schillernder Opal

Das Prinzip Narzissmus kommt schillernd, facettenreich und immer auch ein wenig faszinierend daher. © James St. John under cc

Will man den Narzissmus verstehen und das breitere Prinzip Narzissmus, geht es zunächst darum, die einzelnen Komponenten des Charakters zu erfassen, bevor wir uns schließlich den Beispielen aus dem Alltag zuwenden und Betrachtungen über die Bedeutung anhängen.

Es gibt nicht die eine narzisstische Erscheinungsform und auch nicht das eine typisch narzisstische Verhalten, Denken oder Fühlen, sondern das Prinzip Narzissmus präsentiert sich in vielen Erscheinungsformen, die breit gestreut und zudem auch noch widersprüchlich sind, zwischen Individualismus und Anpassung, Elitärem und Banalem, Neid und Verachtung, Großartigkeit und Unterwerfung, Oberfläche und Tiefgang, Promiskuität und sexueller Hemmung. Gleichzeitig muss aber erkennbar sein, was diese Bereiche eint, so dass das typisch Narzisstische sichtbar wird und nicht auf einmal alles irgendwie narzisstisch ist. Auch wenn das Prinzip Narzissmus bewusst breiter gefasst ist, als die narzisstische Persönlichkeitsstörung, so gibt es doch noch jede Menge anderes, was nicht narzisstisch ist.

Da aber nicht alles was typisch narzisstisch ist in offener Form gelebt wird und den Betreffenden auch selbst nicht bewusst ist – das Unbewusste ist kein Bereich, den man vor anderen versteckt, sondern von dessen Existenz man selbst nichts weiß – müssen die narzisstischen Formen, die oft eine Abwehr gegen darunterliegende Konflikte sind zum einen dargestellt und zum anderen erklärt werden. So betrachtet erscheint das Prinzip Narzissmus nicht einpolig, sondern wie ein schillernder Opal, der aus allen Blickwinkeln etwas anders aussieht und doch bleibt muss ein Kern erkennbar bleiben.

Die Komponenten des Prinzips Narzissmus

Die Komponenten des Prinzips Narzissmus müssen zusammen auftreten. Nicht alle, nicht zu allen Zeiten, was schon deshalb nicht geht, weil manche scheinbar konträr sind, aber ein guter Teil sollte dabei sein, sonst handelt es sich nicht um Narzissmus. Erinnern wir uns an die stille Überzeugung im Hintergrund: Das Prinzip Narzissmus ist eine Abwehr gegen die Idee, dass es tiefe Beziehungen gibt, die auf Augenhöhe funktionieren und bei denen man sich wechselseitig wertschätzt. Eine tiefe Asymmetrie die Beziehungen ist bei allen Arten von Narzissmus notwendig und zugleich auch die Ursache, damit auch das Soziotop, in dem das Prinzip Narzissmus gut gedeiht, in dem es andererseits aber auch seine Umgebung weiter prägen kann. Beides wirkt wechselseitig auf einander ein. Dabei müssen wir das trennen, was als Phänomen zu sehen ist und das, was als Erklärung im Unbewussten dahinter steht. An der Oberfläche, also als reales und typisches Verhalten sichtbar und als eine unverzichtbare Komponente finden wir:

  • Idealisierung und Entwertung, Großartigkeit oder Grandiosität

Narzissten idealisieren in erster Linie sich und wenige geniale oder großartige andere, mit denen sich identifizieren, mitunter kann es sich dabei auch um eine Idee handeln. Das wird in aller Regel als Verlängerung des Selbst beschrieben, was man dann so übersetzen kann: Etwas ist großartig, weil ich mich dafür interessiere. Gleichzeitig erfahre ich meinen Glanz dadurch, dass ich auf diesem Gebiet zu den Großen gehöre. Ich bin großartig und meine Themen, Einstellungen und Interessen sind es demnach auch, würde sich so jemand wie ich sonst damit abgeben? Ein Begründungszirkel, der an beiden Enden bereits voraussetzt, was näher ausgeführt werden müsste: Warum es nämlich großartig ist, sich für genau dieses Thema zu interessieren und kein anderes. Klar, weil ich mich dafür interessiere, was wiederum voraussetzt, dass meine Meinung und Einschätzung besonders ist.

