Die psychologischen statistischen Risikofaktoren

Das Thema der letzten Zeit. Es wird in keinem Jahresrückblick fehlen. © sergio santos under cc

Einer der entscheidenden Punkte überhaupt ist das eigene Verhalten und die Einschätzung der Lage für das persönliche Covid-19 Risikoprofil. Je mehr man über sich weiß, umso besser. Der erste Punkt ist, ob ich in der Lage bin, die Informationen zu verstehen.

  • Bin ich in der Lage zu verstehen?

Man muss mit den Erklärungen nicht einverstanden sein, aber man kann schauen, ob man sie versteht. Das erkennt man am besten daran, wenn man sie anderen erklären kann. Dazu muss man die gängigen Versionen kennen und darstellen können und wenn man erklären kann, warum man diese eventuell ablehnt oder ihnen zustimmt, so ist das sehr gut, bezogen auf das Wissen. Wenn man versteht, wie die Idee ist, kann man sie bewerten, aber eben erst dann.

Einige Aspekte der Covid-19 Erkrankung sowie der Umgangs mit ihr sind wirklich schwer zu verstehen, anderes lässt sich verhältnismäßig leicht aufklären, wir gehen besonders auf die Aspekte ein, die für das persönliche Covid-19 Risikoprofil wichtig sind.

  • Bin ich in der Lage, mich an Anweisungen und Verstandenes zu halten?

Es gibt zwei oder drei Arten und Weisen sich nicht an Vorgaben zu halten, die einem auch dann in die Quere kommen können, wenn man intellektuell verstanden hat, worum es geht:

  • Regeln, nein danke

Es gibt Menschen, die jede Regel und Grenze als persönliche Beleidigung und Affront empfinden. Diese wird man oft nicht überzeugen können, weil sie gar nicht überzeugt werden wollen. Häufig gründet diese Einstellung in einer Unfähigkeit ein Wertesystem zu verinnerlichen, oder nur ein sadistisch-aggressives oder grandioses. Manchmal wird diese Einstellung noch ideologisch unterfüttert. Da wir hier nur das eigene Risikoprofil betrachten wollen, ist dies eine gefährliche Einstellung, für den Einzelnen und die Gesellschaft.

  • Trifft zu, aber nicht auf mich

Man ist durchaus gewillt sich an Anweisungen zu halten, denkt aber, die träfen nicht auf einen selbst zu, auch dann nicht, wenn sie es tun. Oft geschieht das bei Projektionen, wenn man denkt, die anderen machten zu viele Ausnahmen oder passten nicht gut genug auf, man selbst wollte ahingegen nur mal eben dies oder das tun und das könne ja nicht so schlimm sein.

  • Das weiß ich besser

Man kann Regeln ablehnen, weil man meint, sie seien falsch. Das könnte durchaus sein und wenn man für sich einen noch besseren Weg gefunden hat, kann man diesen gehen. Man muss nur aufpassen, dass man nicht in eine ideologisch motivierte Besserwisserei und andere gefährliche Bewältigunsgsstrategien gegen die Angst rutscht.

  • Wie resistent bin ich gegen Gruppendruck?

Auch das sollte man beachten. Wenn ich in einem Umfeld lebe, in dem es alle für vernünftig und gut ansehen, sich an die Anweisungen zu halten, ist es gut, wenn ich mich gut anpassen kann und dies gewöhnlich auch tue. Problematisch wird das in den Moment, wo mein Umfeld es chic oder revolutionär findet, alle Regeln über Bord zu werfen. Wenn ich mich in diesem Umfeld anpasse, bin ich gefährdeter mich anzustecken. Wie der Verlauf wird, steht auf einem anderen Blatt.

Sagen Sie offen, wenn Sie anderer Meinung sind? Oder denken Sie eher, dass der Aufruhr es nicht wert ist? Im letzteren Fall sind Sie dem Gruppendruck und der Erwartungen anderer eher erlegen.

  • Risikoaffinität

In eine ähnliche Richtung, nur von der anderen Seite. Sind Sie ein Zocker mit einer ‘no risk, no fun’ Einstellung? Das ist auf der einen Seite vielleicht nicht schlecht, weil es Ihre Angst eher dämpfen wird. Es kann Sie allerdings zu Unvorsichtigkeiten verleiten, wie in anderen Lebenssituationen auch und je nach der Phase, in der sich die Pandemie gerade befindet, kann das natürlich gefährlich sein.

  • Was erwarte ich (noch) von meinem Leben?

