Stillen und die Einführung von Beikost sind wichtige Themen der frühkindlichen Erziehung. Dazu existieren eine Menge Ratgeber und Richtlinien, an denen eine junge Mutter sich orientieren kann. Und tatsächlich folgen einige Kinder den Richtlinien zur Breicheneinführung “bilderbuchmäßig”.

Doch was ist, wenn es nicht so klappt? Wenn das Kind einfach nicht essen möchte? Wenn es nur hier und da neugierig das Essen untersucht, mal etwas rumknabbert und dann nach Flasche oder Mutterbrust verlangt? Umgangssprachlich spricht man hierbei von sogenannten Fütterungsproblemen.

Falscher Umgang mit “Fütterungsproblemen” bei Kindern

Zunächst heißt es, man solle dem Kind Zeit geben. Mit sieben Monaten sei es eben noch nicht soweit.

Das soziale Umfeld (und dadurch auch die Mutter) werden allmählich unruhiger, sobald es dem ersten Lebensjahr entgegengeht. Die ersten Ratschläge stürmen auf die junge Mutter ein. Man solle doch endlich abstillen, dann würde das Kind auch essen. Mit Spielen ablenken, hungern lassen und süße Breie geben sind ebenfalls beliebte Methoden, das Kind zum Essen zu bringen – von steinzeitlichen Methoden wie mit dem Nuckel den Brei nachzustopfen mal ganz abgesehen.

Mit anderthalb Jahren heißt es, man mache definitiv etwas falsch, das Kind würde hungern. Nun wird selbst die entspannteste Mutter nervös und beginnt an ihrer Strategie zu zweifeln.

Bedarfsgerechtes Stillen und bedarfsgerechte Beikosteinführung

Kind isst Kiwi

Kind beim Essen © Lars Plougmann under cc

Leider finden sich immer noch verhältnismäßig wenige Ratgeber und Ratschläge, die betonen dem Kind tatsächlich Zeit zu geben. Und nicht nur bis zum 8. oder 9. Lebensmonat, sondern so lange es möchte. Für einige Kinder ist Essen erstmal noch hauptsächlich Experiment und Spiel und wird nicht als Sattmacher betrachtet. Sie stillen gemütlich weiter oder nuckeln an ihrer Flasche. Wenn ein Kind das Gefühl bekäme, seine liebgewonnenen Gewohnheiten durch das Essen eintauschen zu müssen, wird es dies vermutlich erst recht nicht wollen.

Die Einführung von Beikost ist ein wichtiger Schritt im Leben eines Kindes, den das eine Kind schneller, das andere langsamer bereit ist zu gehen.

Dem Sättigungsempfinden folgen

Kinder haben bereits beim Stillen gelernt, ihre Ernährung richtig zu dosieren. So scheinen bereits Säuglinge durch die Dauer sowie Häufigkeit des Stillens Zusammensetzung und Menge der Muttermilch selber zu regulieren. Dies setzt allerdings voraus, dass sie nach Bedarf gestillt werden. Auch die Flasche sollte nach Bedarf gegeben werden.

Wichtig ist, so der spanische Kinderarzt Dr. González, dass auch Kleinkinder beim Essen ihrem eigenen Sättigungsempfinden folgen können. Sie sollten nicht eine vorgegebene Menge zu einer bestimmten Zeit essen müssen bzw. dazu überredet werden.

Natürlich können auch feste Essenszeiten eingeführt werden, zu denen bestenfalls gemeinsam am Tisch gesessen und gegessen werden kann. Kinder lernen durch Modelllernen und Nachahmung. Sehen sie, was die Erwachsenen oder andere Kinder essen, werden sie dies ebenso wollen. Zwischen den Mahlzeiten können Fläschchen, Muttermilch oder gesunde Knabbereien gegeben werden, sobald das Kind danach verlangt.

Aus psychologischer Sicht ist dieser erste Umgang mit dem Essen ein wichtiger Grundstein für das Essverhalten im späteren Leben, wie Fisher und Birch (1995) zeigen. So scheinen in Zusammenhang zum Fütterungskontext im Kindesalter häufiges Diäten, enthemmtes Essverhalten sowie Essstörungen im späteren Leben zu stehen. Kinder, die zum Essen gezwungen oder überredet werden, könnten Gefahr laufen, ihr eigenes Sättigungsempfinden zu verlernen. Spätere Probleme beim Essverhalten sowie Übergewicht wären dann mögliche Folgen.

Es lohnt sich also, Geduld in die frühkindliche Beikosteinführung zu investieren und ohne Zwang und Überredungskunst dem Kind ausreichend Zeit zu geben. So erhält es die Chance auf ein gesundes Essverhalten im späteren Leben.

Quellen:

  • Birch, L.L. & Fisher, J.A. (1995). Appetite and eating behavior in children. Pediatric clinics of North America, 42 (4), 931-53.
  • González, C. (2007). Mein Kind will nicht essen (3. Aufl.). Hille: La Leche Liga Deutschland e.V.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche sich mit Themen rund um die frühkindliche Erziehung beschäftigt. Lesen Sie dazu auch: