Fleisch auf Grill

Grillen war gestern. Die neuen Grills sind Hochleistungsgeräte. © sara marlowe under cc

Du bist, was Du isst, lautet die populärste Variante der der Psychologie des Essens. Was kann man an der Wahl unserer Nahrungsmittel und wie man mit ihnen und dem Thema umgeht tatsächlich ablesen? Einiges.

Denn eines steht fest: das Thema Essen und Ernährung ist nicht irgendein Thema, sondern für sehr viele von uns ungeheuer aufgeladen. Als ich zu diesem Thema recherchierte erschien gerade auf Zeit Online ein Artikel zum Thema gesunde Ernährung und stellte alle anderen zeitgleichen Artikel in den Schatten, was die Klickzahlen anging. Auf der anderen Seite ist auch hier das Bild nicht einheitlich, denn die Deutschen geben angeblich nicht viel Geld für ihr Essen aus, können kaum noch kochen, haben auch keine Lust dazu, aber schauen Kochshows und skurrile Esssendungen. Was sie dann Essen, soll möglichst schnell gehen und gesund sein, im besten Fall noch billig. Die eierlegende Wollmilchsau, wurde das mal genannt und man hört, wie sich die Werbeindustrie, die verspricht, dass es genau das gibt, bereits die Hände reibt, um diesen Trend zu bedienen.

Pizza Confusio

Unser Thema ist die Psychologie des Essens und so müssen wir uns nicht in Details über das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 Fettsäuren aufhalten, es sei nur soviel gesagt, dass man zum Thema Ernährung alles findet, jeweils mit größter Überzeugung und durchaus oft nachvollziehbaren Argumenten vorgetragen, zwei Jahre später ist der Hype vorbei und es gibt wieder ein neues unschlagbares Wundernahrungsmittel und den nächsten Ernährungstrend und das allerbeste Nahrungsmittel von gestern ist das Gift von heute und man ist bereits wieder mitten im ideologischen Kleinkrieg. Versuchen wir etwas zu sortieren.

Zunächst die Frage, wieviel Prozent unseres Einkommens wir für unsere Ernährung ausgeben. In dieser Grafik sieht man die Verteilung. Demnach werden in den USA 6% fürs Essen ausgegeben, in Nigeria 56%. Daraus aber abzuleiten, dass der Wert der Nahrung davon abhängt, hieße andere Faktoren auszublenden. Wer sehr wenig Geld hat, wird es natürlich zunächst, einfach um zu überleben, für die Ernährung ausgaben, dass der Anteil bei wohlhabenderen bis reichen Ländern sinkt, ist klar. Deutsche geben im Durchschnitt 10% für ihr Essen aus und da das ebenfalls komplexe Thema der Tafeln derzeit die Runde macht, ist zu erahnen, dass sich für viele Menschen im reichen Deutschland die Frage gar nicht stellt, wieviel Geld und Sorgfalt sie auf ihre Ernährung richten, die haben oft einfach Hunger.

Ein Gefühl was im Rest der Republik oft kaum noch gekannt wird, da isst man aus vielen Gründen, selten, weil man Hunger hat. Hunger kennen sonst nur noch jene Frauen, für die ihre schlanke Linie das oberste Gebot ist, die haben sich häufig seit Jahren oder Jahrzehnten kaum noch satt gegessen. Auch für sie ist das Thema Essen wichtig, nur eben von der anderen Seite her betrachtet.

Für gar nicht so wenige ist Essen deutlich mehr als Nahrungsaufnahme, nämlich ein politisches, moralisches oder sozioökonomisches Statement, für wieder andere nicht weniger als eine Art Religionsersatz und in all diesen Kreisen hat die Esserei einen harten ideologischen Einschlag. Kurz, das Land ist auch hier nicht einheitlich, muss es aber auch nicht sein.

Eiweiß, Fette, Kohlenhydrate und der irre Tanz um die Diäten

All unser Nahrung besteht aus Eiweißen/Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten, die kurzen heißen Zucker, die langen sind Vollkornprodukte. Alle Jubeljahre gerät einer dieser drei Grundbausteine in den Verdacht schlecht zu sein, zuerst das Fett, aktuell ist Low-Carb in, was eine Reduktion von Kohlenhydraten heißt. Nun sind, wie auch der oben erwähnte Zeit-Artikel richtigerweise aussagt, all diese Thesen löchrig und alle Daten dazu widersprüchlich … also alles, wie immer.

Aber auch der nächste Trend wird wieder kommen und mitgemacht werden, man wird sich wieder auf neueste Studien und Erkenntnisse stürzen, ohne so die Spreu vom Weizen trennen zu können und die Werbung wird auch den nächsten Trend klug vermarkten, mit Büchern, Experten, Fernsehauftritten und gut platzierter Werbung. Da wir aber bei der Psychologie des Essens sind, ist zu sagen, dass das eigentlich nicht so schlimm ist.

