Auch im Herbst eine Pracht und als entpannendes Waldbaden extrem gut für das Immunsystem. © Michael Mueller under cc

Als entspannte Wachsamkeit, könnte man das Bündel der Covid-19-Strategien für Herbst und Winter überschreiben. Wie in einem Baukastensystem lernen wir auf allen Gebieten die mit Covid-19 zusammen hängen nahezu täglich dazu, hier und da mit überraschenden Wendungen.

Inzwischen werden wir mit einem Wust von Zahlen, Daten, Meinungen und Vorschlägen fast erschlagen. Wir stellen Ihnen die wirklich wichtigen Zahlen in knapper Form dar und gehen auf aktuelle Kontroversen ein.

Die Quote der Neuinfizierten pro Zahl der Getesteten

Wer 100.000 Tests macht, findet mehr Infizierte, als jemand der 100 Tests fährt. Was also interessiert, ist die Relation oder das Verhältnis der positiv Getesteten pro Anzahl der durchgeführten Tests. Das RKI gibt eine wöchentliche Auflistung dieser Zahl heraus, die weitaus aussagekräftiger ist als die Zahl der positiv Getesteten allein.

Entgegen dem was man landläufig hörte – während man sich nur auf die Zahl der Neuinfektionen fokussierte – ist die Quote der positiven Neuinfektionen pro Zahl der Tests seit Wochen gefallen. Dass dies kaum mitgeteilt wurde, ist von einigen Seiten zurecht kritisiert worden. Erstmalig wurden die Zahlen in der 10. Kalenderwoche (KW), Anfang März, erhoben und dort ergab sich eine Positivquote von 3,12%. Obwohl in der Folge deutlich mehr getestet wurde stieg auch die Quote bis zur KW 14 sehr stark an, auf 9,03%.

Ab der KW 15 sank die Quote, bei einer weiteren Zunahme von Tests aber kontinuierlich auf einen Wert von 0,86% in der KW 24. In der KW 25, in der Mitte des Juni, gab es eine leichte Trendumkehr, 1,37% war nun der Wert, doch schon in der KW 26 setzte sich der Trend fort und in KW 28, Anfang Juli, gab es die beste je gemessene Quote von 0,59%. Bis zur KW 32 wurde es dann wieder schlechter, 1,00% war die Quote, um dann erneut besser zu werden, auch in jenen Zeiten, in denen von immer mehr Neuinfektionen die Rede war – was stimmte – gleichzeitig sank die Quote der positiv Getesteten aber wieder ab, bis auf einen guten Wert von 0,74% in den Kalenderwochen 35 und 36. Und dieser Wert ist viel aussagekräftiger, als es die Neuinfektionen sind. In den letzten beiden Wochen ist er wieder gestiegen, erst auf 0,86% und nun auf 1,19% in der KW 38, es gibt also Grund zur entspannten Wachsamkeit.[1][2]

Haben die Infizierten Symptome und wenn ja, welche?

Infiziert zu sein heißt erst mal gar nichts, außer, dass man andere anstecken kann. Das ist unabhängig davon, ob man selbst etwas von der Infektion bemerkt. Viele merken ein wenig, aber keine starken Symptome, manche auch gar keine. Darin liegt auch die eigentliche Gefahr der stillen Verbreitung.

81% der Fälle gelten als milde Formen, 14% als schwer und 5% als so schwer, dass sie auf die Intensivstation müssen.[3] Eine weitere Sicht der Schweregrade besteht in der Einteilung:

Ein Hauptziel für den Herbst ist daher, wie zu Beginn der Pandemie, zu verhindern, dass die Intensivstationen (und Beatmungseinheiten) zu voll werden, was bisher, wenn auch mit etwas Glück, gut gelaufen ist.

Schwere Formen haben zwei Ursachen. Zum einen, durch ein zu schwaches Immunsystem. Das finden wir vor allem bei alten, immunreduzierten (etwa durch Chemotherapie oder Organtransplantation) und adipösen Patienten. Zum anderen durch ein überreagierendes Immunsystem. Dies ist seltener, kann aber auch junge Menschen betreffen und ist auf eine fulminante Entzündung der Adern zurückzuführen.

