Gesprochen wird viel – immer und überall. Um es mit den Worten des österreichisch-amerikanischen Kommunikationswissenschaftlers und Psychotherapeuten Paul Watzlawick zu sagen: Man kann nicht nicht kommunizieren. Blicke, Mimiken, Körperhaltungen zählen zur nonverbalen Kommunikation. Zu einer guten Sozialkompetenz benötigt man also auch eine gute Kommunikation. Wie man erfolgreich kommuniziert.

Wie geht man an ein Gespräch heran?

Nicht nur in Vorstellungsgesprächen ist die Vorbereitung wichtig. Auch bei anderen Gesprächen sollte man sich vor Augen führen, was das Ziel der Kommunikation ist.

Zielführende Kommunikation

Kinder am Strand Fußball

Auf unterschiedliche Art zum selben Ziel: erfolgreich kommuniziert © Hernán Piñera under cc

  • Wozu dient mir dieses Gespräch?
  • Ist es bloße Plauderei oder gar eine Verhandlung, bei der ich ergebnisorientiert vorgehen muss?
  • Wie lange plane ich für ein Gespräch ein?

Der zeitliche Rahmen eines Gespräches ist nicht unerheblich. Oftmals wiederholen sich im Laufe des Dialogs die gesagten Meinungen, was wenig zielführend ist. In einer erfolgreichen Kommunikation sind Pausen und Vertagungen ebenso entscheidend. So haben beide Seiten die Möglichkeit, das Gespräch für sich zu resümieren und hinsichtlich etwaiger Zugeständnisse zu prüfen. Dies ist auch ein Vorteil von schriftlicher Kommunikation. Hier nimmt die Mail inzwischen den Stellenwert ein, den einst Briefe eingenommen haben. Verglichen mit einem Chat, der eher einem spontanen Austausch gleicht, kann in einer Mail spezifischer formuliert und genauer auf den Punkt gebracht werden, was man eigentlich sagen/schreiben will.

Die Gesprächsführung: erfolgreich kommunizieren

Für ein gutes Gespräch ist Schweigen wichtig.

Reden ist …

“Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.” In der heutigen Zeit von Selbstdarstellung und größtmöglichen “Sendezeitanteilen” in der sozialmedialen Welt ist dieser Grundsatz so wahr wie nie zuvor.

  • Nicht, wie gut kannst du dich ausdrücken, sondern, wie gut kannst du schweigen?
  • Lass dir und dem anderen Zeit zum Nachdenken. Manchmal muss Gesagtes erst reifen.

Die Information aus der Botschaft des anderen herauszulesen und gezielt und respektvoll darauf einzugehen, ist die hohe Kunst der Kommunikation.

Objektive Realität?

Ein anderer Kommunikationsgrundsatz des Kommunikationsexpertens Watzlawick ist, dass es keine objektiv richtige Realität gibt.

Der Glaube daran, dass die eigene Sicht der Realität die einzige Realität sei, ist die gefährlichste aller Wahnvorstellungen.

(Paul Watzlawick)

Realität ist immer eine wahrgenommene. Folglich gibt es auch nicht: die Wahrheit. Sondern immer nur individuelle Interpretationen davon. Macht man sich jenes bewusst, wird auch der Wille, den anderen unbedingt von der eigenen Wahrheit überzeugen zu wollen, wesentlich gedämpfter ausfallen.

Lesen ist zum Sprechen wichtig

Mann Zebrastreifen Straße Pfütze oben und unten

Wahrnehmung ist immer subjektiv. © Gauthier DELECROIX – 郭天 under cc

Klingt zunächst merkwürdig, ist bei genauerer Betrachtung allerdings äußerst wahr. Wer liest, der zwingt sich selbst dazu, stets offen für neue, andersartige Ansichten zu sein. Wer liest, ist es gewöhnt, in andere Welten abzutauchen. Folglich fällt auch die Perspektivübernahme im Gespräch mit dem Gegenüber nicht so schwer.

