Zu einem gewissen Teil scheint auch die Psyche bei Erkrankungen des Körpers, unabhängig von Schul- oder Alternativmedizin, eine Rolle zu spielen. So könnte das Auftreten einiger führender Todesursachen in heutigen zivilisierten Gesellschaften durch eine gesunde Psyche und entsprechendes Verhalten vermindert werden, wie das amerikanische Center for Disease Control im Jahre 2005 ermittelte.

Psyche und Gesundheit

Ein gesunder Geist sowie damit einhergehend eine entsprechende Fürsorge beim Umgang mit dem eigenen Körper (durch Ernährung, Sport, Entspannung etc.) stehen in signifikantem Zusammenhang bei der Prävention, Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen, die zu den fünfzehn häufigsten Todesursachen in den USA zählen (Center for Disease Control, 2005). Herzerkrankungen, Krebs, Schlaganfall, Alzheimer, Diabetes, Bluthochdruck, Parkinson, chronische Erkrankungen der Leber und der Atemwege, aber auch Suizid, Unfälle, Körperverletzungen und Tötungen etc. könnten durch Beachtung der Psyche vermindert, wenn nicht gar zum Teil verhindert werden.

Darüber hinaus haben in etwa 85% der Arztbesuche aufgrund von gesundheitlichen Problemen auch psychische beziehungsweise verhaltensbedingte Komponenten zur Ursache (vgl. für eine Zusammenfassung American Psychological Association, 2015). So konnten Forschungen unter anderem einen Zusammenhang von Depression und Osteoporose, aber auch Krebs aufzeigen: Depressive hatten ein zweifach erhöhtes Risiko für Krebs. Und Einstellungen, Emotionen, Gedanken können den Beginn einer Herzerkrankung beschleunigen.

Sigmund Freud: Puppe und Kopf

Im Kopf steckt mehr, als man denkt: Die Psyche bei Erkrankungen des Körpers © Enrico under cc

Mehr als 300 Studien zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Stress und der Anfälligkeit des Immunsystems gibt – eine Metaanalyse, die auf immunologischer Ebene die Bedeutung der Psyche bei Erkrankungen des Körpers deutlich werden lässt (Segerstrom & Miller, 2004).

Psyche und Immunsystem

In ihrer Metaanalyse fanden Segerstrom und Miller (2004) Zusammenhänge zwischen psychischem Stress und verschiedenen Parametern des Immunsystems.
So scheinen zum Beispiel für kurze Zeit andauernde Stressoren (wie zum Beispiel Prüfungen) eine Unterdrückung der zellulären Immunität herbeizuführen, welche sich auf den Teil der Immunantwort bezieht, bei dem Effektorfunktionen von Zellen durchgeführt werden, zum Beispiel bei Makrophagen, Natural-Killer-Zellen aber auch einigen T-Lymphocyten (vgl. Lexikon der Biologie, 1999). Dagegen scheint die humorale Immunität, welche die Immunantwort des Körpers betrifft, die darauf beruht, daß in Blutplasma und Lymphe zirkulierende Antikörper (B-Lymphocyten) Bakterien und Viren bekämpfen (vgl. Lexikon der Biologie, 1999), aufrechterhalten zu bleiben.
Chronische Stressoren (zum Beispiel immer wiederkehrender Stress bei der Arbeit) wirken allerdings offenbar sowohl auf eine Unterdrückung der zellulären Immunität als auch auf die humorale Immunität und führen damit zu einer deutlich höheren Anfälligkeit für Erkrankungen.

Dass Psyche den Körper im ganzheitlichen Sinne manches Mal sogar selbst zu heilen scheint, also wie entscheidend die Psyche bei Erkrankungen des Körpers sein kann, zeigt der sogenannte Placeboeffekt und Berichte über “Heilungen aus dem Nichts”.

Der Placeboeffekt zur Bedeutung der Psyche bei Erkrankungen

Immer wieder zeigen Forschungsergebnisse, dass allein durch den Glauben, eine medizinische Behandlung zu erhalten (in Form von zum Beispiel Traubenzucker im Glauben es seien Tabletten etc.), eine signifikante Verbesserung der Erkrankung herbeigeführt werden kann: Der Placeboeffekt (1). Der Placeboeffekt zeigt sich offenbar nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren, wie im verlinkten Artikel nachzulesen ist.

Anhand der Forschungslage scheint unbestritten, dass die Psyche bei Erkrankungen des Körpers eine Rolle spielt – und verschiedene Ansätze in der Medizin wissen dies für sich zu nutzen, wie im vierten und letzten Teil unserer Serie zu Psyche, Körper und Medizin deutlich werden wird.

Quellen:

  • American Psychological Association (2015). Psychology in Primary Care. Verfügbar unter: http://www.apa.org/about/gr/issues/health-care/primary-care.aspx [03.07.2015].
  • Center for Disease Control (2005). Deaths and Mortality. Verfügbar unter: http://www.cdc.gov/nchs/fastats/deaths.htm [03.07.2015].
  • Sauermost, R. & Freudig, D. (1999). Lexikon der Biologie. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.
  • Segerstrom, S.C. & Miller, G.E. (2004). Psychological stress and the human immune system: a meta-analytic study of 30 years of inquiry. Psychological Bulletin, 130(4), 601-30.