Einsam und allein zu sein, wird nur ungern zugegeben, denn kaum jemand redet über Einsamkeit oder wie man sie überwinden kann. Doch häufig sind Einsamkeit und der Wunsch nach Überwinden des Alleinseins Gesprächsinhalte bei der Telefonseelsorge oder auch bei Arztkonsultationen. Und auch das Internet führt sie zutage: Avatare, Nicknames, virtuelle Personen, welche Einsamkeit beklagen. Wer sind also die Menschen dahinter und was kann man gegen ihre Einsamkeit tun? – Themen, die im Mittelpunkt dieser Artikelserie stehen.

Einsam im Alter oder Einsamkeit überwinden

Einsam im Alter oder Einsamkeit überwinden © Definder under cc

Denkt man an Einsamkeit, denkt man vor allem an Alleinstehende und Ältere, die einsam ihrem Dasein fristen. Und Suchbegriffe im Internet wie “einsam sterben” oder “einsam im Alter” scheinen dies zu bestätigen. Ist also die Einsamkeit zu überwinden, um sich weniger einsam zu fühlen, hauptsächlich eine Entwicklungsaufgabe des Alters?

Einsam und allein = Alte und Alleinstehende?

In der Tat sprechen die Daten des Statistischen Bundesamtes (2011) zunächst für eine starke Einsamkeit im Alter. Rund 44% der Frauen ab 65 Jahren leben allein in einem Haushalt (und 18% der Männer). Im Vergleich zum gesamten Anteil der Alleinlebenden in Deutschland (19,6%, vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2012), scheint der Anteil der alleinlebenden Frauen in den späteren Lebensphasen deutlich erhöht. Jenseits des Alters von 85 Jahren spitzt sich die Datenlage weiter zu: 74% der Frauen und 35% der Männer sind dann alleinlebend. Der weitaus höhere Frauenanteil erklärt sich gemäß dem Statistischen Bundesamt vor allem durch die höhere Lebenserwartung des weiblichen Geschlechts und den Tod des Ehepartners, weniger durch Scheidungen oder Trennungen in dieser Altersgruppe.

Dass der Familienstand ein entscheidender Faktor für Einsamkeit und Alleinsein sein kann, zeigten Victor et al. (2005) in ihrer Studie. Die Forscher erfassten bei Personen ab einem Alter von 65 Jahren neben dem Empfinden von Einsamkeit und einigen soziodemografischen Variablen unter anderem auch die soziale Anbindung der Befragten. Es zeigte sich, dass Gefühle der Einsamkeit vor allem ältere Verwitwete beklagten, die einen Großteil ihrer Zeit allein verbrachten.

Dennoch scheinen sich auch immer mehr Jüngere einsam zu fühlen und die Einsamkeit überwinden zu wollen.

Einsam in Gesellschaft: Einsamkeit überwinden als Aufgabe aller

Von einer einsamen Gesellschaft spricht gar die britische Mental Health Foundation (2010). Bei ihren Recherchen und Erhebungen kam sie überein, dass immer mehr Menschen, unabhängig von Alter, Lebenssituation und Geschlecht, Einsamkeit beklagen und überwinden wollen. Die Gründe dafür scheinen hinreichend bekannt: So leben wir zum Beispiel in einer zunehmend anonymen Gesellschaft mit immer mehr Singlehaushalten. Auch in Deutschland steigt die Anzahl der Ein-Personen-Haushalte stetig, wie man den Daten des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes (2013) entnehmen kann. Haushalte mit drei oder mehr Personen nehmen dagegen ab. Gepaart mit den so typischen Lebensumständen der westlichen Gesellschaft, scheint klar, warum sich viele Menschen einsam fühlen und das Überwinden von Einsamkeit erschwert wird.

Technologien machen einsam und erschweren das Überwinden der Einsamkeit

Die verminderten sozialen Kontakte und die erhöhte Anonymität werden unter anderem auf Urbanisierung und technologische Neuerungen zurückgeführt (Mental Health Foundation, 2010). So scheinen sich Personen auf dem Land weniger einsam zu fühlen als Personen in städtischen Gebieten. Auch stieg die Zahl der Telearbeitsplätze, also von Personen, welche vom heimischen Computer aus arbeiten, von 1997 bis 2005 in Großbritannien um mehr als 150%. Ähnliches ist auch in Deutschland und anderen westlichen Gesellschaften zu beobachten.

Urbanisierung kann einsam machen und Einsamkeit überwinden erschweren

Urbanisierung kann einsam machen und Einsamkeit überwinden erschweren © Dr. Froehlich under cc

Während einigen die Telearbeit zeitlich und organisatorisch entgegenkommt, fühlen sich andere ausgeschlossen und in öffentlichen Geschäftsräumen besser aufgehoben. Darüber hinaus werden Face-to-Face-Kontakte in Meetings immer seltener. Geschäftliche Besprechungen erledigt man heutzutage vermehrt über Telefon und Internet. Und so kann es vorkommen, dass man jahrelang zusammenarbeitet und noch kein einziges Mal die Hand des Kollegen geschüttelt hat. – Was für global agierende Wirtschaftsunternehmen sehr von Vorteil sein kann, bedeutet für den Einzelnen stärkere Isolation.

Auch im privaten Bereich werden soziale Kontakte häufig über das Internet abgewickelt. Soziale Netzwerke und der Austausch in interaktiven Spielen oder Foren ersetzen oft die zwischenmenschliche Nähe. Und wem kann man dies verübeln? Überspitzt gesagt, lässt sich aufgrund von Zeitknappheit, Stress und Überforderung in der modernen Arbeitswelt die Pflege von Freundschaften bequem vom Sofa aus regeln. – Lebensumstände, die einigen nicht behagen und Einsamkeit fühlen lassen.

Und dennoch bieten diese modernen Technologien dem einsam in der Wohnung Umherstreifenden auch eine mögliche Chance, die Einsamkeit zu überwinden, wie Teil 2 dieser Beitragsserie aufzeigen wird.

Quellen: