People Pleasing und die Anzeichen dafür geistern als Inhalte in der letzten Zeit immer öfter durch die sozialen Medien. Doch was genau ist People Pleasing eigentlich aus psychologischer Sicht? Und welche Anzeichen gibt es dafür?

People Pleasing-Anzeichen: Was steckt dahinter?

People Pleasing steht dafür, zu antizipieren, was dein Gegenüber von dir erwartet und es ihm dann recht machen zu wollen. Deine eigenen Ansichten und Bedürfnisse verlierst du dabei völlig aus den Augen. Du achtest gar nicht darauf, ob eine Grenze von dir übertreten wird oder ob du dich überhaupt mit dieser Situation oder dem, was du zugesagt hast, wohl fühlst. Für dich geht es automatisch darum: Wie solltest du in den Augen des anderen Menschen nun reagieren?

Das ist jedoch überspitzt geschildert. Nicht immer muss es so stark ausgeprägt sein. Ungeachtet dessen bist du mit deinen Gedanken mehr »im Außen«, mehr bei der anderen Person.

Acht Anzeichen von People Pleasing

Frau blickt traurig in die Kamera

People Pleaser können irgendwann nicht mehr, weil sie sich ständig verleugnen. © Venturist under cc

Listen wir nachfolgend einmal einige Anzeichen von People Pleasing auf, die sich aus psychologischer Sicht auftun. So kannst du schauen, inwiefern diese auf dich zutreffen.

1. Niemandem auf die Füße treten

People Pleaser sind stets nett, haben einen offenes Ohr für andere Menschen und sind hilfsbereit. Sie sprechen einem anderen Menschen zu, selbst wenn ihre Meinung von der des Gegenübers abweicht.

Du bewegst dich vorsichtig im Umgang mit anderen, und das ist auch gut so. Ein respektvoller Umgang mit seinem sozialen Umfeld ist wichtig. Aber er darf nur soweit reichen, dass es nicht zu deinen Lasten geht. Es geht immer um eine Balance. Fällt die Balance häufig zu deinen Ungunsten aus, etwa weil du deine Grenzen überschreitest und dich verleugnest, und zugunsten der anderen Person, dann solltest du dein Verhalten überdenken.

2. Ständig Schuldgefühle

Du glaubst, immer mehr machen zu müssen. Spricht eine andere Person mit dir über ihre Probleme, überlegst du schon beim Zuhören, was du ihr raten könntest. Wie kannst du ihr helfen? Welchen Tipp kannst du ihr geben? Solche Gedanken gehen dir bei einem Gespräch durch den Kopf. Du fühlst dich schlecht, wenn du ihr nicht wirklich zur Seite stehen kannst. Vielleicht denkst du dann auch, du wärst nicht gut genug, weil du den richtigen Ratschlag nicht parat hast. Dabei geht es bei einem freundschaftlichen Gespräch manchmal gar nicht um eine Beratung. Oftmals reicht es, über ein Problem sprechen zu können, und die Person gegenüber hört einfach zu und steht empathisch bei.

Auch hast du vermutlich Schuldgefühle, wenn dich jemand um etwas bittet und du definitiv keine Zeit hast, diese Bitte zu erfüllen. Das ist ein weiteres Anzeichen von People Pleasing. Du fühlst dich überverantwortlich. Oder anders ausgedrückt: Letztendlich fühlen sich People Pleaser dafür verantwortlich, dass es einer anderen Person gut geht.

3. Nicht um Hilfe bitten

Du selbst möchtest allerdings niemandem zur Last fallen. Du fühlst dich schuldig und glaubst, in einer Schuld zu stehen, wenn du jemanden um einen Gefallen bittest. Lieber erledigst du die Dinge allein, selbst wenn es dich die letzte Kraft und Energie kostet, du versuchst, das Meiste allein zu bewältigen.

4. Gefallen wollen

Du willst anderen Menschen gefallen. Dieses Anzeichen von People Pleasing bezieht sich auf die Angst vor Ablehnung. Das ungute Gefühl, dass mit Zurückweisung, Missfallen oder Kritik einhergeht, möchtest du nicht haben. Du möchtest sozialen Stress und Gefühle von Minderwert vermeiden.

Demzufolge denkst du oft intuitiv: Wie muss ich sein, damit der andere Mensch mich mag?

5. Nicht Nein sagen können

Mann sitzt beschäftigt am Schreibtisch

Ein Anzeichen von People Pleasing ist emotionale Erschöpfung, da du nicht auf die eigenen Grenzen achtest. © bark under cc

Bist du erschöpft, aber hilfst einem anderen Menschen dennoch? Fühlst du dich unwohl mit einer Sache und machst sie trotz allem, weil eine andere Person diese macht? Du hast Schwierigkeiten, nein zu sagen. Oftmals spürst du regelrecht eine Erleichterung, wenn du tatsächlich laut Kalender bereits verplant bist. Manchmal lässt du dir lieber eine Ausrede einfallen, anstatt zu sagen, dass du etwas einfach nicht willst. Doch selbst dann packt dich im Nachhinein das schlechte Gewissen.