Wie viele Menschen sterben an Covid-19 in Deutschland?

Analog der Situation bei den Infektionszahlen finden in der KW 15 den Höhepunkt der Todeszahlen im Zusammenhang mit Covid-19. Es begann mit 17 Toten in KW 11, Anfang März. In KW 15 sind es 1736, danach sinken die Todeszahlen langsam, aber kontinuierlich, sind ab der KW 18 nur noch dreistellig und ab KW 24 sogar wieder zweistellig. Das Statistische Bundesamt stellt aktuell die Zahlen bis zum 23. August 2020 dar.[4] Die Todeszahlen sind in den letzten Wochen so um 30 Tote pro Woche stabil geblieben, in den letzten Tagen steigen sie an. Derzeit leider wieder mit zweistelligen Todeszahlen pro Tag. Auch das ein Grund nicht nachlässig zu werden, aber verglichen mit den Zahlen von April braucht man nicht in Panik zu geraten, da wir über die Monate mehr Infizierte aber weniger Tote zu verzeichnen haben.

Inzwischen geklärt: Man stirbt an und nicht mit Covid-19

Ein Streitfall konnte inzwischen geklärt werden. Diverse Pathologenvereinigungen stellen fest, dass die Menschen tatsächlich an Covid-19 sterben, in mehr als drei von vier Fällen, die Infektion als Haupt- oder alleinige Todesursache zu sehen ist und sie verkürzt die normale Lebenserwartung statistisch um etwa 10 Jahre.[5]

Viele Infizierte, wenige Tote? Wie gefährlich ist Covid-19 denn nun?

Es infizieren sich wieder mehr Menschen mit SARS-CoV-2, die Zahl der Toten steigt aber (bei uns) nicht dramatisch. Man kann einen Gesamtüberblick in einem laufenden Prozess nicht ziehen, es kann nur ein Zwischenbilanz sein. Die sieht so aus, dass Covid-19 weniger tödlich ist, als man zunächst dachte und die Sterblichkeitsrate erscheinen lässt. Der Grund ist, dass es eine Dunkelziffer bei den Ansteckungen gibt, bei der die meisten davon ausgehen, dass sie über den Daumen gepeilt 10 mal größer ist, als die Rate der offiziell Infizierten. Hier gibt es also eine größere Unsicherheit. Die Zahl der Covid-19 Toten ist allerdings genauer zu bestimmen, wenn auch nicht in allen Ländern gleich gut, aber man merkt recht gut, wenn jemand tot ist. Mancher Covid-19 Tote wird nicht als solcher erkannt werden, aber hier ist die Dunkelziffer deutlich geringer.

Eine 10 mal höhere Infiziertenzahl, bei annähernd gleicher Todeszahl, das heißt, dass man das Komma bei der Sterblichkeitsrate um eine Stelle nach links verschieben kann, Covid-19 ist also zehn mal weniger tödlich, als die offiziellen Zahlen es aussagen ohne, dass diese manipuliert wären, wie auch Prof. Hendrik Streeck anmerkt.

Das macht Covid-19 aber auf der anderen Seite nicht zu einem Schnüpfchen. Es ist wieder Prof. Streeck der nach Sichtung der Zahlen schätzt, dass Covid-19 4 bis 5 mal stärker als eine Grippe ist und wegen der betreiben wir schon einigen Aufwand.[6]

Wie auch bei anderen Infektionskrankheiten gibt es Menschen, die gefährdeter sind als andere, das müssen gar nicht immer ältere sein, aber bei Covid-19 sind die Älteren am stärksten betroffen.

Infektions- und Verlaufsrisiko

Das Infektionsrisiko ist das Risiko sich überhaupt anzustecken, das Verlaufsrisiko ist die geschätzte Prognose, wie stark oder schwach die Infektion dann verlaufen wird. Beides ist nicht dasselbe, hängt aber andererseits zusammen.

Wie steckt man sich an und mit welcher Gefahr?

