Burnout

Frau putzt Scheiben, schwarzweiß

Putzzwänge sind gesellschaftlich gut etabliert. © Georgie Pauwels under cc

Der Begriff “Burnout” kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt “Ausbrennen”. Das Burnout ist eine Form der Depression, die sogenannte Erschöpfungsdepression. Symptome sind Erschöpfung, Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Infektanfälligkeit, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Verspannungen oder Gelenkschmerzen. Verursacher von Burnout ist in der Regel negativer Stress. Viele sprechen davon, ohne wirklich zu wissen, was eigentlich damit gemeint ist. Hauptauslöser ist meist eine Situation, die als bedrohlich bewertet wird. Das können eine brenzlige Verkehrssituation, eine bevorstehende Prüfung, ein überfordernder Berg an Arbeit oder das kranke Kind sein. Da jeder Mensch einen anderen Bewertungsmaßstab an eine belastende Situation anlegt, ist das Entstehen von Stress höchstindividuell und schwer vergleichbar.

Liegt nach subjektiver Einschätzung eine bedrohliche Situation vor, befiehlt das Gehirn den Nebennieren sofort Adrenalin und Noradrenalin auszuschütten. Es gilt als erwiesen, dass eine bestimmte Struktur des Gehirns dabei eine große Rolle spielt: die sogenannte Amygdala. Die Amygdala dient uns Menschen, aber auch Tieren, als Alarmanlage. Innerhalb von wenigen Millisekunden bewertet sie Situationen und schätzt Gefahren ein. Das System beschützt unser Leben, es ist dafür da, dass es sofort Flucht oder Kampf anregt, sobald nur irgendein kleiner Stimulus aufkommt.

Nach der Ausschüttung von Stresshormonen steigen Puls und Blutdruck, unsere Wahrnehmung wird zunehmend eingeschränkt (Tunnelblick) und die Reaktionsschnelligkeit verbessert. Damit wappnet sich der Körper für die bevorstehende Auseinandersetzung. Sogar die Gerinnungsfähigkeit des Blutes nimmt zu, für den Fall, dass wir verletzt werden.

Während diese Kettenreaktion zu Zeiten, als wir noch Jäger und Sammler waren, eine Lebensversicherung zum Schutz vor wilden Tieren oder feindlichen Horden war, und insofern objektive äußere und weitgehend allgemeingültige Auslöser hatte, ist heutzutage die Interpretation weniger lebensbedrohlicher Situationen an diese Stelle getreten, allerdings mit der gleichen Überdosis an Stresshormonen im Blut. Weil wir heutzutage nicht wie unsere Vorfahren auf der Flucht vor dem Säbelzahntiger die Stresshormone abbauen, sondern uns im Gegenteil bemühen ruhig und beherrscht zu bleiben, gerät die Körperchemie in eine Schieflage, insbesondere wenn der Stress andauert. Das Problem ist, dass unser System irgendwann ermüdet und in einen Zustand der Energielosigkeit gerät. Um den Tiefpunkt und die Unlust zu verlassen, greifen viele zu Zigaretten, Süßigkeiten und Alkohol, oder auch zu illegalen Drogen, was aber nur kurzzeitige Besserung bringt, mit noch schlechterer Perspektive, weil der Körper Abhängigkeiten entwickelt und die schädlichen Auswirkungen zusätzlichen Stress erzeugen. Schlaflosigkeit kommt hinzu, dabei werden Regeneration und Heilung unterdrückt, was wiederum zu noch mehr Energielosigkeit führt. So dreht sich die Abwärtsspirale immer weiter, bis das System kollabiert – Burnout.

In der Therapie werden die Stressauslöser, innere ungünstige Bewertungen wie zu hohe Ansprüche oder Angst vor Misserfolg und daraus resultierende Fokussierungen identifiziert und bearbeitet. Um Burnout vorzubeugen, ist Bewegung ein Mittel der Wahl. Wer regelmäßig moderaten Ausdauersport treibt, bauen seine Stresshormone kontinuierlich ab.

Alkoholmissbrauch

Fast jeder Erwachsene im Alter zwischen 18 und 70 Jahren konsumiert regelmäßig Alkohol. In den letzten Jahren lag der Pro-Kopf-Verbrauch in der Bundesrepublik bei 10 Liter reinem Alkohol. 7,4 Prozent der gesundheitlichen Störungen und vorzeitigen Todesfälle in Europa werden auf Alkohol zurückgeführt, dass der Missbrauch unter psychische Erkrankungen fällt, ist noch immer nicht ausreichend bekannt.

In Deutschland ist Alkohol frei erhältlich, und der Konsum ist fester Bestandteil zahlreicher gesellschaftlicher Anlässe. Schon geringe Mengen Alkohol wirken entspannend und stimmungssteigernd. Bei den jungen Erwachsenen stehen Selbsterfahrung und Lustgewinn im Vordergrund, wie auf Partys locker, beschwingt und euphorisch zu sein. Die Umkehr der Lustgefühle, der auf den Rausch folgende Kater mit Kopfschmerzen, Übelkeit, allgemeiner Schwäche und Lichtempfindlichkeit, ist zwar eine deutliche Warnung des Organismus, aber wenn die positiven Gefühle im Verbund mit Alkohol einmal im Gehirn verankert sind, werden sie immer wieder gezielt aktiviert, auch um Schmerz, Frust und Ärger aufzulösen.

Mit zunehmender Erfahrung wird Alkohol zu einem Werkzeug, mit dem unser Gehirn entweder die Maximierung positiver Zustände (Freude) oder die Minimierung negativer Zustände (Schmerz) betreibt. Genuss ohne Reue – warum sollte man auf etwas verzichten, was guttut? Schnell ist der Wunsch geboren, die wohltuende Wirkung immer wieder zu erleben. Leicht gewöhnen sich viele daran, insbesondere Sorgen und Stressbelastungen durch Alkohol erträglicher zu gestalten.

Mit der Zeit nimmt die Tragfähigkeit für psychische Belastungen ab, und die Verträglichkeit für Alkohol wird allmählich größer. Um denselben entspannenden lustvollen Effekt zu erzielen, muss immer mehr Alkohol konsumiert werden. Damit dies nicht auffällt, wird jetzt auch allein und heimlich getrunken. Neben der bisher “nur” psychischen Abhängigkeit entsteht eine physische Abhängigkeit mit Unruhezuständen, Schlafstörungen, Magen- und Darmbeschwerden, sexuellen Störungen, Schweißausbrüchen und Händezittern, wenn der Alkohol ausbleibt.

Am Ende steht die Unfähigkeit zur Abstinenz und entweder oft Trinken mit Verlust der Kontrolle über die weitere Trinkmenge (“Süchtiger Trinker”) oder ein rauscharmer, kontinuierlicher Alkoholkonsum (“Spiegeltrinker”), bei dem ein Spiegel von 2,5 Promille und mehr ohne Ausfallerscheinungen vorkommen kann.

Die häufigste der psychiatrischen Folgekrankheiten des Alkoholismus tritt zumeist als Entzugsdelir auf. Was schmunzelnd als “weiße Mäuse sehen” heruntergespielt wird, kennzeichnet in Wirklichkeit einen lebensbedrohlichen Notfall, der unbehandelt durch Herz-Kreislauf-Versagen in 15 bis 20 % der Fälle zum Tode führt.

Für den Therapieerfolg ist die Frühdiagnose von entscheidender Bedeutung. Während die psychische Alkoholabhängigkeit des Entlastungstrinkers mit ambulanter Psychotherapie behandelt werden kann, ist beim süchtigen- und Spiegeltrinker ein Klinikaufenthalt mit Entgiftungs- (ein bis vier Wochen), Entwöhnungs- (mehrere Monate) und Rehabilitationsphase (mehrere Jahre) erforderlich.

Zwangserkrankungen

In Deutschland sind ca. 2 Millionen Menschen von therapiebedürftigen Zwangsstörungen betroffen. Männer und Frauen leiden etwa gleich häufig darunter. Symptome der Zwangserkrankung sind Zwangsgedanken, Zwangsbefürchtungen, Zwangsimpulse und Zwangshandlungen.

Ein Zwangsgedanke ist: “Bei der Geburtstagsfeier meiner Schwiegermutter drehe ich durch”. Eine Zwangsbefürchtung: “Ich habe das Bügeleisen nicht ausgestellt, die Wohnung könnte abbrennen”. Ein Zwangsimpuls: “Ich stoße jemanden vor den Zug”. Eine Zwangshandlung: “Ich muss mir immerzu die Hände waschen”.

Ein Autofahrer, der den Gedanken hat, in einer bestimmten Kurve ein Tier angefahren zu haben ,ohne es zu merken (Zwangsgedanke), kehrt drei, vier oder fünf Mal an die Stelle zurück, sieht nach Blutspuren und sucht die Umgebung nach dem verletzten oder toten Tier ab (Zwangshandlung). Bei jeder Wiederholung gelingt es ihm nur vorübergehend, seine innere Anspannung zu reduzieren.

Den Betroffenen drängen sich Denkinhalte ungewollt auf, begleitet von der Angst, dass etwas Schlimmes passiert ist oder passieren könnte. Die Betroffenen verspüren einen starken Drang, bestimmte Dinge zu tun, mit denen sie den negativen Gedanken und der Angst scheinbar entgegenwirken können. Obwohl die Betroffenen merken, dass ihr Verhalten sinnlos und übertrieben ist und sie sich dagegen wehren, ist der Drang, die Handlung durchzuführen, so stark, dass die Abwehr versagt.