Sehr negativ formuliert würde man sagen, die Leute, also wir, wollen betrogen werden. Neumodischer wird formuliert, dass wir in FilterBubbles, Blasen oder Echokammern leben. Gemeint ist, dass wir bevorzugt das konsumieren, was wir kennen, irgendwie richtig finden und das auch irgendwo bestätigt bekommen. Das gibt uns ein gutes Gefühl und ist tatsächlich auch gut. Denn ein schlechtes Gefühl hieße dauernd mit Zweifeln und Angst durch die Welt zu gehen, bezogen aufs Essen kann man das durchaus bis ins Extrem treiben. Auch hier mit guten Argumenten, nur irgendwann fühlt man sich vor lauter Sorge vor Gift, Gen und chemisch Verändertem eben nicht mehr wohl. Doch die Quelle der Sorge ist auch die der Hoffnung und des Gefühls der Überlegenheit, wenn man nämlich zu denen gehört, die vermeintlich alles richtig gemacht haben und daher vermutlich 20 Jahre länger leben. Die Motive, was man warum isst, sind vielfältig. Darum ist eine Frage:

Was soll das Ziel sein?

van Gogh Kartoffelesser Gemälde

Für manche ist das Essen einfach eine Frage des satt werdens, aus Not. gemeinfrei, Wikimedia under cc

Gemeint ist, das Ziel, was man sich von der richtigen Ernährung verspricht. Oft steht der Wunsch nach Gesundheit und einem langen Leben dahinter, im besten Fall weiß man, dass man sterblich ist. „Wie?“, werde Sie vielleicht denken und dass das doch jeder weiß. Schon, aber es ist wie mit dem Wissen um die Gefahren des Autofahrens. Die Knie schlottern eher, wenn man fliegt, dabei ist das sicherer. Vom Auto wissen wir um die Gefahr, aber das schockt uns nicht groß. Die Geister haben wir in der Regel im Griff.

Die Angst vor dem Tod, vor dem Sterben und vor der Frage, wie wir alt werden, nicht so. Alt wollen wir werden, es aber nicht sein, das heißt wir möchten nach Möglichkeit fit und agil bis ins Alter sein, mindestens wollen wir anderen nicht zur Last fallen. Aber zwischendurch überfällt uns immer wieder die Angst vor plötzlichen Erkrankungen, denn es ist ja wahr, ganz ausschließen kann man sie nie, die Pillen gegen Krebs und Alzheimer sind noch nicht gefunden und da erscheint die kluge Prophylaxe vielen als ein probates Mittel.

Mit dem Blick auf die Psychologie des Essens geht es zu einem nicht unerheblichen Teil darum, die Geister des Todes und des Siechtums zu bannen. Das funktioniert auch ganz gut und wenn es funktioniert, ist das wunderbar. Wer mit Ritualen des gesunden Lebens seine Ängste kompensieren kann, der sollte da tun und je überzeugter man von der Richtigkeit dessen ist, was man tut, umso besser – jedenfalls in der Mehrzahl der Fälle.

Fokussiert man sich zu sehr auf das Essen, kann der durchaus positive Effekt sich ins Gegenteil verkehren. Anstatt die Geister und Ängste zu bannen, wird die Beschäftigung mit gesunder Ernährung manchmal zur überwertigen Idee und der Wunsch nach immer noch mehr Perfektion zum Bumerang, der einem irgendwann um die Ohren fliegt. Man ist in steter Sorge, ob nicht doch minimale Spuren gentechnisch veränderter Lebensmittel oder nicht vollwertiger Produkte, irgendwelcher Insektizide oder sonstigen ‘Gifte’ im Essen sind und kann nicht in den Urlaub fahren, wenn man dort nicht sicher biologisch einwandfreie Nahrung bekommt, weil eine Woche ‚normale‘ Kost schon irreparable Schäden verursachen könnten.

Man ist drauf und dran mit der Orthorexia nervorsa daraus ein eigenes Krankheitsbild zu machen, hat es aber bislang nicht getan. Vielleicht ganz klug, denn gesundes Essen, oder das, was man dafür hält, zu sich nehmen zu wollen ist sicher nicht krank und natürlich beginnt irgendwann auch der Wunsch nach zu viel Gesundheit zu schaden[link], man kann auch durch an sich gesunden Ausdauersport, Wasser trinken und auch jede sonstige Übertreibung sich letztlich ruinieren, die Frage ist, ob nicht herkömmliche Diagnosen dazu ausreichen, dies zu beschreiben.

Essen ist ein Faktor, neben anderen

Wie wichtig das Essen im Großen und Ganzen der Gesundheit ist, kann keiner sagen, aber häufig wird das Essen als sehr wichtig angesehen. Hat man genügend Ernährungsbücher verinnerlicht, wundert man sich irgendwann, wie es Menschen geben kann, die mit einer absoluten Konsequenz alles in den Wind schießen, was mit gesundem Leben zu tun hat und trotzdem erstaunlich alt werden. Ein entscheidender Faktor ist der Einfluss der Gene, doch auch hier muss man mindestens zwei Dinge anmerken.