Tröpfchen

Anstecken kann man sich über Flüssigkeitströpfchen, in denen die SARS-CoV-2 Viren enthalten sind. Mit diesen Tröpfchen wird man konfrontiert, wenn einem jemand ins Gesicht niest, hustet und abgeschwächter, wenn jemand laut spricht oder singt und man davor steht. Der Ausstoß feiner Tröpfchen ist beim Niesen erstaunlich weit (bis zu 10 Meter) die Zahl der Viren, die im Luftstrom sind ist extrem hoch, das Risiko sich anzustecken ebenfalls.

Die Tröpfchen sind vergleichsweise schwer, sinken also zu Boden oder setzten sich auf Oberflächlichen ab, so nach etwa 10 bis 15 Minuten.

Aerosole

Aerosole sind feiner verteilte Tröpfchen, die beispielsweise durch Klimaanlagen immer wieder durch den Raum gepustet werden und so zu einer immer höheren Viruskonzentration führen – weil Infizierte ja permanent atmen – irgendwann so hoch, dass man sich infiziert. Die Viruskonzentation (Zahl der Viren in Raum) ist in aller Regel aber geringer, als wenn man direkt mit einem sogenannten Ausscheider konfrontiert ist, der einen dann noch anhustet. Aerosole bleiben Stunden in der Luft, vor allem, wenn die Luft immer wieder angesaugt wird und ohne Austausch zirkuliert, nimmt die Zahl der Viren pro Raumeinheit zu.

Luftaustausch und ein Nachrüsten der Klima- und Belüftungsanlagen sind hier die Lösung, die hier und da schon eingesetzt wird.

Oberflächen

Die seltenste Art sich anzustecken ist über Oberflächen, etwa wenn jemand auf den Tisch niest, hustet oder an viel angefassten Knöpfen, Türklinken, Fenstergriffen und dergleichen. Man infiziert sich, wenn man diese Gegenstände anfasst und sich nachher, in Schleimhautnähe durch Gesicht reibt. Regelmäßig Desinfektion der betreffenden Oberflächen und Hände waschen hilft.

Die Zahl der Viren mit denen man konfrontiert ist, scheint stark über den Verlauf zu entscheiden. Wer auf einmal mit einer hohen Zahl von Viren konfrontiert ist, weil jemand ohne Maske im Supermarktgang geniest hat und man 30 Sekunden danach durch den unsichtbaren Nebel geht, kann man einen schweren Verlauf bekommen, wird man frontal angehustet natürlich umso mehr (aber man kann auch die Luft anhalten, sich wegdrehen und den Bereich verlassen).

Von Ärzten und Pflegern weiß man, dass sich nicht nur alte und kranke Menschen infizieren. Die Schutzmaßnahmen zu Beginn der Pandemie waren miserabel, entsprechend hoch die Virenkonzentration, was das zu schweren Verläufen und Todesfällen auch bei jungen und gesunden Menschen führte. Für Grippeviren ist der Zusammenhang zwischen Virenzahl und Schweregrad nachgewiesen, für Covid-19 ist er daher aus guten Gründen anzunehmen.[7] Daraus folgt, das jede Form der Verringerung der Viren-Konzentration hilft, durch die bekannten Maßnahmen Lüften, Masken, Entfernung, oder Filteranlagen, die Viren herausfiltern oder abtöten.

Neben der Zahl der Viren, mit denen man konfrontiert ist, ist das persönliche Covid-19Risikoprofil für den Verlauf der Infektion nach wie vor entscheidend.

Straffung und Update des Covid-19-Risikoprofils

Eine lange Version des Covid-19-Risikoprofils haben wir bereits dargestellt, hier wiederhole ich noch mal die wichtigsten von mir recherchierten Faktoren und kombiniere sie mit der Arbeit von Thorsten Wiethölter (die ich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung meines Risikoprofils noch nicht kannte), der akribisch alles, was er an Daten zu Covid-19 und statistischen Korrelationen gefunden hat, ausgewertet und in einer eigenen Veröffentlichung dargestellt hat. Das Herzstück ist der tabellarische Datensatz auf der Seite 27.

