Das magische Weltbild

Magisches Denken ist im Grunde die Überzeugung, dass innere Prozesse und Einstellungen Einfluss auf die Außenwelt oder Innenwelt eines anderen Menschen haben könnten. Wenn wir in der Psychologie von magischem Denken oder magischem Weltbild hören, dann hat das oft einen sehr negativen, weil psychopathologischen Touch. Magisches Denken, das kennt man von Psychosen, von wirren und unkorrigierbaren Überzeugungen jemand beeinflusse durch telepathische Kräfte oder technische Geräte die eigene Denken, Fühlen oder verursache oder blockiere eigene Handlungen. Die CIA sorgt verhindert, dass ich meine Beine bewegen kann oder mein Nachbar gibt mir telepathische Befehle. Ziemlich verrückt.

Und dennoch ist dieses Denken ist weitaus richtiger und wichtiger als uns heute bewusst ist und das ist etwas, was wir uns bewusst machen müssen. Wie so oft darf man es sich nicht zu einfach machen und das ist es, was in der Vergangenheit oft getan wurde, von Anhängern und Kritikern. Denn magisches Denken begegnet uns nicht nur in dieser wahnhaften Form. Immer wenn wir mit inneren Bildern arbeiten, “phantasieren” wir uns die Welt so, wie sie eigentlich nicht ist. Nur haben wir inzwischen gelernt, dass uns eigentlich niemand sagen kann, wie die Welt tatsälich ist – aber es gibt einen Haufen unterschiedlicher Meinungen und Ansichten darüber – und die “Phantasien” sind obendrein alles andere als wirkungslos. Zum Guten, wie zum Schlechten. Menschen können sich in Panik bringen aufgrund bestimmter Überzeugungen, doch ebenso können uns Vorstellungen und Überzeugungen beruhigen und entspannen. Mehr noch, sie können sogar heilen, manchmal in Situationen wo wir mit unserer Kunst am Ende sind.

Natürlich würden wir heute dennoch einiges von den Ansichten der Magier zurückweisen. Man kann nicht generell sagen, dass unser Denken und Fühlen nur auf uns Einfluss hat, denn wir wissen längst, dass Überzeugungen, Ideologien und Massenphänomene so ansteckend wie Viren sein können. Der Prozess der dahinter steht sind vermutlich Übertragungen und Gegenübertragungen ein komplexes Gemisch aus unserer angeborenen Fähigkeit Gefühle zu lesen und empathisch mitzuschwingen, sowie sozialen Normen und Erwartungen. Die Magie geht davon aus, dass es der magisch trainierte Wille in der Lage sei Veränderungen bei sich, anderen Menschen und schließlich in und an der unbelebten Natur vorzunehmen. Aber wie kommt man überhaupt auf diese Ideen?

Wille, Ahnengeister und Magie

Vermutlich kam man nicht durch Nachdenken darauf, sondern durch eigenes Erleben. Nehmen wir an, jemandem erschienen im Traum die Geister der Ahnen. Diese müssen den frühen Menschen real vorgekommen sein und sie werden nachdrücklich beteuert haben, dass ihnen in der Nacht einige Ahnen erschienen sind, die vielleicht sogar noch etwas sagten oder taten, was als besonders bedeutungsvoll angesehen wurde. Die Existenz einer jenseitigen Welt erscheint auf diese Weise relativ logisch. Dass sich diese geistige Welt, mit Ahnengeistern und anderen Bewohnern auch mal bei Tag melden könnten, in Form von Wetterphänomenen, Regenbögen oder Sonstigem ist kein ungewöhnlicher Gedanke. Die Geisterwelt kann Menschen erschrecken, wirkt also auf die Psyche des Einzelnen ein, also ist es nicht wirr zu denken, dass man dieser Weg auch in die andere Richtung begangen werden kann. Wenn uns die Ahnengeister besuchen, könne wir auch in ihre Welt vordringen, etwas was Schamanen dann (mit allerlei Hilfsmitteln) taten.

Es waren also möglicherweise besonders begabte Menschen, die mit den Geistern kommunizierten und umgingen und das war durchaus kein Betrug, sondern eine erste systematische Erforschung der Innenwelten, die wir alle erleben und die auch heute noch bei uns sehr verschieden ist. Durch Tanz und Trance, vielleicht Abgeschiedenheit, sicher durch Drogen und schlafähnliche Zustände begab man sich auf diese Reisen nach Innen.

Doch ob man heute Schuld empfindet, wenn in auf “böse” Gedanken der Donner ertönt oder ein elektrisches Gerät kaputt geht, meint, dass man mit geistigen Mächten in direkt herbeigeführtem Kontakt steht oder sogar lernen kann diese Mächte zu beherrschen, immer ist die magische Grundidee dahinter, dass es neben der sichtbaren Welt noch eine unsichtbare Welt gibt und dass diese Welten auf unsere Einfluss nehmen können und andersherum, wir uns auch in diesen Welten bewegen können.

Was man dazu braucht ist ein stahlharter Wille, der Herr zunächst über sich selbst und dann auch über die geistigen Mächte wird. Das jedenfalls ist die Ansicht vieler magischer Systeme, bis zum heutigen Tag. Zwar wird die Notwendigkeit der Balance der magischen Elementen Wissen, Wollen, Wagen und Schweigen betont, aber dann doch ein ziemlicher Wert auf den Willen gelegt. Der kühne Schritt eines stolzen Ichs, das sich selbst und seine Möglichkeiten erprobt, nicht davor zurückschreckt, die Welt aus den Angeln zu heben und sich zutraut dies wenigstens zu probieren.