Gefestigt in jedes Gespräch gehen

Wer in sich ruht, geht gefestigt in jedes Gespräch. Sollte es zu verbalen “Angriffen” kommen, lassen sich diese wesentlich besser aushalten, wenn man sich bewusst macht, dass diese Verbalattacken mehr über den Angreifer als über einen selbst verraten. Eskalieren Gespräche zu Streits, macht man sich allzu oft Vorwürfe, ob man eventuell selbst übers Ziel hinausgeschossen ist. Dieses Grübeln und nachhaltige Bereuen erspart man sich, wenn man auch in hitzigen Debatten freundlich bleibt. Denn Grenzen setzen und den anderen zu bitten, auf seine Tonlage zu achten, kann man auch mit ruhiger Stimme, ohne ausfallend zu werden.

  • Nicht überheblich sein. Du bist nicht besser als der andere, musst den anderen aber auch nicht auf einen Sockel heben.

Erfolgreich kommuniziert, indem man positiv formuliert

Glas Schild Positivity rote Fingernägel

Nicht Selbstaufwertung sondern Positives sollte das Gesprächsziel sein. © MartaZ* under cc

Die meisten, die man fragen würde, ob sie jemanden verletzen wollen, würden dies vehement verneinen. Doch warum sind wir in Gesprächen nur allzu oft dazu bereit? Wörter können schmerzen. Sätze hinterlassen Wunden. Selbst wenn man sich im Nachhinein zu einer Entschuldigung durchringt.

Eine altbekannte Weisheit dazu:

Ein Vater sagte zu seinem Sohn: “Jedes Mal, wenn du in Gesprächen ausrastest, gehe hin und schlage einen Nagel in den Zaun.”

Mit der Zeit lernte der Sohn, sich zu beherrschen, und berichtete seinem Vater stolz: “Ich brauchte jetzt keine Nägel mehr in den Zaun zu schlagen, da ich gelernt habe, mich zu beherrschen.”

“Gut”, sprach der Vater. “Jetzt wirst du jedes Mal, wenn du in Streits ruhig geblieben bist, einen Nagel aus dem Zaun ziehen.”

Der Sohn tat, wie ihm geheißen. Als alle Nägel aus dem Zaun gezogen waren, sagte er dies dem Vater stolz.

Daraufhin ging der Vater mit dem Sohn zum Zaun und sagte: “Siehst du, obwohl du im Nachhinein dein Verhalten wiedergutgemacht hast, sind noch Spuren davon in dem Zaun. Sieh dich also vor, was du in Gesprächen mit anderen sagst, denn, selbst wenn du dich entschuldigst, bleiben in der Seele des Anderen Narben zurück.”

Konstruktives Sprechen = erfolgreich kommuniziert

Statt sich bei Gesprächen in Nebenpfaden zu verirren, ist es wichtig, ruhig und freundlich dem roten Faden zu folgen. Treffend zu formulieren, ist eine Herausforderung, die man jedoch umso leichter beherrscht, je mehr man sich auf das Wesentliche konzentriert.

  • Sei dankbar für ein gutes Gespräch, behalte stets im Fokus, wie du davon profitieren kannst, ohne dass du deinen Selbstwert davon erschüttern lässt.
  • Auch “Nein” ist ein ganzer Satz. Man muss sich nicht immer erklären und rechtfertigen. Ist dieses Nein in ein ansonsten freundliches Gespräch eingebunden, besteht keinerlei Grund zur Sorge, man würde sein Gegenüber vor den Kopf stoßen.
  • Formuliere klar, ruhig und deutlich deine eigenen Bedürfnisse. Keine Spielchen, kein umeinander Herumtanzen. Damit man sich diesen Bedürfnissen bewusst wird, kann ein innerer Monolog vor dem Führen des eigentlichen Gespräches hilfreich sein.

Für eine bessere soziale Kompetenz eine gute Gesprächsführung zu erlernen, ist gar nicht so schwer. Wichtig ist die Arbeit am eigenen Kern und weniger die Arbeit an der Fassade. Besitzt man einen stabilen Selbstwert und innere Gelassenheit, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man erfolgreich kommuniziert, wie von selbst.