Wie nicht anders zu erwarten, decken sich die Daten zu einem größeren Teil mit den üblichen Risikofaktoren.

Der wichtigste statistische Risikofaktor ist und bleibt das Alter und auch bei Wiethölters Datensatz sind Faktoren, die direkt mit dem Alter zu tun haben, 9 mal auf den erst 11 Plätzen vertreten.

Starkes Übergewicht ist bei ihm, wie auch allgemein, ebenfalls ein großer Risikofaktor.

Drogensucht ist bei Wiethölter ein relevanter Punkt, der nicht näher klassifiziert ist. Insbesondere Kokain (aktuell eine Modedroge) könnte jedoch sehr schädlich sein, weil es die Adern verengt und Covid-19 eine Entzündungsreaktion der Aderninnenwände darstellt, die dadurch schon verengt sind, so dass die Blutversorgung irgendwann unterbrochen ist, was zur Lungenembolie mit Atemnot führen kann.

Ein hoher Anteil der Bevölkerung die in Städten leben, sowie eine hohe CO2-Emissionsrate sind ebenfalls signifikante Risikofaktoren, zudem die Haushaltsgröße. Das ist allerdings eine Überraschung, denn wer alleine wohnt, ist – anders als man durch das reduzierte Ansteckungsrisiko denken könnte – stärker gefährdet. Thorsten Wiethölters Daten werden gestützt durch einen Artikel im Wissenschaftsjournal Spektrum: Wer den Viren trotzt. Dort wird die schützende Bedeutung von sozialen Kontakten und ihrer entspannenden und dadurch das Immunsystem stabilisierenden Wirkung betont.

Die sozialen Kontakte wirken dabei, wie im Artikel ausgeführt, auch kausal. In Studien konnte die entzündungshemmende Wirkung von Sozialkontakten nachgewiesen werden. Die von mir aufgeführten Faktoren Armut und soziale Ausgrenzung sind kompatibel mit seinem Datensatz und der Erklärung des Artikels: Ausgrenzung bedeutet Stress, der schwächt das Immunsystem. Die zentrale Bedeutung eines intakten Immunsystems bleibt nach wie vor erhalten. Mäßiger Alkoholkonsum wirkt dabei gegen das überschießende Immunsystem, das eine Gefahrenquelle vor allem für schwere Verläufe bei jüngeren Menschen darstellt. Auch hier ist Entspannung der Hintergrund.

Nerven-, Gehirn- und psychische Erkrankungen spielen bei ihm ebenfalls eine große Rolle als Risikofaktor. Unklar ist, ob das Risiko erhöht ist, weil sich die betroffenen Menschen krankheitsbedingt nicht ausreichend an die Bestimmungen von Abstand, Maske und Hygiene halten können, oder ob es eine kausale Erklärung gibt. Vorschädigungen durch Bluterkrankungen und COPD sind in der Liste ebenfalls als Risikofaktoren zu finden.

Wiethölter stellt unter anderem heraus, dass die diversen Lockdowns keinen relevanten Effekt auf die Infektionszahlen haben, ein interessanter Punkt, der im Rahmen des persönlichen Risikoprofils allerdings nicht wichtig ist.

Es gibt jedoch einen sehr erstaunlichen und kontroversen Wert in Wiethölters Datensatz. Die höchste Korrelation überhaupt besteht zwischen Covid-19 Toten und Menschen die 65 Jahre oder älter sind und eine Grippeimpfung hinter sich haben. Dieser Punkt ist kontrovers, aber meines Erachtens wichtig. Ich habe versucht die Daten nachzuprüfen und bin bei ersten Versuchen ebenfalls auf den statistischen Zusammenhang gestoßen. Wir diskutieren mögliche Ursachen.