Dabei muss man sich gar nicht immer erklären. Ein einfaches Nein genügt als Antwort völlig aus. Du musst dich nicht rechtfertigen oder in die Ecke drängen lassen. Ein klares Nein, selbstbewusst ausgesprochen, gefolgt von einer Pause, hat einen starken Effekt.

6. Konflikte vermeiden

Natürlich streiten die meisten Menschen nicht gern, bis auf einige wenige, die stets die Konfrontation suchen. Doch ein Anzeichen für People Pleasing ist es, wenn du deinen Standpunkt nicht vertrittst, selbst wenn dir etwas gehörig gegen den Strich geht. Alles bäumt sich in dir auf. Doch du übergehst den Sturm in deinem Inneren. Du lächelst und sagst lieber nichts.

Allerdings kann das zunehmende Schweigen zu einem steigenden Groll in dir führen. Eventuell wirst du dann sogar passiv-aggressiv oder du kompensierst den Frust mit mehr Essen oder Ähnlichem.

7. Schnell verzeihen

Hat sich eine andere Person dir gegenüber übergriffig verhalten, verzeihst du schnell. Ein Anzeichen von People Pleasing ist es, sich das Verhalten anderer Menschen schön zu reden. Wir glauben deren Erklärungen, weil wir sie glauben wollen. Selbst wenn eine andere Person sich nicht einmal entschuldigt, so deuten People Pleaser bereits kleinere Hinweise als ein Reuegefühl bei dem anderen Menschen. Sie wollen schnell wieder Harmonie spüren und übergehen dabei ihre eigenen Grenzen. Die aufkommende Wut, wenn jemand deine Grenzen übertritt, verdrängst du, damit alles im sozialen Lot bleibt.

8. Blind für die eigenen Bedürfnisse

Weil People Pleaser mit ihrer Wahrnehmung so stark im Außen unterwegs sind, haben sie für ihr Inneres sozusagen einen blinden Fleck in sich. Sie wissen oftmals gar nicht, was sie eigentlich wollen. Oder wie sie über eine Thematik denken. Fragt man sie, ob sie lieber ins Kino oder ins Theater gehen wollen, lautet nicht selten die Antwort: »Keine Ahnung. Was möchtest du?«

People Pleasing: Warum es nicht gut ist

Frau liegt zurückgelehnt auf Bank im Park

People Pleaser haben Angst vor Ablehnung. © Jenavieve under cc

Eine neuropsychologische Studie zeigt allerdings auf, wie wichtig das Einstehen für sich ist. Was passiert im Gehirn, wenn Menschen, die dazu neigen, anderen nach dem Munde zu sprechen, einen Moment haben, in dem sie einer anderen Person ganz und gar nicht zustimmen?

Gehirnscans verzeichnen in solchen Momenten bei diesen Menschen in einem Netzwerk bestimmter Gehirnregionen eine besonders starke Aktivität, unter anderem im medialen präfrontalen Cortex, der beispielsweise bei Entscheidungsfindungen eine Rolle spielt, außerdem in der anterioren Insula, die an Empathie und sozioemotionalen Empfindungen wie Zuneigung, Abneigung, Zurückweisung, Scham oder Selbstunsicherheit beteiligt ist. Beide Regionen scheinen in Verbindung mit der sogenannten kognitiven Dissonanz zu stehen, also wenn bestimmte Einstellungen, Emotionen, Bedürfnisse und Verhaltensweisen bei dir sich in einem Widerspruch zueinander befinden.

Die Forschenden vermuten dadurch eine Erhöhung von mentalem Stress und Unwohlsein, was infolgedessen wiederum zu einer erschwerten Entscheidungsfindung und Ängsten führen kann. Ein Teufelskreis, wenn man so will. Wer dem Gegenüber lieber Zuspruch gibt, anstatt die eigene Meinung zu vertreten, der wird – aus neurokognitiver Sicht – am Ende mehr psychischen Stress haben, obwohl er ja gerade diesen Stress zu vermeiden versucht.

Grenzen achten

Menschen, die Anzeichen von People Pleasing aufweisen, setzen sich folglich emotionalem Stress aus. Auch scheinen diese Personen zu Perfektionismus zu neigen. Das Übergehen der eigenen Bedürfnisse und Grenzen schadet dem Selbstwert und Wohlbefinden. Ängste und depressive Stimmungen können zunehmen, sobald man sich selbst aus den Augen verliert. Wenn du Anzeichen von People Pleasing bei dir bemerkst, dann stelle dir in den betreffenden Situationen folgende Frage: Wenn du nicht für dich einstehst, wer dann?