Eine wichtige Frage, gerade für alte und kranke Menschen. Wenn die Begegnung mit ihren Angehörigen die größte Freude ist, die das Leben bietet, stellt sich natürlich die Frage, mit welchem Recht man ihnen diesen Kontakt verwehren sollte. Jedoch ist eine selbst gewählte Inkaufnahme einer Gefährdung natürlich in dem Moment auch eine Fremdgefährdung, wenn man in einem Heim wohnt und man hat nicht das Recht, über das Leben anderer zu entscheiden.

Für das persönliche Covid-19 Risikoprofil, ist es aber natürlich entscheidend, was man von seinem Leben erwartet und welche Prioritäten man selbst setzt. In noch stärkerem Maße gilt das für sehr schwer oder sterbenskranke Menschen, bei denen der Kontakt zu Angehörigen und Freunden vielleicht der Hauptpunkt ist, der ihrem Leben (noch) Sinn und Freude gibt.

  • Wie ist mein Weltbild?

Die Frage, was man insgesamt für ein Weltbild hat, spielt beim Risikoprofil auch eine größere Rolle. Es ist etwas anderes, wenn man sich in Zentrum eines an sich zufälligen Geschehens befindet, in dem Glück und Pech wie in einer Lotterie verteilt werden oder ob man einem Gott, einer größeren Idee oder spirituellen Kraft einen gewissen Einfluss zuschreibt.

Aber die Auswirkungen sind zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich. Fatalismus ist nicht immer schlecht. Wer denkt, dass alles Schicksal ist, hat oft die Einstellung, dass es einen treffen wird, wenn es einen treffen soll, was mit einer gewissen Unvorsichtigkeit korrelieren kann, aber es dämpft zugleich auch die Angst. Doch vermutlich steckt man sich etwas leichter an. Wenn man infiziert ist hat man dafür womöglich mehr Hoffnung, da man noch eine andere Kraftquelle hat, auf die man zurück greifen kann.

Nun ist aber auch der Monotheismus nicht die die einzige Variante der Religion und wer an 700 Inkarnationen glaubt, die man durchschreiten muss, der wird in der Verlängerung dieses Lebens um jeden Preis nicht die größte Erfüllung sehen.

  • Einzelgänger oder Gruppenmensch?

Manche Menschen fühlen sich in Gesellschaft ohnehin nicht wohl und meiden diese, wo es nur geht. Andere begeben sich selten, wieder andere häufige in Gesellschaft und einige können kaum leben, ohne von vielen Menschen umgeben zu sein. Oft entscheidet die Herkunftsgesellschaft oder -familie über diesen Punkt. Dass Gruppenmenschen unter der Isolation unter Coronabedingungen mehr leiden und auch gefährdeter sind, weil sie die Regeln vermutlich häufiger missachten, versteht sich von selbst.

  • Psychologische Bewältigungsstrategien

Der letzte Punkt in dieser Rubrik betrifft die Frage, ob man vielfältige Bewältigungsstrategien benutzt, um Ängste, Unsicherheiten und Spannungen abzubauen. Einer der Hauptpunkte ist dabei:

  • Besserwisserei und Verharmlosung

Es ist nicht ganz ohne, von Menschen, die in einem bestimmten Fachbereich arbeiten und dort sogar zu einer Professur gebracht haben zu behaupten, sie hätten keine Ahnung von dem, was sie sagen. Da braucht man entweder gute Gründe oder schaltet gleich auf die Ebene der Verdächtigungen um, dass man doch weiß, dass die sowieso alle dem Staat dienen oder der Wirtschaft oder einer geheimen Organisation. Oft ein guter Grund, sich mit den eigenen Grenzen nicht befassen zu müssen und zugleich ein Punkt, der einem die Kontrolle in gewisser Weise zurück gibt. Denn wenn das alles nur inszeniert ist, um endlich die Bürger zu überwachen oder sonst etwas zu tun, ist nicht Covid-19 das Problem, sondern nur eine Inszenierung mächtiger Eliten. So kann man selbst die Zusammenhänge durchschauen und muss vor de Virus keine Angst mehr haben, dass dann nur so harmlos wie eine Grippe ist, wenn überhaupt. Ich komme auf diesen Punkt weiter unten zurück, in einer eigenen Überschrift.

In dem Zusammenhang werden dann gerne kritische Fragen gestellt, wie jene, wo denn die Opfer seien, man würde ja keine kennen, auch im Bekanntenkreis sei keiner, alles nur Fake. Die Kurzantwort ist, dass wir noch sehr am Anfang der Ausbreitung stehen, auch auf diesen Punkt gehe ich weiter unten noch ausführlicher ein.

