Zwei Menschen stehen nachts vor einer Mauer und betrachten Lichtquelle

Das Licht wird oft als Zeichen der Intelligenz betrachtet. © Ed S. Johovac under cc

Die kognitive Intelligenz ist das, was wir allgemein als Intelligenz bezeichnen und verstehen.

Der Zusatz kognitiv dient der näheren Bestimmung, weil der Intelligenzbegriff immer mal wieder erweitert wurde, auf Bereiche wie emotionale oder soziale Intelligenz und wir wollen schauen, wie seine Beziehung zu anderen wichtigen Lebensbereichen ist.

Aufhänger ist ein Interview, das ich neulich mit der Psychologin und Professorin für Lehr-Lern-Forschung an der ETH Zürich, Elsbeth Stern hörte, es ging um den Zusammenhang von Intelligenz und Glück.[1] Ihre Definition ist wie folgt:

Intelligenz ist die Fähigkeit logisch zu denken, Informationen effizient aufzunehmen und mit dem bestehenden Wissen zusammen zu bringen.

Man kann als intelligenter besser lernen und aus bekanntem Material neue Schlüsse ziehen. Intelligenz ist zu einem Teil vererbt, braucht aber auch eine anregende Umwelt, die das Potential hebt. Dabei kommt es auch auf die Fähigkeit Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen an.

Eine zu westliche Sichtweise der Intelligenz?

Das könnte eine Möglichkeit der Kritik am Intelligenzbegriff sein, dass man ihn zu sehr auf das reduziert, was unseren Vorstellungen von Intelligenz entspricht. In einem anderen kulturellen, zeitlichen oder geographischen Umfeld könnte Intelligenz sich viel mehr auf praktische Fähigkeiten beziehen, wobei das dem Begriff des logischen in Beziehung Setzens auch nicht widerspricht.

Wenn das bestehende Wissen keine formale Logik bedeutet, sondern ein Verständnis der sozialen Regeln und Beziehungen in meiner Umgebung, so ist das mit dieser Definition möglich und auch die Fähigkeit Spuren im Wald zu lesen, kann als ‚Informationen effizient aufzunehmen und mit dem bestehenden Wissen zusammen zu bringen‘ begriffen werden.

Dennoch ist auch bei uns der zu enge Intelligenzbegriff kritisiert und vor allem von Howard Gardner in Bereiche jenseits der Logik erweitert worden. Doch die empirischen Ergebnisse mit seinen Begriffen waren uneinheitlich und das Problem ist, dass ein zu weit ausgedehnter Intelligenzbegriff auch irgendwann die Trennschärfe verliert. Dennoch gibt es in den Bereichen, die Gardner jenseits klassischer Intelligenz ansiedelt, zu denen in der Regel logisch-mathematische, sprachliche und räumlich-visuelle Fähigkeiten gehören ergänzend die musikalische, körperliche, naturalistische, soziale und intrapersonelle Intelligenzen, also die Fähigkeit zur Innenschau.

Ein anderer Punkt ist es, darauf hinzuweisen, dass kognitive Intelligenz nicht alles im Leben ist. Das stimmt zweifellos, dennoch ist und bleibt Intelligenz eines:

Ein sehr positiv besetzter Begriff

Das sieht man vor allem daran, dass ein Mangel an Intelligenz in aller Regel nichts ist, was man haben will, wer will schon dumm, schlicht oder unintelligent genannt werden? Aber als smart oder intelligent zu gelten, ist auch ohne den Kontrast etwas, was man sich wünscht und wenn von gentechnischem Einfluss auf Kinder die Rede ist, will man oft Erbkrankheiten vermeiden und gleich darauf kommt die mögliche Vergrößerung der Intelligenz zur Sprache.

Der von Elsbeth Stern vorgestellte Intelligenzbegriff ist angenehm lebensnah, vielleicht sogar etwas dröge. Es geht um vorausschauendes Denken und die Fähigkeit mit den normalen Problemen, die das Leben eben so bietet, auf konstruktive und durchdachte Weise umzugehen.

