Gute Ideen sind nicht immer gut koordiniert

Die Sinus-Milieus. © anokarina under cc

Effektive und einfache Regeln sollen attraktive Ziele im Auge haben, die die annoncierte Gruppe wirklich interessieren. Ähnlich dem Geschäftsmodell der Datenkraken, die Social Media Plattformen zur Verfügung stellen und davon leben Werbung gezielt zu platzieren und nicht einen 80-jährigen alleinstehenden Mann mit Werbung von Kinderwagen zu beglücken.

Die effektive und einfache Regel für alle, gibt es nicht. Oder genauer: Es gibt sie prinzipiell, wir hatten bereits dargestellt, dass man mit zwei Regeln durchs Leben kommen kann, aber das setzt einen hohen Grad an mitgebrachter Komplexität voraus, von jenem, der sie anwenden will. Es ist schön, wenn dieser Komplexitätsgrad vorhanden ist und ein wichtiger Impuls für unsere Zeit, aber es sind noch nicht sehr viele Menschen auf dieser Stufe. Es bringt jedoch wenig dies zu bejammern und ein Resultat gerade einer hinreichend komplexen Herangehensweise ist, die Gegebenheiten erst einmal so anzunehmen, wie sie sind und dennoch konstruktiv mit ihnen zu arbeiten.

Praktisch heißt das für unser Thema, dass wir unterschiedliche Regeln für die Menschen jeder Stufe und der weiteren aufgeführten Parameter benötigen. Das kommt einem auf den ersten Blick sehr unüberschaubar vor, ist es aber nicht, wenn man einmal das Prinzip begriffen hat. Eine Frage, die sich intuitiv anschließt, ist, zu welcher Stufe oder welchem Milieu man denn nun selbst gehört. Auch das ist nicht schwer zu ergründen, da man eben bestimmte Fragestellungen und Einstellungen hat, die einen stark oder sehr stark interessieren, während man andere vollkommen uninteressant findet. Wir werden solche Fragen und Themen in der nächsten Folge vorstellen.

Viele Ideen sind an sich gut, wenden sich aber an den falschen Personenkreis und da bleiben sie dann wirkungslos.

Was bisher schief gelaufen ist

Die Idee, dass das mit dem Klima doch wichtig sein könnte, erreicht immer mehr Menschen. Wie zu jedem anderen Thema auch, kann es sehr verschiedene Sichtweisen geben. Neben einer seltener werdenden prinzipiellen Leugnung der Relevanz, findet man eher zwei häufigere Komplexe.

Der erste ist die Fokussierung auf die eine Idee. Man sieht das Thema als wichtig an, aber bei der Lösung ist man eher ideologisch unterwegs, darunter verstehe ich, dass man das Thema zwar gelöst haben will, aber auf genau eine Art. Das kann die Überzeugung sein, dass man zur Lösung der Klimakrise unbedingt und ausschließlich technische Mittel braucht, weil man meint, nur die Technik könne uns helfen, alles andere sei unmöglich oder ineffizient.

Die andere Seite denkt, es ginge nur natürlich, wir müssten alle viel einfacher und naturnäher leben. Wieder andere sehen im Wachstum das Hauptproblem und den Wachstumszwang als eine Folge des Kapitalismus an, der folgerichtig nur beseitigt werden müsste und dann würde alles wie von selbst gehen. Wieder andere sehen die einzige Möglichkeit umzusteuern nur über Verbote gegeben und sehnen diese geradezu herbei.

Es ist glaube ich klar, dass, egal welcher Idee man selbst näher steht, erkennbar ist, dass eine Einigung zwischen den Lagern hier schwierig oder sogar gänzlich blockiert wird. Die Idee, dass meiner Idee alle folgen müssen wird selten auf große Begeisterung stoßen.

In ähnlicher Weise gibt es Menschen, die den Klimawandel sehr wohl als wichtiges Thema sehen und anerkennen, aber der Meinung sind, dass es noch weitere sehr wichtige Themen gibt. Das ist durchaus richtig, streicht das Thema es Klimawandels aber nicht von der Liste. Auch den Streit darüber, welches Thema denn nun eigentlich das wichtigste ist, kann man sich schenken, wenn man anerkennen kann, dass es einfach mehrere parallele Stränge gibt. Wir wissen aber, dass diese Streits existieren.

Die Klärung dieser Fragen ist keine Sache allein der Intelligenz, sondern es gibt diverse psychologische Faktoren, die Menschen dazu bringen auch bei hoher Intelligenz manchmal sehr eingleisig unterwegs zu sein.

Real beharrende Strukturen

Ein häufiger Einwand ist auch, dass es reale beharrende Strukturen gibt, die es ganz einfach verhindern, dass sich bei dem Thema etwas entscheidendes tut, was über Greenwashing hinaus geht. Es ist sicher richtig, dass es diese Strukturen gibt, aber man ist ihnen keineswegs hilflos ausgeliefert, mag die Lobby auch noch so stark wirken. Ein wesentlicher Erfolg solcher Strukturen liegt darin, dass alle daran glauben, sie seien völlig chancenlos, doch über mehr oder weniger wilde Revolutionsphantasien hinaus können wir an der Politik der Gegenwart sehen, dass sie sich nach den Meinungsumfragen richtet.

Auch gegen die Wirtschaft ist man nicht machtlos, es sind ja durchaus Kooperationen denkbar, von denen beide Seite profitieren, ohne sich die ganze Welt gleich als große Geschäftsbeziehung vorzustellen oder einen Ort, an dem es nur um Gewinne geht. Es stehen also nicht psychologische Faktoren versus reale Strukturen, sondern beide bedingen einander und wir haben die Möglichkeit uns bestimmten realen Tendenzen anzupassen oder es nicht zu tun und sie zu verändern.

Dabei müssen keinesfalls alle Menschen mitmachen, auch nicht 80%, es reicht zunächst eine kritische Masse zu haben, die bestimmte Tendenzen in Bewegung bringt und das geht heute sehr gut, weil man sich weltweit vernetzen kann und voneinander weiß. Wie groß diese Masse sein muss ist nicht genau bekannt, aber vermutlich so um den 10% Bereich. Wenn diese Gruppe der kulturell Kreativen kritisch ist und bleibt, die richtigen Bewegungen unterstützt und es ihr gelingt in Eigenregie die vielen wichtigen Themen zu pushen und zu koordinieren, wird diese Gruppe attraktiv und es werden jene folgen, die immer gerne bei Neuem dabei sind und später auch jene, die gerne bei den Erfolgreichen mitmachen.

Effektive und einfache Regeln sind dabei nicht jene, die für alle gelten, denn was die eine anspricht, ist für den anderen gar nichts. Es geht auch nicht um ein dickes Buch, sondern im Grunde um die schlanke Unterstützung jener Ziele, die man ohnehin attraktiv findet. In der nächsten Folge stellen wir einzelne Gruppen vor, die sich aus den obigen Bausteinen ergeben und zeigen, wie und warum jeder seinen Beitrag leisten kann.