  • Lieber schnell infiziert, dann habe ich es hinter mir

Wir können Unsicherheiten in der Regel schwer ertragen. Bei Covid-19 gibt es eine relative Sicherheit, wenn man die Krankheit schon gehabt hat. Laut Drehbuch sollten sich in den meisten Fällen keine schlimmen Symptome einstellen und danach Antikörper gebildet haben, die für eine gewisse Zeit eine Immunität versprechen. Umso mehr, wenn man denkt: Ich bin jung und fit, mir kann nichts passieren.

Leider verhält sich Covid-19 aber nicht so recht nach Drehbuch, wir wissen noch immer zu wenig, es wird unbefriedigend wenig getestet und so lassen die Angst und die Unsicherheit nicht richtig nach, wenn man eine Neigung dazu hat. Die Erklärung kommt später, aber es ist aktuell keine gute Idee, sich vorsätzlich zu infizieren. Wer mit dem Gedanken spielt, hat ein höheres Risiko.

  • Ich passe gut auf

Chronisch kranke Menschen kennen die Situation, in denen wir mit Covid-19 alle sind oft schon seit vielen Jahren. Menschen nach Organtransplantationen, mit künstlichen Gelenken, Chemotherapien oder bestimmten degenerativen Erkrankungen müssen ständig aufpassen, sich möglichst nicht zu infizieren, da ihr Immunssystem angegriffen ist. Diese Menschen haben über die Jahre Strategien entwickelt und wissen tatsächlich worauf sie achten müssen, wir alle mussten das im Crashkurs lernen.

Deshalb ist die Frage, die man sich ehrlich stellen sollte: Weiß ich wirklich worauf es ankommt und warum? Was ist gefährlich und unbedenklich und warum? Sprechen Sie mit anderen um hier mehr Gewissheit zu erlangen, in der Praxis sieht man oft Fehler über Fehler, die meisten davon vermutlich begangen von Menschen, die von sich denken, dass sie gut aufpassen.

  • Zahlenspielereien und ihre Kritik

Es gibt die Kritik, dass die Statistiken, die vom RKI benutzt wurden und auch andere Zahlen, insgesamt nichts taugen und diese Kritik gibt es durchaus auch aus seriöseren Lagern. Da das ein wichtiger Punkt ist, gehe ich auf ihn ebenfalls gesondert ein, ganz aufzulösen ist er nicht. Hier geht es nur darum, dass auch Kritik an der Inkompetenz der anderen ein Bewältigungsmechanismus sein kann, umso mehr, wenn Sie noch zu anderen neigen. Die Bewältigungsmenachnismen sind einerseits gut, weil sie Spannungen abbauen, sie werden nur dann zur Gefahr, wenn man sich dadurch in unnötig große Gefahr begibt.

Die biologischen Ursachen

Covid-19 ist eine durch Coronaviren vom Typ Sars-CoV-2 bedingte Erkrankung, die zu teilweise heftigen Entzündungsreaktionen in vielen Bereichen des Körpers führen kann, insbesondere ist das sogenannte Endothel betroffen, die innere Schicht von Lymph- und Blutgefäßen, also Lympfbahnen und Adern. Bei einer Entzündungsreaktionen verklumpen die Adern der jeweiligen Organe, das heißt die Blutversorgung ist gestört, das Organ wird nicht mehr versorgt und stirbt im schlimmsten Fall ab. Da die Organe mehr oder weniger alle zusammenhängen und Lunge, Herz und Nieren von recht zentraler Bedeutung sind, ist klar, dass schnell alle Organe versagen, im schlimmsten Fall droht der Tod durch Multiorganversagen.

“Der Zelleintritt von Sars-CoV-2 hängt vom Vorhandensein der Proteine ACE2 und TMPRSS2 ab. Genauer gesagt nutzt das Virus den ACE2-Rezeptor für den Eintritt in die Zelle und die Serinprotease TMPRSS2 für das Priming des S-Proteins.”[10]

“TMPRSS2 geht wiederum mit dem ACE2-Rezeptor einen Komplex ein, was ein effizientes Eindringen des Virus direkt an der Zelloberfläche ermöglicht.”[11]

Verstehen kann man das nur als jemand vom Fach, aber kurz gesagt, bilden ACE2-Rezeptoren und TMPRSS2 eine Einheit, die zur Eintrittspforte für die Viren werden und diese Rezeptoren sind nahezu überall im Körper zu finden. Im Körper von Männern sind mehr vorhanden (weil ACE2-Rezeptoren auch in den Hoden gebildet werden), als in dem von Frauen, aber auch Frauen haben diese Rezeptoren. Das könnte eine Erklärung für die höhere Sterblichkeit von Männern sein, eine andere ist, dass Männer insgesamt eine geringere Lebenserwartung haben, später zum Arzt gehen und sich weniger helfen lassen.

