animiertes Bild von Mann mit Hut und Maschinenpistole

Ein Archetyp des Kriminellen © Niranjan under cc

Wenn wir von den Ursachen der gefährlichsten Krankheiten sprechen, so sind damit solche psychischen Krankheiten gemeint, die im Leben zur Etablierung chronischer Kriminalität führen. Es wird nicht verwundern, dass es selten die eine Ursache gibt, sondern dass sehr oft ganze Bündel von Faktoren zusammenkommen müssen.

Jahrzehntelang versuchte man Fragen nach der Herkunft bestimmter Merkmale als entweder angeboren oder durch die Umwelt erworben zu unterscheiden, doch eine zu strikte Trennung ist in vielen Fällen weder sinnvoll noch aufrecht zu erhalten.

So kann eine Unteraktivierung bestimmter Hirnareale, die nicht trainiert werden konnten, mit biologischen Veränderungen im Hirn korrelieren, aber es ist nicht klar, was hier Ursache und Wirkung ist.

Andererseits kann ein stabiles Umfeld genetisch schlechte Startbedingungen verändern und wie wir seit einigen Jahren wissen, können Gene auch an- und abgeschaltet werden, diese dynamischen Beziehungen sollten wir bei der Betrachtung der Ursachen der gefährlichsten Krankheiten im Hinterkopf behalten.

Die Rolle des schweren Narzissmus

Nur wenige Narzissten werden kriminell, noch viel weniger werden chronisch kriminell, aber fast alle Kriminellen haben (auch) eine narzisstische Pathologie. Bei schweren Formen des Narzissmus finden wir oft die Kombination aus Größen- und Auserwähltheitsgefühlen, der Verachtung (der Leistung) anderer, Empathiemangel und manchmal geringer Impulskontrolle.

Doch auch bei den Ursachen des Narzissmus finden wir wieder biologische und umweltbedingte Faktoren, die einander durchdringen.

Biologische Faktoren

Es gibt Evidenzen für eine genetische Prädisposition, die man aus der Zwillingsforschung kennt. Gewalttätige Kriminalität wird demach weniger stark vererbt, als Stehlen und Betrügen, doch die Datenbasis ist insgesamt sehr klein.

Zudem muss man feststellen, dass biologisch nicht genetisch bedeutet. Es kann Abweichungen und Schädigungen während der Embryonalentwicklung geben, die angeboren aber nicht durch Genveränderungen verursacht sind.

Man sieht einen Zusammenhang mit Erkrankungen aus dem schizophrenen, schizotypischen, schizoaffektiven und bipolaren Formenkreis, auch mit Autismus und Asperger-Autismus (vgl. Michael Stone, Empirische Grundlagen zum Narzissmus).

Sieht man sich das und die Kombination mit schweren narzisstischen Erkrankungen an, drängt sich der Verdacht auf, dass Empathiemangel der Faktor ist, um den es insbesondere geht.

Auch dieser scheint zum Teil angeboren zu sein, in ersten Untersuchungen der Hirnforschung gibt es eine deutliche Unteraktivierung der Bereiche, in denen man die Verarbeitung der Empathie vermutet, bishin zu einer auffallenden generellen Unteraktivierung des Gehirns bei Soziopathen.

Wichtig im Zusammenhang mit chronischer Kriminalität scheint ein angeborener Mangel der Neurotransmitter Serotonin und Dopamin zu sein. Serontonin hat wesentlich mit der Impulskontrolle zu tun, eine Unteraktivierung des Dopaminsystems löst unter anderem einen andauernden “Reizhunger” aus.

Die Intelligenz scheint das Steuer nicht in eine der beiden Richtungen zu bewegen, denn chronisch kriminelle Menschen können einen IQ von 60 haben, aber es gibt auch Fälle in denen brandgefährliche Serientäter hochintelligent sind, mit einem IQ von 186.

Die meisten Serientäter sind männlichen Geschlechts, aber auch nicht alle. Das wird neurobiologisch mit einem Empathiemangel assoziiert, verursacht durch die Verbindungen des beidseitigen Sulcus temporalis superior mit den Amygdalae, die im embryonalen Zustand vom Testosteron beeinflusst werden.

Körperliche Verletzungen im Kopfbereich können eine Rolle spielen, ebenso psychische Traumata, wie man sie etwa von zurückgekehrten Soldaten aus Kampfeinsätzen kennt.

Chronische Aggression in der frühen Entwicklung

Flaschen mit Totenkopfzeichen

Frauen morden oft leiser. © Andrew Kuznetsov under cc

Eine der stärksten Ursachen der gefährlichsten Krankheiten ist jedoch nach wie vor das Erleben chronischer gewalttätiger und/oder sexueller Übergriffe an der eigenen Person oder als Zeuge (vgl. Otto Kernberg, Narzißmus, Aggression und Selbstzerstörung). Das klingt unter dem Schlagwort häusliche Gewalt fast ein wenig zu harmlos.

Der Ort an dem man sicher sein sollte, ist zu oft der Ort der Misshandlung. Nahezu alle schweren Straftäter sind in ihrer Jugend selbst Opfer von Misshandlungen geworden. Dauernde Schläge, deren Grund nicht zu erkennen ist, Alkoholmissbrauch der Eltern oder die verunsichernde broken home Situation im Allgemeinen (vgl. auch Andreas Marneros: Blinde Gewalt. Rechtsradikale Gewalttäter und ihre zufälligen Opfer) verstärken einander.

Doch auch eine unrealistisch bewundernde oder besorgte Überaufmerkeit kann ein negativer Faktor sein.

Konvergenz verschiedener Faktoren

Praktisch ist es so, dass biologische und milieubedingte Ursachen der gefährlichsten Krankheiten sehr oft zusammenfallen. In der genetisch bereits belasteten Familie treten mit höherer Wahrscheinlichkeit Faktoren auf, die kriminelles Verhalten begünstigen, wie Alkoholmissbrauch und innerfamiliäre aggressive oder sexuelle Übergriffe.

Dabei addieren sich die Komponenten nicht einfach, sondern ein angeborener 15%-Einfluss, kombiniert mit einem erworbenen 15%-Einfluss, ergibt eine Wahrscheinlichkeit von 45% für das Auftreten von kriminellem Verhalten.