Schlafdefizit

Fingerstellung bei Meditation

Um die richtige Haltung der Finger und andere Details ranken sich Legenden. © vasse nicolas, antoine under cc

Vor allem Männern passiert es, dass sie, wenn es mal nichts zu tun gibt, entweder nervös werden oder sofort wegdösen. Mit der Aufforderung loszulassen, ganz passiv zu werden und einfach mal abzuwarten und auf so etwas Banales wie den Atem zu achten, können viele Menschen überhaupt nichts anfangen, gerade jene, die es gewohnt sind, ständig etwas zu tun. So ist der Schlaf manchmal ein Aussteigen und eine Flucht, manchmal aber einfach auch Ausdruck eines Schlafdefizits. Immer mehr Menschen in Deutschland leiden gegenwärtig unter Schlafstörungen und da ist das Einschlafen bei geführter Meditation ein eleganter Ausweg.

Da das Unbewusste ein komisches Terrain ist, ist einschlafen zu wollen natürlich der beste Weg es nicht zu tun. Soll heißen, man sollte nicht so tun, als wolle man meditieren, wenn man in Wirklichkeit schlafen will, das führt ziemlich sicher zum Misserfolg. Wer jedoch ernsthaft meditieren will und das heißt, wach und bewusst zu bleiben, hat gute Chancen tatsächlich einzuschlafen. Rüdiger Dahlke, der viele CDs mit geführten Meditationen besprochen hat und der jeden Morgen selbst meditiert, rät bei chronischem Einschlafen einfach die geführte Meditation zu nutzen und zu warten, bis man wieder wach ist, daraufhin zu versuchen, die Meditation erneut zu Ende zu hören und so fort, bis es einem gelungen ist, zum ersten Mal die geführte Meditation ganz und bewusst zu erleben.

Ich glaube, es ist vollkommen normal, dass man gelegentlich einschläft, mir ist das im Liegen bei geführter Meditation oft genug selbst passiert. Auch das ist jedoch nicht ohne Reiz. Abgesehen von der Erholung macht man die Erfahrung, dass selbst im Schlaf irgendein Teil in uns doch noch zuhört, was man nicht selten daran bemerkt, dass kurz vor dem Ende der geführten Meditation wieder wach wird. Aber das kennt man, wenn man Abends beim Fernsehen einschläft und kurz vor Ende der Sendung von selbst wieder wach wird. Ein anderes interessantes Phänomen ist mir öfter passiert, vor allem in der Zeit, als es noch Kassetten gab. Da diese sich eben mit einem hörbaren “Klack” abschalteten, wurde ich öfter mal von diesem Geräusch geweckt, was dann, wenn ich irgendwo zwischen Wachen, Meditieren und Schlafen war, mit synästhetischen Wahrnehmungen einher ging, die ich normalerweise nicht habe, in dem beschriebenen Bereich aber öfter. Soll heißen, das Klack-Geräusch wurde von unterschiedlichen Farben und Formen begleitet, ein interessantes Phänomen.

Das Ende vom Anfang

Doch warum meditiert man überhaupt? Zur Entspannung, Erbauung, Therapie, aus Neugierde, Abenteuerlust oder Ehrgeiz? Die Gründe sind vielfältig, Ehrgeiz spielt sicher auch eine Rolle. Erleuchtung zu erlangen, ist für den jungen und wilden Anfänger oft eine Verlockung, mehr geht nicht, aus spiritueller Perspektive. Nach und nach muss man von den Vorstellungen, die man mit Erleuchtung verband, sicher das eine oder andere streichen und längst nicht jeder interessiert sich überhaupt für das Thema, der Exotenfaktor – Echt, du meditierst? – ist seit Jahren verpufft und doch betritt man, wenn man die erste Phase, wenn sie länger als ein einmaliger Versuch oder ein zufälliges Wochenende dauert, überstanden hat, eine andere Welt, eine Welt, die in Zukunft immer bedeutsamer werden könnte, und die uns an die Ufer neuer Erkenntnisse führen kann.

Meditation kann viel, verlangt aber auch viel, ist aber möglicherweise eine Königsdisziplin des Lebens. Davon mehr im nächsten Teil der Serie.