Narzissten tragen solche zirkulären Argumentationen mit großem Selbstbewusstsein – oder dem, was man dafür halten könnte – vor. Oft sind ihre Interessen repräsentativ für das, was man als hochstehend akzeptiert, manchmal besetzen sie aber auch Sonderthemen oder teilen mit, dass eine bestimmte Kombination, gerne jene, für die sie sich entschieden haben, der Gipfel dessen ist, was ein Mensch erreichen kann.

Handelt es sich um die Idealisierung eines anderen Menschen, so ist dem Narzissten an diesem Menschen alles wichtig, ihn gilt es zu verstehen und zu bewundern, ihm gilt es nachzueifern. Man selbst spiegelt sich in der Großartigkeit des anderen, weil man sich als dessen Geistesverwandten empfindet, aber als eigenständige Persönlichkeit tritt man nicht auf, eher als perfekter Nachahmer. Die Ideen des anderen werden oft gestohlen, das heißt Narzissten tun so als hätten sie genau das auch immer schon gedacht und nicht selten wird der großartige andere später entwertet. Zur Idealisierung gehört eben auch stets die Entwertung aller anderen, die scheinbar nicht begriffen haben, was im Leben wirklich wichtig ist. Je nach dem, wie stark die Psyche des Narzissten von Aggressionen durchdrungen ist oder diese gesellschaftlich gerade ventilieren, sind die Entwertungen “spaßiger” oder aggressiver.

  • Innere Leere

Sie ist ebenfalls unverzichtbar. Es gibt keine Narzissten ohne das Gefühl innerer Leere, wobei diese Leere Gefühl zu nennen schon wieder schwierig ist, denn man erlebt keine innere Leere, sondern auf der Erlebensebene oft quälendne Langeweile; das Gefühl, von der Welt getrennt zu sein; mitten drin und trotzdem nicht dabei zu sein, weil die anderen irgendwie lebendiger wirken und man selbst das höchstens spielen kann. Die innere Leere führt auch dazu, dass man mit sich selbst im Grunde nichts anfangen kann und sich unter Umständen sofort wertlos fühlt, wenn man nicht aktiv ist und seine Zeit vertrödelt, auf jeden Fall muss aber Unterhaltung her, Ablenkung, damit die Leere nicht zu sehr schmerzt.

  • Die rastlose Suche nach Beachtung

Ein weiterer unverzichtbarer Punkt für das Prinzip Narzissmus. Es geht um mich und ich habe das Gefühl, dass sich alle stets auf mich beziehen. Je nach Aggressionslevel kann das in der Variante, dass ich unverzichtbar bin und alle mich lieben daherkommen, oder in der argwöhnischen Varianten, dass zumindest einige es darauf angelegt haben, mir zu schaden und das ihr zentraler Lebensinhalt ist. Auch so bindet man das Leben anderer an die eigene Bedeutung, wenn gleich mehrere Menschen ihr ganzes Leben dem Versuch verschreiben, mich zu schädigen. Damit ist bereits vorausgesetzt und akzeptiert, dass ich ein ganz besonderer Mensch sein muss. Dass ich für andere Menschen gar nicht so wichtig sein könnte, dass sie sich von früh bis spät über mich Gedanken machen und entweder neidisch und bewundernd zu mit aufschauen oder mir zu schaden versuchen ist der Gedanke der so ungeheuerlich ist, dass er nicht toleriert werden kann. Denn ich bin der Nabel der Welt, alle haben nur mich im Fokus, wenn ich irgendwo auftauche bin ich die Hauptperson.

