sich die Pandemie gerade befindet, kann das natürlich gefährlich sein.

  • Was erwarte ich (noch) von meinem Leben?

Eine wichtige Frage, gerade für alte und kranke Menschen. Wenn die Begegnung mit ihren Angehörigen die größte Freude ist, die das Leben bietet, stellt sich natürlich die Frage, mit welchem Recht man ihnen diesen Kontakt verwehren sollte. Jedoch ist eine selbst gewählte Inkaufnahme einer Gefährdung natürlich in dem Moment auch eine Fremdgefährdung, wenn man in einem Heim wohnt und man hat nicht das Recht, über das Leben anderer zu entscheiden.

Für das persönliche Covid-19 Risikoprofil, ist es aber natürlich entscheidend, was man von seinem Leben erwartet und welche Prioritäten man selbst setzt. In noch stärkerem Maße gilt das für sehr schwer oder sterbenskranke Menschen, bei denen der Kontakt zu Angehörigen und Freunden vielleicht der Hauptpunkt ist, der ihrem Leben (noch) Sinn und Freude gibt.

  • Wie ist mein Weltbild?

Die Frage, was man insgesamt für ein Weltbild hat, spielt beim Risikoprofil auch eine größere Rolle. Es ist etwas anderes, wenn man sich in Zentrum eines an sich zufälligen Geschehens befindet, in dem Glück und Pech wie in einer Lotterie verteilt werden oder ob man einem Gott, einer größeren Idee oder spirituellen Kraft einen gewissen Einfluss zuschreibt.

Aber die Auswirkungen sind zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich. Fatalismus ist nicht immer schlecht. Wer denkt, dass alles Schicksal ist, hat oft die Einstellung, dass es einen treffen wird, wenn es einen treffen soll, was mit einer gewissen Unvorsichtigkeit korrelieren kann, aber es dämpft zugleich auch die Angst. Doch vermutlich steckt man sich etwas leichter an. Wenn man infiziert ist hat man dafür womöglich mehr Hoffnung, da man noch eine andere Kraftquelle hat, auf die man zurück greifen kann.

Nun ist aber auch der Monotheismus nicht die die einzige Variante der Religion und wer an 700 Inkarnationen glaubt, die man durchschreiten muss, der wird in der Verlängerung dieses Lebens um jeden Preis nicht die größte Erfüllung sehen.

  • Einzelgänger oder Gruppenmensch?

Manche Menschen fühlen sich in Gesellschaft ohnehin nicht wohl und meiden diese, wo es nur geht. Andere begeben sich selten, wieder andere häufige in Gesellschaft und einige können kaum leben, ohne von vielen Menschen umgeben zu sein. Oft entscheidet die Herkunftsgesellschaft oder -familie über diesen Punkt. Dass Gruppenmenschen unter der Isolation unter Coronabedingungen mehr leiden und auch gefährdeter sind, weil sie die Regeln vermutlich häufiger missachten, versteht sich von selbst.

  • Psychologische Bewältigungsstrategien

Der letzte Punkt in dieser Rubrik betrifft die Frage, ob man vielfältige Bewältigungsstrategien benutzt, um Ängste, Unsicherheiten und Spannungen abzubauen. Einer der Hauptpunkte ist dabei:

  • Besserwisserei und Verharmlosung

Es ist nicht ganz ohne, von Menschen, die in einem bestimmten Fachbereich arbeiten und dort sogar zu einer Professur gebracht haben zu behaupten, sie hätten keine Ahnung von dem, was sie sagen. Da braucht man entweder gute Gründe oder schaltet gleich auf die Ebene der Verdächtigungen um, dass man doch weiß, dass die sowieso alle dem Staat dienen oder der Wirtschaft oder einer geheimen Organisation. Oft ein guter Grund, sich mit den eigenen Grenzen nicht befassen zu müssen und zugleich ein Punkt, der einem die Kontrolle in gewisser Weise zurück gibt. Denn wenn das alles nur inszeniert ist, um endlich die Bürger zu überwachen oder sonst etwas zu tun, ist nicht Covid-19 das Problem, sondern nur eine Inszenierung mächtiger Eliten. So kann man selbst die Zusammenhänge durchschauen und muss vor de Virus keine Angst mehr haben, dass dann nur so harmlos wie eine Grippe ist, wenn überhaupt. Ich komme auf diesen Punkt weiter unten zurück, in einer eigenen Überschrift.

In dem Zusammenhang werden dann gerne kritische Fragen gestellt, wie jene, wo denn die Opfer seien, man würde ja keine kennen, auch im Bekanntenkreis sei keiner, alles nur Fake. Die Kurzantwort ist, dass wir noch sehr am Anfang der Ausbreitung stehen, auch auf diesen Punkt gehe ich weiter unten noch ausführlicher ein.

  • Lieber schnell infiziert, dann habe ich es hinter mir

Wir können Unsicherheiten in der Regel schwer ertragen. Bei Covid-19 gibt es eine relative Sicherheit, wenn man die Krankheit schon gehabt hat. Laut Drehbuch sollten sich in den meisten Fällen keine schlimmen Symptome einstellen und danach Antikörper gebildet haben, die für eine gewisse Zeit eine Immunität versprechen. Umso mehr, wenn man denkt: Ich bin jung und fit, mir kann nichts passieren.

Leider verhält sich Covid-19 aber nicht so recht nach Drehbuch, wir wissen noch immer zu wenig, es wird unbefriedigend wenig getestet und so lassen die Angst und die Unsicherheit nicht richtig nach, wenn man eine Neigung dazu hat. Die Erklärung kommt später, aber es ist aktuell keine gute Idee, sich vorsätzlich zu infizieren. Wer mit dem Gedanken spielt, hat ein höheres Risiko.

  • Ich passe gut auf

Chronisch kranke Menschen kennen die Situation, in denen wir mit Covid-19 alle sind oft schon seit vielen Jahren. Menschen nach Organtransplantationen, mit künstlichen Gelenken, Chemotherapien oder bestimmten degenerativen Erkrankungen müssen ständig aufpassen, sich möglichst nicht zu infizieren, da ihr Immunssystem angegriffen ist. Diese Menschen haben über die Jahre Strategien entwickelt und wissen tatsächlich worauf sie achten müssen, wir alle mussten das im Crashkurs lernen.

Deshalb ist die Frage, die man sich ehrlich stellen sollte: Weiß ich wirklich worauf es ankommt und warum? Was ist gefährlich und unbedenklich und warum? Sprechen Sie mit anderen um hier mehr Gewissheit zu erlangen, in der Praxis sieht man oft Fehler über Fehler, die meisten davon vermutlich begangen von Menschen, die von sich denken, dass sie gut aufpassen.

  • Zahlenspielereien und ihre Kritik

Es gibt die Kritik, dass die Statistiken, die vom RKI benutzt wurden und auch andere Zahlen, insgesamt nichts taugen und diese Kritik gibt es durchaus auch aus seriöseren Lagern. Da das ein wichtiger Punkt ist, gehe ich auf ihn ebenfalls gesondert ein, ganz aufzulösen ist er nicht. Hier geht es nur darum, dass auch Kritik an der Inkompetenz der anderen ein Bewältigungsmechanismus sein kann, umso mehr, wenn Sie noch zu anderen neigen. Die Bewältigungsmenachnismen sind einerseits gut, weil sie Spannungen abbauen, sie werden nur dann zur Gefahr, wenn man sich dadurch in unnötig große Gefahr begibt.

Die biologischen Ursachen

Covid-19 ist eine durch Coronaviren vom Typ Sars-CoV-2 bedingte Erkrankung, die zu teilweise heftigen Entzündungsreaktionen in vielen Bereichen des Körpers führen kann, insbesondere ist das sogenannte Endothel betroffen, die innere Schicht von Lymph- und Blutgefäßen, also Lympfbahnen und Adern. Bei einer Entzündungsreaktionen verklumpen die Adern der jeweiligen Organe, das heißt die Blutversorgung ist gestört, das Organ wird nicht mehr versorgt und stirbt im schlimmsten Fall ab. Da die Organe mehr oder weniger alle zusammenhängen und Lunge, Herz und Nieren von recht zentraler Bedeutung sind, ist klar, dass schnell alle Organe versagen, im schlimmsten Fall droht der Tod durch Multiorganversagen.

