Genauso weitreichend wie das Erscheinungsbild können die Ursachen von Schizophrenie sein.

Ursachen von Schizophrenie

Nach derzeitigem Forschungsstand spielen für die Entstehung und mögliche Chronifizierung einer Schizophrenie neurobiologische, psychologische und soziale Faktoren eine Rolle (Robert-Koch-Institut, 2010). Man nimmt an, dass eine biologisch bedingte Vulnerabilität (“Verwundbarkeit”) auf externe, umweltbezogene Belastungen trifft (sog. Vulnerabilitäts-Stress-Modell). Dies können unter anderem kritische Lebensereignisse, Konflikte oder anhaltender Stress sowie auch biologische Stressoren sein. Kann der Betroffene diesen Stressoren nichts entgegensetzen, etwa durch geeignete Bewältigungsstrategien, könnte es bei entsprechender genetischer Disposition zur Entstehung einer Schizophrenie kommen.
Ein Zusammenspiel mehrerer Gene scheint als genetische Ursache von Schizophrenie in Frage zu kommen. Einige wurden bereits identifiziert, andere sind noch in der Erforschung.

Ferner: “Zur Krankheitsdisposition tragen zu etwa 80 % genetische Faktoren bei. Sie kann auch erworben oder durch externe Faktoren verstärkt werden, sei es durch eine frühkindliche Schädigung in der Hirnentwicklung (z.B. aufgrund von Infektionen während des für die Hirnentwicklung besonders kritischen zweiten Drittels der Schwangerschaft oder Komplikationen wie Sauerstoffmangel während der Geburt), durch Erkrankungen des Gehirns (z.B. Hirnhautentzündung), durch Schädigung durch Alkohol- oder Drogenabusus der Mutter während der Schwangerschaft oder durch eigenen Substanzmissbrauch in der Pubertät.” (zitiert nach RKI, 2010)

Drogen und Schizophrenie

Mauer mit Schrift Marihuana Revolution

Ursachen von Schizophrenie: Drogen können ein Auslöser von Psychosen sein. © Daniel Lobo under cc

Studien weisen darauf hin, dass illegale Drogen wie Kokain, LSD, bestimmte Pilze, aber auch Cannabisprodukte wie Haschisch und Marihuana “die Erkrankung (vorzeitig) auslösen oder zu einer Wiedererkrankung führen” können (vgl. RKI, 2010). Problematisch ist hierbei unter anderem der Konsum von Drogen in der Jugend.
“Die Tendenz zum früheren und extensiveren Konsum fällt in eine kritische Phase der Hirnentwicklung und kann bei bestehender Vulnerabilität zu einer früheren Manifestation einer Schizophrenie führen, was – insbesondere bei fortgesetztem Drogenkonsum – eine verlaufsprognostisch sehr ungünstige Konstellation ist. Daten aus einer Studie an schwedischen Rekruten weisen auf ein um etwa 7-fach erhöhtes Risiko für eine spätere Schizophrenie bei regelmäßigem Cannabiskonsum hin.” (zitiert nach RKI, 2010; vgl. Zammit et al., 2002)

Protektive Faktoren

Neben den Risikofaktoren scheinen sich einige Faktoren schützend in Bezug auf die Erkrankung auszuwirken, beziehungsweise deren Verlauf günstig zu beeinflussen (RKI, 2010). So scheint eine hohe Stressbewältigungs- und Problemlösekompetenz von Vorteil zu sein. Darüber hinaus eine gute soziale Einbindung. Weiterhin hat offenbar das “weibliche Geschlechtshormon Östrogen aufgrund seiner modulierenden Wirkung im Dopaminsystem eine gewisse Schutzwirkung”.

Behandlungen von Schizophrenie setzen zum einen auf neurobiologischer Ebene an, zum anderen auf psychologisch-sozialer.