Erstens, gibt es eine Gruppe von Superalten, für die alle Tipps der gesunden Lebens nicht zu gelten scheinen, was man schon daran sieht, dass sie sich nie sonderlich dafür interessiert haben, es auch nicht intuitiv richtig gemacht haben und dennoch superalt geworden sind, oft bei bester Gesundheit. Zweitens, sind für alle anderen, die nicht dazugehören, die Vorschläge und Erkenntnisse für ein gesundes Leben durchaus wichtig und haben einen deutlichen Effekt. Essen ist ein Faktor, aber ebenfalls ist Bewegung wichtig, Rauchen und Depressionen sind schlecht. Nur sucht man sich Depressionen eben nicht aus. Dem Alkohol will man zwar den Kampf ansagen, weil die Deutschen, angeblich oder tatsächlich, zu viel trinken, aber es gibt auch da immer wieder zwei Effekte zu betrachten. Einerseits scheint es zu stimmen, dass es überhaupt keine ungefährlichen Mengen Alkohol gibt, das heißt, insbesondere die Gefahr an Krebs zu erkranken steigt bei dem Konsum von Alkohol an, besonders in den Bereichen des Körpers, die mit dem Alkohol direkten Kontakt haben. Andererseits gibt es Statistiken, die zeigen, dass Alkohol insgesamt und in geringen Mengen keinen schlechten, sondern einen positiven Effekt auf die Lebenserwartung hat. Vermutlich über die Entspannung. Zu viel Alkohol ist immer schlecht und da Alkohol ein Suchtmittel ist, das obendrein die Kritikfähigkeit herabsetzt, meint man oft, man sei noch im grünen Bereich, auch wenn er bereits von Orange in Rot übergeht

Ähnliche Paradoxien finden wir beim Kaffee. Es gibt überzeugende Argumente dafür, dass Kaffee (vor allem das Koffein) dem Herz nicht gut tut, doch die Auswertung aller verfügbaren Studien über Kaffee und Herzerkrankungen hat ergeben, dass die Menschen, die durchaus erhebliche Mengen Kaffee trinken, mit Koffein, die Herzgesündesten sind.

Also, gute Ernährung, regelmäßige Bewegung, Rauchen aufhören, Depressionen behandeln lassen, gute Beziehungen, Sinn und Ziele im Leben, das sind die Bausteine des Glücks und der Gesundheit. Das Essen ist insofern interessant, weil es ein gewichtiger Faktor ist und etwas daran ändern kann, in vielen Fällen. Und wenn man das Gefühl hat, hier vieles richtig zu machen, wird man obendrein noch von einem guten Gefühl belohnt. Ein Effekt der Psychologie des Essens, den man auf der Habenseite verbuchen kann.

Doch auch psychologische Effekte haben Grenzen, nur wissen wir nicht, wo sie verlaufen und vermutlich fallen sie bei jedem unterschiedlich stark aus. Gut ist es, die Effekte klug zu kombinieren, schlecht ist es, wenn der eine gute Effekt, von einem anderen schlechten wieder aufgehoben wird. Konkret: Wer Ängste und Perfektionismus auf das Thema Essen überträgt, tut sich und seiner Umgebung keinen Gefallen. Wer sich allerdings einen Ruck gibt und nach einer Fast Food Karriere seine Ernährung umstellt und sich bewegt, profitiert vermutlich auch noch, von einem psychischen Schub, den er bekommt.

Ernährungsmythen und ihre Jäger

Weil man alles überteiben kann, gibt es zahlreiche Ernährungsmythen, was nicht heißen soll, dass sie nicht stimmen, Mythos soll hier bedeuten, dass mit Inbrunst dran geglaubt wird. Da die Deutschen dick sind (hier eine Reihe von Statistiken zum Thema), ranken sich viele Mythen ums Abnehmen und immer wieder wird eigentlich alles geglaubt, was aktuell mit mehr oder weniger schlechten Argumenten erfunden wird. Klassische Diäten sind eigentlich immer sinnlos, anstrengend, frustrierend und im schlimmsten Fall noch ungesund, aber es wird sie immer weiter geben, weil man einfach dran glauben will, dass keine Kohlenhydrate nach 18:00 Uhr zu Essen oder oder diese oder jene Enzyme natürliche Fatburner sind. Und so reißt man sich mit aller Willenskraft für 8 – 12 Wochen zusammen, nimmt 5 Kilo ab und nachher dasselbe oder mehr wieder zu, wenn man den Verzicht endlich hinter sich hat. Was etwas bringt, sind Ernährungsumstellungen, aber dabei muss man sich eben klar machen, dass das kein Übung in Disziplin für die nächsten Wochen ist, sondern eine Lebensänderung.

Doch das ist eher der ernährungsmythische Kindergarten, die wahren Schlachten werden woanders geschlagen, im Reich der Ballaststoffe, Mineralstoffe, Vitamine und sekundären Pflanzenstoffe. Es gibt eigene Seiten im Internet, teilweise sehr professionell aufgezogen und mit reichen Informationen, auf denen man alles Mögliche zu bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln, Extrakten und Mischungen aus dem Reich der Natur gibt, die teilweise, so hat man den Eindruck, gegen alle möglichen Krankheiten nicht nur mindestens so gut, sondern auch noch nebenwirkungsfreier als dieses oder jener Arzneimittel helfen sollen, zumindest aber die Heilung unterstützen.