“Der Zelleintritt von Sars-CoV-2 hängt vom Vorhandensein der Proteine ACE2 und TMPRSS2 ab. Genauer gesagt nutzt das Virus den ACE2-Rezeptor für den Eintritt in die Zelle und die Serinprotease TMPRSS2 für das Priming des S-Proteins.”[10]

“TMPRSS2 geht wiederum mit dem ACE2-Rezeptor einen Komplex ein, was ein effizientes Eindringen des Virus direkt an der Zelloberfläche ermöglicht.”[11]

Verstehen kann man das nur als jemand vom Fach, aber kurz gesagt, bilden ACE2-Rezeptoren und TMPRSS2 eine Einheit, die zur Eintrittspforte für die Viren werden und diese Rezeptoren sind nahezu überall im Körper zu finden. Im Körper von Männern sind mehr vorhanden (weil ACE2-Rezeptoren auch in den Hoden gebildet werden), als in dem von Frauen, aber auch Frauen haben diese Rezeptoren. Das könnte eine Erklärung für die höhere Sterblichkeit von Männern sein, eine andere ist, dass Männer insgesamt eine geringere Lebenserwartung haben, später zum Arzt gehen und sich weniger helfen lassen.

Das TMPRSS2 findet man verstärkt in der Lunge, was eine Erklärung dafür ist, warum sie so stark betroffen ist. ACE2-Rezeptoren werden offenbar auch dann neu gebildet, wenn Medikamente gegeben werden, die das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) beeinflussen. Das RAAS reguliert den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt und damit den Blutdruck. Medikamente, die hier eingreifen sind sogenannte ACE-Hemmer, die im Handelsnamen zumeist die Ensilbe -pril (etwa Ramipril, Lisinopril, Enalapril) tragen oder sogenannte Sartane, mit der Ensilbe -sartan (etwa Candesartan, Valsartan, Losartan).

“So konnten diese Untersuchungen erstmals die Hypothese beweisen, dass Herzzellen von Patienten, die mit ACE-Hemmern behandelt wurden, eine signifikant höhere ACE2-Expression aufweisen als Herzzellen gesunder Kontrollen.

[…]

Die Studienergebnisse ändern jedoch nichts an der Empfehlung der kardiologischen Fachgesellschaften, dass Herz-Kreislauf-Patienten ihre ACE-Hemmer oder Sartane aus Angst vor Covid-19 nicht eigenmächtig absetzen sollen. Weiterhin gilt das Nutzen-Risiko-Profil als positiv.”[12]

Dieser Zusammenhang könnte die andere stark gefährdete Gruppe erklären, adipöse, also schwer übergewichtige Menschen. Ab einem BMI von 30 steigt die Gefahr für einen schweren Verlauf bei einer Covid-19 Infektion dramatisch, aus mehreren Gründen. Das Herz-Kreislauf-System adipöser Menschen ist ohnehin über das Gewicht und über die vom Bauchfettgeweben ausgelösten Entzündungsreaktionen besonders gefährdet. Ist der Blutdruck erhöht, wird dieser oft medikamentös gesenkt, was, die Covid-19-Risiko noch einmal erhöhen kann. Ferner ist Thromboseneigung erhöhrt und die Beatmung auf einer Intensivstation bei adipösen Patienten deutlich schwieriger. Liegt eine Diabetes Erkrankung vor, die bei Übergewicht ebenfalls häufiger ist, wird durch die Schädigung der Adern über den erhöhten Blutzucker die Gefährdung für Entzüngsreaktionen dort ebenfalls weiter erhöht.[13]

Zusammengefasst sind Menschen, deren Blutdruck mit ACE-Hemmern oder Sartanen gesenkt wird, über eine vermehrte Bildung von ACE2-Rezeptoren stärker für einen schweren Covid-19 Verlauf gefährdet. Das gilt vor allem für adipöse Menschen mit einem BMI > 30. Diabetiker und Menschen mit Vorschädigungen an Herz, Lungen und ihren versorgenden Adern/Gefäßen. Männer sind hier zum einen vermutlich über ihr Geschlecht, zum anderen aber durch ihre Lebensweise, die oft ungesünder als die von Frauen ist und die sie später zum Arzt gehen lässt, gefährdet, was sich in der höheren Sterblichkeit abbildet.

Die andere Seite der Biologie: Das Immunsystem

Covid-19 ist eine durch Viren ausgelöste Endzündungskrankheit, die jedes Organ mit ACE2-Rezeptoren und TMPRSS2-Proteinen befallen kann, um so mehr sind jene Organe betroffen, die hier eine hohe Konzentration aufweisen, das sind häufig Lunge, Herz und das die versorgende Blutsystem.

Der Körper hat jedoch eine ganze Reihe von natürlichen Gegenmaßnahmen im Laufe der Evolution ausgebildet, die Entzündungen reduzieren. So wird jeden Morgen vom Körper eine nicht unerhebliche Menge Cortison freigesetzt, das Entzündungen dämpft. Doch das ist längst nicht alles. Dem Körper steht ein riesiges und vor allem sehr effizientes Waffenarsenal zur Verfügung, um uns gegen Viren, Bakterien, Giften, Pilzen, Krebs und weiteres zu schützen, sowie Abfallstoffe alter Zellen zu entsorgen. Fresszellen, Killerzellen, Helferzellen, Antikörper und vieles mehr machen unser Immunsystem aus.

Dieses Immunsystem ist so vielfältig und kompliziert, dass es etliche eigene Bereiche zu seiner Erforschung gibt. Die Immunologie ist ein Teil davon, aber auch die Psychoneuroimmunologie und Psychoneuroendokrinologie gehören dazu. Wir wissen längst noch nicht alles über das Immunsystem, aber doch schon so manches.

Für das persönliche Covid-19 Risikoprofil kann man sagen, dass die Entzündungsreaktionen das sind, was es zu vermeiden gilt und das unser Immunsystem dabei unser bester Freund und engster Verbündeter sind. Denn ein effizientes Immunsystem ist durchaus in der Lage mit Coronaviren fertig zu werden, auch dann, wenn es noch keine Antikörper gegen Sars-CoV-2 besitzt.

Insbesondere sind nach derzeitigem Stand die Killer-T-Zellen und die Zahl der Neutrophilen im Blut entscheidend für einen schweren oder leichten Verlauf von Covid-19:

“Bei einer Covid-19-Erkrankung ließ sich in einer Studie mit 40 Patienten in Wuhan anhand von zwei Typen von Abwehrzellen im Blut vorhersagen, ob ein Patient einen schweren Verlauf oder nur milde Symptome entwickelt. Die Befunde seien in Deutschland bei mehreren Patienten bestätigt worden, sagt Ko-Autor Professor Dr. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Essen und Vizepräsident der Gesellschaft für Virologie. Die Studie war bereits Mitte April im Fachblatt «EBioMedicine» veröffentlicht worden.

Bei einem der beiden Immunzell-Typen handelt es sich laut Dittmer um Killer-T-Zellen mit einem bestimmten Oberflächenmarker (CD8). Sie töten virusinfizierte Körperzellen ab und unterbrechen damit die Vermehrung des Coronavirus SARS-CoV-2. «Wenn die Patienten nur wenige von diesen Zellen haben, haben sie ein hohes Risiko, schwere Symptome wie etwa eine Lungenentzündung oder Gerinnungsstörungen zu entwickeln», erläutert Dittmer. Der andere Zelltyp sind Neutrophile. «Die sind eigentlich dafür da, Bakterien abzuwehren. Sie können aber auch T-Zellen in ihrer Funktion unterdrücken.» Demnach wurden in Blutproben mit vielen Neutrophilen nur wenige T-Zellen gefunden, was mit einem schwereren Krankheitsverlauf verbunden war.”[14]

Besonders gefährdet sind demnach organtransplantierte Menschen (da sie Medikamente einnehmen müssen, die das Immunsystem unterdrücken) und Menschen, die eine Chemotherapie erhalten. Weiter sind alte Menschen gefährdet, da das Immunsystem bei ihnen schwächer wird und adipöse Menschen, da diese schwächere und weniger T-Zellen haben. 70 Prozent der Menschen mit einem schweren Covid-19-Verlauf, waren übergewichtige Männer. Droht ein schwerer Verlauf, den man mit Blutproben gut diagnostizieren kann, hat man die Möglichkeit das Immunsystem regulierende Therapien vorübergehend einzuschränken und das Immunsystem über bestimmte Impfungen zu stimulieren oder über die Vitamine A und C.[14] Auch hier muss man jedoch vorsichtig sein, denn viel hilft viel, ist nicht richtig, auf die Dosis kommt es auch hier an.

In diesem Zusammenhang ist alles gut, was dem Immunsystem hilft und das schlecht, was ihm schadet. Wie so oft, ist das was im Hintergrund sehr kompliziert ist, auf der Benutzeroberfläche, also in der Alltagspraxis ziemlich einfach.

