In der Familie das schwarze Schaf zu sein, geht damit einher, in der Kindheit und auch im Erwachsenenalter einen eher schlechten Stand innerhalb einer dysfunktionalen Familienkonstellation zu haben. Dieser ist zuvorderst mit Nachteilen und Ungerechtigkeit verbunden, insbesondere für ein Kind. Der Start ins Leben erschwert sich dadurch. Doch die seelische Widerstandskraft wächst am Widerstand. Und so ist es nach langem Ringen mit sich selbst und der Entwicklung einer Kämpfernatur letztendlich im Erwachsenenalter gar nicht so übel, das schwarze Schaf zu sein. Es ist eben alles eine Frage des Blickwinkels. Wir erklären warum.

Die Auszeichnung zum schwarzen Schaf

Um das schwarze Schaf zu sein, muss man als andersartig gelten, als Rebell, Loser, Nerd, gescheitert, merkwürdig, verrückt, gefährlich und irgendwie unberechenbar. Nur wer innerhalb der Familie weitestgehend auf verlorenem Posten steht, der hat den Titel des schwarzen Familienschafes verdient. Die Familie ist sich – bewusst oder unbewusst – über das Versagen deiner Person im Leben einig.

Vorteile, das schwarze Schaf zu sein

Skulptur eines Würfels mit runden Löchern

Das schwarze Schaf zu sein, ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Es kommt auf den Blickwinkel an. © wwwuppertal under cc

Sicherlich könnte man sich nun in die zugewiesene Rolle einfügen, sich als gescheitert, regelwidrig, als anti oder als Opfer betrachten. Allerdings ist niemandem mit einer solchen Sichtweise geholfen, dir am allerwenigsten. Ändern wir den Blickwinkel, wird aus der Opferrolle plötzlich eine innere Aufrichtung und aus dem Unangepassten mehr Freiheit.

Welche Vorteile bringt es also mit sich, das schwarze Schaf zu sein?

1. Du bist ehrlich

Ehrlichkeit ist ein hohes Gut, so sagt man. Eine respektvolle, direkte Art wird von den meisten wertgeschätzt. Menschen, die eine offene Kommunikation nicht bevorzugen und stattdessen hintenrum oder indirekt agieren, sind sowieso schwierige Gefährten für den Lebensweg. Deine Ehrlichkeit wird dich zu Menschen führen, die ebenso ehrlich und authentisch sind.

2. Du hast eine gute Beobachtungsgabe

Etwas anderes, als zu beobachten und zu analysieren, was vor sich geht, blieb dir in der Kindheit nicht übrig. Du warst gezwungen, die Geschehnisse, welche sich regelmäßig zu deinem Nachteil gestalteten, einzuordnen. Menschen, die bereits von Kindesbeinen an einen steinigen Weg ins Leben hatten, haben häufig ein Feingespür für die Konstellationen innerhalb der Familie sowie für die Eigenarten der Familienmitglieder. Nur durch ihre genaue Beobachtung und Einschätzung der Situation konnten sie sich entsprechend verhalten. In Abhängigkeit von ihrem Temperament und den jeweiligen Bedingungen in ihrem Umfeld neigten sie als Kinder wahlweise dazu, sich lieber unsichtbar zu machen, sich als hilfreiche Stütze für die Eltern und Geschwister zu erweisen oder sich zu behaupten und für ihren Wert einzustehen.

3. Du stehst in Selbstreflexion mit dir

Intensive Analysen und das Erkennen von Ungerechtigkeiten führen meistens zu einem starken Gerechtigkeitsempfinden als Erwachsener. Wer einen schlechten Stand in der Bezugsgruppe hat, muss umso mehr lernen, seinen Weg zu gehen und zu sich zu stehen. Die Mühe birgt einen Nutzen in sich. Denn dadurch hat man auch eine größere Chance, im Reinen mit sich zu sein.
Mit Frustration und Unzufriedenheit gibst du dich nicht zufrieden. Du setzt dich mit dir auseinander. Andernfalls würdest du jetzt nicht diesen Artikel lesen.

4. Du hast innere Stärke

Einen geebneten Weg zu gehen, erfordert im Allgemeinen weniger Aufwand und Kraft. Demgegenüber erstarken wir durch die Reibung in Konflikten mit anderen oder angespannte Situationen. Solche Herausforderungen lassen die Resilienz, unsere seelische Widerstandskraft, wachsen. Und gewiss bist du sogar stärker, als du denkt.

