Darf’s sonst noch was sein? – Rente und die Wohnsituation

Ökodörfer gibt es auch in Indien, hier in den Sundarbans. © Ankur Panchbudhe under cc

Das Heilung ist eine Krise mit Ansage, meinen immer mehr Menschen. Aber Cyberkriminalität und -terror, Fragen nach der Privatsphäre, dem Verhältnis von Freiheit und Sicherheit, einem Wegfall der Antibiotika stehen im Raum, von denen man jedoch denken kann, sie würden einen zu Lebzeiten vermutlich nicht (so hart) betreffen. Weitere Themen unter Neue Realitäten.

Wenn man meint Heilung & Co. würde die Jüngeren treffen und wenn man selbst keine Kinder und Enkel hat und schon älter ist, dann kann man jedoch einem Thema kaum entgehen, der Renten-, Pflege- und Wohnsituation im Alter. Gerade, wenn man selbst keine Kinder und Enkel hat und schon älter ist.

Man weiß, dass die Situation in Alten- und Pflegeheimen schlecht ist und man ahnt, dass sie nicht besser werden wird. Immer weniger junge Menschen müssen immer mehr Alte pflegen und auch ihre Rente finanzieren. Heime sind teuer und jene die man umsonst bekommt, haben nicht selten einen lausigen Standard, dass gerade in Corona-Zeiten der Schutz der Alten auch bei uns nicht gut gelungen ist, kommt noch dazu.

Grund genug sich das Thema vorzulegen und zu fragen, wie man eigentlich in Zukunft leben will, wenn 2028 die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen und das Geld noch knapper wird. Denn das ein stetes Wirtschaftwachstum anhält, der Zahn ist uns durch die Pandemie gezogen. Es ist eher unrealistisch zu glauben, dass das nun die letzte Krise von Rang wäre, auch wenn die nächste keine Pandemie sein muss, an Krisenthemen besteht kein Mangel.

Wie also sollen jene Menschen leben, die keine Kinder und nicht genug Geld haben um in eine Alten-Residenz zu ziehen (die oft genug auch noch eine Mogelpackung ist, weil man hier zweistellige Renditen versprochen bekommt, das heißt hinter einer glänzenden Fassade ist wenig zu holen, sonst wäre es kein tolles Finanzierungsmodell)?

Eine Frage die sich in letzter Zeit mehrere Menschen stellen. Wohngemeinschaften von Alt und Jung sind eine Antwort darauf, die aber natürlich für alle Beteiligten attraktiv sein müssen. Waren es in der Vergangenheit eher Projekte, die Menschen mit einer bestimmten politischen Einstellung oder einem gemeinsamen weltanschaulichen Hintergrund in solchen Wohnprojekten zusammenbrachten, wie linke Kommunen, Öko-Gemeinschaften oder religiöse Gruppierungen, so ist gut vorstellbar, dass dieser gemeinsame Kitt bald weniger notwendig sein wird, weil der soziale Druck steigt: Zu wenig Geld und zu schlechte Grundversorgung für alte Menschen. Die Situation ist heute schon schlecht, Covid-19 hat sie nicht besser gemacht. Positiv klingt daran erst mal nichts. Grund zum positiven Realismus gibt es dennoch und zwar gerade durch die Aussichtslosigkeit. Wir werden zur Kooperation gezwungen. Aus dem “Man müsste mal …” wird dann irgendwann ein echter Antrieb, der anhält und viele Menschen erfassen dürfte, die ihr Schicksal selbst Hand nehmen wollen.

Aus den Fehlern der Vergangenheit lernen

In der Vergangenheit sind vor allem zwei Fehler gemacht worden. Der eine ist jetzt nicht mehr zu korrigieren und betrifft das Aufschieben, obwohl man bei vielem schon seit Jahrzehnten weiß, wo der Hase im Pfeffer liegt. Heilung, Müll, Rente um nur ein paar zu nennen. Aber das ist nun nicht mehr zu korrigieren, wir können nur anfangen jetzt nicht noch länger zu schieben, wie es leider oft noch immer getan wird.
Den anderen Punkt können und müssen wir aber erst noch in einer größeren Breite verstehen. Die Stimmung in den 1980ern war eine seltsame Mischung. Umweltaktivisten, letzte Hippies, die einfach Spaß haben wollten, linke politische Aktivisten, Pluralisten, Esoteriker und psychologisch interessierte Menschen auf Selbst- und Sinnsuche, all das gab eine bunte Mischung. Tiefe und Offenheit reichten sich immer mal wieder die Hände, doch ein Mehltau der Oberflächlichkeit auf der einen und Verkrampfung auf der anderen Seite setzte sich am Ende durch. Das Tor war immer wieder auf, doch es gelang nicht, dass die Gesellschaft in größerer Zahl umzog.

Nun ist es wieder soweit. Viele Themen der 80er kehren zurück und wir können schauen, ob wir es dieses mal besser machen. Einige haben aus den alten Fehlern gelernt, die Jugend ist anders als früher und der eben illustrierte Druck, vor dem mehrere allmählich älter werdende Menschen stehen ist, ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Das kann eine gute Mischung werden, es ist aber unklar, was draus wird. Aber ein positiver Realismus kann diese Bausteine sehen und nutzen, den wohlmeinenden aber oberflächlichen Pluralismus, der bisweilen auch dogmatische Züge annimmt, in eine echte integrale Sicht transformieren.

Das bedeutet, dass man die Realität, dass es Egoisten und stark gruppenbezogene Menschen gibt, anerkennen und sie dennoch konstruktiv einbinden kann. Man muss sie nicht erst umerziehen oder Stunden diskutieren und in einigen Punkten halten sie uns nur deutlich den Spiegel vor und leben manchmal offener das, was wir uns manchmal nicht zu sagen oder tun trauen. Denn wenn das Leben keine Mischung aus Martyrium und Dienst nach Vorschrift werden soll, ist die Frage, was man eigentlich selbst davon hat, wenn man dies oder das tut, durchaus berechtigt. Unser Leben darf ruhig wieder besser werden.

Die nächsten Schritte

Wir werden den positiven Realismus brauchen, um die Aufgaben der Zukunft zu bewältigen. Das Gute ist, dass man die Welt in der man gerne leben würde auch selbst erzeugen kann, indem man einfach anfängt. Man kann das was man will vorleben und das beeinflusst schon in dem Moment andere. An der Stelle bin ich aber oftmals ratlos, weil ich einerseits oft höre, dass ich es mir zu leicht machen und unterschätzen würde, wie schwer es manche Menschen haben und dass das keineswegs alles so einfach geht. Auf der anderen Seite scheint der gleiche Vorschlag aber sehr schnell in eine Richtung zu kippen, bei dem durchaus erkannt wird, das Schritte für den Einzelnen keineswegs schwer sein müssen und man nicht sein Leben komplett verändern muss, so dass jeder wenigstens ein bisschen tun kann, aber offenbar werden diese einfachen Schritte als zu gering angesehen und es wird behauptet, etwas was so leicht sei, brächte doch ohnehin nichts.

Wird die Latte dann deutlich höher gelegt, ist man offenbar mit den Maßnahmen zufrieden, fühlt sich aber nicht mehr in der Lage, sie umzusetzen, weil das nun – wie man durchaus argumentieren kann – überfordernd ist. Positiver Realismus kann uns tragen, aber dieser Punkt, an dem wir uns oft selbst im Weg stehen, ist noch mal ein echtes Hindernis. Wenn Ihnen einfällt, wie es zu überwinden ist, schreiben Sie uns, der Autor ist hier ratlos.