Das TMPRSS2 findet man verstärkt in der Lunge, was eine Erklärung dafür ist, warum sie so stark betroffen ist. ACE2-Rezeptoren werden offenbar auch dann neu gebildet, wenn Medikamente gegeben werden, die das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) beeinflussen. Das RAAS reguliert den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt und damit den Blutdruck. Medikamente, die hier eingreifen sind sogenannte ACE-Hemmer, die im Handelsnamen zumeist die Ensilbe -pril (etwa Ramipril, Lisinopril, Enalapril) tragen oder sogenannte Sartane, mit der Ensilbe -sartan (etwa Candesartan, Valsartan, Losartan).

“So konnten diese Untersuchungen erstmals die Hypothese beweisen, dass Herzzellen von Patienten, die mit ACE-Hemmern behandelt wurden, eine signifikant höhere ACE2-Expression aufweisen als Herzzellen gesunder Kontrollen.

[…]

Die Studienergebnisse ändern jedoch nichts an der Empfehlung der kardiologischen Fachgesellschaften, dass Herz-Kreislauf-Patienten ihre ACE-Hemmer oder Sartane aus Angst vor Covid-19 nicht eigenmächtig absetzen sollen. Weiterhin gilt das Nutzen-Risiko-Profil als positiv.”[12]

Dieser Zusammenhang könnte die andere stark gefährdete Gruppe erklären, adipöse, also schwer übergewichtige Menschen. Ab einem BMI von 30 steigt die Gefahr für einen schweren Verlauf bei einer Covid-19 Infektion dramatisch, aus mehreren Gründen. Das Herz-Kreislauf-System adipöser Menschen ist ohnehin über das Gewicht und über die vom Bauchfettgeweben ausgelösten Entzündungsreaktionen besonders gefährdet. Ist der Blutdruck erhöht, wird dieser oft medikamentös gesenkt, was, die Covid-19-Risiko noch einmal erhöhen kann. Ferner ist Thromboseneigung erhöhrt und die Beatmung auf einer Intensivstation bei adipösen Patienten deutlich schwieriger. Liegt eine Diabetes Erkrankung vor, die bei Übergewicht ebenfalls häufiger ist, wird durch die Schädigung der Adern über den erhöhten Blutzucker die Gefährdung für Entzüngsreaktionen dort ebenfalls weiter erhöht.[13]

Zusammengefasst sind Menschen, deren Blutdruck mit ACE-Hemmern oder Sartanen gesenkt wird, über eine vermehrte Bildung von ACE2-Rezeptoren stärker für einen schweren Covid-19 Verlauf gefährdet. Das gilt vor allem für adipöse Menschen mit einem BMI > 30. Diabetiker und Menschen mit Vorschädigungen an Herz, Lungen und ihren versorgenden Adern/Gefäßen. Männer sind hier zum einen vermutlich über ihr Geschlecht, zum anderen aber durch ihre Lebensweise, die oft ungesünder als die von Frauen ist und die sie später zum Arzt gehen lässt, gefährdet, was sich in der höheren Sterblichkeit abbildet.

Die andere Seite der Biologie: Das Immunsystem

Covid-19 ist eine durch Viren ausgelöste Endzündungskrankheit, die jedes Organ mit ACE2-Rezeptoren und TMPRSS2-Proteinen befallen kann, um so mehr sind jene Organe betroffen, die hier eine hohe Konzentration aufweisen, das sind häufig Lunge, Herz und das die versorgende Blutsystem.

Der Körper hat jedoch eine ganze Reihe von natürlichen Gegenmaßnahmen im Laufe der Evolution ausgebildet, die Entzündungen reduzieren. So wird jeden Morgen vom Körper eine nicht unerhebliche Menge Cortison freigesetzt, das Entzündungen dämpft. Doch das ist längst nicht alles. Dem Körper steht ein riesiges und vor allem sehr effizientes Waffenarsenal zur Verfügung, um uns gegen Viren, Bakterien, Giften, Pilzen, Krebs und weiteres zu schützen, sowie Abfallstoffe alter Zellen zu entsorgen. Fresszellen, Killerzellen, Helferzellen, Antikörper und vieles mehr machen unser Immunsystem aus.