Kurz zusammengefasst, handelt es sich bei Covid-19 um eine durch Viren ausgelöste Endzündungskrankheit, die bevorzugt Lungen, Herz und die dortigen Adern betrifft, was zu Entzündungen und Thrombosen vor allem in diese Region führen kann und dann einen schweren Verlauf ausmacht. Durch eine gesundes Immunsystem ist man in einem hohem Maße effektiv vor Sars-CoV-2 geschützt. Das persönliche Covid-19 Risikoprofil lebt im hohen Maße von der Einsicht, in dieses Wechselspiel, indem man die Risikofaktoren senkt und die schützenden Faktoren ausbaut und unterstützt. Das vertiefen wir jetzt.

Psychische und psychosomatische Ursachen

Ein typischer Anblick der jüngeren Vergangenheit. Leergefegte Straßen, einsame Tische. © photoheuristic.info under cc

Covid-19 macht uns klar, dass wir bei aller Bedeutung weiterer Faktoren immer auch noch biologische Wesen sind. Allerdings gibt eine Vielzahl von psychosomatischen oder biopsychosozialen Zusammenhängen zwischen Körper und Psyche, so dass der Psyche eine ebenfalls entscheidende Bedeutung zukommt.

Körperlicher und psychischer Stress sind es, die dem Immunsystem zusetzen. Körperlicher Stress ist dabei nicht immer zu merken. Zu große Hitze oder Kälte bemerkt man, an Lärm hat man sich (zu oft) bereits gewöhnt, zu wenig und zu viel körperliche Anstrengung sind schlecht, was die im wahrsten Sinne gesunde Mitte ist, darüber entscheidet der persönliche Fitnesszustand. Neonlicht ist schlecht, Sonnenlicht, in nicht zu großer Dosierung bildet auf natürliche Weise Vitamin D, dessen Rolle für das Immunsystem offenbar ebenfalls sehr groß ist.

Beim psychischen Stress kann man es im Grunde kurz machen, weil er im höchsten Maße individuell ist: Stress ist das, was man als Stress empfinde, das heißt, Sie selbst wissen besser als jeder andere, was Ihnen gut tut und was nicht.

Als allgemeine Bemerkung gilt, dass nicht jeder Stress schlecht ist, es gibt auch eine positive Form der Anspannung und Erregung, denn auch Langeweile kann als intensiver Stress empfunden werden. Vor allem der chronische psychische Stress ist ein Killer des Immunsystems und wie gesagt, es ist unser engster Verbündeter nicht nur, aber auch gegen Covid-19. Chronischer Stress ist mit chronischen Schmerzen und Depressionen assoziiert und so wundert es nicht, dass das, was gegen das eine hilft, fast immer auch gegen das andere hilft.

Die Einbindung in natürliche Rhythmen, Bewegung, die Freude macht, am besten in frischer Luft, befriedigende und stabile Beziehungen, alle Arte der Entspannung, Sex (mit oder ohne Partner), Meditation, Schlaf, Lesen helfen Immunsystem. Die Bewegung gehört unbedingt dazu, “Durchblutung ist das A und O”, pflegte ein befreundeter Arzt zu sagen und nach der körperlichen Anspannung ergibt sich die Entspannung zumeist von selbst. So wie Schmerzen, Stress, Angst und Depressionen oft zusammen kommen und sich verstärken, so verschwinden sie auch oft gemeinsam. Tun Sie das was Sie tun, auch wenn es im ersten Moment vielleicht durch Angst oder Sorge motiviert ist, auf lange Sicht immer mehr mit der Ausrichtung auf Sinn und Freude. Was in Ihrem Leben sinnvoll ist und Ihnen Freude macht, können Sie am aller besten entscheiden, Formen der Kunst und des Erzählens sind wunderbar geeignet, um Ängste und Stress abzubauen.

All das was Ihnen Freude bringt und Sie mit Sinn versorgt, hilft fast direkt Ihrem Immunsystem, eine Sonderrolle stellen Süchte dar, sei es süchtiges Essverhalten, aber auch der Umgang mit Drogen, Alkohol und Zigaretten oder Suchtverhalten anderer Art. Zwar reduzieren Suchtmittel und Suchtverhalten kurzfristig den Stress, den ein Entzug auslöst, mittelfristig wird der Stress vergrößert, weil aus einem möglichen Weg des Spannungsabbaus, der einzig mögliche Weg des Spannungsabbaus wird. Alle anderen Möglichkeiten werden dann häufig nicht mehr genutzt, weil sich vieles nur noch um das Suchtmittel und seinen Konsum dreht. Die meisten Drogen reduzieren das Immunsystem, allerdings helfen viele aus großem Stress für eine Zeit auszubrechen. Rauchen schädigt Herz und Lunge, allerdings sind weniger Raucher bei den schweren Covid-19 Verläufen zu finden, als man denken sollte und dem Nikotin wird sogar eine gewisse schützende Wirkung nachgesagt, so dass die Schäden in dem Fall wieder aufgewogen werden könnten. Bei all dem sollte nicht vergessen werden, dass dabei 5 Zigaretten am Tag besser als 60 sind und die Flasche Bier oder Glas Wein besser eine halbe Flasche Schnaps.

Die Botschaft soll sein, dass es nicht um ein von A bis Z gesundes Leben gehen muss, dass schon mit Beerenmüsli, Yoga und Wassertreten am Morgen beginnt, bevor man in den Wald geht und Bäume umarmt, obwohl das alles toll ist, wenn es zum eigenen Leben passt.

Wie Sie Ihr Immunsystem auf psychischem Wege mit diversen Methoden unterstützen können, haben wir in: Infiziert? Was Sie für sich tun können dargestellt.

Die Ursache bei Arbeit und Freizeitverhalten

Wie oben ausgeführt, sind Arbeitsstellen und ein bestimmtes Freizeitverhalten eine große Gefahrenquelle für eine Infektion mit Coronaviren. Die statistischen Größen sind wichtig, weil eine größere Zahl von Menschen in einer bestimmten Umgebung die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass einer oder mehrere Menschen dabei sind, die mit Sars-CoV-2 infiziert sind. Man weiß, dass die Viren sich vor allem durch Superspreading-Ereignisse verbreiten, das heißt, einer infiziert unbemerkt viele oder sehr viele andere. Da die ersten Tage nach einer Infektion bei so gut wie allen ohne Symptome verlaufen, man in dem Moment aber selbst schon andere infizieren kann, ist die Übertragung zu Beginn der Pandemie so rasant gestiegen.

Ursächlich ist jedoch die Tröpfcheninfektion verantwortlich. Die Viren ‘überleben’ nur in einer Hülle auf Fett und Feuchtigkeit und bei ungeschützten Niesen können Tröpfchen mit Viren bis zu 10 Meter ausgestoßen werden, bei mehrfachem Husten drei Meter, weitere Risikofaktoren sind Singen, Lachen, (lautes) Sprechen. Je näher man sich dabei kommt, umso gefährlichen. Hier hilft ein Mundschutz, weil er den Ausstoß nach vorne reduziert. Klar ist, dass man umso gefährdeter ist, je enger man steht und im Gedränge kann man sich auch draußen anstecken, die Gefahr in Innenräumen ist jedoch ungleich größer (bis zu 19 mal), wichtigster Faktor in Innenräumen ist eine gute Belüftung mit frischer Luft.

Eine Klimaanlage die die Luft ansaugt und nur gleichmäßig verteilt ist keine Hilfe, sondern eine Gefahrenquellen. Die Tröpfchen in denen sich die Viren aufhalten, darf man sich nicht wie Regentropfen vorstellen, die schnell zu Boden fallen, sondern eher wie Nebel, der noch lange Zeit im Raum bleibt, auch dann, wenn ein infizierter Mensch eventuell schon seit Stunden nicht mehr im Raum ist. Darum ist hier die konstante Belüftung von zentraler Bedeutung und wo sie fehlt ist man in größerer Gefahr.

Der Unterschied zwischen Tröpfchen und Aerosolen ist fließend, als Faustregel kann man sagen, dass in Aerosolen die Flüssigkeit noch feiner vorliegt und noch langsamer oder überhaupt nicht zu Boden sinken, das ist der negative Effekt von Klimaanlagen ohne ausreichenden Virenschutz, durch spezielle Filter, UV-Licht oder andere geeignete Methoden.

