Wir wollen es nicht wissen

Skulptur der drei Affen, schwarzweiß

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen, so bleibt alles, wie es ist. © Creative Tools under cc

Man wird mit Informationen und gut recherchierten Artikeln zu diversen Themen heute zugeschüttet. Und man hat noch immer seinen eigenen Kopf, Lebenserfahrung und doch wollen wir vieles einfach nicht wissen. Es ist enttäuschend, wenn man mitbekommt, wo überall gemauschelt wird und Interessenvertreter Einfluss bis in höchste Bereiche nehmen und man möchte sich nicht so gerne enttäuschen lassen, weil wir ganz gerne (und durchaus zurecht) in einer heilen Welt leben wollen. Die moderate Zerstörung dieser Illusion ist dabei jedoch weniger das Problem, denn sie gibt uns zugleich das Heft des Handelns in die Hand. Das Problem ist hier viel mehr, dass viele dieses Heft gar nicht haben wollen und lieber in einem Zustand der chronischen Unzufriedenheit bleiben und drauf bestehen, dass sie die letzten sind, die daran was ändern können, was in nicht wenigen Fällen eine Projektion ist. Die Welt muss anders werden, nur ich nicht.

Man beruhigt sich auf mehrere Arten und diese Beruhigung ist an sich nicht schlecht, denn sie reguliert den emotionalen Haushalt und es bringt nichts, ständig im Modus der Aufregung und Angst zu leben. Beruhigungsstrategien sind:

Schwarze Schafe gibt es überall

Wo immer Menschen zusammenkommen gibt es auch Korruption. Es ist eher ein Zeichen der Reife, wenn wir die Realität der menschlichen Aggression anerkennen, als von einem friedlichen Utopia zu träumen, auch wenn es Wege gibt, die Aggressionen zu kontrollieren und zu sublimieren. Aggression ist nicht schlecht oder böse, sondern eine Grundkraft. Wenn man sie verleugnet, ist sie viel gefährlicher, als wenn man sie realistisch betrachtet und zu kontollieren versucht. Doch da das nicht jeder tut, gibt es schwarze Schafe und die Gesellschaft ist durchaus in der Lage, mit schwarzen Schafen umgehen zu können. Problematisch wird es dann, wenn die schwarzen Schafe immer mehr werden und man das Gefühl hat, dass es eher ein paar weiße Schafe in einer inzwischen schwarzen Herde gibt. Doch die Floskel, dass es bestimmt alles nicht so schlimm sein wird, ist gut, um sich zu beruhigen.

Freizeit und Entspannung

Nicht auch noch in der Freizeit. Es wird als Faulheit, Kälte, emotionale Abgestumpftheit und dekadentes Desinteresse gedeutet, wenn man, zu Hause angekommen, sich eine kleine Insel des Glücks bewahren will. Natürlich gibt es fortgeschrittene Grade der Ignoranz, die in Zynismus übergehen, doch der Wunsch auch mal Ruhe haben zu wollen, verweist auch auf Erschöpfung und Überforderung und ist in Teilen einfach das gute Recht eines jeden Menschen. Man muss nicht unablässig mit dem Gedanken an die Weltrettung durchs Leben gehen. Einen probaten Weg haben wir in „Die Kraft der zehn Prozent“ versucht darzustellen.

Daran kann man nichts ändern

Im Lichte des 10% Ansatzes kann deutlich werden, warum es durchaus der Fall ist, dass man etwas ändern kann, ohne dabei aus dem letzten Loch zu pfeifen. Doch eine andere Idee ist aktuell stärker und wird aus vielen Richtungen befeuert. Nämlich die Einstellung, dass einer alleine schlicht gar nichts bewegen kann, was historisch völliger Unsinn ist. Aber warum ist diese Idee so attraktiv? Diese Sicht stellt eine äußerst bequeme Deutung für die Mächtigen, die selbsternannten Anwälte Unterdrückten und den Einzelnen dar. Einer Machtelite kann nichts besseres passieren, als dass jeder denkt, es sei ohnehin nichts zu ändern. Wer a priori chancenlos ist und als Spinner gilt, wenn er es überhaupt versucht, wir keinen Zuspruch erhalten. Diejenigen, die auf die eine oder andere Art und Weise Kapital daraus ziehen, dass ihre wehrlosen Schäfchen auch tatsächlich wehrlos bleiben und allenfalls mal hier und da einen Teilerfolg erzielen, haben manchmal ebenfalls kein Interesse, dass sich tatsächlich etwas ändert und dem Einzelnen gibt es die denkbar beste Entlastung, wenn es als vollkommen versponnen und irrational gilt, etwas an seinem Leben, jenseits der vorgestanzten Bahnen ändern zu wollen.

Warum soll ich anfangen?

Dazu kommt noch ein Element der Faulheit und der Frage, warum man eigentlich selbst den Anfang machen soll. In der Tat ist da nicht jeder für gemacht und ich halte eine konservative Einstellung nicht für grundsätzlich falsch, sondern für nötig und wichtig. Allerdings sind Progression und Konservativismus dynamische Elemente, die sich in etwa die Waage halten müssen, was nicht zwingend eine 50/50 Aufteilung bedeutet. Für den Einzelnen ist die Veränderung zwar mitunter schwierig, aber wenn man die Schritte gemacht hat nicht selten auch eine Quelle der Lust. Vorreiter zu sein, macht zuweilen einfach Spaß, wenn man sieht, dass man das lebt, von dem es immer hieß, das ginge gar nicht.