Die häufigsten Arten von Zwangshandlungen sind der Kontrollzwang, wie z. B. das wiederholte Nachsehen, ob die Fenster vor dem Verlassen des Hauses geschlossen sind und der Waschzwang, aus Angst, sich mit einem Krankheitserreger zu infizieren.

Zwangshandlungen zählen zu den Selbstschutzstrategien, die im Laufe des Lebens und meist in den ersten Lebensjahren entwickelt wurden. Hinter einer Zwangsproblematik verbergen sich in aller Regel andere Empfindungen, zumeist Ängste, die nicht bewusst wahrgenommen werden. Darum geht es in der Therapie erstmal darum, auf einer tieferen Ebene zu verstehen, worin das eigentliche Problem besteht. Wird dieser Schritt nicht vollzogen, kann es passieren, dass ein behandelter Zwang durch einen neuen Zwang ersetzt wird (Symptomverschiebung).

In der Gesprächstherapie werden die Betroffenen darüber aufgeklärt, dass Zwangssymptome nicht ihrem eigenen Versagen zuzuschreiben sind und aggressive Zwangsgedanken und Zwangsimpulse meist nicht in die Tat umgesetzt werden, weil jeder Handlung ein kurzer Moment der freien Entscheidung vorausgeht. Gegen Zwangsgedanken wird der sogenannte “Gedankenstopp” eingesetzt, um den störenden Gedanken zu unterbinden. Ich empfehle meinen Patienten das Aufsagen eines Kunstwortes, z. B. “Iamon”, das den schädlichen Gedankengang unterbricht und überdies keine Assoziationen zulässt.

Pharmakologische Therapieverfahren sehen die Gabe von serotonergen Antidepressiva vor. Die stimmungsstabilisierenden Eigenschaften von Serotonin wirken dem Leidensdruck entgegen.

Demenz

Das in der Fachsprache “demenzielle Syndrom” ist neben der Depression die häufigste psychische Erkrankung des hohen Lebensalters. In Deutschland sind derzeit 1,7 Millionen Menschen davon betroffen. Zwei Drittel der Betroffenen sind über 80 Jahre alt, ca. 80 Prozent von ihnen sind Frauen.

Demenz, was aus dem Lateinischen übersetzt so viel wie “ohne Geist”, “ohne Verstand” bedeutet, ist gekennzeichnet von der schrittweisen Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit und dem Verlöschen der Persönlichkeit. Einzelne Symptome sind die Abnahme des Gedächtnisses, Störungen von Orientierung, Denken, Sprechen, Rechnen, Auffassungs- und Lernfähigkeit.

Demenz ist ein Sammelbegriff für eine Reihe von Krankheiten, welche die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Unterschieden wird zwischen hirnorganischer und nicht-hirnorganischer Demenz. Erstere betrifft 90 % aller Demenzerkrankungen, sie ist durch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, und eine Heilung ist derzeit nicht möglich. Die zweite Form ist eine Folge einer anderen Erkrankung, etwa einer Depression, einer Infektion oder toxische Einwirkungen. Eine Heilung ist bei frühzeitiger Behandlung der Grunderkrankung möglich.

Die wichtigste neurodegenerative (fortschreitender Untergang von Nervenzellen) Demenz ist Alzheimer. Zu Beginn der Krankheit treten Gedächtnislücken auf, bekannte Wörter werden vergessen und Gegenstände verlegt. In einem weitergehenden Stadium folgen Orientierungsstörungen (Tag, Aufenthaltsort) und die persönliche Vergangenheit wird nicht mehr erinnert. In der Endstufe der Krankheit verliert der Betreffende die Fähigkeit, sich seiner Umgebung mitzuteilen und Bewegungen zu kontrollieren. Reflexe werden abnormal und das Schlucken wird beeinträchtigt. Im Schnitt leben Betroffene nach der Diagnosestellung noch sieben Jahre, wobei zu bedenken ist, dass die meisten Menschen zum Zeitpunkt der Diagnose bereits sehr alt sind und auch an Herzversagen oder an einer anderen Erkrankung sterben.

Eine weitere häufiger auftretende Demenzform ist die vaskuläre Demenz aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Die Nervenzellen sterben ab, wenn sie nicht mehr mit ausreichend Blut (Sauerstoff) versorgt werden. Jedes Jahr erleiden in Deutschland ca. 270.000 Menschen einen Schlaganfall, weil ein Blutgefäß im Gehirn durch ein Blutgerinnsel verschlossen wird. Ursächlich hierfür ist eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Eine weitere Form des Schlaganfalls ist die Hirnblutung, etwa ausgelöst durch eine Kopfverletzung oder durch den Riss einer Arterie. Die Folgen (z. B. Sprachstörungen, Sehstörungen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen) richten sich nach den vom Schlaganfall betroffenen Hirnbereichen.