Es bedarf einer gewissen Anzahl von Viren um sich tatsächlich zu infizieren. Wer durch einen Luftzug im Freien zufällig zwei Viren aufschnappt, wird sich nicht infizieren, selbst bei hoch ansteckenden Viren, braucht man doch einige hundert Viren: aber je mehr Menschen, je näher sie sich kommen, je enger der Raum, je schlechter belüftet, umso größer die Gefahr und eine sehr hohe Virenkonzentration kann dazu führen, dass es sogar bei gesunden und jungen Menschen zu einem schweren Verlauf kommt. Es ist nicht klar, warum das so ist, aber man sieht es etwa bei medizinischem Personal, das zwar mitunter stark im Stress ist, aber doch zeigen hier auch Menschen schwere Verläufe, bei denen das anders sein sollte.

Der Abstand den wir halten sollen, ist fundamental wichtig und eine möglichst geringe Zeit, die man in geschlossenen Räumen verbringt. Denn der beste Schutz, noch vor einem guten Immunsystem, ist, sich gar nicht erst zu infizieren.

Die gesellschaftlich-sozialen und ökonomischen Ursachen

Wie wir sahen gibt es eine Häufung der schweren Verläufe einer Covid-19-Erkrankung, bei armen und sozial ausgegrenzten Menschen. Auf dieser Ebene der Einstellungen und Zuschreibungen greifen viele Faktoren in einander. Gerade bei sozialen Zuschreibungen gibt es viele sich selbst verstärkende Mechanismen, die eine ursächliche Wirkung haben, obwohl sie doch ‘nur’ Einstellungen betreffen.

Mitgliedern der Unterschicht wird gerne unterstellt, sie seien dumm, faul, ungebildet, würden sich schlecht ernähren, zu wenig bewegen, aber zu viel Alkohol trinken, kiffen und rauchen und seien an ihrem Schicksal letztlich selbst schuld. Auf der einen Seite gibt es sicher Menschen, auf die alle diese Punkte zutreffen und da man sich ein Klischee erhalten will, greift man häufig nur auf jene zurück, wenn man die eigenen Vorurteile bestätigt haben will, entsprechend gering in das Mitgefühl mit diesen Menschen. Besonders geeignet erscheinen oft Migranten.

Doch auf sehr viele Menschen der Unterschicht trifft das schon längst nicht mehr zu, viele geraten unverschuldet, ungefragt und chancenlos in prekäre Situationen, aus denen man ihnen oft nicht wieder heraus hilft. Manche können gegen die Ausgrenzung einen gewissen Reststolz etablieren, verachten manchmal ihrerseits die Gesellschaft, was nicht so gut ist, oder benutzen ihre Wut als Ansporn, was besser ist. Viele übernehmen das Bild, das die Gesellschaft von ihnen hat und fühlen sich minderwertig und irgendwann, dass die es nicht besser verdient haben, weil sie sich minderwertig fühlen. Ein Teufelskreis, der sich oft zu einem Bildungspessimismus und emein Gruppenverhalten ausweitet, das es einzelnen dann immer schwerer macht, auszubrechen.

In der Summe führt es dann oft zu schlechterer formaler Bildung, demzufolge zu geringerem Lohn oder Arbeitslosigkeit, was zu schlechteren Wohnverhältnissen führt, die Partner kommen häufig aus dem gleichen Milieu und so kommt eines zum anderen und am Ende erfüllen manche dieser Menschen das Klischee, was die Gesellschaft schon vorher von ihnen hatte.

Dazu kommt eine Überschneidung mit psychologischen und biologischen Faktoren, das man am Beispiel des Diabetes mellitus (der Zuckerkrankheit) findet, bei dem ein Mangel an Bildung dann irgendwann tatsächlich eine Krankheitsursache ist, weil man auch hier zu Zusammenhänge zwischen Ernährung, Verhalten, kurzfristigen und langfristigen Auswirkungen verstehen und sich danach richten muss. Ähnlich ist es bei Covid-19. Die soziale Ausgrenzung bedeutet Stress, nicht selten Depressionen, all das schwächt das Immunsystem und wenn man dann noch beengten Verhältnisse wohnt, eventuell in zu kalten und feuchten Wohnung, ohne Rückzugsmöglichkeit und Privatsphäre, hat dies immer größere negative Einflüsse auf die Psyche und damit auf das Immunsystem, den großen Gegenspieler der Viren. Die Statistiken zeigen eindrucksvoll, wie stark dieser Effekt ist und damit auch, die stark der Einfluss von Selbstachtung ist. Als Gesellschaft machten wir es unseren ärmeren Mitbürger leichter, wenn wir sie nicht ausgrenzen sondern mehr Mitgefühl zeigen. Das ist nicht immer leicht, da zum Selbstbild einiger gehört, auf jene hinabzublicken, die scheinbar noch weiter unter ihnen stehen. Aber auch ganz egozentrisch ist es eine riesige Gefahr, wenn ausgegrenzte Randgruppen sich schneller infizieren und dadurch größere Teile der Gesellschaft anstecken.

Die Corona-Fatigue oder -Müdigkeit

Die Corona-Fatigue kennen fast alle von uns. Eine gewissen Zeit lang, fällt es leicht sich an die Regeln und Bestimmungen zu halten, vor allem, wenn man Angst um die eigene Gesundheit oder die seiner Liebsten hat. Dann greift im besten Fall das Präventionsparadoxon. Sind die logistischen Maßnahmen gut, wird der Anstieg der Infektionswelle gebremst und die Kurve der Neuinfektionen abgeflacht und es kommt zu keiner nennenswerten Zahl von Erkrankungen, vor allem nicht zu schrecklichen Szenarien der Triage, dass man entscheiden muss, wer bei zu wenigen Kapazitäten der Intensivbetten versorgt werden kann und wer im Zweifel kaum versorgt sterben muss. Gut, dass wir diese traumatischen Ohmachtserfahrungen kaum machen mussten. Doch da uns die Bilder erspart blieben werden die Fragen lauter, ob das denn alles so richtig und nötig war, eine Frage mit vielen Konsequenzen, weil der Lockdown bei uns zwar nicht drakonisch war, aber doch vielen schlimm zusetzte und zu Unmut und vielfältigen Diskussion geführt hat.

Doch so oder so, sehr viele haben jetzt das Gefühl, dass das Thema im Grunde gegessen ist und haben eine große Sehnsucht danach, dass es wieder irgendwie normal zugeht, weil nahezu jeder Lebensbereich anders ist, als er vorher war, egal ob Arbeit oder Privatleben. Überdruss, Leichtsinn, ein Mangel an Motivation, eine abweichende Meinung und ein gewisses Gruppenverhalten führen dazu, dass die Vorsichtsmaßnahmen nun mehr und mehr vergessen werden, eine Situation, die nicht frei von Gefahren ist.

Unsicherheiten und kontroverse Diskussionen

Es gibt eine gewisse Diskrepanz zwischen der realen Arbeit der Wissenschaft und dem Bild, das man sich in der Öffentlichkeit in breiteren Teilen von ihr machte. Ein Thema im Thema, aber um es kurz abzuhandeln herrschte in der Öffentlichkeit noch bis vor kurzem der Eindruck vor, die Wissenschaft würde vor allem auf der Basis sicherer Erkenntnisse arbeiten. Doch vor allem über den viel gehörten und nun doppelt ausgezeichneten Corona Podcast mit Christian Drosten, dem Virologen, den inzwischen jeder in Deutschland kennt, konnte man einen schönen Einblick in die Arbeitsweise der Wissenschaft gewinnen. Ein buntes Gewirr aus sicheren, ziemlich sicheren, möglichen und eher vagen Vermutungen, mit denen man gut umgehen kann, wenn man sie gut zuordnen kann, weil man es gewohnt ist, dies zu tun, aber sie trafen auf eine Bevölkerung die in einigen Teilen die Orientierung verloren hat und seltsamsten Ideen folgt, nicht selten bis zur Verschwörungstheorien.

Keine optimale Mischung, doch einige haben inzwischen begriffen, dass eine sehr gute, große Studie, die in einem der angesehenen großen Wissenschaftsmagazine nach Peer Review (einer kritischer Sichtung durch Kollegen) veröffentlicht wurde, etwas anderes ist, als eine kleine Studie, von fragwürdiger Qualität die vorab, vor jeder kritischen Sichtung veröffentlicht wurde. Für manche Laien sind all diese Studien gleich gut, Wissenschaftler sind es gewohnt, sich zu kritisieren und die meisten Veröffentlichungen, die sich als Schrott erweisen auf der ersten Blick zu erkennen und schnell wieder zu vergessen. Es gehört zum Wesen der Wissenschaft selten mit einer Stimme zu sprechen und das ist kein Zeichen von Uneinigkeit, sondern der Weg, wie Wissenschaft funktioniert. Von vielen Menschen wird aber Einigkeit und größte Gewissheit verlangt, weil das ihre Unsicherheiten verringert.

Fluch und Segen der Statistik

Statistiker wissen, dass ihr Fachgebiet oft übervereinfacht und mit Zahlen versucht wird Gewissheiten zu erzeugen, die es kaum gibt. Noch einmal: Korrelationen, also ein Auftreten von Effekten, in zeitlicher oder räumlicher Nähe, verweisen auf die Möglichkeit von Kausalitäten, aber diese müssen sich dann erst erweisen, Korrelationen sind keine Ursachen.

Ein größeres Randthema bei der Covid-19 Pandemie, bei dem es neben unglücklichen Darstellungen auch um die Frage ging, ob die Datenbasis des Robert Koch Instituts (RKI) überhaupt geeignete Zahlen für seine Ratschläge zur Verfügung hatte. Kein leichter Vorwurf, denn der Lockdown führte nicht nur, aber auch in Deutschland zu gravierenden Einschränkungen und wirtschaftlichen Einbußen.

Das Land spaltete sich grob gesagt in zwei Lager, bei denen das eine eher utilitaristisch argumentiert und sagt, die Menschen, die an Covid-19 gestorben sind (manche bezweifeln auch das und sagen, man würde mit Covid-19 sterben, nicht daran) ohnehin bald gestorben wären und das der Lockdown der Wirtschaft langfristig viel schädlicher ist, auch im Bezug auf die Todeszahlen.

Der Kernvorwurf einiger Statistiker ist jedoch, dass die Datenbasis überhaupt nicht klar gewesen sei, da man zu keiner Zeit nachvollziehen konnte, wie viele Menschen denn nun tatsächlich mit Covid-19 infiziert waren und wie viele nicht. Zu Beginn hatte man nicht genug Tests und alles wies auf einen exponentiellen Verlauf der Fallzahlen in der Pandemie hin. Als Ziel galt so schnell es geht, den Anstieg der Kurve abzuflachen, als Ziel galt die Verdoppelung der Fallzahlen abzubremsen, bis zum Wert einer Verdoppelung alle 10 bis 12 Tage.

Nach dem das erreicht war, wurden, ohne das groß zu begründen, die Maßnahmen des Lockdown beibehalten und in Teilen der Bevölkerung wuchs der Unmut. Eltern mussten weiter im Home Office arbeiten und sich um ihre Kinder kümmern, viele genossen die Zeit der erzwungene Ruhe, der klaren Luft, dem geringen Stress und Verkehr, für manche war es ein Alptraum, sie fühlten sich zusammen oder alleine eingesperrt und von allem abgeschnitten oder sahen ihre aufgebaute wirtschaftliche Existenz wie Sand zwischen den Fingern zerrinnen. Natürlich führt auch das zu Stress, Frust und Aggressionen.

Ich konnte zumindest diese Strategie des RKI und der Regierung gut nachvollziehen, da das Argument die Tage bis zur Verdoppelung der Fallzahlen so weit zu strecken, bis man wieder in die Lage versetzt ist, Einzelereignisse nachzuverfolgen und bestimmten Regionen herunterzufahren, statt eines ganzen Landes, ein plausibles ist. Ob die gewählten Zahlen das nun hergeben, darüber streiten sich viele Leute, auch solche, die von der Statistik etwas verstehen, haben zuweilen ihre begründeten Zweifel.

Dass die Zahlen rein gar nichts hergäben, kann ich so nicht nachvollziehen, dass man bevorzugt Risikogruppen und Kontaktpersonen getestet hat, erzeugte eine verzerrte Datenbasis, aber bei nicht ausreichender Testkapazität ist das in meinen Augen ein rationales Vorgehen gewesen, dass trotz allem eine Dunkelziffer der Infizierten besteht, liegt auf der Hand und bestreitet keiner. Diese kann, gerade wenn man bevorzugt Verdachtsfälle testet, nicht überhoch sein. 10 oder vielleicht noch 20 mal mehr als getestet, das erscheint mit realistisch, aber der Blick über die Sterberate der diversen Ländern mit unterschiedlichen Strategien und Zeitpunkten des Infektionseintritts und dem Gesundheitssystem gibt manche Möglichkeiten des Vergleichs.

Manche Kritiker sagen, es sei schlicht egal, ob man irgend etwas macht, oder nicht macht, Infektionswellen würden immer erst exponentiell ansteigen, ihren Höhepunkt erreichen und dann wieder abflachen, was sicher stimmt, aber bei den verschiedenen Strategien scheint es doch erkennbare Unterschiede zu geben.

Vier ‘Strategien’ gegen Covid-19

Unbeliebt, aber sehr wirksam. Abstand halten. © Jerney Furman under cc

Die erste will ich nicht mit bestimmten Ländern assoziieren, wem welche einfallen, darf diese einsetzen. Ich würde diese Strategie als ‘keine Strategie’ bezeichnen, das heißt man setzt drauf, dass Covid-19 im Grunde nicht so schlimm ist und wenn überhaupt, dann gerade mal so schlimm wie ein Grippe. Diese Länder haben neben sehr hohen Infektionszahlen (auch im Vergleich zur Zahl der Gesamtbevölkerung) manchmal auch eine schlechte Sterblichkeitsrate. Bei anderen Ländern wundere ich mich, warum ausgerechnet diese so eine erstaunlich niedrige Sterblichkeitsrate vorweisen können, aber jeder wundert sich vermutlich über etwas anderes. Die Strategie der Ignoranz scheint in meinen Augen keine erfolgreiche zu sein.

Schwedens Weg wird momentan nahezu täglich anders bewertet. Er zeichnet sich dadurch aus, dass man auf einen staatliche Lockdown verzichtet und statt dessen auf die Vernunft und freiwillige Einsicht der Bürger gesetzt hat. Das kam gut an, dann wieder nicht so, dann doch wieder, die Fallzahlen in Schweden sind deutlich höher als in den anderen skandinavischen Ländern, die Sterblichkeitsrate ist deutlich höher, sinkt in letzter Zeit aber ab, so das der schwedische Weg aktuell wieder etwas freundlicher betrachtet wird. Er könnte sich langfristig auszahlen, weil er mit einer schnelleren Durchseuchung der Gesamtbevölkerung spielt, die immer so mit 65% der Bevölkerung angegeben wird – aber auch das ist ein eher spekulativer Wert – er zahlt sich dann aus, wenn eine effektive Therapie oder eine Impfung erst spät gefunden wird. Wird sie schneller gefunden, hat Schweden zu viele Todesopfer.

Zum ganzen Bild gehört aber auch, dass der schwedische Weg gar nicht so locker und Deutschlands Weg nicht so rigide war oder ist, wie es dargestellt wird. Dies führt zumindest Juan Morenos Podcast über Schwedens Sonderweg aus.

Während die Freunde von Schwedens Weg zumeist kritisieren, dass Deutschland zu hart vorgehe und die Wirtschaft zerstöre oder zu viel Rücksicht auf Menschen nimmt, die sowieso bald gestorben wären, was sie zumeist mit den Anhängern der ersten Strategie des Nichtstuns verbindet, gibt es eine andere Gruppe, denen die Maßnahmen in Deutschland nicht weit genug gegangen sind.

Anhänger dieser Idee bevorzugen in der Regel ein Szenario, das als Der Hammer und der Tanz bekannt wurde. Kurz gesagt, handelt es sich dabei um kurze, aber rigide regionale Lockdowns, die schnell und hammerhart sind, mit dem Ziel das ganze Land vor einem Lockdown oder unkontrollierbaren Folgen der Pandemie zu schützen. Im Grunde die Situation die man jetzt bei uns erreicht und zu Beginn der Welle verfehlt hat, mit dem Unterschied, dass bei uns noch mehr getestet werden müsste.

Die deutsche Strategie gehört irgendwo ins Mittelfeld und erscheint mir als eine Mischung aus guter Logistik und Glück. Unser Lockdown ist im Grunde ein Kuschellockdown gewesen, es gab keine echten Ausgangssperren, die Versorgung ist nicht zusammen gebrochen, die Maßnahmen erschienen der Überzahl angemessen. Glück hatte man in meinen Augen, weil Italien das erste Land war, was in Europa mit voller Wucht getroffen hatte, das gab uns die Möglichkeit zu lernen und diverse Arten von Intensivplätzen auszubauen und frei zu halten. Italien wurde hier kalt erwischt, wir hätten es auch sein können. Denn das Medizinsystem wurde bei uns, zum Glück, gar nicht groß getestet, die in meinen Augen gute logistische Arbeit im Vorfeld, konnte das weitgehend verhindern. Zudem wurde das Medizinsystem gerade herunter gefahren, immer mehr Kliniken sollten aus wirtschaftliche Gründen verschwinden – eine Idee, die man noch immer nicht aufgegeben hat – was bei nicht ausreichender Versorgung allerdings geschehen kann, konnten und können wir live beobachten.