Behandlung von Schizophrenien

Um den Ursachen von Schizophrenie etwas entgegensetzen zu können, wird zum einen medikamentös behandelt.
“Die bessere Verfügbarkeit pharmakotherapeutischer Verfahren und deren vermehrte Anwendung in Kombination mit psycho- und soziotherapeutischen Methoden haben die Behandlungsmöglichkeiten schizophrener Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten grundlegend verbessert und die durchschnittliche stationäre Behandlungsdauer erheblich auf mittlerweile durchschnittlich 34,9 Tage verkürzt.” (zitiert nach RKI, 2010; vgl. Statistisches Bundesamt, 2008)

Dank derzeitiger Behandlungsansätze auf pharmakotherapeutischer, psychologischer und sozialer Ebene verläuft die Erkrankung deutlich milder als früher und den Betroffenen kann mehr Lebensqualität ermöglicht werden (RKI, 2010).

Somatische Behandlung von Schizophrenie

Gesichter aus Kugeln geformt

Psychopharmaka im Einsatz bei Schizophrenie © Philippe Put under cc

Medikamentös behandelt wird mit Antipsychotika, die fortwährend verbessert werden, um deren Nebenwirkungen (z.B. je nach Medikament: unwillkürliche Muskelbewegungen, Haltungsstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Gewichtszunahme, Sedierung) so gering wie möglich zu halten. Je nach Symptomatik werden auch Sedativa (z.B. bei Schlafstörungen, Ängsten) sowie Antidepressiva (z.B. bei depressiver Symptomatik und zur Suizidprävention) eingesetzt.

Und aus dem Spektrum der nicht-pharmakologischen somatischen Behandlungsverfahren:
“Eine Elektrokrampftherapie (EKT) gehört bei einer akuten lebensbedrohlichen Katatonie, bei schwerer depressiver Symptomatik und hoher Suizidalität zu den Therapieoptionen der ersten Wahl.” (zitiert nach RKI, 2010)

Psychologisch-soziale Behandlung von Schizophrenie

Aus psychologischer Sicht lernen die Betroffenen bewährte Copingsstrategien, um mit Stressoren besser umgehen zu können und etwaige bisher bestehende, schädigende Bewältigungsstrategien, wie sozialer Rückzug, Substanzmissbrauch etc. zu ersetzen. Kognitiv-Verhaltenstherapeutische Verfahren sind vor allem die Methode der Wahl. Psychoedukation, um über die Erkrankung und deren Symptome aufzuklären, ist ebenfalls notwendig.
Soziotherapeutische Maßnahmen zielen unter anderem darauf ab, dass die Betroffenen ihre sozialen Kompetenzen stärken, damit eine berufliche und soziale Wiedereingliederung möglich wird, was wiederum Stabilität im Alltag gewährleistet und vorteilhaft für das Selbstbewusstsein der Betroffenen sein kann.
Die Zusammenarbeit mit den Erkrankten sowie den Angehörigen (soziale Einbettung) kann nur dann fruchtbar sein, wenn eine ausreichende Compliance (Bereitschaft zum Mitmachen) besteht. Diesbezüglich sind besonders die Angehörigen gefragt, zum Beispiel wenn krankheitsbedingt die Einsicht des Betroffenen herabgesetzt ist.

Mobile App zur Behandlungsüberwachung

Um den Betroffenen mehr Normalität schenken zu können, beschäftigen sich neuere Forschungsansätze mit der Möglichkeit, dank mobiler Technologien Symptome und Behandlungserfolge zu überwachen (Bonet, 2017). Bezüglich der Erfolgsbewertung solcher Maßnahmen ist allerdings noch weitere Forschung vonnöten.

Fazit: Der Schwere dieser einschneidenden Erkrankung versucht man mit detaillierter Erforschung der Ursachen von Schizophrenie sowie fortlaufender Entwicklung von modernen Behandlungsansätzen, die ein individuelles Leben für die Betroffenen ermöglichen, etwas entgegenzusetzen. Hierbei konnten bereits große Erfolge erzielt werden, welche die Chancen für Schizophrenie-Erkrankte deutlich verbessern.

Quellen