  • Kränkbarkeit und Wut

Ebenfalls ein elementarer Bestandteil des Prinzips Narzissmus ist die hohe Kränkbarkeit. Sie können, da sie mit ihren Ideen sozusagen verheiratet sind und sie diese idealisieren, es nicht haben, wenn man ihnen widerspricht, da der Widerspruch aufgrund der Idealisierung als Angriff auf die eigene Person gedeutet wird. Meine Ideen, das bin ganz ich. Aus dem dicken Buch des eigenen Lebens, wird daher, wenn man kritisiert wird, nicht ein Abschnitt von Seite 582 kritisiert, sondern das ganze Buch und das heißt die ganze Existenz wird dadurch verdammt. “Alles was Du je gemacht hast, ist schlecht”, so kommt Kritik bei einem Narzissten an. Dabei schließen sie von sich auf andere, denn wenn Narzissten Kritik äußern, ist so gut wie immer ein Entwertung des ganzen Menschen dabei, oft in Spitzen verpackt und in entwertenden Abmilderungen, dass man von “so jemandem” ja schließlich auch nicht mehr erwarten kann. Das durch Kritik anderer entstehende ganz große innere Drama ist durchaus die Sache von Narzissten, doch sie beruhigen sich nur schwer wieder und sind ungeheuer nachtragend, wenn man einmal Ungnade gefallen ist. Bei einem sehr bedeutenden Menschen ist eben jedes Detail wichtig und zu würdigen. Teilweise lautet das Urteil nach dem Fehltritt eines anderen lebenslänglich. Eben noch der beste Freund, ist man nun wertlos, weil man an der falschen Stelle widersprochen hat oder sich überhaupt den Luxus einer eigenen, abweichenden Meinung leistet. Narzissten inszenieren auch deshalb gerne Dramen, weil die ganz große Sache, wenn alles zur existentiellen Frage wird, die innere Leere füllt. Gegen den Stachel der Kritik schützen sie sich durch Idealisierungen, indem sie anderen von vorn herein die Kompetenz absprechen, von der Sache überhaupt Ahnung zu haben.

Nur eines ist für Narzissten noch schlimmer, als wenn man ihnen widerspricht, wenn man sie nicht beachtet. Damit sind wir wieder bei dem Punkt von eben. Wenn sie mit breiter Brust ausgestattet sind, werden sie selbst vorbeugen. Sie wissen, dass viele ihre Hobbys oder Ansichten nicht teilen, aber das hat für sie auch eine einfache Erklärung: nur die, die das eigene Niveau erreicht haben, sind auch in der Lage den wahren Wert dieser oder jener Idee zu erkennen und das sind eben nicht viele. So hält man die anderen, den Durchschnitt, auf Distanz mit dem man sich folglich nicht abzugeben braucht und wertet sich abermals auf, im Sinne der Idealisierung und Entwertung.

  • Neid
lachende Frau steckt sich etwas in den Mund

Vom finsteren Dämon bis zur Party Queen reicht das Prinzip Narzissmus. © Mark Surman under cc

