Der Serotoninspiegel von Frischverliebten gleicht dem zwangsgestörter Menschen, so die Forschung. Leidenschaft triggert Hirnareale, die mit Glück und Belohnung in Zusammenhang stehen, Gehirnregionen, die auch bei Drogensucht aktiviert werden. Klar, dass dieser Zustand auf Dauer nicht aufrechterhalten werden kann. Klingt jener ab, folgt der erste Check, zumeist seitens der Frauen, die sich und ihre Freundinnen fragen: Liebt er mich?

Wenn ER sich zurückzieht

Ist die erste Verliebtheitsphase vorbei und hat der Mann die anfangs vorsichtige Frau endlich für sich gewinnen können, wandelt sich plötzlich das Blatt. Nun will SIE fast jede Minute mit IHM verbringen, und ER beklagt, kaum noch Zeit für sich zu haben. Frauen klammern, so das gängige Vorurteil, welches ein Stück weit zu recht besteht.

Freundinnentalk: Der Partner zwischen Idealisierung und Boykott

Zwei Frauen Arm in Arm

Liebt er mich? Mit der besten Freundin kann man alles besprechen. © micadew under cc

Die meisten Frauen neigen zu zwei verschiedenen Bewertungshaltungen in Bezug auf Partner und Beziehung: Idealisierung und Boykottierung. Beides sind Einfallstore für Trennungsgedanken – bei ihr oder bei ihm. Allzu rasch lässt man sich dazu hinreißen, entweder nur das Gute zu sehen oder nur das Schlechte. Dadurch überbetonen und übersehen wir. Liebt er mich etwa nicht, wenn er sich so verhält? Die enttäuschten Erwartungen sind vorprogrammiert. Meist ist man sich gar nicht gewahr, dass es immer bloß Momentaufnahmen sind. Die ersten Konflikte beginnen, sich zu entfachen, und Machtspielchen zerstören die zaghafte Pflanze von Romantik und sexueller Anziehungskraft. Dabei ist die Liebe auch immer ein Tanz und es wäre schade, wenn dieser zu Ende geht.

Wie Männer lieben

Das Rezept ist so alt wie die Zeit – und dabei so wahr. Die meisten Männer (jedenfalls die, um die es sich zu kämpfen lohnt) mögen selbstbewusste Frauen, um die sie wiederum kämpfen können. Schüttet die Frau ihn mit ihrer Liebe, mit ständigem Ausfragen und ihren Vorwürfen zu, etwa weil er keine Zeit hat etc., wird er schneller die Flucht antreten, als ihr lieb ist. Die altbewährte Rezeptur muss her, der Drahtseilakt von Nähe und Distanz:

  • Distanz: unabhängig und frei bleiben; Unnahbarkeit; Flirt und Spannung erhalten; mit Konsequenz und sanfter Strenge Grenzen setzen
  • Nähe: aufrichtiges Interesse; Eigeninitiative für Unternehmungen und Sexualität; humorvolles Miteinander; Wohlfühlen

Schaffen Frauen diese Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz, werden sich die Aufmerksamkeiten seitens der Männer wieder häufen. Und keine Sorge: Er wird nicht abhauen. Hat ein Mann einmal Feuer für eine Frau gefangen und starkes Interesse gezeigt, kann SIE diesen Umwerbungstanz erneut beleben.

Fake it till you make it

“Fake it till you make it”, meint: So tun als ob, bis man es vollständig beherrscht. Aber: Größtmögliche Authentizität ist das Ziel. Dazu gehört: Keine Spielchen zu spielen, sondern in der Realität tatsächlich Eigenständigkeit zu leben. Die Fäden über das eigene Leben und die Treffen mit ihm selbstbestimmt in der Hand zu halten, anstatt in Warteposition zu verharren, bis ER sich meldet. Eine Frau muss in ihrem eigenen Leben bleiben, will sie das Interesse eines Mannes fortdauernd wecken. Gleiches gilt auch für Männer. Auch Frauen werden die Couchpotato auf dem heimischen Sofa nicht mehr lange ansehen wollen, wenn der Mann sich allzu sicher in einer Beziehung fühlt.

Beide Geschlechter brauchen eine gewisse Spannung, damit das Gleichgewicht in einer fortdauernden Liebesbeziehung gelingen kann.

Kommunikation leben – begrenzt

Mann Frau auf Steintreppe

Kommunikation ist gut in der Beziehung, aber bitte nicht alles zerreden. © Maya ALESHKEVICH under cc

Kommunikation ist ein fundamentaler Baustein gesunder Partnerschaften. Das meint allerdings nicht, dass man alles zerreden sollte. Die eigenen Grenzen liebevoll setzen und die des Partners auch zu wahren, ist unabdingbar für eine glückliche Beziehung. Dabei abwägen: Was muss tatsächlich auf den Tisch? Was kann besser übergangen werden?
Wovon man sich grundsätzlich verabschieden sollte, ist, den Partner verändern zu wollen. Spüren Menschen dies, werden sie über kurz oder lang äußerst empfindlich darauf reagieren.