Die wirklich wichtigen Streitfälle

Streifall Grippeimpfung

In diesen Tropfen liegt die Hoffnung vieler, die auf einen Impfstoff gegen die Coronaviren warten. © Papiertrümmer under cc

Ursachen für den Zusammenhang zwischen 65-Jährigen und älteren Grippegeimpften und Covid-19 Toten können zum einen darin liegen, dass diese Gruppe alt ist und bevorzugt natürlich alten Menschen mit Vorerkrankungen geraten wird, sich gegen Influenza impfen zu lassen. Auf der anderen Seite muss man aber auch fragen, ob die Zahl der Toten dann nicht geringer sein sollte, wenn die Grippeimpfung wenigstens indirekt – indem zum Beispiel das Immunsystem sich nicht auch noch mit einer Virusgrippe abgeben muss – auch gegen Covid-19 helfen soll.

Denn dass man sich gerade jetzt gegen Grippe impfen lassen soll, wird von vielen Seiten geraten. Aufgrund eines ‘eindeutigen’ Computermodells, von dem es dann unten im Artikel heißt, die Studie müsse “noch von Fachkollegen begutachtet werden.”[8] Überzeugend klingt anders.

“Gleichzeitig eine Grippewelle und die Corona-Pandemie könne das Gesundheitssystem nur schwer verkraften.” So heißt es bei tagesschau.de, Quelle sind Jens Spahn und Karl Lauterbach.[9] Als Grund wird die drohenden Überlastung der Intensivstationen genannt, ein an sich guter Grund, denn dass diese nicht überfüllt werden, ist sehr wichtig. Auf der anderen Seite schützen die Maßnahmen, die wir gegen die Coronaviren ergriffen haben – Abstand, Hygiene und Maske tragen – auch vor Influenzaviren und es gibt Ärzte, die erwarten, dass die Grippesaison genau aus dem Grund in diesem Jahr schwächer ausfallen wird. Der einzelne Betroffene, der zu einer Risikogruppe gehört, möchte aber vielleicht genau wissen, was er tun und lassen sollte und so wäre eine Aufklärung dieser Datenlage für alle Beteiligten wünschenswert.

Streitfall Maske

Die meisten Menschen sind mit den Coronamaßnahmen laut Umfragen zufrieden und auch die jüngsten Wahlen dürfen als Indikator gelten, die Gegner der Maßnahmen konnten dabei nicht punkten. Dennoch gibt es hartnäckige Streits unter anderem um die Maske. Kritisiert wird wahlweise, dass sie nichts bringen würde oder die Situation durch unsachgemäßen Gebrauch der Maske, die dann irgendwann selbst zur Keimschleuder würde, sogar verschlimmern würde.

Beide Argumente können allerdings nicht gleichzeitig gelten. Wenn eine Maske zur Keimschleuder wird, dann kann das nur heißen, dass sie diverse Keime abhält und diese sich eben in der Maske verfangen. Es gibt Gründe anzunehmen, dass sie das auch tatsächlich tut. Dadurch kann sie aber wirklich zur Keimschleuder werden, dazu später mehr.

Ein Gegenargument stammt von der Hautärztin Karina Reiß, die mit Sucharit Bhakdi einem emeritierten Professor und Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie gegen die offizielle Interpretation anschreibt und -redet. Eines ihrer Argumente lautet, dass die Masken unwirksam seien, was man an den nun einsetzen Fällen von Erkältungskrankheiten durch Rhinoviren sehen könne.

Rhinoviren sind jedoch kleiner und kontakiöser als Coronaviren, das heißt nur wenige Viren reichen (ähnlich wie bei Noroviren), um sich anzustecken, hier auch durch Oberflächen, auf denen sie bleiben. Viren haben, wie auch Bakterien und andere Erreger sehr unterschiedliche Eigenschaften.[10]

Dass die Masken nichts bringen würden ist daraus nicht abzuleiten, zumal viele den leichten Verlauf und das frühe Ende der letztjährigen Grippesaison auf die bekannten Kombination von Maßnahmen zurückführen. Richtig ist jedoch, dass die Maske richtig getragen, abgenommen und öfter gewechselt werden muss. Eine bräunlich verfärbte Maske, bei der die dünnen Gewebefäden von der Seite sichbar sind, weil sie schon seit 2 Wochen getragen wird, hat keinen schützenden Effekt. Das richtige Tragen und Abnehmen, damit sie schützt, ist allerdings keine weitere Zumutung, bei der man die Augen verdrehen sollte, sondern eine Selbstverständlichkeit, den Autogurt wickelt man sich schließlich auch nicht um den Hals. Wieder ein Fall für entspannte Wachsamkeit.