Nahrungsergänzungsmittel werden vor allem aus zwei Gründen genommen. Einmal von den Menschen, die irgendwie am Thema Gesundheit interessiert sind und oft recht pragmatisch damit umgehen und sich etwas Gutes tun wollen. Am häufigsten sind das junge Erwachsene, die ihre Produkte, meist Vitamine und Mineralstoffe aus Supermärkten, Drogerien und Apotheken beziehen.[1] Weitaus komplexer sind diejenigen unterwegs, die sich tief in das Thema eingearbeitet haben und oft der Pharmaindustrie skeptisch gegenüber stehen. Hier sind Nahrungsergänzungsmittel oft Tabletten für Menschen, die keine Tabletten nehmen wollen und nicht selten sind diese Menschen sehr gut informiert.

Ein isolierter Faktor ist es nicht allein, das ist ihnen bekannt und so ist man auf vielen Ebenen zum Thema Gesundheit unterwegs, kombiniert alternative oder komplementäre Heilmethoden, mit gesundem Essen, Bewegung, Entspannung oder bemüht sich wenigstens darum. Vermutlich oft mit Gewinn, weil hier möglicherweise eine größere Angst vor Krankheiten vorliegt, die man dadurch bewältigen kann. Oder man hat einfach Spaß an dieser Art des Lebens, zu der dann oft noch ein weltanschaulicher Überbau gehört und kann sich das entweder leisten oder setzt hier seine Prioritäten und verzichtet dafür auf anderes. Die Flugreise in den Urlaub fällt dann aus, dafür investiert man in Solarzellen auch dem Dach und ein Elektroauto. Doch nicht jeder Mensch mit einer grünen Seele ist wohlhabend und so ist auch die Variante Fahrrad und Balkonzucht denkbar.

Oft führt die kritische Haltung der Gesundlebeszene dem Mainstream gegenüber zu Gegenreaktionen. Und so gibt es eine Reihe von Jägern der sogenannten Ernährungsmythen, die sich nun berufen fühlen Ordnung in den Laden zu bringen. Oft mit betont wissenschaftlichem Hintergrund, versuchen sie nun wieder gerade zu rücken, was ihrer Meinung nach schief war. Und so wird der Reihe nach entzaubert, was vorher verzaubert schien. Man kann, ein wenig, aber nicht völlig vereinfachend, ihre Botschaft etwa so zusammenfassen:

Der ganze alternativmedizinische Krempel ist ein ungeheuer aufgebauschter, großenteils wirkungsloser und manchmal gefährlicher Unsinn, der oft jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Die raffiniert zusammengestellten Bio-Nahrungsergänzungsmittel halten alle nicht, was die versprechen, auch der Nutzen der Vollwertkost ist oft eine ideologische Übertreibung und obendrein sind Lektine im Vollkorngetreide und E. Coli Bakterien in der Rohmilch sogar gefährlich.

Die Mythen der Experten

indische Gewürze

Gewürze, hier indische, haben machmal wunderbare Kräfte … und schmecken verdammt gut. © sara marlowe under cc

Es ist nicht so, dass die Vertreter des Lagers der Vollwertköstler darauf keine Antwort hätten und jeder mag selbst entscheiden wir tief er oder sie sich hier einarbeiten will. Wie auch immer man die Mythenjäger einschätzt, sie lassen in aller Regel die psychologische Komponente außer acht oder schätzen sie gering.

Wer aber nun einmal von einer gewissen Skepsis gegenüber der “Schulmedzin” durchdrungen ist, der sucht seine Möglichkeiten an anderer Stelle, oft in einer Kombination von gesundem Leben, alternativer Medizin und jenen Nahrungsergänzungsmitteln, die man für gut befindet. Da werden die Spötter grinsen, aber so ganz dumm scheint die Strategie nicht zu sein. Nicht wenige Krankenkassen, bieten auch solche alternativen Heilmethoden an, von deren Wirkung sie selbst nicht überzeugt sind. Das klingt widersinnig, ist es aber nicht, wenn man den gesamten Kontext betrachtet, der so aussieht, dass man vielleicht dem Verfahren nicht vertaut, aber weiß, dass diese Kunden, weil sie insgesamt auf ihre Gesundheit achten, auch weniger krank werden. Und um die will man werben, ein kühles Rechenspiel, aber immerhin eines, an dem man ablesen kann, dass die Investition in ein gesundes Leben offenbar etwas bringt.

Die Mythenjäger übersehen die psychischen Aspekte, nutzen sie aber oft unbewusst. Wer bei dem Thema Gesundheit verunsichert ist, sucht anderswo nach Orientierung und findet diese nicht selten in der Welt der gesunden Ernährung. Wie gut das dem Körper tut, darf gerne weiterhin Streitpunkt unter den Lagern sein, aber wie erwähnt, sich gesund zu ernähren ist sicher nicht ohne Einfluss und der biochemische und der psychogene Effekt können sich entweder aufheben oder ergänzen.

