Die verschiedenen Richtungen, ihre Nutzen und Risiken

Sonne Berge Wolken

… und der Atem kann uns in Regionen einer kaum gekannten Freiheit führen. © Geoff Livingston under cc

Holotropes Atmen heißt jene Technik, die Stanislav Grof gefunden und ausgebaut hat. Hier wird besonders die von der Enge in die Weite Thematik bearbeitet und die Engethematik wird manchmal durch ein Drücken auf die Brust forciert.

Verbundenes Atmen nennt Rüdiger Dahlke seinen Ansatz. Hier wird das körperliche Agieren weniger betont, dass Gewicht liegt eher auf dem bewussten Erleben des Atems und der Bewusstwerdungen innerer Erfahrungen und tiefenpsychologischer Muster.

Rebirthing heißt der von Leonard Orr entwickelte Ansatz, der als einer der frühen Vertreter auch die Fehler der Pioniere mitnahm. Technisch ist hier alles sehr ähnlich, bestanden einige Problematiken der Rebirthing Gruppen darin, dass man Menschen zwar eindrucksvolle Erfahrungen machen ließ, sie salopp gesagt damit dann aber sogleich wieder nach Hause schickte, ohne dass sie das Erlebte verarbeiten konnten und ohne, dass sie „geerdet“ wurden.

Der Körpertherapeut Alexander Lowen berichtet ebenfalls von dieser Atemtechnik, die er wiederum bei Wilhelm Reich einem schillernden, vielseitigen und umstrittenen Forscher der im vorletzten Jahrhundert geboren wurde, erlernte. In dieser Spielart wird eher die sexuelle und orgiastische Variante betont.

Für alle Richtungen kann man die Hinweise über Risiken und unerwünschte Wirkungen des holotropen Atmens aus der Wikipedia übernehmen und übertragen:

Holotropes Atmen im klinischen Setting bedarf sorgfältiger Vorauswahl der Teilnehmer nach Indikationsstellung.

  • Wegen der intensiven und ekstatischen Qualität ist die Methode nur bei Personen mit normaler körperlicher und seelischer Belastbarkeit angeraten, bei Epilepsie, schwerem Asthma, schweren Herz-Kreislauferkrankungen, Glaukom, nach Operationen und schweren Knochen- und Gelenksproblemen oder schweren Infektionen könnten wegen der Belastungen unerwünschte Komplikationen auftreten.
  • Hyperventilation kann auch außerhalb des holotropen Atmens im Rahmen von Angststörungen und Panikattacken unbeabsichtigt auftreten und dann von starken kardiovegetativen Angstsymptomen begleitet sein. Panikattacken können daher auch umgekehrt durch Hyperventilation ausgelöst werden. Als problematisch gilt dabei die flache Hechelatmung, die Panikattacken begleiten kann. Stattdessen wird beim holotropen Atmen auf eine tiefe Atmung Wert gelegt. Aus der Sicht der Anwender des holotropen Atmens können gegebenenfalls auftretende Paniksymptome während der Atemarbeit als “Begleitumstände des Transformationsprozesses” angesehen werden.
  • Eine absolute Kontraindikation gibt es bei epileptischem Anfallsleiden und akuten Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis. Ebenso ist holotropes Atmen bei Schwangerschaft nicht angezeigt.
  • Wie bei allen kathartisch ausgerichteten Methoden ist insbesondere beim holotropen Atmen eine Risikoabwägung durch den Psychotherapeuten bei dissoziativen Störungen, bei emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen, komplexen oder frühen Traumatisierungen und bei schweren Strukturdefiziten im Sinne der OPD-II erforderlich und im Zweifelsfall die Teilnahme eher abzulehnen. Die holotrope Atemarbeit mit diesen Störungsbildern sollte nur von erfahrenen Psychotherapeuten im Rahmen eines stark haltgebenden klinischen Gruppensettings und nur in begründeten Ausnahmefällen erfolgen.[2]

Man darf guten Gewissens annehmen, dass die Technik aber bereits sehr viel älter ist, denn die indischen Yogis sind auf Wege nach Innen spezialisiert gewesen und eine der großen Stufen des Yoga ist das Pranayama Yoga, das eine systematische Atemschulung darstellt mit alle denkbaren und undenkbaren Feinheiten, so dass es verwundern würde, wenn den Yogis diese Atemtechnik entgangen wäre.

Dazu passt auch eine Anekdote, die Rüdiger Dahlke gerne in dem Zusammenhang erzählte. Als er nämlich seine Atemtechnik gefunden und verfeinert hatte und damit schon schöne Ergebnisse erzielte, wollte er sie einem indischen Yogi vorführen, den er zuvor schon kannte. Der Yogi machte bereitwillig mit, legte sich mit den anderen nieder, atmete, anders als die anderen, tatsächlich tief und voll, in einem Umfang, den das Team dort noch nicht gesehen hatte, aber statt irgendwelche Krämpfe zu erleiden und im Atemzug nach Nirgendwo zu sitzen, stand er nach etwa 20 Minuten intensiven Atmens ungerührt und problemlos auf und meinte, dass er sich gut vorstellen können, dass diese Technik den Menschen im Westen helfen könne.

Erden und Resümee

Da holotropes Atmen eine intensive Psychotechnik ist, ist das was man Erden nennt besonders wichtig. Darunter versteht man, jemanden wieder zu sich und auf den Boden zu bringen, was besonders nach unerwarteten Erfahrungen, die nicht zu unseren Vorstellungen passen, sehr wichtig ist. Die erste Regel dabei ist sich Zeit zu nehmen um den Erlebnissen nachzuspüren und dann erneut genug Zeit nimmt, um wieder im Hier und Jetzt und im Körper anzukommen. Das heißt, dass man den Körper wieder bewusst in Besitz nimmt und in ihn hinein spürt, die Ohrläppchen massiert, sich bewusst räkelt und streckt und die Muskeln anspannt, spürt dass man da ist und die Aufmerksamkeit dabei wenn dies schwierig ist, auf die eigenen Füße richtet. Im Zweifel ist etwas Bewegung und Anstrengung gut, sowie Essen, das in dem Fall schwer und deftig sein darf. Nicht umsonst gehört beim Zen auf immer etwas wie den Boden schrubben oder Geschirr spülen dazu. Im Zweifel kann man Menschen auch ihren Körper rauf und runter spüren und beschreiben lassen, um sie dort wieder zu verankern.

Erfahrungen, die man sonst nicht gewinnt, kann man hier recht einfach machen, ein therapeutischer Nutzen bei Engeproblematiken oder wenn durch Anspannungen gestaute Energie einfach raus muss, die Möglichkeit ein Tor in Richtung Geburt, also einer regressiven Erfahrung, aber auch recht zuverlässig spirituelle Erfahrungen machen zu können und hier Erkenntnisse zu gewinnen. All das ist reizvoll und kann immens wertvoll, im Einzellfall lebensverändernd sein.

Da es sich um eine psychisch intensive Technik handelt, ist mein Hinweis dies bei den ersten Malen nicht allein zu probieren nicht augenzwinkernd gemeint oder der rechtlichen Pflicht geschuldet, sondern ernst gemeint. Nahtoderfahrungen, intensive und tiefe Mediatitonserfahrungen, sowie spontane Gipfelerfahrungen haben eine annähernd gleich starke Intensität.

Quellen