Dieses Immunsystem ist so vielfältig und kompliziert, dass es etliche eigene Bereiche zu seiner Erforschung gibt. Die Immunologie ist ein Teil davon, aber auch die Psychoneuroimmunologie und Psychoneuroendokrinologie gehören dazu. Wir wissen längst noch nicht alles über das Immunsystem, aber doch schon so manches.

Für das persönliche Covid-19 Risikoprofil kann man sagen, dass die Entzündungsreaktionen das sind, was es zu vermeiden gilt und das unser Immunsystem dabei unser bester Freund und engster Verbündeter sind. Denn ein effizientes Immunsystem ist durchaus in der Lage mit Coronaviren fertig zu werden, auch dann, wenn es noch keine Antikörper gegen Sars-CoV-2 besitzt.

Insbesondere sind nach derzeitigem Stand die Killer-T-Zellen und die Zahl der Neutrophilen im Blut entscheidend für einen schweren oder leichten Verlauf von Covid-19:

“Bei einer Covid-19-Erkrankung ließ sich in einer Studie mit 40 Patienten in Wuhan anhand von zwei Typen von Abwehrzellen im Blut vorhersagen, ob ein Patient einen schweren Verlauf oder nur milde Symptome entwickelt. Die Befunde seien in Deutschland bei mehreren Patienten bestätigt worden, sagt Ko-Autor Professor Dr. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Essen und Vizepräsident der Gesellschaft für Virologie. Die Studie war bereits Mitte April im Fachblatt «EBioMedicine» veröffentlicht worden.

Bei einem der beiden Immunzell-Typen handelt es sich laut Dittmer um Killer-T-Zellen mit einem bestimmten Oberflächenmarker (CD8). Sie töten virusinfizierte Körperzellen ab und unterbrechen damit die Vermehrung des Coronavirus SARS-CoV-2. «Wenn die Patienten nur wenige von diesen Zellen haben, haben sie ein hohes Risiko, schwere Symptome wie etwa eine Lungenentzündung oder Gerinnungsstörungen zu entwickeln», erläutert Dittmer. Der andere Zelltyp sind Neutrophile. «Die sind eigentlich dafür da, Bakterien abzuwehren. Sie können aber auch T-Zellen in ihrer Funktion unterdrücken.» Demnach wurden in Blutproben mit vielen Neutrophilen nur wenige T-Zellen gefunden, was mit einem schwereren Krankheitsverlauf verbunden war.”[14]

Besonders gefährdet sind demnach organtransplantierte Menschen (da sie Medikamente einnehmen müssen, die das Immunsystem unterdrücken) und Menschen, die eine Chemotherapie erhalten. Weiter sind alte Menschen gefährdet, da das Immunsystem bei ihnen schwächer wird und adipöse Menschen, da diese schwächere und weniger T-Zellen haben. 70 Prozent der Menschen mit einem schweren Covid-19-Verlauf, waren übergewichtige Männer. Droht ein schwerer Verlauf, den man mit Blutproben gut diagnostizieren kann, hat man die Möglichkeit das Immunsystem regulierende Therapien vorübergehend einzuschränken und das Immunsystem über bestimmte Impfungen zu stimulieren oder über die Vitamine A und C.[14] Auch hier muss man jedoch vorsichtig sein, denn viel hilft viel, ist nicht richtig, auf die Dosis kommt es auch hier an.

In diesem Zusammenhang ist alles gut, was dem Immunsystem hilft und das schlecht, was ihm schadet. Wie so oft, ist das was im Hintergrund sehr kompliziert ist, auf der Benutzeroberfläche, also in der Alltagspraxis ziemlich einfach.

Kurz zusammengefasst, handelt es sich bei Covid-19 um eine durch Viren ausgelöste Endzündungskrankheit, die bevorzugt Lungen, Herz und die dortigen Adern betrifft, was zu Entzündungen und Thrombosen vor allem in diese Region führen kann und dann einen schweren Verlauf ausmacht. Durch eine gesundes Immunsystem ist man in einem hohem Maße effektiv vor Sars-CoV-2 geschützt. Das persönliche Covid-19 Risikoprofil lebt im hohen Maße von der Einsicht, in dieses Wechselspiel, indem man die Risikofaktoren senkt und die schützenden Faktoren ausbaut und unterstützt. Das vertiefen wir jetzt.