Die verborgene Macht des Finanzsystems

Die verborgene Macht ist hier ein merkwürdiger Ausdruck, weil die Macht der Finanzbranche sich nicht in dunklen Hinterzimmern abspielt, sondern im hellen Licht der Öffentlichkeit, allerdings in einer Komplexität, dass kaum jemand mehr versteht, worum es eigentlich geht. Wirtschafts- und Finanzsystem sind eng miteinander verflochten, grob gesagt handelt und produziert die Wirtschaft mit Waren, das Finanzsystem mit sogenannten Finanzprodukten, Geld ist nur eines davon. Spareinlagen, Immobilien, Aktien und Edelmetalle wären weitere, sowie der Handel mit bestehenden und auslaufenden Verträgen, etwa, wenn ein Kredit noch eine Laufzeit von 24 Monaten hat.

Im Prinzip kann mit allem gehandelt werden und das ist erst mal nicht weiter schlimm. Preise unterliegen im kapitalistischen Wirtschaftssystem dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Biete ich ein Produkt oder eine Dienstleistung an, die begehrt oder spezialisiert ist, kann ich dafür mehr verlangen, als wenn ich etwas anpreise, was niemand haben möchte.

Spekulationspreise

Bedenklich wird es dann, wenn Preise zu Spekulationspreisen werden. Auch das im Grunde normal. Wenn wir einen Gebrauchtwagen kaufen, schauen wir auf Marke, Kilometerstand, Lack, Unfälle und Spritverbrauch, je nach unseren Prioritäten und Bedürfnissen. Wie lange so ein Motor typischerweise hält oder wie sich wohl der Spritpreis entwickelt, sind durchaus vernünftige Fragen. Auch hier spekulieren wir.

An der Börse geschieht nichts anderes. Der Ölpreis richtet sich nicht allein nach Angebot und Nachfrage, sondern auch nach Spekulationen über neue Ölfelder, neue Fördertechnologien (Fracking), die zu erwartende Weltkonjunktur (hohe Konjunktur, heißt viel Handel bedeutet viel Transportverkehr), die politische Situation (Krieg kann Öllieferungen verhindern). All das fließt in den Preis mit ein, neben dem derzeitigen Angebot. Das ist in unserem Fall manchmal ärgerlich, weil wir über Heizkosten und Benzinpreis vom Öl abhängig sind, doch prinzipiell kann man mit allem handeln. Tut man dies mit Lebensmitteln, sind die Auswirkungen für die Betroffenen nicht nur ärgerlich, sondern dramatisch bis lebensbedrohlich, da die wenigen Lebensmittel, die in manchen Entwicklungsländern überhaupt zu bekommen sind, dann durch die Spekulationen überteuert und für die hungernde Bevölkerung preislich vollkommen unerschwinglich werden.

Wetten und Manipulationen

Doch das ist noch nicht alles. Finanzblasen entstehen dann, wenn die Spekulationspreise mit dem eigentlichen Wert nicht mehr viel zu tun haben, sondern weit darüber liegen. Vermutlich war eine Blase der Auslöser der letzten Finanzkrise. Zudem gibt es eine Vielzahl hoch virtueller Finanzprodukte, die Wetten auf diverse Kursverläufe, Vorkaufsrechte für Aktien und dergleichen darstellen. Der Wunsch, einen Anteil an einer Firma zu besitzen spielt hier keine Rolle mehr, die Menge und Schnelligkeit macht hier, beim sogenannten Hochfrequenzhandel, den Unterschied. Computer werden mit den richtigen Algorithmen gefüttert und können 3000 oder mehr Transaktionen in einer Sekunde durchführen.

Durch Trick An- und Verkäufe, kann man zudem die Kurse manipulieren, richtig gefährlich wird es dann, wenn man man auf Kursentwicklungen von ganzen Staaten setzt und die Macht und ein Interesse hat, den Staat pleite gehen zu lassen. Über diese verborgene Macht verfügt die Finanzbranche heute durchaus, etwa wenn genügend Interessenten auf den Niedergang einer Volkswirtschaft setzen und zufällig mit denen verflochten sind, die darüber entscheiden können, ob diesem Staat geholfen wird, oder nicht.

Mehr Regulierung?

Das alles schreit nach mehr Regulierung, aber hier muss man genauer hinschauen, weil Teilregulierungen den Markt verzerren und dubiose Realereignisse wie Geisterstädte einmal im Zuge kapitalistischer Exzesse entstehen können, wie im spanischen Seseña, ebenso gut aber in der Planwirtschaft, etwa in China.

Erhöhung der Geldmenge

“Gute Idee, aber dafür ist leider kein Geld da.” Diesen Satz haben wir alle schon mal gehört und mit einer gewissen Einsicht wenden wir uns dann ab, denn, wenn kein Geld da ist, kann man eben nichts machen. Nicht so das Finanzsystem, wenn dort Geld fehlt, wird es einfach gedruckt und auf den Markt, das heißt, in die Banken gepumpt. Dann gibt es morgen einfach mehr Geld als heute auf der Welt. Nicht nach dem Prinzip reiner Willkür und Selbstbedienung, sondern rationaler Interessen, würde man versichern. Aber selbst Ökonomen monieren, dass die Europäischen Zentralbank (EZB) unbegrenzt Geld für die Bankenrettung und Investitionslenkung zur Verfügung hat, was wirtschaftlich brisant ist. Tatsächlich hat sich die absolute Geldmenge in den letzten Jahren beträchtlich vergrößert, durch die Aktionen von US-Notenbank und EZB.

Too big to fail

“Too big to fail” oder “systemrelevant” sind Ausdrücke für Unternehmen, die man nicht pleite gehen lassen kann, weil man denkt, dass ihr Ausfall beträchtliche Folgen für ganze Sektoren oder die Gesamtwirtschaft hat. Die Idee diese Unternehmen um jeden Preis zu retten ist nachvollziehbar, allerdings für diese Banken und Unternehmen im schlimmsten Fall ein Freifahrtschein. Wer ein kleines Unternehmen gründet oder sich selbstständig macht, trägt man allein Chancen und Risiken, ist man systemrelevant steht der Bürger für Verluste in großer Höhe gerade. Eine verantwortungsvolle Position für ethische reife Menschen, die damit umgehen können, leider sieht die Realität eher anders aus und vieles was die Finanzmärkte hergeben lädt zu einer bedingungslosen Zockerei ein, die Spielernaturen anzieht und/oder erzeugt.