So wird kognitive Intelligenz vielleicht als einzige Einschränkung mit einer gewissen analytische Kühle assoziiert, die etwas distanziert und vielleicht nicht immer sympathisch wirkt, aber die Forschung sagt, dass es hier überhaupt keinen Zusammenhang gibt, das heißt, intelligente Menschen können kühl und distanziert, aber auch warm, gesellig und offen sein.

Überhaupt ist kognitive Intelligenz oft kein Gegensatz zu anderen wichtigen Bausteinen der Psyche, wir haben nur öfter die Neigung Intelligenz und Emotionalität als Gegensätze zu betrachten. So ist es auch mit dem Verhältnis von

Intelligenz und Glück

Intelligenz und Glück zeigen eine statistisch positive Korrelation. Das heißt, dass intelligentere Menschen in aller Regel etwas glücklicher sind, als weniger intelligente, aber das ist eben nur Statistik und außerdem ist die kognitive Intelligenz nur ein Baustein des Glücks.

Das Klischee vom etwas schlichten Menschen, der mit seinem einfachen Weltbild bestens zurecht kommt, ist damit mindestens statistisch widerlegt. Probleme und Hindernisse haben intelligente Menschen, wie alle anderen auch, nur bessere Fähigkeiten mit ihnen umzugehen und oft zeichnen sie sich durch eine bessere Planung im Vorfeld aus. Zudem unterlassen sie unfruchtbare Streits, weil sie absehen können, dass diese nichts bringen.

Das Ergebnis ist insofern interessant, weil Intelligenz und Glück gerne gegen einander ausgespielt wurden, man dachte, dass intelligente Menschen eventuell etwas kompliziert sind, alles zerdenken, aber das hat sich nicht bestätigt. Natürlich gibt es unglückliche intelligente Menschen und glückliche, die eher schlicht sind, aber der positive statistische Zusammenhang ist eben dennoch zu sehen.

Aber auch eine andere Fähigkeit, die der Intelligenz gegenüber gestellt wurde, lebt, bei näherer Betrachtung zu wesentlichen Teilen von der Intelligenz, gemeint ist die

Emotionale Intelligenz

Die emotionale Intelligenz ist ein Teil der von Gardner vorgeschlagenen multiplen Intelligenzen, sie gleicht der sozialen Intelligenz, eingeführt wurde der Begriff von dem Psychologen John D. Mayer und dem Sozialpsychologen Peter Salovey, populär vor allem durch den Psychologen und Journalisten Daniel Goleman und sein Buch EQ – Emotionale Intelligenz.

Was dort als EQ behandelt wird zerfällt wesentlich in die Bereiche Empathie, Impuls- oder Affektkontrolle und ein Gespür für sozial erwünschten und erfolgreichen Umgang in der Kommunikation. Die Fähigkeit zur Impulskontrolle ist genetisch bedingt, aber sowohl der sozialen Kommunikation, als auch der Empathie spielt die Intelligenz selbst wieder eine zentrale Rolle.

Mit Empathie ist die warme Empathie gemeint, die den anderen nicht nur erfolgreich ausrechnet und also auch manipulieren kann, sondern wirklich mit ihm fühlt und auf seine Stimmungen und Sorgen eingeht. Um zu spüren, welche sozialen Regeln in einer bestimmten Gemeinschaft gelten und wer in der Hierarchie eines Betriebes oder sonst wo, welche Position inne hat, braucht es eben auch die Fähigkeit, die oft komplexen Rollen zu erfassen, zu deuten und in Beziehung zu setzen, ein Paradedisziplin der Intelligenz.

Intelligenz und Erfolg

Der Zusammenhang zwischen EQ und Erfolg im Leben wird in Golemans Buch zum großen Teil auch der Impulskontrolle zugeschrieben, hier insbesondere der Fähigkeit schnelle, aber kleine Belohnungen aufzuschieben, zugunsten größerer, die man erhält, wenn man die kleinere, die man direkt zur Verfügung hat, ausschlägt und sich beherrscht.

