Augen hinter Maske

Ninjas vermeiden aussichtslose Kämpfe © Mish Sukharev under cc

Raus aus der Opferrolle! Das ist der erste und wichtigste Tipp, den man jemandem geben kann, der mit psychischer Gewalt konfrontiert ist. Leichter gesagt als getan, da man ohne es zu wollen zum Opfer geworden ist und Umstände ins Leben traten, von denen man am Tag zuvor nie etwas geahnt hätte. Der Terror geht über Wochen und nicht selten über Jahre, die Rechtslage ist etwas besser geworden, aber manchmal bescheiden.

Doch in der öffentlichen Wahrnehmung Opfer zu sein und die Opferrolle anzunehmen, das sind zwei Paar Schuhe. Zunächst einmal muss man akzeptieren Opfer zu sein. In dem Moment, wo man darauf wartet, was der Stalker oder wer auch immer wohl als nächstes macht, ist das der Fall und der Täter in der eigenen Psyche präsent. Ein “Ich lass mich nicht unterkriegen” ist bereits eine Reaktion darauf. Entscheidend ist, ob man Opfer bleibt und anderen die Regie überlässt.

Aktiv werden!

Hier gibt es verschiedene beispielhaft ausgewählte Strategien. Wer Telefonterror ausgesetzt ist, kann eine Fangschaltung installieren lassen und wird postwendend vom Gejagten zum Jäger. Jeder Anruf ein Beweismittel, je mehr, desto besser. Psychisch ist die Rollenumkehr ein immenser Wandel.

Beim Mobbing an Arbeitsplatz oder Schule kommen mehrere Komponenten zusammen. Manchmal ist es einfach Pech, ein Zusammentreffen unglücklicher Umstände und die Situation ist nicht mehr zu retten. Hier sind heldenhafte Kämpfe oft sinnlos, denn worum geht es letztendlich? Einen Job zu behalten, in dem man nie mehr glücklich wird? Wenn die Mobbingsituation weit fortgeschritten ist, ist das kleinere Übel oft, aus der Situation rauszugehen und irgendwo neu anzufangen, um Ruhe und Gesundheit, das übergeordnete Ziel, zurückzugewinnen.

In der Frühphase kann man sich den Chefmobber zur Brust nehmen und mit ihm ein klärendes Gespräch führen oder eine Supervisionssitzung einberufen lassen, später wird das immer schwieriger. Ist man allerdings zum wiederholten Male Mobbingopfer, so ist die Chance groß, dass es auch Ursachen in der eigenen Persönlichkeit gibt und denen muss man psychotherapeutisch nachgehen um die Opferrolle ablegen zu können.

Aktivität heißt also die Situation zu verändern, nicht Kampf um jeden Preis.

Stalking: Völlige Ignoranz!

Stalker haben verschiedene Motive, ein verlässliches Gegenmittel ist völlige Ignoranz. Schwer durchzuhalten, weil der psychische Druck beträchtlich ist, aber die Kombination aus Ignoranz und Grenzsetzung durch Behörden ist das, was auf lange Sicht den größten Erfolg verspricht.

Professionelle Hilfe einzuholen ist darum die weitere Strategie. Kripo, sozialpsychiatrischer Dienst, Anwälte, Gerichte können dem Täter nach und nach zeigen, dass sein Verhalten nicht folgenlos bleibt, verbunden mit der anhaltenden Ignoranz des Gestalkten, die manchmal auch professionelle Unterstützung brauchen.

Gezielt Öffentlichkeit herstellen, ist die Strategie bei Bedrohungen und Mobbing durch Einzelne. Der Täter hat die Schamgefühle des Opfers mit auf der Rechnung, wer hier über seinen Schatten springt, kann den Spieß umdrehen und dem Täter den sadistischen Spaß verderben, indem er ihm ein Druckmittel entzieht.

Denn was hochemotional aussieht, ist oft kühl kalkuliertes Theater. Psychopathen können gezielt Emotionen einsetzen und vorspielen, die sie nicht empfinden. Der Liebesschwur unter Tränen dient dazu, die emotionalen Daumenschrauben anzuziehen, das Verwirrspiel von Liebe und Aggression voranzutreiben.

Ist der Täter tatsächlich ein Heißsporn, wird er Fehler machen, ein Nachteil, denn damit verliert er die Kontrolle, um die es ihm oft geht.

Die Opferrolle ablegen: Strategien

In der Kriminalpsychologie hat sich Tit for Tat aus der Spieltheorie bewährt. Kurz gesagt: Man kooperiert, wenn der andere kooperiert und wenn der andere dies nicht tut, schaltet man in den grenzsetzenden Modus, kehrt aber sofort wieder zur Kooperation zurück, sobald der andere kooperiert. Im Fall von Bedrohungen muss die Antwort drastisch ausfallen, am besten schon beim ersten Mal. Der Täter muss spüren, dass er schweren Widerstand zu erwarten hat, immer wenn er unkooperativ wird und wenn das bis jetzt nicht der Fall war, dann eben ab jetzt.

Das Ziel ist: Lass mich in Frieden. Wir können miteinander umgehen, aber überschreite niemals (wieder) meine Grenzen.

Eigene Opfermuster kann und sollte man aufdecken und verändern. Auf die Idee sollten Menschen kommen, die mehrfach, in verschiedenen Konstellationen, Opfer wurden. Psychopathen haben im wahrsten Sinne einen Blick für Opfer und man kann nicht so tun, als sei man keines, aber man kann eigene Muster ändern und die Opferrolle ablegen.