Masken reduzieren die augenblickliche Viruskonzentration, dadurch, dass sie den Strom der Tröpfchen mindern, sie stellen eine Maßnahme in Kombination mit den anderen dar. Kostenlose Masken für Bedürftige, in ausreichend hoher Zahl wären wünschenswert.

Streitfall Corona-Impfung

Viele sehen im Corona-Impfstoff die ultima ratio, doch wann einer oder mehrere Impfstoffe kommen, die kein Experiment am lebenden Menschen sind, ist noch nicht zu sagen. Viele Labors forschen, doch was die Impfung letztlich bringt, zu wie viel Prozent sie schützt und wie lange, wann sie kommt und für wen, kann niemand sagen. Über Risiken und Nebenwirkungen weiß man auch erst mehr, wenn genügend Menschen, geimpft und über längere Zeit untersucht worden sind. Ob man da zu den ersten gehören will, ist Geschmackssache, irgendwer muss jedoch auch den Anfang machen.

Viele meinen, dass eine Kombinaton mehrerer Impfstoffe eine Lösung ist, oder sich bestimmte Impfseren für spezifische Typen als geeignet erweisen werden. Auf mittlere Distanz liegt auf Impfstoffen eine sicher berechtigt hohe Hoffnung.

Streitfall Messmethoden und ihre Darstellung

Ob die Tests genau genug sind und was überhaupt genau genug wäre, ob die richtigen Daten erfasst wurden, welche das sind und wie diese dargestellt wurden. All das wurde bereits kritisiert. Ein Wirrwarr an statistischen Feinheiten, bei dem sich selbst Statistiker nicht einig werden. Das RKI hat sich aber angreifbar gemacht, da man eingleisig auf die Zahl der Neuinfektionen verwiesen hat, statt auf die Quote der Positivtestungen, wie oben dargestellt. Und das ist nicht der einzige Punkt.

Innerhalb des RKI gibt es eine Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI), die die Laborstests für respiratorische (die Atemwege befallende) Viren erfasst, auswertet und regelmäßig veröffentlicht. Seine Daten erhält das AGI von diversen Arztpraxen aus sechs verschiedenen Bundesländern, nach Auswertung der dortigen Rachenabstriche.

Zwischen der KW 10 und 15 wurden auch insgesamt 13 positive SARS-CoV-2 Abstriche erfasst, die meisten in KW 14, nämlich 4 Stück. Das war damals schon wenig, im Vergleich zu den sonstigen respiratorischen Viren, aber erstaunlich ist eigentlich, was ab der KW 15 passierte, denn die Zahl der ab da bis heute nachgewiesenen SARS-CoV-2 Abstriche ist 0.

Es war Oliver Märtens, der zuerst auf diesen Zusammenhang hinwies und ihn in Das Schweigen der Viren veröffentliche. Der aktuell verfügbare Influenza-Monatbericht für die KW 33 bis 36 (8.8. bis 4.9.2020), zeigt, dass sich daran bis zum 4.9.2020 nichts geändert hat.

Coronaleugner und Panikmacher

Fast 90% der Bundesbürger ist mit dem staatlichen Umgang mit der Coronakrise zufrieden[11], ein sehr hoher Wert, der nur Dänemank und Australien übertroffen wird. Dennoch organisiert sich ein lautstarke Minderheit, die sich aus verschiedenen Quellen speist.

Es ist zu einfach und unfair, diese Menschen als Covidioten abzustempeln oder pauschal in die rechte Ecke zu stellen. Manche von ihnen sind sicher seltsam, einige sind jedoch gut informiert und folgen ihrer durchaus oft nachvollziehbaren Logik. Man könnte ihnen vorwerfen, dass sie sich zu stark auf ‘ihre’ favorisierten Quellen und Experten stützen, jedoch gilt das auch für die offizielle Seite, bei der durchaus nicht alles widerspruchsfrei ist.