Weitere Faktoren sind Fleiß, auch hier aus der Einsicht, dass die aktuelle Mühe und ein Verzicht, etwa als Kind zu lernen, wenn andere draußen spielen oder sich in der Studienzeit überwiegend vergnügen, während man selbst auch hier den Lohn erst später bekommt, durch bessere Noten oder eine bessere Ausbildung. Das entspricht weitgehend der Strukturiertheit bei wichtigen Entscheidungen des Lebens, von der auch Stern sprach.

Also Folgen für das eigene Leben abschätzen können und dabei verschiedene Komponenten mitsamt ihren Auswirkungen erfolgreich in Relation zu setzen und diese auch noch in Relation ihrer Bedeutung für das eigene Leben zu sehen. So ist es auch bei

Moral und Intelligenz

Die Beziehung zwischen beiden ist asymmetrisch, alle moralisch hoch entwickelten Menschen sind intelligent, aber nicht alle intelligenten Menschen sind moralisch hoch entwickelt.

Man wird ein verträglicherer Mensch, wenn man höhere Stufen der Moral, manche würden dann Ethik sagen, nicht nur versteht, in dem Sinne, dass man die Konzepte wiedergeben kann, sondern auch einsieht, dass und warum man selbst nach entwickelten ethischen Prinzipien handeln sollte und diese für uns alle gelten.

Das ist oft hoch komplex und man braucht jede Menge Intelligenz dazu, vor allem weil Ethik auch darauf abzielt, wie das Zusammenleben aller funktioniert. Das wirklich zu verstehen und einzusehen, statt es nur auswendig zu lernen und aufsagen zu können, ist ein gewaltiger Unterschied und auch hier finden wir, dass die Intelligenz vorangeht. Sie ist notwendig, aber nicht hinreichend, würde man sagen.

Kognitive Intelligenz ist oft ein uneinheitliches Konzept

Der hier behandelte Intelligenzbegriff ist einer von vielen und er wurde immer wieder auch anders definiert. Doch allen Definitionen haftet ein gewisser Grad von Willkür an, mehr scheinbar bedeutende Begriffe unseres Lebens sind kaum definiert oder in zig verschiedenen Formen, wie etwa Leben, Wahrheit oder Bewusstsein.

So sind auch bestimmte Korrelationen, wie Impulskontrolle und Erfolg etwas, was gut klingt, aber was heißt denn Erfolg? Manche Menschen führen ein nach öffentlichen Maßstäben erfolgreiches Leben, sind aber kreuzunglücklich. Vermutlich ist Glück für das Individuum der bedeutendere Faktor.

Der Intelligenzbegriff könnte tatsächlich zu sehr auf die Bedürfnisse der westlichen Mittelschicht ausgelegt sein und wenn man begründet, dass intelligente Menschen eben auch glücklicher oder was auch immer sind, sind diese bestätigenden Kriterien auch oft an den Maßstäben unserer Gesellschaft ausgerichtet.

Es ist zwar eine nachvollziehbare Aussage, dass wenig intelligente Menschen keine aufdeckende Psychotherapie machen können, weil dazu ein gewisse Grundintelligenz notwendig ist, um die Deutungen auf das eigene Leben zu beziehen und umzusetzen. Dass effektives Planen sicher zu Vorteilen führt, die andere nicht haben, ist auch nachvollziehbar, aber auf der anderen Seite könnte man sich auch Gesellschaften vorstellen, in denen für andere besser gesorgt wird, so das viel weniger Menschen psychisch krank werden, sozial oder ökonomisch zurück bleiben.

Vermutlich wäre kognitive Intelligenz auch dann noch eine wünschenswerte Eigenschaft, aber es würde inzwischen nicht mehr schaden, wenn wir uns nach gesellschaftlich anderen Ausrichtungen umschauen.

Quellen:

[1] Sind intelligente Menschen glücklicher? – WDR 5 Neugier genügt – 21.12.2022, https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-neugier-genuegt-freiflaeche/audio-sind-intelligente-menschen-gluecklicher-100.html