Auch der Neid gehört zu jeder Form des Narzissmus, er wird oft auch kompensatorisch gelebt wird, das heißt, er ist nicht immer bewusst. Das heißt, man wertet sich auf, um das ständige Grundgefühl des Neids nicht spüren zu müssen. Ständig, auf alles und jeden neidisch zu sein, ist nichts, was man gut tolerieren kann, darum wird die Kompensation gelebt und die Variante gefühlt, dass man eigentlich gar nicht neidisch ist und sich und anderen versichert, dass man auch keinerlei Grund dazu hätte, schließlich läuft das eigene Leben ja bereits annähernd perfekt. Sicher gibt es hier und da noch etwas zu optimieren, aber da ist man selbst sein schärfster Kritiker, aber verglichen mit den geradezu lächerlichen Existenzen der meisten anderen, ist man ganz weit vorne. Denn, das was die anderen da haben, diesen Mist, nein den braucht man tatsächlich ist. Warum einem die anderen geradezu leid tun, wenn sie sich mit so einem minderwertigen Kram abspeisen lassen, das erzählt der Narzisst stets ausführlich und gerne. Nur, dass die anderen bei diesem billigen Mist echte Freude empfinden, wird ein wenig schmerzhaft erlebt. Oder, dass anderen egal zu sein scheint, wenn dass, was ihnen Freude bereitet als minderwertig abgetan wird und sie mit ihrer einfachen Existenz sehr zufrieden sind. Aber auch, dass andere mir meinen Erfolg von Herzen gönnen und sich mit mir freuen können, anstatt mich zu beneiden, wie es sich doch eigentlich gehört, wirkt etwas verstörend. Denn man kann nur zufrieden sein, wenn man oben ist und die anderen dominiert und man dann kann sich auch nicht mit anderen freuen können, denn der Erfolg des anderen ist fast immer einen eigene Niederlage. Außer, es ist der Erfolg eines Menschen, den man idealisiert. Nur hält man sich gerade so die (Welt der) anderen auf Distanz, worunter man dann auch wieder leidet, ohne es sich einzugestehen.

Am augenfälligsten ist dies bei der Suche nach Beachtung. Mehr als andere brauchen Narzissten die Bestätigung durch andere. Bekommen sie diese, sind sie neidisch, dass andere etwas können, was sie selbst nicht können, nämlich sich mit ihnen zu freuen, ihre Leistung anzuerkennen und weil das so ist, müssen sie das anerkennende Urteil der anderen klein machen, die ja doch nicht wirklich beurteilen können, was man da geleistet hat, wie sollten sie auch, dann wären sie ja so toll wie man selbst. Und Beziehungen und Wertschätzungen auf Augenhöhe, nein, die gibt es nicht, das ist allenfalls vorgespielt, diese Überzeugung ist der Hintergrund des Prinzips Narzissmus.

  • Die fehlende Fähigkeit zur Abhängigkeit, Kontrollzwänge und der ein eklatanter Mangel an Dankbarkeit

Da Narzissten anderen im Grunde nicht vertrauen und nur in ihren Augen minderwertige Leistungen delegieren, glauben sie nicht, dass jemand anderes als sie die Dinge auch gut und richtig machen kann. Sie können sich nicht wirklich entspannen und loslassen, wenn sie nicht die Kontrolle haben. Denn eines ist klar, nur so, wie ich es mache, ist es perfekt, daher auch der stille Wunsch aller Narzissten, den anderen nach und nach so zu machen, wie man selbst ist. Durch brutale Manipulation oder subtile Verbesserungsvorschläge hinter einer höflichen Fassade, wird der andere dahin geschoben, wo man ihn haben will, in Richtung Klon des eigenen Ich. Denn den anderen als anderen zu erkennen und wertzuschätzen, das misslingt Narzissten. Der andere ist im besten Fall auf einem guten Weg, wenn er für wert empfunden wird, vom Narzissten geformt zu werden.

Narzissten brauchen dieses Gefühl der Asymmetrie, sie haben nicht die Fähigkeit sich von einem anderen Menschen abhängig zu fühlen, was praktisch heißt, dass sie Partner wählen, die scheinbar dringend ihre Unterstützung brauchen, während man selbst den Partner eigentlich nicht braucht, sondern sich ihm nur widmet, weil man ein guter Mensch ist. Großartig, aber eben auch warmherzig, edel, hilfreich und gut. Zumindest, was das eigene Empfinden angeht. Da man sich großherzig gibt, allein schon deshalb, dass man sich überhaupt mit anderen abgibt, sind die anderen dem Narzissten zu stetem Dank verpflichtet, er hingegen schuldet anderen, auch bei einer Vorzugsbehandlung keinerlei Dank, schließlich bekommt er nur, was ihm nach gefühltem Recht zusteht. Narzissten bestehen regelrecht darauf, alles was sie geschafft haben, alleine geschafft zu haben, auch wenn sie es oft schaffen andere zu instrumentalisieren und andere bei ihrem Projekt kräftig einzuspannen, die aber froh sein können, im Dunstkreis des Großartigen agieren zu dürfen, auch wenn sie aus Sicht des Narzissten nur die minderwertige Arbeit machen, die in Prinzip jeder machen könnte. So muss man auch hier nicht dankbar sein und wenn überhaupt, so wird der Dank floskelhaft und ohne emotionale Beteiligung runter gerasselt, weil es sich so gehört und man schließlich gute Manieren hat.