Coronaleugner, ihre Strategien und Hintergründe

Ob Coronaleugner nach einer festen Strategie vorgehen darf bezweifelt werden. Eher nutzen sie, mehr intuitiv als geplant, die Mittel einer Emotionalisierung der Debatte. Frust, Wut und Empörung, sowie die wechselseitige Selbstbestätigung über die Richtigkeit ihrer Sichtweisen, Experten und Quellen.

Die Vorgehensweise beider Lager sind annähernd spiegelbildich: Covid-19 wird von den Leugnern konsequent verharmlost, ein Schnüpfchen, wenn es nicht überhaupt ein Medienfake ist. Niemand wird krank, keiner stirbt und wenn, dann mit, statt an Covid-19. Alle offiziellen Zahlen sind von Trotteln erhoben, die nicht wissen, was sie tun oder durchtrieben sind. Die Bilder der Toten, allesamt Fakes.

Alle Schäden der Maßanhmen werden dagegen konsequent aufgebauscht. Ein totaler Einbruch der Wirtschaft, gepaart mit einer rigiden Einschränkung der Freiheit, überall Menschen, die unter dramatischen psychischen Folgen leiden, eine Gesellschaft mit Millionen Menschen, die kurz vor der Revolution stehen. Es wird sich bemüht Skandale aufzudecken, die keine sind, alle offiziellen Zahlen und Sichtweisen werden nicht geglaubt.

Eine bunte Truppe von Querdenkern, bestehend aus Rechten, Hippies, Reichsbürgern, Esoterikern, Impfskeptikern und so weiter, gemischt mit ‘ganz normalen Menschen’, die keiner ideologischen Gruppe angehören. Was sie eint, ist ein in den letzten Jahren gewachsenes Misstrauen gegen das sogenannte Establishment. Das Misstrauen mag überzogen sein, ganz falsch ist es nicht.

Panikmacher, ihre Strategien und Hintergründ

Die erste Phase der Pandemie verlief bei uns recht glücklich, da Italien das erste europäische Land war, was herber erwischt wurde, wir hatten Zeit uns vorzubereiten. Das Ergebis lässt sich sehen, aktuell weniger als 10.000 Tote in einem großen Land, freie Intensivbetten, manchmal mehr durch Glück als Geschick.

Irgendwann wurden die Strategiewechsel nicht mehr gut mitgeteilt, es wurden – in der Sache nachvollziehbare – neue Ziele ausgegeben, aber es gab auch Ansätze zu Strategien, die alles andere als gelungen und glücklich waren: “Wie wir Covid-19 unter Kontrolle bekommen”[12], so lautete ein in Teilen stark missglücktes Strategiepapier, in dem Ende April die Lage analysiert und Strategien erarbeitet wurden.

Insbesondere Kapitel 4, das sich um die Kommunikation kümmert, ist deutlich missraten, wenn wir lesen:

“Wir müssen wegkommen von einer Kommunikation, die auf die Fallsterblichkeitsrate zentriert ist. Bei einer prozentual unerheblich klingenden Fallsterblichkeitsrate, die vor allem die Älteren betrifft, den-ken sich viele dann unbewusst und uneingestanden: «Naja, so werden wir die Alten los, die unsere Wirtschaft nach unten ziehen, wir sind sowieso schon zu viele auf der Erde, und mit ein bisschen Glück erbe ich so schon ein bisschen früher». Diese Mechanismen haben in der Vergangenheit sicher zur Verharmlosung der Epidemie beigetragen.

Um die gewünschte Schockwirkung zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseu-chung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden: …”[13]

Eine Emotionalisierung der Debatte ist eigentlich das Niveau des Boulevardjournalismus, der Rekurs auf Ängste der Bevölkerung (das Wort “Urangst” wurde sogar unterstrichen) ist aber nicht nur emotionalisierend, sondern darüber hinaus auch noch handwerklich dumm.