Wer als Experte mit großer Selbstsicherheit auftritt, kann sicher hier und da in einem Menschen, für die Ordnung sorgen, die sich dieser gerade wünscht und das ist sicher gut. Oft jedoch trifft man bei der Herangehensweise der Fixierung auf bestimmte Details selbst auf Mythen, denn Essen ist immer ein Gesamtpaket, ein biopsychosoziales Ganzes. Der Streit beim Essen ‘vergiftet’ noch den besten Rohkostteller, Ernährung als Pflichtprogramm kann kaum optimal sein und was man hektisch herunterschlingt ist nicht das, was unter gutes Essen fällt. Eine Betrachtung isolierter Aspekte und einzelner Nahrungsbestandteile greift immer zu kurz. Das gilt für beide Seiten des ideologischen Grabens.

Was die Psyche mit dem Essen macht

Die Esserei hat über den Aspekt von reiner Ernährung und Gesundheit hinaus noch eine Fülle weiterer psychosozialer Aspekte. Was, wo und wie man isst und einkauft ist oft auch ein Statement. Mit dem Wagen direkt beim Fast Food Anbieter vorzufahren und im Auto zu Essen, ist ebenso eine kulturelle Aussage, wie, gut gekleidet, im Sterne Restaurant abzusteigen. Wer als alleinerziehende Mutter mehrere Kinder erziehen und satt bekommen muss, setzt oft notgedrungen andere Prioritäten, als jemand, der alles aus dem Feinkostladen an der Ecke bezieht.

Nicht selten jedoch sind die Statements bewusster und politischer: Etwa, wenn man Vegetarier oder Veganer ist. Besonders bei Letzteren ist oft weniger die eigene Gesundheit der Kernpunkt, sondern das Wohl der Tiere und der Erde allgemein. Eine schrecklichschöne Melange aus allerlei Gründen und Motiven, bei denen Gesundheit, eine Absage an die Globalisierung, der Wunsch kleine faire Projekte weltweit zu unterstützen, der Wunsch das Leid der Massentierhaltung und der Tiere allgemein zu verringern, Gesundheit und ein gutes Gewissen haben zu wollen sich die Hände reichen.

Schön sind diese Ansätze, weil sie meines Erachtens tatsächlich etwas bringen und man auch die Demonstration, dass es anders geht, oft nicht hoch genug einschätzen kann. Erschreckend ist manchmal der Grad an Unreflektiertheit und gefühlter moralischer Überlegenheit, der einem begegnen kann. Aber nichts ist perfekt und Übertreibungen dürfen auch als Veganer sein, andere übertreiben auch.

Natürlich ist es toll, wenn das Essen ein Ereignis in netter Runde ist, lecker und gesund, unter lauter gut gelaunten Menschen, aber leider ist dieser Idealfall weit von der Realität entfernt und wenn man sich gerade nicht mehr anders zu belohnen weiß, als wenigstens mit seinen Süßigkeiten, dann sollte deshalb nicht noch verspottet werden. Und manchmal fehlt es an Zeit, Geld und Kraft, für Alternativen, die man druchaus gerne leben würde. Allerdings besteht immer die Möglichkeit klein anzufangen, das bringt eine Menge.

Egal, ob man Genießer oder “Hauptsache satt”-Esser, Fast- oder Slow-Food Anhänger, Veganer oder Flexitarier, Paläo-Diät oder Frutarier, Vollwert- oder Rohköstler, oft genug ist die Nahrung ein bewusstes Statement und das beginnt schon beim Einkauf und der Zubereitung.

Unbewusste Statements

Du bist, was Du isst, hieß es am Anfang und in der Tat kann das Essen auch etwas über unseren Charakter verraten. Denken Sie mal kurz an einen Uhrmacher oder Goldschmied. Wenn der Mittags zu Tisch geht, kann man sich vorstellen, dass der gierig riesige Portionen in sich hineinschaufelt, nach dem Motto “Kauen wird überschätzt”? Eher denkt an da an etwas gröbere Gesellen, den sportlichen oder zupackenden Typ, viel, scharf und fleischlastig.

Das Verhältnis von Frauen und Schokolade soll ja ein besonderes sein, aber auch bei Männern gibt es eine Variante die bevorzugte Süßes und Breiiges isst, so dass man unwillkürlich an große Kinder denken muss.

Sicher mehr unter Frauen verbreitet ist die Kalorienzählerei, hier gilt: nach der Diät, ist vor der Diät. Bei Männern sieht man so eine strenge Prozedur am ehesten in der Bodybuildingszene, wenn es mal um Masse, mal um Definition geht, zwischendurch lässt man sich gehen, wie manche Frauen zwischen zwei Diäten. In jedem Fall ein diszipliniertes Programm, manchmal mit einer leichten Tendenz zur Selbstbestrafung, weil man sich über Monate verbeißt, was man dann in wenigen Wochen gierig in sich hineinschlingt, um dann wieder zum Asketen zu werden und die Sünden zu bezahlen.