Fragt man Geschiedene, was sie in ihrer nächsten Beziehung anders machen wollen, antworten die meisten: das Kommunikationsverhalten ändern. Es lohnt sich demnach, dieses auf einen respektvollen Umgang hin zu prüfen und zu berücksichtigen, dass so manches Mal Schweigen das Beziehungsgold sein kann. So mancher Unmut ist am nächsten Morgen schon nichts mehr wert. Die Antwort auf die Frage: “Liebt er mich?”, findet sich meistens auch in seinen stillen Taten und weniger in seinen Worten.

Respekt IHR gegenüber: besser über- als unterbewerten

Die Essenz eines respektvollen Umgangs für eine andauernde glückliche Beziehung lässt sich gar nicht oft genug betonen. Geraten Beziehungen ins wirtschaftliche und/oder emotionale Ungleichgewicht, verschwimmen bei so einigen die Grenzen des Respekts. Wenn ER SIE auf Dauer behalten will (und SIE IHN), sind folgende Punkte für eine glückliche Beziehung entscheidend. Und ja, auch seitens der Frauen kann ein weniger respektvoller Umgang mit dem Partner vorherrschen. Dennoch sind es nach Statistiken zumeist die Männer, welche in länger andauernden Beziehungen narzisstische Tendenzen ausleben und so die Beziehung zu ihrer Angebeteten gefährden. Unabhängig davon, wie sehr eine Frau durch Kindererziehung etc. gerade wirtschaftlich abhängig von ihrem Partner ist: “Liebt sie mich?“, sollte auch für IHN stets das höchste Gut bleiben.

(Selbstredend gelten die nachfolgenden Empfehlungen ungeachtet dessen für beide Geschlechter.)

Tageslaune für sich behalten

Der sichere Weg in den Untergang ist, sobald die Partner der Meinung sind, ihre Tagesstimmung in den Beziehungsalltag tragen zu können. Solcherlei Verhalten kann nahezu toxische Ausmaße annehmen, der respektvolle Umgang befindet sich dadurch in einer Abwärtsspirale. Oft sind es dann die Frauen, die in einer dauerhaft psychisch und emotional schadhaften Beziehung den Schlussstrich ziehen.

Eifersucht ist Gift für die Liebe

Frau Latina halblange Haare

Eifersucht ja, aber in Maßen, bitte sehr. © Saucedo Fotografía under cc

Ein bisschen Eifersucht kann durchaus aufregend sein. Zu viel dagegen ist Gift für eine Beziehung, das wissen Frauen und Männer gleichermaßen. Eifersucht geht dann schnell über in Kontrolle und Besitzdenken, etwas, das niemand auf Dauer ertragen kann. Ein solches Verhalten bewirkt das Gegenteil, nämlich den innigen Wunsch, aus der Beziehung auszubrechen.

Komplimente: Immer ins linke Ohr!

Schon Mark Twain wusste: “Von einem richtig guten Kompliment kann ich zwei Monate leben.”

Komplimente sind nicht zu unterschätzen. Studien zeigen, dass im Schnitt fünf bis neun positive Interaktionen benötigt werden, um eine negative Aussage wieder gutzumachen. Das ist kein Freibrief, meine Damen und Herren. Häuft sich Negatives an, bringt es über die Jahre die stärksten Gefühle zum Erliegen.

Fun Fact: Am besten ist, der oder dem Angebeteten die Liebesschwüre ins linke Ohr zu säuseln. Das Forscherteam um den Psychologen Teow-Chong Sim von der Sam Houston Staats-Universität fand heraus, dass Probanden emotionsgeladene Worte deutlich besser erinnerten, wenn sie diese über den linken Gehörgang vernommen hatten. Gefühltes kann man sich dann zu etwa 70 % merken, über das rechte Ohr nur zu 58 %. Reize, die über das linke Ohr eintreffen, werden überwiegend in der rechten Gehirnhälfte verarbeitet, welche eher auf emotionale Reize reagiert.

Frauen und Männer ticken unterschiedlich

Liebt er mich? Oder sie mich? Solche Fragen kommen meistens zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf den Beziehungstisch. Eigenständigkeit, keine Manipulation, dafür Respekt sind die Zutaten für eine glückliche Partnerschaft. Möge der Tanz der Geschlechter beginnen. Alles Gute für die Liebe!