Die Kontrollzwänge können mitunter aufreibend sein und in realen Stress ausarten, aber wer sollte besser wissen, wie es gut und richtig läuft, als jemand der vom Prinzip Narzissmus durchdrungen ist?

Weitere Zutaten des Prinzips Narzissmus

Eine oft quälende Langeweile ergibt sich aus der inneren Leere. Narzissten können mit sich nichts anfangen und langweilen sich oft auch in Gesellschaft, vor allem wenn ihnen diese unter ihrem Niveau erscheint, was oft der Fall ist. Im Kreis besonderer Menschen, da werden sie wach. Die Langeweile wird durch eine rastlose Suche nach neuen Aktivitäten und Projekten zu einem Teil gestillt. Diese Narzissten müssen immer aktiv sein und brauchen fortwährend Unterhaltung. Das kontrastiert zwar mit einer gewissen Faulheit, die manchen Narzissten auch eigen ist, der Hintergrund ist dann der, dass sie zwar Abwechslung und eine perfekte Welt erwarten, aber oft auch nicht gewillt sind, etwas dafür zu tun, die Welt hat sich gefälligst ihren Bedürfnissen anzupassen. Die Unfähigkeit Befriedigung im Privaten zu finden hat damit zu tun, dass Narzissten die große Bühne brauchen und auch als perfektes Paar lieber gesehen werden wollen, als dass sie mit sich selbst viel anfangen können. Das heißt, ein gewisser Exhibitionismus ist für das Prinzip Narzissmus typisch, damit ist nicht nur, aber auch sexueller Exhibitionismus gemeint. Der sexuelle Exhibitionismus präsentiert den eigenen Körper, neuerdings auch besonders die Geschlechtsmerkmale, was ehedem eher für den weiblichen Exhibitionismus galt, aber die Männer holen hier kräftig auf. Neben Bildern vom erigierten Penis, ist auch das eigene Pornovideo heute beliebt. Der nichtsexuelle Exhibitionsmus ist der Drang sich und alles was man macht ständig der Welt zu präsentieren, Selfies und Kurzvideos bieten dafür die ideale Plattform. Der Narzissmus hat sich insgesamt zur sexuellen Promiskuität verlagert, allerdings spielt gerade beim Narzissmus auch eine sexuelle Hemmung eine stärkere Rolle, die in schweren Fällen mit Impotenz einhergehen kann. (Näheres zum Narzissmus in Paarbeziehungen und Sexualität unter Narzissmus in der Liebe.)

Gut und Böse ist der Modus nach dem das Prinzip Narzissmus funktioniert oder anders ausgedrückt, eine Unfähigkeit Ambivalenzen zu erkennen oder zu ertragen. Freund und Feind, schwarz oder weiß, Eindeutigkeit bis zum Kitsch sind die Lebens- und Erscheinungsformen des Prinzips Narzissmus an dieser Stelle.

Ich hoffe, dass zu erkennen ist, wie ein Punkt der Komponenten den anderen bedingt und diese sich so wechselseitig verstärken. Fast alle diese Komponenten können auch bei anderen Erkrankungen vorkommen, die Kombination, vor allem allem der unverzichtbaren Symptome ist das, was am Ende das Prinzip Narzissmus erkennbar werden lässt.