Wenngleich dass Kochen im Alltag zum überwiegenden Teil Frauensache war, so war die Spitzengastronomie doch immer schon zum großen Teil eine Männerdomäne, über allem schwebt der Name Bocuse. Und noch ein merkwürdiger Trend. Die Deutschen kochen immer seltener und es soll immer schneller gehen, gleichzeitig werden Kochshows dieser und jeder Art immer beliebter. Am skurrilsten vielleicht jene Sendungen in denen man sich wechselseitig bekocht und dafür bewertet, mit Noten. Perfektionismus auch hier, um Privaten. Man will und soll der perfekte Gastgeber sein, dass man einfach nur in geselliger Runde gut zusammen sitzt und lecker isst, reicht nicht. Hier glänzen dann auch Männer gerne mal.

Das kann durchaus noch gesteigert werden und ein weiteres Phänomen ist der neue Trend oder Hype ums Grillen. So ist aus der Gewohnheit im Sommer Fleisch, Wurst und seltener Gemüse aus einen 08/15 Grill zu schubsen eine Mischung aus Spiel und kleiner Wissenschaft geworden, die das Kind im Mann begeistert. Aus dem Grill ist ein High-Tech Gerät mit Smoker, Hitze aus jeder Himmelsrichtung, umfangreichem Zubehör und Prestigeobjekt geworden. Mann zeigt, was er hat, das ganze Sortiment an Aromahölzern inklusive. Immerhin auch ein Revival der Qualität und der Lust an der Essenszubereitung, denn der Stellenwert des Essens sinkt, was den Aufwand angeht und es kochen immer weniger Menschen in Deutschland.

Wenigstens in Teilen Italiens ist es noch üblich, dass man Mittags für nicht viel Geld gut Essen geht und daraus eine ausgiebige Pause macht. Keine ausgeklügelte Strategie von Slow-Food und Work-Life-Balance zur weiteren Optimierung des Lebens, sondern einfach als Tradition der Pause, in der man sein Leben im besten Fall genießt. Dass man seinen Genuss heute auch gleich dokumentiert und online stellt ist wohl derzeit unvermeidlich. Foodporn heißt der eigenartige Trend, nun auch diesen Lebensbereich der digitalen Gemeinde zu präsentieren.

Die Biobranche hat die Zeichen der Zeit längst erkannt und ist von ihrem Gesundheitsimage etwas abgerückt, hin zu einer Kombination von Gesundheit, Genuss und einem guten Gewissen. Ein bisschen daran ist wahr, doch man muss auch hier aufpassen, dass man es sich nicht am Ende zu leicht macht und die Grundidee ins Gegenteil verkehrt und zur Augenwischerei wird. Das ist allerdings nicht Gegenstand dieses Artikels.

Was das Essen mit der Psyche macht

Chillis

Some like it hot. © 夏爱克 under cc

Auf welchen Geschmack könnten Sie am wenigsten verzichten? Süß, herzhaft, sauer, sahnig oder scharf? Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es bei mir vermutlich am ehesten scharf, durchaus mit einem leichten Hang ins Perverse, aber das Essen muss keine Mutprobe sein. Der Kreislaufzusammenbruch über der schärfsten Currywurst gibt mir dann doch keinen Kick. Scharf soll ja eigentlich kein Geschmack sein, sondern einfach so eine Art Schmerz. So liest man es, was aber auch nicht so ganz stimmen kann, da man nicht nur verschiedene Schärfegrade sondern auch -arten unterscheiden kann. Die Schärfe des Chilli ist ganz anders, als die von Meerrettich, Wasabi oder Senf. Chilli brennt im Mund und lässt den Schweiß ausbrechen, die Öle von Senf und Rettich haben bei aller Schärfe noch immer etwas Kühlendes, ziehen einem das Kleinhirn zusammen und machen, dass die Augen tränen. Für einen kurzen Moment liebt und hasst man die Welt gleichzeitig. Das ist vielleicht auch der Kick daran, diese selbst zugefügte Ohnmacht.

Auf einige Menschen soll scharfes Essen antidepressiv wirken. Von Borderlinern hört man, dass sie sich mit einem Schärfereiz wieder “erden” können. Für viele von uns hat das Essen auch eine biochemische Funktion und so wird bei bestimmten Ernährungsempfehlungen einfach gesagt, man solle Essen, worauf man Appetit hat, es würde dann schon stimmen, gesteigert wird das von der Instinctotherapie. Muss man, im doppelten Sinne des Wortes, mögen.

Aber nicht nur die Bestandteile des Essens sind ja mitunter psychoaktiv, sondern auch die Einstellung dahinter. Sich mit der Chipstüte und der Bierflasche vor den Fernseher auf die Couch zurückzuziehen und dort richtig abschalten zu können, bekommt ernährungsphysiologisch vielleicht nicht die volle Punktzahl, ebenso wie wenn man das mit Schokolade und Kaffee macht, allerdings kann die dahinterliegende Konditionierung, oder, weil es schöner klingt: das Ritual in der Summe besser sein, als das, was am Zucker in der Schokolade oder Fett in den Chips nicht so toll ist. Wenn man zur selbstgewählten Belohnung greift, weiß der Körper schon, dass es gleich schön wird und spielt mit. Eine Insel des Wohlgefühls, im Alltag. Blöd wird es nur, wenn man das 20 mal am Tag braucht, um sich durch den Tag zu hangeln, weil man es ohne Belohnung nicht mehr aushält.