Hintergrund-Immunität und natürliche Immunisierung

Ist man wenigstens ein bisschen immun, wenn man früher schon mal Kontakt mit anderen Arten von Corona-Viren hatte? Das nehmen manche Virologen an und dies könnte die Verbreitung verlangsamen, aber man weiß es nicht sicher, zudem nicht, wie groß der schützende Effekt ist. Außerdem weiß ja kaum jemand, ob er zu denjenigen gehört, die schon einmal eine Coronaviren Infektion hatten. Die Unsicherheit bleibt.

Dem Standard gemäß müssten sich nach einer durchgemachten Covid-19-Infektion im Immunsystem Antikörper gebildet haben, die beim nächsten Kontakt die Viren gewissermaßen schon an der Tür erkennen und gar nicht erst hinein lassen. Unklarheiten gibt es daher, bei Berichten über zweite Infektionen, von denen man immer wieder hört, die aber auch ein Testfehler sein können.

Wie lange die Antikörper uns nun schützen ist auch unklar, von drei Monaten über sechs, 12 bis zu 18 Monaten ist alles möglich, aber man weiß eben auch nicht, was denn nun der Fall ist. In dem Zusammenhang wurde auch ein Immunpass diskutiert, der Menschen, die Antikörper im Blut haben andere Tätigkeiten ermöglicht, allerdings kann es so zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft kommen. Zudem hat man in letzter Zeit entdeckt, dass ein milder Verlauf offenbar dazu führt, dass die Antikörper im Blut nach einiger Zeit wieder verschwinden, ob das auch heißt, dass diese Menschen ihre Immunisierung verloren haben, ist unklar.

Bekommt jemand der einmal milde Symptome hatte, diese nun immer wieder? Man weiß es nicht. Dieses Bündel an Unklarheiten lässt viele von uns so verunsichert da stehen.

Therapeutische Ansätze

Mit jeder Woche die vergeht, werden die therapeutischen Erkenntnisse etwas größer und da wir inzwischen weltweit vernetzt sind und ein hohes Interesse an einem Austausch besteht, wird aktuell alles schnell geprüft und es liegen ständig neue Erkenntnisse vor.

Ein Wundermittel der ersten Stunden, das Malariamittel Hydroxycholoquin hat offenbar so schwere Nebenwirkungen (wie viele andere antivirale Mittel auch), dass es im Verdacht steht zu mehr Toten zu führen, als ohne Behandlung. Zumindest ist die Datenlage sehr umstritten.[15]

Remdesivir ist inzwischen zugelassen, aber von durchschlagendem Erfolg ist die Wirkung nicht. Es kann die Zahl der Krankentage reduzieren, aber es senkt nicht die Sternblichkeit, ist die bisher vorherrschende Meinung. Die neuesten Ergebnisse erfordern ebenfalls weitere Studien.[16]

Ein anderer Weg ist die symptomatische Therapie, in der man den Körper an seiner Schwachstelle unterstützt, von der Versorgung mit Sauerstoff, bis hin zu intensivmedizinischen Maßnahmen. Gut, dass es sie gibt, wenn man sie braucht, ist das allerdings nicht so toll, weil man dann bereits schwer krank ist.

Da, wie oben ausgeführt, Entzündungen der Adern der Organe ein Hauptproblem sind, die zu Thrombosen und Embolien (Verstopfungen dieser Adern) führen, gibt man Gerinnungshemmer, die diese Thrombosen beseitigen und ihnen vorbeugen können.

Gute Erfolge verspricht man sich auch von Dexamethason, ein starkes Cortisonpräparat. Die Wirkung von Cortison ist allgemein entzündungshemmend und da Covid-19 eine Entzündungskrankheit ist macht der Ansatz Sinn, allerdings berichteten russische Ärzte, dass sie bereits seit längerer Zeit routinemäßig Dexamethason verwenden und es dort zwar hilft, aber nur bei etwa einem von sieben Patienten.

Camostat ist ein Mittel, das die TMPRSS2-Proteine und damit die Eintrittpforte des der Coronaviren hemmen kann und wurde für Studien zugelassen.[17]

Alles in allem sieht man hoffnungsfroh stimmende Fortschritte, aber noch keinen Durchbruch. Vielleicht kommt der auch nicht, in dem Sinne, dass es das eine Mittel geben wird, was hilft, aber in vielen Fällen ist die Medizin sehr erfolgreich mit Therapien, die aus einzelnen, auf den Patienten abgestimmten Bausteinen bestehen.

Impfungen

Insgesamt sieht man die Impfungen als die beste Lösung an, aber auch hier könnte der Teufel im Detail liegen. Der erste Punkt ist, dass wir noch keinen Impfstoff haben und dieser zunächst auch getestet werden muss. Bislang wurden jedoch auch gegen andere Arten von Coronaviren keine Impfungen gefunden – vielleicht nur deshalb, weil man zu wenig gesucht hat – und dann ist auch nicht klar, woran der Impfstoff sich orientieren sollte.

Wir kennen inzwischen alle die stilisierte Coronavirus Darstellung, die Kugel mit den Zapfen auf der Oberfläche. Dies sind die sogenannten Spikes und die Biotechniker, die den Impfstoff suchen, orientieren sich oft an dem Muster dieser Spikes, das dann mit der Impfung gegeben werden soll, damit der Körper, das Immunsystem, Antikörper bildet. So weit, so gut, nur verändern sich diese Spikes wohl relativ schnell (und sollen sich schon verändert haben), so dass die Impfung immer nur für eine gewisse Zeit wirksam ist, ähnlich wie bei der Virusgrippe, bei der man sich jährlich neu impfen lassen soll und die neuesten Stämme doch nicht erfasst werden. Bei Sars-CoV-2 kommt es aber gerade darauf an, also könnten diese Impfungen eine erste schnelle Wirkung haben, aber es muss nach tiefer greifenden Impfungen gesucht werden.

Mutationen und die zweite Welle

Ob und wie Sars-CoV-2 mutiert oder schon mutiert ist, ist gleich die nächste unklare Frage und alle Wahrscheinlichkeiten sind im Grunde nur Beruhigungen, man weiß einfach nicht, ob, wie und wann diese Mutationen stattfinden und in welche Richtung sie gehen. Das Virus könnte harmloser oder aggressiver werden, es nutzt dem Virus zwar, wenn der Wirt überlebt, weil es sich dann besser verbreiten kann, aber letztlich ist das bereits eine Vermenschlichung eines Vorgangs, der ohne Absichten ausgeführt wird. Vergessen wir nicht, dass bei Viren nicht mal klar ist, ob sie überhaupt leben, da kann von Absichten dann keine Rede sein.

Genau so unklar ist, ob oder wann eine zweite Welle kommt. Auch wenn das in der Vergangenheit bei Pandemien oft der Fall war, so heißt das nicht zwingend, dass es so bleiben muss, wir leben inzwischen in anderen Zeiten mit andere Risiken (viel enger, viel mehr Verkehr, viel mehr Massentierhaltung), aber auch viel mehr Möglichkeiten der schützenden Logistik, durch Presse, Internet und Apps.

Unglückliche Darstellungen

Manche Kommunikationen sind nicht geglückt. Man erinnere sich an die Warnung vor Ibuprofen (und verwandten Mitteln), die dann schnell als Fake galt, bevor Tage später die WHO offiziell vor dem Gebrauch warnte, nur um die Warnung dann später wieder zurückzuziehen.

Der Wechsel der Ziele wurde nicht gut erklärt, auch wenn man mit dem Ergebnis aus medizinischer Sicht zufrieden sein kann – für viele kleine Gewerbe war und ist es allerdings ein Desaster – so ist vor allem nicht klar und oft genug erklärt worden, warum der Durchbruch zur Verfolgbarkeit von Einzelereignissen so wichtig ist. Noch besser wäre gewesen diese Strategie von Beginn an zu erklären, aber vermutlich ist sie erst bei laufendem Betrieb entstanden. Nachvollziehbar, aber unglücklich.

Das Gezerre um den Mundschutz und seine Wirkung ist ebenfalls schwierig gewesen, die Einsicht, dass alle geschützt sind, wenn alle einen tragen, hat sich spät durchgesetzt und am Anfang fehlten sie ganz einfach. Zumindest dieser Fehler wird kein zweites Mal passieren.

