Alles dreht sich um das Herz …

Herz-Zeichnung

Das Herz ist mehr als nur ein Organ. © National Museum of Health and Medicine under cc

Mit dem Herz und seinen Erkankungen ist nicht zu spaßen, das wissen wir alle. Dementsprechend ist der Hinweis auf den ernst der Lage berechtigt und die Angst gewaltig, es geht um Leben und Tod. Aber Leben heißt ja nicht nur zu überleben, sondern meint mehr: sich zu leben, so zu leben, wie man selbst es will, gemäß dem, was einem wichtig ist. Das Herz will uns sagen, dass es da was nicht zum eigenen Rhythmus passt, sein Stolpern zeigt auch unser stolpern an, seine Enge unsere Enge im Bewusstsein, Lebensbereiche, die nicht gelebt werden.

Um Sicherheit und Selbstvertrauen wieder zu gewinnen, ist es durchaus gut und richtig, wenn man im Konkreten das tut, was dem Organ Herz gut tut. Sich regelmäßig körperlich belasten, angepasst an den eigenen Fitnesszustand, nicht so viel, denn übers Ziel hinauszuschießen, das geht nicht mehr einfach so, man hat es oft erlebt. Man lernt irgendwie auch einen Crashkurs in Demut, dadurch, dass man zu schätzen lernt, dass man überhaupt am Leben ist.

Neben allgemeinen Tipps, die sagen, was dem Organ Herz gut tut und die man für sich ausprobieren und gewichten muss, um nicht gleich in den nächsten Stress zu rutschen, der mit dem eigenen Leben nichts zu tun hat, ist der fruchtbarere Weg sich um seine Herzensangelegenheiten im übertragenen Sinne zu kümmern. Die psychotherapeutische Antwort besteht nur zu einem Teil aus Beruhigung und Kontrolle, denn das Leben hat mehr zu bieten. Durchhalten und weiter bisher zu machen, ist ja in vielen Fällen genau der Ansatz, für den man von der eigenen Psyche die gelbrote Karte bekommen hat. Also gibt es sich allen Grund, das neu zu sortieren.

… und das ist auch gut so

Gerade Männern fällt es manchmal schwer, im Herzen mehr als die Pumpe zu sehen, die man im Zweifel reparieren oder eben auch austauschen kann. Wer eine Herzneurose entwickelt, wird von dieser Idee kuriert und lernt, dass das Herz mehr ist, zumindest für ihn ein Anzeiger dafür, wie es um die eigenen Emotionen bestellt ist. Dass man das erst mal ignoriert, gehört zum Leben dazu, aber das Herz ist ein nachdrücklicher und erschütternder Mahner. Wenn man mit der Idee etwas anfangen kann, stellt sich die Frage, wie es denn nun weiter geht, was das Herz, oder die Psyche via Herz, einem da eigentlich sagen will.

Die Deutungen sind zwar immer individuell, aber nun auch nicht so individuell, dass sich nicht einige Trends herauslesen lassen: Da wäre etwa eine mögliche.

Angst oder Kapitulation vor dem Erwachsenwerden

Das Erwachsenwerden bedeutet nicht nur Freiheit, sondern man muss lernen, dass Freiheit zugleich die andere Seite der Verantwortung ist. Da Freiheit öfter man als Willkür fehlgedeutet wird, ist das Erwachsen oft eine harte Landung zudem das Erwachsenwerden in unserer Zeit auch nicht rituell oder sonst wie begleitet wird. Man ist der Meinung, das ergäbe sich schon irgendwie von selbst. Sieht man sich dann mit all den wachsenden Anforderungen konfrontiert, die vielleicht als Einzelpunkt nur lästig aber doch zahlreich sind, kann man sich schon mal überfordert fühlen: So hatte man sich die Freiheit eigentlich nicht vorgestellt. Und so geht man, oft ohne es vorher groß reflektiert zu haben irgendeinen Weg weiter. Oder man stellt fest, dass das was die Eltern schon als Kind für einen ausgesucht haben, vielleicht doch nicht das ist, was man selbst möchte und vom Leben erwartet.

Man darf mit dem Leben Probleme haben, muss sich das nur eingestehen und lernt sich auf diesem Weg auch besser kennen und kann manches hinterfragen: Ist das wirklich mein Leben, was ich da lebe? Eine ziemlich fundamentale Frage, weshalb sich hier auch gerne das Herz, als ziemlich fundamentales Organ einschaltet. Es geht um das eigene Leben, hier in dem Kontext, ob es wirklich noch meine Erwartungen und Träumen entspricht. Es ist traurig, wenn das nicht der Fall ist, aber wer nimmt sich schon Zeit zum Trauern? Durchhalten und weitermachen, ist der Takt der Leistungsgesellschaft, aber eben nicht immer der eigene. So wird Trauer zur Depression und aus lebendigem Rhythmus künstlicher Takt.

Der sekundärer Krankheitsgewinn

zielt in die gleiche Richtung: “Ich kann nicht” heißt oft einfach “Ich will nicht”, aber dafür offen einzustehen, traut man sich nicht. Doch in unserer Zeit und Kultur ist Kranksein eine legitime Entschuldigung, oft eine, für die man noch geschützt und belohnt wird. Man muss hier aufpassen, dass man nicht auf der einen Seite in Kälte und Mitleidlosigkeit endet und auf der anderen für alles eine Entschuldigung findet, so dass der andere am Ende mit seinem Leben nichts mehr zu tun hat. Deutungen sollen helfen die Hoheit über das eigene Leben zurück zu gewinnen oder erstmalig bewusst zu machen.

Wenn Sie bereits unter einer schweren Form der Herzangst leiden und der Komplex aus Hypochondrie, Angst, Macht und Rechthaberei (etwa die Phantasie, irgendwann doch plötzlich, entgegen aller ‚Beschwichtigungen‘, tot zu sein und den Triumph zu spüren, am Ende doch Recht gehabt zu haben), dann haben Sie mit der Herzangst einen Zipfel zu fassen gekriegt, der Sie aus einem tiefen und dunklen Labyrinth führen kann, ein Weg, auf dem Hilfe unverzichtbar ist.

Tipps und Tricks

Im Erstfall einer gefühlten Herzproblematik muss man immer einen Notfall annehmen. Hier gilt die Regel, je schneller, desto besser, wenn möglich sofort mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus oder sich in die nächste Ambulanz des Krankenhauses bringen lassen. Bei dem Verdacht auf ernste Herzbeschwerden lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig.

Wenn dieses Ereignis allerdings nicht zum ersten mal auftritt, bringt die siebte Einweisung in die Notfallambulanz und die nochmalige medizinische Abklärung auch keine Verbesserung, sondern verunsichert eher. Man ist zwar kurzfristig in sicheren Händen, aber wie soll es nun weiter gehen? In der Situation sollte man versuchen schnell an eine Psychotherapie zu kommen. Da die Wartezeiten oft beträchtlich sind, kann man sich hier immer noch überlegen, ob man wirklich will, oder nicht, aber je länger man damit wartet umso mehr kann sich die Herzneurose einnisten und das ist alles andere als eine Bagatelle, es verändert auf ziemlich fundamentale Art und Weise das ganze Leben.

Man ist nicht verrückt, wenn man zum Psychotherapeuten geht, sondern wendet sich an den oder die Expertin, die hier zuständig ist. In der Wartezeit ist das Kohärenztraining ein effektiver Ansatz, über den Sie Sich informieren und den Sie üben können.

Trotz allem: Scheuen Sie Sich nicht, den Therapeuten auch zu wechseln, wenn es nicht passt. Näheres in Probleme in der Therapie. Warten Sie bei allen Entscheidungen nicht zu lange. Fassen Sie Sich ein Herz.