Und jenseits aller Biochemie und drögen Begriffe ist es die eigene Geschichte, die man mit etwas verbindet, wenn es genau dieses Essen in jenem Ambiente sein muss, mit dem wir uns belohnen können. Super, wenn man weiß, wie das geht. Man könnte das durchaus auch Placeboeffekt nennen, hätte der nicht zuweilen so einen schlechten Ruf, zu Unrecht. Denn eigentlich ist es ein Effekt, der auftritt, wenn wir davon überzeugt sind, dass uns etwas gut tut und unser Körper bereits darauf trainiert ist. Da der Placeboeffekt zuweilen in der Lage ist, die biochemischen Wirkungen von Medikamenten zu übertreffen, dürfen wir für die Ernährung ähnliches annehmen.

Ansonsten ist kaum etwas so sicher, wie der Wandel der Anschauungen darüber, was und wie man Essen sollte. Beispiel Serotonin. Manchmal liest man, man solle serotoninhaltige Nahrung zu sich nehmen, weil das die Laune verbessert. Erstens ist der Zusammenhang zwischen einer guten Stimmung und Serotonin weniger klar, als man denkt, einige halten ihn sogar schlicht für falsch. Zum anderen kann Serotonin aus dem Essen gar nicht ins Hirn gelangen, da die Blut-Hirn-Schranke dies verhindert, weshalb geraten wird, Nahrung mit viel Tryptophan, eine Vorstufe des Serotonin zu sich zu nehmen. Allerdings ist neuerdings in der Diskussion, ob Depressionen überhaupt nur eine Erkrankung allein des Hirnstoffwechsels sind und ob nicht anderen Organe, allen voran der Darm, hier ebenfalls eine bedeutende Rolle zukommt. Hier hätte Serotonin auf Umwegen dann doch wieder eine positive Funktion auf die Psyche, falls sich der Zusammenhang zwischen Darm und Stimmung bestätigt.

Früher hieß es, man solle frühstücken wie ein Kaiser, mittags essen, wie ein König und abends, wie ein Bettler. Dann hieß es, das sei individuell ganz verschieden, andere essen eben am Abend. Später dann, war es wichtig überhaupt keine großen Mengen zu sich zu nehmen, sondern die Nahrung über möglichst viele kleine Mahlzeiten, über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Bis neulich. Jetzt ist es richtig, möglichst große Pausen zwischen dem letzten Essen zu lassen. Und so wird es vermutlich immer weiter gehen.

Die Menge des Essens ist allerdings schon entscheidend und eine der wenigen Konstanten in den Untersuchungen. Die bittere Wahrheit lautet: Weniger ist mehr. Wer karg isst, lebt länger, sogar erheblich. Auf die Qualität der Nahrung kommt es dabei vermutlich aber auch an. Heute schaffte man das Kunststück überernährt und gleichzeitig mangelernährt zu sein. Sogar die Vitamin C Mangelerkrankung Skorbut kehrt vereinzelt zurück.

Ob man das lebenslänglich will, wenig zu essen, ist eine Frage, die jeder für sich entscheiden muss. Wer wenig isst, weil er depressiv ist, hat diese Vorteile eher nicht, denn Depression verkürzt das Leben, statistisch, und es ist die Frage, ob die Aussicht auch 20 Jahre mehr für schwer depressive Menschen, die den Tag kaum hinter sich bringen eher eine freudige Nachricht oder eine Strafe ist. Depressionen gehen oft mit Appetitmangel einher. Aber eben auch nicht immer. Bei bestimmten, saisonalen Formen der Depression tritt ein Heißhunger vor allem auf kohlenhydratreiches Essen, wie Nudeln, Brot oder Süßigkeiten auf. Womit wir erneute bei den Pathologien sind.

Essstörungen

Neben der Orthorexia nervosa, von der niemand weiß, wie ernst dieses Konstrukt zu nehmen ist, gibt es eine Reihe von echten und grauenhaften Essstörungen, die sehr ernst zu nehmen sind. Zu vielfältig und zu gravierend um sie kurz abzuhandeln. Gefährlicher als man oft denkt, ist schon die Fettsucht, die wir hier schon besprochen haben. Ein sehr ernstes Problem sind vor die Bulimie und die Magersucht, die tödlich enden können, mit Essen im eigentlichen Sinne aber nichts zu tun hat, da es hier oft um die Vermeidung des Essens geht und die Lust an der Kontrolle immer größer wird. Wird in unserem Psychologie Magazin sicher irgendwann noch ein eigenes Thema werden, als LeserInnen können Sie das per Feedback steuern, da wir Anregungen gerne aufnehmen.