Corona-App

Halbwegs gelungen scheint die Corona-App zu sein, die auch von Datenschützern gelobt wird, das praktische Problem ist nur, dass gerade die Menschen, die besonders gefährdet sind, nämlich alte Menschen, oft zu denen zählen, die kein Smartphone besitzen. Aber hier zählen auch Teilerfolge, die möglich sind, wenn ein gewisse Prozentsatz der Bevölkerung die App installiert und diese Zahl ist schon erreicht. Hier zählt jeder kleine Schritt.

Grippe und Covid-19: Ein passender Vergleich?

Diesem Themenkomplex will ich noch einmal breiteren Raum geben, weil vielfach argumentiert wird, dass Covid-19 im Grunde nicht schlimmer als eine Grippe sei, die uns jedes Jahr heimsucht. Ich habe das am Anfang auch geglaubt und nach den ersten Zahlen konnte man das auch glauben, nach und nach änderte sich jedoch das Bild.

Die Influenza Virusgrippen deren Stämme uns immer wieder überfallen, führen bereits seit einigen Jahrzehnten alle paar Jahre zu Ausbrüchen von heftigeren Grippewellen bei denen in den Jahren der starken Ausbrüche etwa 20.000 Menschen bei uns sterben. In Jahren mit mildem Grippeverlauf deutlich weniger. Die Zahlen der Grippetoten sind dabei immer Schätzungen, die sich aus der sogenannten Übersterblichkeit ableiten, die ein geschätzter Wert ist. Dieser wird so ermittelt, dass man von der Zahl derer ausgeht, die in einem normalen Jahr sterben, die Zahl der Menschen, die über den Durchschnittswert hinaus gestorben sind, rechnet man bestimmten Sonderereignissen zu, sind keine zu finden bei denen sehr viele Menschen gestorben sind, rechnet man sie den Infektionskrankheiten zu.

Betrachtet man nur die Zahlen, kann man zunächst zu dem Schluss kommen, zu dem in der Tat viele gelangen, wenn man die Zahlen untersucht. 20.000 Grippetote in einer heftigen Saison, verglichen mit aktuell 9.000 Covid-19 Toten seit Anfang März, das sieht nicht wirklich erschreckend aus. Das stimmt, aber die Bedingungen sind völlig verschieden. Zum einen kann man sich, wenn man will, gegen Grippe impfen lassen. Bei Covid-19 hat man diese Möglichkeit nicht. Die Risikogruppe hätte also einen gewissen Schutz, bei Covid-19 bleiben sie schutzlos. Der vielleicht wesentliche Unterschied ist jedoch der, dass wir wegen Covid-19 eben einen Lockdown, Abstangsregeln, Hygienemaßnahmen und so weiter hatten und haben und dennoch haben wir schon 9.000 Tote zu verzeichnen und wir stehen im Vergleich noch gut da. Hier greift wieder das Präventionsparadoxon, dass die vergleichsweise geringe Zahl an Toten bei uns – ausgelöst durch die Maßnahmen – suggeriert, die Krankheit sei gar nicht so schlimm.

Dass Covid-19 bei der Übersterblichkeit insgesamt keine Rolle spielt, darf man mit dem Blick auf die Zahlen als immer mehr empirisch widerlegt ansehen.[18] Die Bedeutung von Covid-19 für Todesfälle wird in dieser Animation dargestellt. Der Trend, dass Covid-19 als gefährlicher als eine Grippe angesehen wird, scheint sich durchzusetzen.[19]

Covid-19 hat zudem keine Saison, zumindest weniger ausgeprägt, ein weiterer Unterschied ist, dass die Krankheit in den meisten Fällen in den ersten Tagen symptomfrei verläuft, obwohl man in dieser Zeit bereits ansteckend für andere ist, für die Gesamtbevölkerung ist dies die gefährlichste Zeit, die vier Tage oder länger dauern kann. Zudem kommt es bei Covid-19 auch immer wieder, wenn auch selten, zu unklaren Todesfällen bei an sich jungen und gesunden Menschen, die zu keiner Risikogruppe zählt. Dass man nie an, sondern nur mit Covid-19 stirbt, kann man angesichts der biologischen Ursachen, die oben ausgeführt wurden, als falsch ansehen. Die Gleichsetzung von Grippe und Covid-19 scheint insgesamt unpassend zu sein.

Das dicke ethische Problem

Im Zuge der Diskussion um den Lockdown ist Kritik geäußert worden, die in die Richtung geht, dass man das mit dem Schutz des Lebens Alter und Kranker nicht zu eng sehen sollte. Das ist im Kern gegen unsere Auffassungen, die es verbieten Leben gegen Leben aufzuwiegen. Wir ziehen eher rote Linien ein und versuchen Leben wo immer es geht zu schützen. In medizinischen Triage Situationen ist man gezwungen abzuwägen, wer sterben muss und wen man zu retten versucht, das ist hochgradig belastend und immer entsetzlich, darum haben wir ja zurecht alles dran gesetzt um diese Situationen zu vermeiden. Man findet bei der Kritik mehrere Szenarien, eines ist:

Tote gegen Wirtschaftswachstum

Ein utilitaristisches Argument, dass man eben Werte abwägen muss und ein Einbruch der Wirtschaft eben auch zu Leid und Sorgen oder Verzweiflung führt. Utilitaristen bekennen hier keine Farbe, den ansonsten müsste man klar formulieren, wie viele Menschenleben einem die Verhinderung von Wirtschaftseinbußen oder Pleiten denn wert sind: 10.000 Tote gegen 10 Prozent Einbußen? Mehr? Weniger? So offen will das aber niemand sagen und wir möchten eigentlich nicht so denken und agieren und kritisieren gerade verstärkt, dass wir es oft dennoch tun, bei Waffenexporten und anderen Geschäften.

Ein Problem ist auch, dass man gegen jeden noch so schrecklichen wirtschaftlichen Verlust etwas machen kann, der Tod ist jedoch unumkehrbar.

Tote gegen Tote

Manche argumentieren jedoch, dass auch der Lockdown oder die Angst zu Toten führt, dann stehen nicht Tote gegen Wirtschaftsleistungm sondern Tote gegen Tote. Ein stärkeres Argument, da eine Rettungsmaßnahme, die zu mehr Toten als Geretteten führt ihr Ziel verfehlt hat. Die inkonsistente Argumentation der Utilitaristen ist hier jedoch auffallend. Einmal wird bei jeder Statistik bezweifelt, ob die Daten denn überhaupt stimmen, ob man denn nicht eher mit als an Covid-19 gestorben sei, dass man im Grunde keiner Statistik wirklich trauen kann und so weiter, doch wenn es darum geht aufzuzeigen, was der Lockdown für dramatische und tödiche Folgen hat, beruft man sich selbst auf Zahlen und Schätzungen, die auf einmal nicht mehr bezweifelt werden, im Grunde aber kein bisschen zuverlässiger sind. Um in die Logik von mit oder an mal zu übernehmen. Die Todesursache Lockdown sucht man auf den Zetteln nach der Leichenschau ebenfalls vergebens.

Tote gegen Freiheit und Würde

An sich kein schlechtes Argument, doch auch hier beim zweiten Hinschauen heikel. Denn im Artikel 1 unseres Grundgesetzes steht zwar, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, aber das heißt, dass man sie eben gerade nicht (nämlich nie) verlieren kann. Leben ist immer würdiges oder wertes Leben, denn mit dem Begriff vom ‘unwerten Leben’ haben wir so unsere schlechten Erfahrungen gemacht. Im Rahmen der Diskussionen um Sterbehilfe setzt sich gerade mühsam und vermutlich zurecht die Auffassung durch, dass Menschen, die ihr eigenes Leben aus nachvollziehbaren Gründen unerträglich leidvoll empfinden das Recht haben sollten mit Unterstützung zu sterben, wenn tatsächlich kein anderer Ausweg mehr in Sicht ist und gewünscht wird. Der fundamentale Unterschied ist jedoch, dass das die Betroffenen entscheiden und nicht andere Menschen für sie. Die Argumentation, jemand würde ohnehin bald sterben (das kann man einfach nicht wissen oder nur in den seltensten Fällen) und sein Leben sei ohnehin unwürdig, kann niemand für einen anderen beurteilen und ist einfach zynisch, anmaßend und eben gegen das GG.

Was ist zu erwarten?