Die gut gelaunten und die finsteren Narzissten

Das Prinzip Narzissmus verstehen wir aber nur, wenn wir die ihm innewohnende Hierarchie, als als Abfolge der Komplexität der inneren Organisation mit berücksichtigen. Die Lebens- und Erscheinungsformen des Prinzips Narzissmus präsentieren zunehmende Schweregrade, die im mehr oder minder Gesunden starten, um in den schwersten Formen der antisozialen Persönlichkeitsstörung zu enden. Die Erklärung, die es dafür gibt, ist die eines unfertigen, das heißt niemals umfassend ausgebildeten oder in der Regression zurückgestuften Gewissens oder Über-Ichs. Um einen früheren Artikel über das Gewissen knapp zu wiederholen: Das Über-Ich besteht aus drei Schichten, die zeitlich aufeinander folgen, aber sich nicht einfach ablösen, sondern interagieren, so dass das Über-Ich immer komplexer wird. Eine frühe erste Schicht, die als nur verbietend und/oder verfolgend erlebt wird, ohne es zu sein. Eine zweite, spätere Schicht, die gebietend ist, damit aber die Möglichkeit gibt, etwas richtig zu machen, ein gutes Kind zu sein. Schließlich eine dritten Sicht, die die ersten beiden ausgleicht und abmildert, so dass die Welt nicht untergeht, wenn andere oder man selbst nicht perfekt sind.

Bei den gut gelaunten Narzissten ist die dritte Schicht des Über-Ichs nicht hinreichend ausgebildet, weshalb es nicht zu einem milden Ausgleich von gut und böse/schlecht in der eigenen Psyche kommt, sondern man muss sich entscheiden. Milde Narzissten “entscheiden” sich für gute Laune oder mindestens eine oberflächliche Variante der Problemlosigkeit. Innerpsychisch ist der Grund, dass das Ich nun mit der verbleibenden zweiten, idealen Schicht korrespondiert und das bedeutet, dass etwas schematisch ausgedrückt, das Über-Ich dem Ich ständig signalisiert, dass es völlig okay ist und im Grunde ein annähernd perfekter Mensch. Praktisch hat noch nie jemand in sich erlebt, dass das Über-Ich dem Ich etwas übermittelt und das heißt, man hat einfach das Gefühl ein toller Typ oder eine perfekte Frau zu sein, die von allen bewundert, zumindest aber gemocht wird.

Narzissten wollen Aufmerksamkeit und auf dieser gut gelaunten Stufe beliebt sein und sind der Überzeugung, dass sie es auch sind. Probleme und Konflikte gibt es für sie nicht, außer, wenn miesepetrige andere die Party stören, die oberflächliche Witzchen und Banalisierungen nicht mehr spannend finden und in allem ein Problem suchen. Ihre Aggression liegt darin, dass sie jeden, der bei dem Leben als große Spaßveranstaltung nicht mehr mitmachen kann oder will, kühl abservieren.

Die finsteren Narzissten, die bis in den Bereich der Psychopathen reichen, suchen auch Aufmerksamkeit und Beachtung, aber sie wollen dabei nicht zwingend geliebt, sondern gefürchtet sein. Ihr Über-Ich ist noch weniger entwickelt und Aggressionen durchdringen ihren Charakter stärker als bei den gut gelaunten Narzissten oder dominieren bei den Regressionen in der Masse, sobald die Aggression von einem Anführer gespiegelt und verstärkt wird, der selbst hoch aggressiv im Sinne des malignen Narzissmus ist. Beim Über-Ich ist nur die erste, verbietende, verfolgende, sadistische Schicht entwickelt und das Selbsterleben dabei ist, dass man großartig ist, weil man mächtig und gefährlich ist, andere dominieren kann und diese Angst vor einem haben und einen deshalb beneiden. Das Prinzip Narzissmus verstehen wir bereits recht weitreichend, wenn wir die Komponenten in ihrer hierarchischen Anordnung und ihrem Mangel an ausgebildetem Über-Ich interpretieren.