Eine Strategie bei vielen Süchten ist, dass man dasjenige, was die Sucht auslöst, meidet, einsichtigerweise geht das beim Essen nicht. Das ist schade, da es oft so ist, dass man den Betroffenen zwar helfen kann, Essen aber oft nie mehr eine unbeschwerte Rolle im Leben spielt.

Was folgt nun daraus?

Nun ist der Sinn dieses Beitrag von der Psychologie des Essens auf eine kurze Formel gebracht der, vorsichtig zu sein, gegenüber all zu schnellen und lauten Heilsversprechen, auch, wenn sie vermeintlich wissenschaftlich begründet sind. Auch wenn vieles kontrovers ist, so bedeutet das nicht, dass man nichts weiß und eigentlich alles egal ist. Nein, Ernährung ist ein wichtiger Baustein für ein gesundes Leben und vermutlich auch ein Schlüssel zu einem langen Leben, wenn man es denn will.

Essen und Trinken sind auch Schlüssel zum Glück. Gerade nicht durch die angestrengte Suche nach dem perfekten Essen, sondern durch eine kluge Kombination von Gesundem und Genuss. Das bedeutet für mich, nicht angestrengt über jeder Kalorie oder jedem Vitamin zu brüten, sondern sich einmal grundsätzlich und ehrlich Gedanken darüber zu machen, wie groß man den Effekt der Ernährung auf die eigene Gesundheit einschätzt, wie wichtig einem das Thema insgesamt ist und wie viele Abstriche man beim Genuss zu machen bereit ist. Wobei Abstriche zu machen, eine Vorstellung ist, die oft ohnehin falsch ist. Verzicht heißt die Sorge, die über allem schwebt.

Der Selbsttest ist einfach. Man muss sich nur überlegen, was man eigentlich isst und was nicht. Viele, die sich nichts wegnehmen lassen wollen, essen eigentlich sehr eingeschränkt und da bedeutet eine Ernährungsumstellung oft eine immense Erweiterung des Speiseplans. Ob es dann schmeckt ist eine Frage, wie gut man kochen kann, man kann alles versauen und aus allem eine Kunst machen.

Ich habe in all den Jahren viel über Ernährung gelesen und wenn ich einen Namen nennen sollte, dessen Lehre sich im Rückblick immer und immer wieder bewährt hat, so wäre das Max Otto Bruker. Er hat eine klare Linie und ist, wenn man ihn liest, weniger dogmatisch, als es scheint. Abwechslungsreich soll die Nahrung sein, schmecken darf und soll es, wobei man ein paar Grundregeln beachten soll: Hier die Basics seiner Lehre. Wie nahe oder weit man von diesen Vorschlägen entfernt bleibt, muss selbstverständlich jeder selbst entscheiden, aber wer sich für das Thema interessiert, kann von Brukers Anregungen profitieren, sollte ihn aber gerne auch kritisch lesen und mit den jeweils neuesten Erkenntnissen abgleichen. Für die Ernährung von Kleinkindern ist Brukers Lehre umstritten, besonders hier also bitte auch die Gegenmeinungen einholen. Da ich aber, wie mehrfach erwähnt, überhaupt keine Ernährungslehre kenne, die nicht nach einigen Jahren in Teilen oder vollständig revidiert wurde, sehe ich in der Gesamtschau die Kontroversen um Brukers vitalstoffreiche Vollwertkost als eher gering an.

Essen und Trinken kann ein ungeheuer lustvolles Erleben sein, man kann beim Essen aber auch beim Kochen kreativ und neugierig sein und wenn man seinen Speiseplan erweitert und überzeugt ist, dass das, was man isst auch noch gesund ist, bekommt man mindestens mal einen gesundheitlichen Schub durch den Placeboeffekt geschenkt. Kann man das was man isst, obendrein auch noch genießen, hat man eine zusätzliche Belohnung und da man in der Regel mehrfach täglich isst, kann man sich diesen Luxus öfter gönnen.

Natürlich spielen Umfeld und Lebenssituation immer auch eine Rolle, aber wenn man nach Bereichen im Leben sucht, die man beeinflussen kann, hier wäre dann mal einer. Das letzte Wort beim Thema Psychologie des Essens, soll dann auch ein Biograph des Malers Carl Spitzweg haben:

“Bei allem Wissensdurst, allem Ringen um künstlerische Perfektion und mancher Mühsal des Reisens blieb Spitzweg unterwegs ein Genießer. In Briefen und Tagebuchnotizen finden immer wieder gute Wirtshäuser Erwähnung, ein trefflicher, gebratener Fisch hier, eine stattliche Haxe dort. Und die Pausen, die sich oft durch verspätete Anschlüsse ergaben, wusste er durchaus zu schätzen, schließlich gaben sie Gelegenheit zu einer Maß mit dem Postillion oder einem Glas Frankenwein in Gesellschaft der Malergefährten… Denn auch dies war elementarer Teil seiner Lebens-Kunst: glückliche Winkel zu finden, wo immer sie sich boten.”[2]

Quellen