Wenn schon, ist es gut Sicherheit und Kompetenz auszustrahlen und zu zeigen, dass man weiß, wo es lang geht, was man tut und dass man die Sache im Griff hat. Angst macht nicht gefügig, sondern Angst fördert aggressives Misstrauen, in dessen Folge es zu regressiven Tendenzen kommt, die überhaupt nicht zu kontrollieren sind. Da dies ein sehr wichtiger, aber offenbar in weiteren Kreisen unbekannter Punkt ist, gehe ich in einem eigenen Artikel demnächst darauf ein.

Da auch die Zahl Tests zu dieser Zeit eher mau ausfielen, muss man den Entscheidern zugute halten, dass sie das Papier offenbar selbst nicht sonderlich ernst genommen haben.

Verstörend ist auch, wenn die Polizei (die aktuell genug mit sich selbst zu tun hätte), die Gunst der Stunde nutzt und bei der Strafverfolgung auf Namenslisten von Restaurants und anderen Veranstaltungen zurück greift, auch das vergrößert das Vertrauen nicht.

Abfällige Begriffe, wie “Covidioten” oder eine vorschnelle Zuschreibung von Kritikern, als zur rechten Ecke gehörend, schaffen auch eher eine Entfremdung, mit einem trotzigen Gemeinschaftsgeist, den manche nutzen könnten.

Fazit und Ausblick

Der Herbst und Winter 20/21 wird entscheidend werden. Es ist zu erwarten, dass die Fallzahlen ansteigen, schließlich erleben wir Herbst und Winter zum erstem Mal mit Covid-19, die Anfälligkeit für (die meisten) Viren steigt in dieser Zeit. Wir haben alle viel gelernt in den letzten Monaten, allerdings sind auch viele der Maßnahmen überdrüssig.

Entspannte Wachsamkeit ist das Gebot der Stunde. Die meisten Menschen werden ohnehin weiter mit machen, mit den Skeptikern sollte man in einem Dialog bleiben, die Emotionalisierung eher heraus nehmen und die wichtigen Daten betrachten und klar machen, welche das sind.

Die Logistik ist besser, wie Bevölkerung fitter, viele wissen, wie sie ihr Immunsystem verbessern können. Die Therapiemethoden der Ärzte sind besser geworden, man kennt das Virus inzwischen sehr gut, es bleibt für die Risikogruppen dennoch sehr gefährlich.

Irgendwann kommt wieder der Frühling, dann die ersten Resultate von geimpften Menschen, vielleicht auch aus Ländern, denen man nicht unterstellen muss, dass sie die Daten schönen. Es sind mehr Menschen infiziert gewesen, wodurch sich die Hintergrundimmunität verbessert.

Covid-19 wird wieder ernster genommen werden, denn inzwischen kennen immer mehr Menschen Bekannte oder Verwandte mit schwereren Verläufen, das verändert die Sichtweise noch einmal.

Die Relation von Infizierten und Toten wird aktuell bei uns besser, weil die Ärzte mehr Erfahrungen haben, aktuell jüngere Menschen erkranken und wenn wir großes Glück haben, sich der Fokus des Infektionsgeschehens (durch Virusmutationen) vom Lungen- auf den Nasen-, Rachenraum verlagert hat. Das würde bedeuten, dass es weniger Thrombosen im in Bereich der Lunge gibt und weniger Menschen an einer Pneumonie oder Überreaktion des Immunsystems sterben.

Wir werden weiter mit Covid-19 leben müssen, doch die Krankheit dürfte austrudeln. Der Umgang mit ihr ist nicht auf ein einziges Fachgebiet zu reduzieren, wir sehen seit der Spanischen Grippe vor etwa 100 Jahren und seit AIDS in den 1980ern erstmalig wieder eine virale Infektionskrankheit, die uns alle, in vielen Lebensbereichen berührt, mit Verwerfungen, die mitunter dramatisch sind. Dennoch sind Infektionskrankheiten nicht das einzige Problem, mit dem wir gerade umgehen müssen.

Quellen