5. Du weißt, was du willst und was nicht

Hals, Krawatte und Anzug, von unten fotografiert

Der Karriereweg ist nicht für jeden etwas. © Karsten Planz under cc

Egal, wie verschlungen dein Lebensweg sein mag: Durch wechselnde Jobs oder Studienabbrüche lernt man auch etwas über sich. Nämlich, was du magst beziehungsweise nicht magst. Wichtig ist jedoch, seine Motivation bezüglich der Änderung im Arbeitsleben zu hinterfragen. Lag der Jobwechsel daran, dass du den Bereich wirklich nicht mochtest, oder bist du aus dem Job geflohen, weil du Angst vor dem Versagen hattest? In beiden Varianten eröffnen sich für dich weitere Handlungsoptionen. Im ersten Fall begibst du dich auf die Suche nach einem Job, welcher besser zu dir und deiner Lebenssituation passt. Im zweiten Fall empfiehlt es sich, an den Ängsten und Unsicherheiten zu arbeiten, um die Psyche zu festigen.

6. Du suchst dein Glück

Sicherlich kennst du die Aussage: Nur ein Narr ist wirklich frei. Einmal gescheitert, glaubt sowieso niemand in deiner dysfunktionalen Familienkonstellation mehr an dich. Das ist die beste Chance auf Narrenfreiheit und Selbstverwirklichung, die sich dir eröffnet. Am Ende des Lebens wirst du auf die Art sicher glücklicher sein, als wenn du dich niemals hinterfragt hättest. Dein Weg mag härter sein, verschlungener und steiniger, aber die Belohnung im Lebensresümee ist umso wertvoller.

7. Du bist unabhängig

Es widerstrebt dir inzwischen, das zu sein, was andere von dir erwarten. Rechtzeitig hast du dich von diesem Glaubenssatz gelöst. Du trägst den Mut in dir, aus den gesellschaftlichen Schablonen auszubrechen. Folglich wirst du immun dagegen, dich für einen Job oder Anerkennung aufzureiben und den Leistungsgedanken mit aller Macht umsetzen zu wollen, um einen geeigneten beruflichen Status zu bekommen. Erkrankungen wie Burnout haben dadurch eine geringere Chance, sich einzunisten, denn du lernst aus deinen Rückschlägen und Fehlern. Du lebst, wie du es für richtig hältst. Was dich stört, räumst du aus.

Anmerkung: Natürlich können all diese Punkte auch auf Menschen zutreffen, die kein schwarzes Schaf in ihrer Familie sind. Aber gerade den Menschen, die als »sonderbar« oder als »Versager« in ihrer Familie abgestempelt sind, hilft eine bewusste kognitive Umbewertung ihrer Fähigkeiten, die oft aus einer Benachteiligung im Lebensumfeld entstehen.

8. Du hast gute Freunde

Zwei Männer und eine Frau singen Karaoke

Auf authentische und loyale Freunde kann man sich verlassen. © fotovideofede under cc

Triffst du auf andere schwarze Schafe, Außenseiter oder selbstreflektierte Menschen im Allgemeinen, gewinnst du in ihnen aufrichtige und loyale Freunde, die dich auf deinem Lebensweg begleiten.

Tipps, wie du ein schwarzes Schaf mit weißer Weste wirst

Eine gewisse Verträglichkeit im Umgang mit anderen Menschen ist dennoch gut. Damit ist nicht gemeint, anderen Menschen zu schmeicheln, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Oder sich anzupassen. Ihnen gefallen zu wollen. Oder dich von ihrer Meinung abhängig zu machen. Bei einem respektvollen Umgang mit anderen – unabhängig davon, wie sie sich dir gegenüber verhalten – geht es vor allem darum, im Anschluss an soziale Interaktionen in den Spiegel schauen zu können. Bleibst du stets freundlich, wirst du dir im Anschluss nichts vorwerfen können und nichts bereuen.

Zusammenfassend finden sich nachfolgend noch einige Tipps für ein schwarzes Schaf im Umgang mit anderen auf der heimischen Weide:

  • Schütze deine Würde
  • Grenze dich von negativen Energien ab
  • Distanziere dich von Menschen, die dich Kraft kosten und bei denen du dich nach der Begegnung schlecht fühlst
  • Bleibe stets freundlich und respektvoll in der Kommunikation und zwar unabhängig davon, welche Reaktionen man dir angedeihen lässt
  • Übe dich in innerem Abstand, in meditativer Gelassenheit und einem friedlichen Leben

Das schwarze Schaf zu sein, kostet Kraft. Aber je stärker du wirst, desto lohnenswerter ist der Lebensweg. In diesem Sinne: Viel Erfolg! Und ein herzliches Määäh!