fünf alte Pappschachteln mit Medizin

Homöopathie – nur Placebo? © Jonathan Wilson under cc

Vom Placeboeffekt spricht man immer dann, wenn ein Präparat oder Verfahren, dessen medizinische Wirkung nicht nachgewiesen wurde, beim Patienten eine heilende Wirkung entfacht.

Der Placeboeffekt ist ein mysteriöses Phänomen, zeigt uns aber zugleich die immense Kraft und Bedeutung unserer Psyche. Über lange Jahre galt er als das Schmuddelkind der Medizin, vielleicht war konsequente Placeboforschung auch deshalb eher wenig bekannt.

Heute weiß man, dass die Darreichungsform einer Arznei einen Einfluss auf ihre Wirkung hat. Form, Größe und Farbe von Tabletten entscheiden über die Heilung, je nach Krankheitsbild, unterschiedlich mit. Die großen Weißen, die man kaum schlucken kann, helfen gut bei Schmerzen. Spritzen sind wirksamer als Tabletten, diese sind wirksamer als Tropfen, selbst wenn sie den gleichen Wirkstoff enthalten.

Aber das ist nicht alles: Nicht nur die Darreichungsform der Medizin entscheidet, sondern auch wer sie verabreicht. Der Chefarzt wirkt besser, als die Schwester, bei identischer Medikamentengabe.

Doch auch das deckt den komplexen Placeboeffekt längst noch nicht ganz ab. Gibt ein Arzt Patienten ein unspezifisches Vitaminpräparat mit der Botschaft, er wisse auch nicht genau was der Patient hat, aber vielleicht könne das Mittel hier helfen, dann ist die Wirkung signifikant geringer, als wenn der gleiche Arzt dasselbe Mittel mit den selbstsicheren Worten verabreicht: “Ich weiß, was sie haben. Nehmen sie das hier, das wird ihnen schnell helfen.”

Der Placeboeffekt bei Tieren

Auch bei Tieren ist der Placeboeffekt zu beobachten, hier muss man allerdings genau hinschauen. Bei dem was man aus der Literatur kennt, ging es in erster Linie um Ratten, die man konditioniert hat. Man gab ihnen beispielsweise erst ein Immunsupressivum, das man dann schrittweise gegen eine Kochsalzlösung austauschte, so dass zunächst immer weniger und am Ende gar kein Wirkstoff mehr enthalten war. Der immununterdrückende Effekt blieb dennoch vorhanden, so stark, dass man den Tieren ohne Abstoßungsreaktion Organe transplantieren konnte. Der Effekt hielt ungefähr 100 Tage an.

Erstaunlich, doch man muss sich vor Augen führen, dass dies auf eine Konditionierung zurückgeht und dies nur ein weiterer Baustein des Placeboeffektes ist, aber längst nicht der ganze Effekt.

liegender Hund mit großen Ohren vor Trommeln

Gesund durch Placebo? © Mark Kelly under cc

Denn, dass man Tiere konditionieren kann, war längst bekannt, was Tiere aber nicht haben, sind komplexe Erwartungen. Es interessiert das Meerschweinchen nicht, ob der Arzt eine weithin anerkannte Koryphäe ist oder der erstbeste Tierarzt um die Ecke. Hund und Katze nehmen an der Diskussion um alternative oder Schulmedizin nicht teil und den Wellensittich wird es kalt lassen, wie lange der Arzt nach dem passenden Mittel gesucht hat.

Ob Herrchens Begeisterung die Erklärungslücke schließt?

Der Placeboeffekt und die alternative Medizin

Allein mit dem Placeboeffekt zu arbeiten wird häufig der sogenannten alternativen Medizin unterstellt. Manchmal wird suggeriert, der Placeboeffekt sei nur ein Phänomen der alternativen Medizin, was nicht stimmt. Wer seine bewährte Kopfschmerztablette nimmt, wird auf einen pharmakologischen Effekt hoffen dürfen, aber garantiert ist auch der Placeboeffekt dabei. Schon allein deshalb, weil dieses Mittel einem eben immer schon geholfen hat.

Das ist nicht weiter schlimm, nur wird mitunter suggeriert, der Placeboeffekt sei eine Mogelpackung. Wirken könne nur etwas, wenn auch was “drin” sei und der pharmakologische Wirkmechanismus eindeutig geklärt. Jede gelungene Psychotherapie widerspricht dem, denn da ist “nichts drin”, wirken tut sie dennoch.

Jede Behandlung (eines Menschen) im realen Leben, umfasst immer die Kombination von nachweisbarer Wirkung und Placeboeffekt. In der größten je durchgeführten Studie zur Wirksamkeit der Akupunktur, der Gerac-Studie, kam dann auch als Ergebnis heraus, dass die “echte” Akupunktur nur geringfügig besser abschnitt, als die Placebo-Akupunktur. Dies wurde gelegentlich so gedeutet, dass an der Akupunktur ja nichts dran sein könne, außer dem Placeboeffekt. Dabei wurde aber oft unter den Tisch fallen gelassen, dass sowohl die echte, als auch die Placebo-Akupunktur der Vergleichsgruppe, die konventionell, also nach den gängigen Regeln der ärztlichen Kunst behandelt wurden, bei weitem überlegen waren.

Es wirft Fragen auf, wenn wir unterstellen, dass die Akupunktur einzig und allein vom Placeboeffekt profitiert: Wenn die Kombination von Placebo und nachgewiesener Wirkung der reinen Placebo-Wirkung weit unterlegen ist, müssen wir unsere Kriterien ernsthaft hinterfragen oder die Akupunktur wirkt und wir wissen bisher nicht wie oder der Placeboeffekt ist in einigen Fällen atemberaubend stark. Dann sollten wir zusehen, dass wir ihn verstehen und kultivieren.