Wie wir sahen, ist manches bekannt, einiges noch unsicher und kontrovers, etwa ob und wann eine zweite Welle kommt, ob und wann wir eine Impfung bekommen, ob und wie die Wirtschaft wieder anspringt und wann das Virus mutiert. Offenbar ist Letzteres schon geschehen.[20]

Vergleichsweise klar dürfte sein, dass Covid-19 uns erhalten bleibt, vermutlich auch nach einer Impfung, durch die Mutationen. Wir haben gesehen, dass Pandemien keine virtuelles Szenario sind, sondern dass alles sehr schnell gehen kann. Unterm Strich haben wir mit Covid-19 auch wenn man nichts verharmlost noch halbwegs Glück gehabt, es gibt schimmere Kombinationen, die uns auch treffen können. Insofern ein guter Trainings- und Testfall. Da das Verhalten jedes Einzelnen zählt ist dieses Training sogar gut, wir alle sind nun viel besser vorbereitet.

Eine Normalität ist sicher heiß ersehnt, dass sie schnell kommen wird ist aber eher nicht zu erwarten, selbst wer alles ignoriert findet nicht dieselbe Welt vor, wie zuvor. Momentan ist kaum ein Lebensbereich nicht betroffen, ob man Essen gehen will, Sport machen, zum Arzt, ins Kino, Einkaufen gehen, in den Urlaub oder zur Arbeit fährt, nichts ist aktuell so richtig unbeschwert und das macht so gut wie niemandem Spaß.

Schaut man sich die Zahlen an, dann ist die Durchseuchung der Bevölkerung bei uns, selbst wenn man eine Dunkelziffer unterstellt, die 10 oder sogar 20 mal höher liegt als die bestätigten Fälle, im unteren einstelligen Prozentbereich, so zwischen 2,5 und 5%. Das heißt mehr als 60% oder ungefähr 50 Millionen Menschen bei uns, haben die Infektion noch vor sich, wenn man davon ausgeht, dass bei etwa 65% das Virus nicht mehr weiter gegeben wird. Weltweit ist die Durchseuchung aktuell noch geringer.

Es werden vermutlich noch lange Zeit einzelne Brandherde immer wieder aufflackern, wie jetzt in Gütersloh oder Peking und es wird immer wieder zu regionalen Lockdowns kommen, der Motor der Weltwirtschaft wird weiter stottern und wir müssen in vielen Bereichen unserer Lebensweise umdenken. Gut wäre, wenn in immer breiterem Umfang getestet würde, weil dies wenigsten für eine gewisse Zeit die Ungewissheit reduziert.

Strategien für das persönliche Covid-19 Risikoprofil

Was ist nun mit all dem anzufangen? Wenn Sie sich die einzelnen Bereiche sorgfältig anschauen, werden Sie einen Eindruck von Ihrem persönlichen Risikoprofil bekommen. Sie wissen, wie alt, schwer und vorerkrankt Sie sind, welche Blutgruppe und welches Geschlecht Sie haben und vermutlich wie es um Ihr Immunsystem steht.

Sie wissen, wo und unter welchen Bedingungen Sie arbeiten, wenn diese Bedingungen schlecht sind, können Sie vielleicht sogar anregen, diese zu verbessern, wenn Sie wissen, wie wichtig ein kompletter Luftaustausch ist, vor allem wenn viele Menschen zusammen sind.

Sie wissen, ob sie arm sind und sich ausgegrenzt fühlen und wie anerkannt Sie insgesamt oder in Ihrer Gemeinschaft sind und wie zufrieden Sie damit sind.

Schwieriger ist es die eigenen psychischen Muster und Verhaltensweisen einzuschätzen, wenn man verdrängt oder bagatellisiert, aber auch dramatisiert, so geschieht das häufig aus unbewussten Gründen, die wir eben nicht kennen. Man kann sich aber mit anderen vergleichen oder besser noch, mit anderen darüber reden, für wie leichtsinnig oder vorsichtig, bewusst oder intuitiv man gehalten wird. Wie leicht oder schwer man sich anpasst oder von den Meinungen anderer beeinflussen lässt.

Alles zusammen genommen, scheint mir die Strategie es schnell hinter sich haben zu wollen insgesamt eher nicht so klug zu sein, da unsere Erkenntnisse von Woche zu Woche zunehmen und sich auch kluge Logistiken immer mehr einspielen und man mehr und mehr dahinter kommt, wo man aufpassen muss und wo Schwachstellen liegen. Vor allem werden die therapeutischen und diagnostischen Erkenntnisse schnell größer.

Je größer das eigene Risiko, etwa als älterer Mann mit Übergewicht und hohem Blutdruck, der medikamentös gesenkt wird, Blutgruppe A der überdies arm ist, desto klüger ist es, sich erst gar nicht zu infizieren und wirklich kritische Situationen mit vielen Menschen, in engen Räumen zu meiden, auf ein absolutes Minimum zu reduzieren und dann nur mit guten Masken (FFP 2 oder 3) ausgestattet. Prävention oder Vorsorge Punkt 1: Gar nicht erst anstecken.

Die großen Vier

Ansonsten ist eine Kombination von Logistik (Abstand) und Hygiene (Hände waschen und Mundschutz), Informationen, die sich nahezu täglich erneuern und die das eigene Risikoprofil beinhalten sollten, sowie eine Unterstützung des eigenen Immunsystems, aus inzwischen bekannten Gründen, meines Erachtens der beste Ansatz. Prävention oder Vorsorge Punkt 2: Gar nicht erst krank werden. Mit einem guten Immunsystem geht das am besten, zudem hat das den Vorteil, dass sie selbst aktiv werden können und das nagenden Gefühl der Ohnmacht in eines der Kontrolle über das eigene Leben verwandelt wird.

Je besser alle mitmachen und geschützt werden, umso besser für alle. Das heißt der Zugang zu medizinischen Informationen und Präventionsmöglichkeiten sollte einfach nur niedrigschwellig sein, es können auch Bilder und Pictogramme verwendet werden. Übersetzungen in andere Sprachen (auch in einfache Sprache) sollte dazu gehören, für Menschen die mehr fassen können aber auch mehr Informationen, umso freier und verantwortlicher kann man agieren.

Wem die Krise Grund zur Reflexion über grundlegende Lebenspositionen wie Gedanken über den Wert des Lebens, unsere Lebensweise und neue Perspektiven gibt, wunderbar. Auch das brauchen wir momentan, da wir vermutlich in vielem fundamental umdenken müssen. Vergessen wir nicht, dass es nicht nur Coronaviren gibt, wir haben noch andere Sorgen und freudvolle Lebensbereiche. Frühere Selbstverständlichkeiten wieder neu schätzen zu lernen ist auch nicht schlecht.

Bei Informationen kann man nach und nach lernen die wichtigen von den unwichtigen Punkten zu trennen, die eigenen Vorlieben spielen da eine wichtige Rolle. Man braucht keine ausgeklügelten Strategien für Gesellschaften, wenn man ohnehin lieber allein ist.

Aktiv zu werden und sich in mehrfacher Hinsicht fit zu machen ist besser als abzuwarten und nichts zu tun, vor allem ist es gut zu verstehen, was man, aus welchem Grund tut. Wir haben im Zusammenhang mit Medizinthemen und der aktuellen Forschung immer wieder erwähnt, wie wichtig es ist, den Placeboeffekt mit einzubauen, das heißt, bezogen auf Covid-19, dass Sie über die sinnvollen Anweisungen hinaus noch das tun können, von dem Sie überzeugt sind, dass es Ihnen hilft, weil Ihnen das in einem hohen Maße auch helfen wird. Sie gewinnen Kontrolle (oder lernen, sie abzugeben und sich dabei nicht zu fürchten), reduzieren Stress und all das hilft Ihrem Immunsystem.

Informieren, Verstehen, Gewichten, all das ist gut, aber alles kann das Zünglein an der Waage sein. Wie bei chronischen Schmerzen oder Depressionen kann auch hier die Abwärtsspirale von Angst, Frustration, Unsicherheit und Sorgen irgendwann ins Gegenteil verkehrt werden und nach und nach werden wir lernen mit Coronaviren zu leben, so wie wir mit Grippe eben auch leben.

Was Ihnen hilft Covid-19 besser zu verstehen, hilft uns allen und Maßnahmen, die andere betreffen und ihnen helfen oder schaden, haben auch Auswirkungen auf den Einzelnen. Das persönliche Covid-19 Risikoprofil soll Ihnen helfen, in Eigenregie weiter zu kommen und neue Erklärungen an der Hand, sowie Strategien und Sichtweisen zur Verfügung zu haben. Ich hoffe, ein Stück weit dazu beigetragen zu haben und wünsche allen Leserinnen und Lesern gute Gesundheit und trotz allem Freude am Leben.

Quellen